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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-02-07 · 6 (7.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
6 (7.2.1936)
Date
1936-02-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 7. Februar 1936 jede Mutter in der Gola, die an Chamischa assar b'schwat ein Bäumchen — Zweig vom heiligen Baume! — in ein Kind pflanzt, tut das gleiche, was drüben die Kinder tun. Und wenn nicht jubelnde junge Menschen, Lieder, strahlende Sonne, hahnen und stolzer Zukunltsmut die feierlichen Augenblicke gestalten helfen, wenn in aller Stille über ein paar frcnidcn, liciuiainahen Fruchten andachtsvolle Lippen den Segen sprechen — so ist es doch das Gleiche. Es ist die Einheit des jüdischen Menschen mit seiner Lehre, seinem Volk, und die Worte des Dankes in der Beracha stärken uns in dem Glauben, mit dem der junge Baum, der ChaltlZ, das Gebet ausgepflanzt werden in tromm bereiteter. Boden, in dem Glauben, der uns nie verließ und uns nie verlassen wird: „Seine Zweige werden grünen". Martha Wertheimer. Jüdischa Zeitschau. Auch Lübeck schließt steh dem PreuBenverband an. Nachdem soeben erst zwischen der Israelitischen Landesgemeindc Mecklenburg umi dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ein Anschluß vertrag abgeschlossen worden ist, hat nunmehr von den Hansestädten auch die Israelitische Gemeinde Lübeck den Anschluß an den PreuBenverband beschlossen. Damit haben sich bisher also Thüringen, Oldenburg, das Saargebiet, Braunschweig, Lippe, Mecklenburg und Lübeck dem Preußischen Landesverband angeschlossen. Unsere Gemeinde. Einsendung der Manuskripte. Sämtliche Manuskripte, auch der Verein? und Einrichtungen innerhalb unserer fiemomHe, die zur-Veröffentlichung :m Gcmcir.dchlatt bestimmt sind, sind wieder ausschließlich an die Schriftleitung des Gemeindeblattes, Wa 11 e r-B I ü m e l-S t r a ß e 10 III, zu richten. Redaktionsschluß bleibt unverändert Dienstag vormittag 10 Uhr. Annahme von Wintcrhilfswerks-Gutscheinen. Das Syndikat des C.-V. teilt uns mit: Der Kreisbeauftiagte der NSDAP, Amt für Volkswohlfahrt, Kreis Leip/ig, hat dem Landesverband Mitteldeutschland des C.-V. auf Anfrage hin mitgeteilt, daß zur Einlösung des WhiterhUfswerks-Gutscheines laut Anordnung Nr. 17 des Reichsleauftragteu alle einschlägigen Geschäfte unter gleichen Bedingungen teran zu ziehen sind. Gutscheine der NS-Volkswohlfahrt werden in üdischen Geschäften nicht vorgelegt. die Rechte und Pflichten des polnischen Staatsbürgers dem Staat gegenüber machte. Ein Mitglied des polnischen Konsulats, Herr Witkowski, hielt ein Referat über Paderewski und W i e - niawski Auch die weiteren musikalischen Darbietungen der Damen Dziemükö.. ..u und Lepski-Süsson, die von den Herren Schönbach und Einschlag begleitet wurden, sowie ein aus!& Mitgliedern des Vcicins bestehendes Nationalbaliett, das unter Leitung des Vorstandsmitgliedes K. Hausmann polnische Tänze darbot, verliehen dem Abend das Gepräge einer echten Kulturveranstaltung. Dem verlieh auch der polnische Konsul, Herr Czudowski, in einigen Abschiedsworten beredten Ausdruck, in denen er noch besonders sich dafür einsetzte, durch den Anschluß an den Verein die Organisation zu stärken, um durch Bildung einer starken Einheit in diesen schwierigen Zeiten besser bestehen zu können. — Auch über den gesellschaftlichen Verlauf des Abends wird uns berichtet, daß die Stimmung der Teilnehmer eine ausgezeichnete gewesen ist. Zur Gesundheitspflege in Pa!*«tlna. Ober dieses Thema sprach Dr. Süluweetschik am 2b. Januar im Hilfsverein für Israelitische Gewerbetreibende. Der Inhalt seines Vortrages, der von allgemeinem Interesse sein dürfte, war ungefähr folgender: Die hesnnderer. kürr.a tischen und gesundheitlichen Verhältnisse in Palastina fordern vom Einwanderer eine erhöhte Wachsamkeit gegenüber Erkrankungsgefahren. Diese zerfallen in zwei Teile: die Ansteckungskrankheiten und die Krankheiten infolge fehlender oder mangelhafter Anpassungsfähigkeit au die klimatischen Bedingungen. Auch für Palästina gilt der gleiche Grundsatz wie für Europa, daß zur Bekämpfung von Krankheiten zwei Voraussetzungen nötig sind, und zwar die äußere und die innere Abwehr von Krankheitserregern. Die äußere Abwehr besteht in zweckmäßigem Behandeln der Lebensmittel und Getränke, die Krankheitskeime enthalten könnten. So darf das Fleisch nie roh gegessen werden; Gemüse und Obst, sofern sie roh genossen werden, müssen 2U Minuten in eine Lösung von übermangansaurem Kali oder in kochendes Wasser eine halbe Minute getan werden. Händewaschen vor und Zähneputzen nach dem Essen muß zur Regel erhoben werden. Wasser ist nur abgekocht zu trinken. Fruchtsäfte sind aus einwandfreien Geschäften und nie vom Araber zu beziehen. Um der Küche und dem Wohnraum lästige und kr.nikheitsvermittelnde Insekten fernzuhalten, müssen Speisereste aus diesen Räumen gleich nach den Mahlzeiten beseitigt werden. Das Reinhalten der Zimmcrecken (am Boden und an der Decke) durch Abreiben mittels Petroleum oder Lysollösung beseitigt in gefährdeten Gegenden die Malariamücke, wenn auch die Ausrottung des tückischen Insektes nur durch öffentliche Maß- Jetzt zeige W er Du bist und H ilf!!\vr!th-Woche Iii Leipzig, tme Tagung, so vielfältig und doch konzentriert, wie die für Rabbiner und Lehrer unter Leitung von Herrn Dr; Woskin veranstaltete Iwrith-Woche, läßt sich wohl kaum denken. Sie fand in der „Techijja"-Schule statt, und man kann sich Iii da Tat kaum etwas „Lebendigeres" vorstellen, als den Dozenten in seinem jugendlichen Lehreifer. Ob er über die hebräische Grammatik, größtenteils eigene Theorien, ob er die Methodik des hebräischen Unterrichts entwickelte, oder diese durch Vorführung einer älteren und jüngeren Klasse seiner Schule praktisch demonstrierte, wobei man die enormen Kenntnisse der Kinder bewundern mußte, oder ob er endlich die Lektüre von Stoffen aus Bibel, Mklrasch und moderner Literatur feinsinnig Iwrith b'iwiith so verständlich erklärte, daß jeder gut folgert konnte. immer warwi Hörer voll Du wunuci uns?, wie bei der la^ting üei Aj iMiiu>gc.ßlCUl&cnattei1 im Oktober bestand bei den Hörern nur der eine Wunsch, es möchte bald wieder eine derartige Tagung stattfinden. Der Reichsvertretung der deutschen Juden, dem SlehSwchen Gemeinde vvi band und der Gemeinde Leipzig, die sieh durch diese Veranstaltung ein großes Verdienst erworben haben, gebührt reichster Dank. Herrn Dr. Woskin und Herrn Jaffe, den Leitern der Kurse, wurde dieser Dank durch Herrn Rahh D- Kahlberg aus Halle/S. b'iwrith und auch deutsch ausgesprochen. Er war nur ein schwacher Ausdruck der Gefühle, die alle Teilnehmer erfüllten. Kultur- und Gesellsdiaftsabend des Vereins Polnischer Kaufleute und Gewerbetreibender e.V. zu Leipzig. Wenn wir auch, vor allem aus technischen Gründen, im allgemeinen über Veranstaltungen rein gesellschaftlicher Art zu berichten nicht in der Lage sind, so sei doch an dieser Stelle auf den Kultur- und Gesellschaftsabend, den dci Verein Polnischer Kaufleute und Gewerbetreibender c. V. zu Leipzig kürzlieh veranstaltete, hingewiesen, da er doch durch die Idee, die ihm zugrunde lag, und durch seinen Verlauf eine besondere Note getragen hat. Schon die Tatsache, daß der Konsul der Polnischen Republik, Herr Czudowtki, mit allen Beamten des hiesigen Konsulats, daß Vertreter des tschechoslowakischen Konsulats, Anordnungen polnischer Vereine und Vertreter vieler jüdischer Organisationen, unter ihnen auch Herr Gemeindevorsteher Carl Goldschmidt, erschienen waren, gah der Veranstaltung einen jfti/iellercn Charakter. Nach dem Absingen der Nationalhymne und einer Ansprache des 1. Vorsitzenden, Herrn Ader, ergriff der polnische Konsul selbst das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. auch Ausführungen über nahmen erreicht werden kann. Der Erfolg der Krankheitsvorbeugung hängt aber außerdem noch von der Fähigkeit des Menschen ab, den Ansprüchen des neuen Klimas gerecht zu werden, und im Falle einer Ansteckung die nötigen riegencrifte zu produzieren. Diese s. g. innere Abwehr gelingt nur demjenigen, dessen Herz und Blutkreislaufsorgane die Wärmeregulierung des Körpers in Palästina ungestört bewältigen können. Die dort herrschende höhere Temperatur, die Trockenheit und die zeitweilig auftretenden heißen Ostwinde fordern von jedem Individuum einen stärkeren Wärme- resp. Wasserverlust, dessen Ersatz in zweckmäßiger Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme zu geschehen hat. Diese Wärmeregulierung gehört zu den schwersten Aufgaben, die an den Hin wüfidvrci s'Otr!!! werden, aüt riie^Mn (Jcbfete kOuiicu iu«uw. langjährigen Erfahrungen in Europa von Nutzen sein: je kochsalzhaltiger und harnsäurebildender unsere Nahrung ist — vorwiegende Fleischkost gehört dazu — um «r» höher ist unser FÜissigkeitsbcdail. Der Vegetarier und der relative Rohköstler, der bei vegetarischer Kochkunst reichlich Rohes zu sich nimmt, braucht unter den gleichen Bedingungen zur Wärmeregulierung halb so viel Flüssigkeiten, wie der Fleischesser. Bei erhöhtem Flüssigkcitsbcdait ist überdies die Möglichkeit des Alkoholgenusses eher gegeben, der seinerseits das Durstgefühl vermehrt und durch starke Belastung des Herzens die Wärmeregulierung erschwert. Man tut daher gut, vor allem bei Krankheiten mit fieberhaftem Verlauf, bei denen also die Wärmeregulierung gestört ist, durch Einschränkung der Nahrungsaufnahme und durch Darreichung von Fruchtu:id Gemüsesäften die Herzarbeit zu erleichtern und die Ahwehrkraft Infektionen gegenüber zu heben. Aus dieser grundlegenden Erkenntnis kann das Verhalten des einzelnen in beziig auf Nahrungs- und Genußmittelaufnalime leicht abgeleitet werden. Um nur zwei Beispiele anzuführen: da bei Fettleibigen die Herztätigkeit und somit die Wärmeregulierung ersehwert ist, soll unnötige Gewichtszunahme vermieden werden. Als zweites: da das Nikotin zur Schädigung der Blutgefäße und (ebenfalls zur Erschwerung der Wärmeregulierung führt, sollte das Rauchen, das in Palästina recht verbreitet ist, eingeschränkt werden.- Beachtet mau neben dieser wichtigen Frage des Wän\ehaushaltes noch die oben genannten elementaren Gesetze der Reinlichkeit, so dürfte die Krankheitsverhütung auch in Palästina auf keine wesentlichen Schwierigkeiten stoßen.

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