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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-01-31 · 5 (31.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
5 (31.1.1936)
Date
1936-01-31
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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31. Januar 1936 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEME NDE ZU LEIPZIG Seite 3 Sonnabend, den 8. Febr., abds. SO Uhr im;5Sch!oRke!!er" Dresdner Str, (StraBenb. $, 4, 6, 9) Großer Gesellschafts-Abend mit Kabarett und Tanz Zu dieser Veranstaltung werden „R- Aüäweiäc" uiuii benötigt. — Kartenverkauf nur an Mitglieder der jüd. Oemeinde und deren Angehörige Gastspiel: Fritz Tachauer, Meister-Conferencier n. Humorist Gastspiel: Hedi Haas, Stimmungs-Kanone v. Kab. d. Komiker Eintritt RM. 1.50 Vorverkauf: Kaufhaus Brühl — M. W. Kaufmann - G. Willner - Restaurant Zellner — Restaurant Manelis sowie an der Abendkasse Statt Karten! Zu der s.Q.w. am Schabbath. den 8. Febr. (15.Schwath)! in der Ohel-Jacob-Synagoge, Pfaffendorfer Straße 4, stattfindenden Barmizwah-Feier unseres Sohnes loadilm laden wir hierdurch alle Freunde und Bekannte herzlichst ein. Oskar Kalter u. Frau. Anschließend Kiddusch. Pf».ffendorfer Straße 52, II, Zu der am 8. Febr. 1936 in der Synagoge, Gottschedstr. stattfinden Barmizwah unseres Sohnes Sigurd laden wir nur hierdurch unsere Freunde und Bekannte herzlichst ein. Empfang: Auenstraße 17. Alfons Hassniann u. Frau. Blumen? — Nur von Lange Tamfaaer Str. 16 — Telefon »BT B9 — Llelerung Ins Haus drang in Berlin entlasten, andererseits aber den Atiswandcrungswilügen eine leichtere und bequemere Möglichkeit, sich sachgemäß beraten zu lassen, geben. Diese Beratungsstellen sollen als Unter- und Hilfsorgane des Hilfsvereins die Ausvvanderuiigsw illigen beraten, mit ihnen die Möglichkeiten erörtern, etwaige Anträge zur Weiterleitung an die Zentrale vorbereiten, Anfragen an diese weiterleiten, kurzum der Zentralstelle auch die Kleinarbeit abnehmen. Mit der Palästina auswsnderung haben dabei die Beratungsstellen nichts zu iun; das bleibt nach wie vor Alleinaufgabe der Palästinaämter, mit denen natürlich kein Wettbewerb, sondern eine nützliche, verständnisvolle Zusammenarbeit erfolgt. Auch alles, was bisher von den Gemeinden an Verkehr mit dem Hilfsverein erfolgte, soll über diese Beratungsstellen gehen. Nach wie vor werden Gutachten der zuständigen Auswanderungsberatungsstellen beigebracht werden müssen; doch die sachgemäße Vorbereitung ist Sache der Beratungsstellen. Andererseits sind diese nicht dazu da, das Arbeitsfeld der dazu berufenen stellen, wie z. B. der Rechtsanwälte, einzuengen. Die eigentliche Devisenberatung und Durchführung eines Transfer ist nicht Sache der Beratungsstelle. Der Hilfsverein errichtet unter anderem eine Beratungstelle mit dem Sitz in L e i p z i g. Sie ist zuständig für den Freistaat Sachsen, Th&iiUgeii, den größeren Teil der Provinz Sachsen und Änhait. Es bleibt je nach dem Bedürfnis vorbehalten, in diesem Gebiete in den größeren Gemeinden von Zeit zu Zeit Sprechstunden abzuhalten. Die Beratungsstelle beginnt ihre Tätigkeit Anfang Februar. Mitteilungen über Ort und Zeit der Sprechstunden erfolgt noch. Das Kind in der jüdischen Literatur In der Berliner! ehrs+Sf+r rh M Rtottl IM .■•»•-•» ..!. ru Gn> Tfc |14U1 JVIIVl IIMII IIIIII I ' i etwa folgendes aus: Auf dem Gebiete der Kinderpsychologie liegen nur geringe Forschungsergebnisse vor. Man betrachtete das Kind mit den Augen des Erwachsenen, ging mit rein theoretischen Erwägungen ans Werk, anstatt psychologisch vorzugehen. Bei der Erforschung des jüdischen Kindes handelt es sich darum, festzustellen, ob es ebenso fühlt, träumt und arbeitet wie andere Kinder, oder ob es auf andere Weise geschieht; man sucht nach erbbiologischen oder soziologischen Gründen, die ein Anderssein verursachen. Das jüdische — speziell das ostjüdische — Kind lebt in einem Milieu der Tradition, das seine Psyche beeinflußt. Es nimmt in der Familie bereits seine besondere Stelle ein und frühzeitig erwacht in ihm der Jude. Nach amerikanischen Forschungen bildet sich bereits bei fünfjährigen Kindern der Begriff der nationalen Differenzierung. Instinktiv fühlt das jüdische Kind seine Andersartigkeit. Leipzig Paula Falek Jacob Ruchaater Verlobte 26. 1. 36. Statt Karten Leipzig A •>!>■ S?ckt Leo Friedler Verlobte Halle a./S. 1 Die lütt. Buchhandlung n. W.Knufmunn; Brühl 8 ] Material für wirkliche Kinderpsychologie ist in der Literatur wenig zu finden. Man schildert vorwiegend das problematische, nicht das für die Allgemeinheit maßgebende durchschnittliche Kind. Die Vorklassik bietet ebenso wenig wie die europäische Literatur. Die Darstellung des Kindes wirkt farblos, unlebendiz. Auch Shakespeare betrachtet das Kind vom Standpunkt des Erwachsenen aus als etwas Unfertiges; ebenso ist es bei den Romantikern. Die jüdische Literatur läuft der europäischen parallel. Material zur Erforschung des problematischen Kind"s ist reichlich vorhanden, nicht aber zu der des normalen Typcs. In England schildern Walter Scott, Dickens u. a. das leidende, wehrlose Kind, in Deutschland zeigt Wilhelm Raabe im „Hungerpastor" den jüdischen Jungen als leidendes, verfolgtes Kind. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts erkennt die Welt- und die jüdische Literatur die wirkliche Seele des Kindes. Zuerst haben Dostojewski und Tolstoi sie intuitiv erfaßt, in Deutschland Gerhart Hauptmann, Sudermann u. a. Von jüdischen Klassikern war es vor allem Mendele Mocher Sforim, der in seinem Standardwerk „Der Wunschring" die Züge eines naturhaften Kindes zeichnet. In der ersten Fassung ist der ganze Lebensweg geschildert: der Herangereifte eignet sich die europäische Kultur an, um sie seiner jüdischen Umwelt zu vermitteln, in der zweiten Bearbeitung des Buches ist es gsnz dem Kinde gewidmet. Daneben wird in vorbildlicher Weise die Welt des Ghetto geschildert. In der dritten Fassung heißt das Werk „Das Tal der Tränen". Die jüdische Kinderwelt wird, von den eigenen Legenden genährt, reicher als die anderer Kinder. Mit sieben, acht Jahren sind die Kinder bereits fähig, Legenden aus dem Talmud und Erzählungen aus der chp.ssidischen Welt vorzutragen. Schon in der zweiten Bearbeitung des genannten Buches kehrt sich der Dichter von der Nachahmung der europäischen Kultur ab und sieht im Weg des Westjudentums seine Selbstvernichtung. In dieser Kindheitsgeschichte ist die Autobiographie Mendele Mocher Sforims verborgen, wie es auch andere Dichter in ihren Kindheitsgeschichten getan haben. Das Kind in Mendeles Werken ist der normale, nicht der ungewöhnliche Typ. Bei Bialik finden wir. dreißig Jahre später, einen anderen Kindertvt). der durch den Wandel ,■}„, i---U__l :~i i- - ,.i-----Z.* '„.:.. c: — t-----„ i>.u-i ■ ■ ■ ■ v . I . "»I ' 1* *- 1' (133 ncrms;C, iüil üci' ftätUl vci iiumieiie Kind. Ott spielen Tiere in diesen Erzählungen eine Rolle. Stawsky i. B. ist Spezialist für Pferdegeschichten. Zu der jungen Dichtergeneration nach Bialik gehören z. a. Feierberg und Sch. ben Zion. Ihre Kindheit entwickelt sich unter anderen Gesetzen. Es fehlt die äußere I larmonie, die jüdische Welt ist gespalten. Von außen ist etwas in das jüdische Leben eingedrungen und beeinflußt auch ihre Kinderpsychc. Peie/, der schon als Kind kränklich ist, behandelt in seinen Werken besonders das Seelenleben des kranken Kindes. In der Welt- und jüdischen Literatur ist meist die Kindheit von Knaben geschildert; Perez zeigt die Kluft in der Erziehung jüdischer Mädchen zum ersten Male in seinem Roman „Die Verstoßenen" auf. Neben dem normalen Kindertyp behandelt die psychologischjuristisch-kriminale Literatur das verbrecherische Kind. Bei den Juden ist die Anlage zum Verbrechertum aus Familie und Blut heraus gering. Es gibt keine Trinker, keine rohen Typen, keine Mörder. Der Trieb zum Gauner und Taschendieb liegt nicht im Kinde. Er Jernruf 23815 Talast-Gaststütte am dittridiring &ke Barmasse Jernruf 23815 Heute und morgen nachmittags von 4-7 Uhr und abends von 8.30-11 Uhr: Die grolle KUnstler-Redoute Dienstag, d. 4. Fefo., SO« Uhr V. Sonder - Konzert MJtfwodi, den 5. Febr. von 4-7 Utar Der bunte Familien-Nachmittag Wettstreit für Jungens u. Mädchen - Wer singt u trägt am besten vor? Das Publ. als Schiedsr - Wertvolle Preise - Abends: Künstler-Konzert Klassiker- und Opernabend _Voranzeige: Am 29. 2., 1. 3., 2. 3. Max Ehrlich mit seinem Ensemble — Die Berliner Kleinkunstbühne. Donnerstag, «1.6.Feb., 30* sUbr VI. Sonder-Konzert 2. Abend Jüdischer Musik

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