Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 4 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 24. Januar 1936 von irgendeiner wesentlichen Verschiedenheit des Neuvom AKhehräischen Uberhaupt keine Rede. Es gibt Übergänge mancher Art vom biblischen Stil zu dem eines Achad tiaam oder Bialik; diese sind aber nicht denkbar ohne die Bibel. Die Dinge sind hier anders gelagert, wie etwa bei Latein um! den romanischen Sprachen. Ls war dieselbe Judenheit, die durch Zeiten und Länder am gleichen Hebräisch geschaffen und geformt hat. In seinem Essay band „Im Zeichen der Wiedergeburt" nennt Abraham Schlesinger die wiederzugewinnende Sprache zutreffend einfach: Hebräisch: „Sofern wir überhaupt Juden sind, ist das hebräische Schrifttum allein unbestreitbar unser geschichtliches Schrifttum, die objektiv anzuerkennende, allgemeine geistige Grundlage des Judentums. Hebräische Sprache und Literatur bilden heute und immerdar das substantielle Gemeinsame und Einende der Gesamtiudenheit.'.'........ So gering wir also ein bloßes, zur Konversation fürs Geschäft oder für die Reise angelerntes Neuhebräisch schätzen, das ohne Beziehung zur jüdischen Seele, jüdischer Welt- und Lebensanschauung bliebe, so dankbar sind wir irotzd-ir. den bewährterer; Hilfsbüchern zur Erlernung der landläufigen 1000 Worte; in der bestimmten Erwartung, daß sie die wichtigeren aus anderen Sphären nach sieh ziehen werden. Wir nennen hier die drei bekanntesten: Moses Rath,. S. Kaleko, M. Gold mann. Raths Lehrbuch, in Wien zuerst erprobt, behauptet immer noch seinen wohlverdienten Rang; Kalekos „Ibrit l'chol Isch" (in 2 Teilen) ist zuerst als „Fernunterricht" in der Jüdischen Rundschau (seit 1934) erschienen; M. Goldmanns Buch, in fünf Heften „Hebräisch" betitelt, nennt als Drucket t Beriin-Chariottenburg-Tel-Aviv. Da das Ziel dieser (und ähnlicher) Lehrbücher Konversation ist, so wird alles auf das Lehrtalent des Lehrers ankommen. Es sei nur bemerkt, daß Rath noch die Bibel in seine Literaturbeispiele einbezieht, während man aus Kaleko und Goldmann nicht mit Sicherheit entnehmen kann, daß es jemals so etwas wie eine Bibel gegeben hat. Gemeinsam ist ihnen die Vorliebe für hübsche jüdische Schnurren, Schildbürgerstücke der Leute von Chelm u. ä., und sie sind unterhaltender, als die ledernen Übungssätze, die stark an Ploetz und Plate anklingen. M. Goldmaun setzt gelehrte Lateiner voraus; das Piel ist ihm intensiv, Gcmeindeanlage für das Rechnungsjahr 1935. Die Gemeindeanlage für das Rechnungsjahr 1935 (1. April 1935 bis 31. März 1936) Ist am 3. Februar 1936 fällig. Soweit auf diese Qemeindeanlage bereits Vorauszahlungen geleistet sind, werden sie in Anrechnung gebracht Die Gemeindekasse, Walter-Blümel-StraBe 10, I ist werktäglich von 9—13 Uhr geöffnet Die Gemeinde hat das Postscheckkonto Leipzig 50533. Leipzig, den 17. Januar 1936. Der Vorstand der Israel. Religionsgemeinde zu Leipzig. deklarativ, Istimativ, privativ! Was hat sc viel Latein bei Hebratetli zu suchen? Hier ist die Parole „Ibrit be Ibrith" stark vergessen. Über die Schwierigkeiten macht er den Schülern keine Illusionen; ohne eifriges, hingebendes Lernen ist im Hebräischen nichts zu erreichen. Im 2. Teile seiner Erinnerungen „Jugend in Aufruhr" schildert Schemarja Lcvin die seelischen Nöte des Ubergangs eines Einzelnen und eines Volkes von einer Sprache zur anderen. Sein Fall war dem hei uns üblichen gerade entgegengesetzt; er soiite sein geliebtes Hebräisch, „mit dem jede Fiber seines Daseins organisch verbunden wa r", um des Russischen willen zurücksetzen, und hatte doch niemals empfunden, daß es für seine geistigen Bedürfnisse zu eng, zu begrenzt gewesen wäre. Aber er weiß um die Schmerzen, die jeden Sprachenwechsel begleiten, und kennt die unsichtbaren Wunden, die dabei bluten. „Bei jeder Umpflanzung finden zwei Eingriffe statt: das Entwurzeln und das Verpflanzen!" Wer ermägt, daß wir durch Wiedergewinnung des Hebräischen in den Boden unserer ureigenen, großen Kultur 7urückverpflanzt werden, wird keinen Preis zu hoch finden. J, Jllrf« knnm v MUW G) kannst Da es sehen, wenn Deine Brüder hungern und frieren? Illifl es ist Deine Pfiltht. Iii Uncprp ßpmßin^« llr>«7! C vCIi(QlllU«i Nachricht des Palästina-Amtes. Die Formen, unter denen sieli der Abschied der Olim nach Erez Israel an den Montag-Abenden auf dem Leipziger Hauptbahr.hof abspielt, fordern schärfsten Widerspruch heraus. Bei jedem Transport bietet sich das gleiche Bild: Viele, oft Hunderte von Menschen, die nichts weiter als Sensationslust auf den Bahnsteig treibt, umlagern den D-Zug Berlin Mönchen. Das völlig sinnlose Gedränge um die Souderwagen hindert die Anr-Keoden. rfie oft kWao Kfciü -.»II »iüi nennten müssen, an die Abteile heranzukommen und vergrößert ihre verständliche Aufregung. Die gemeinsam abfahrenden Familienmitglieder suchen vergeblieh zueinander zu gelangen, Gepäckstücke werde" verzweifelt gesucht. Die Gänge, die schon tOriehWur^}»* von der. aus Berlin!comm>*im€ii Cliaiuzim besetzt gehalten werden, werden unnötig verstopft, alle Fenstei belagert. Sogar auf den Trittbrettern, die zu den Abteilen führen, stehen die Mensehen und vergrößern die Aufregung. Schon oft haben wir uns veranlaßt gesehen, alleinreisenden Frauen, älteren Leuten und Ehepaaren mit Kindern zu empfehlen, einen anderen Zug nach München zu benutzen. Die Reisekosten werden dadurch erheblich verteuert, da die Verbindung für Gesellsohaftstahrten wegfällt und ein Nachtquartier in München hinzukommt. Ist das nötig? Es ist fast ein Wunder, daß nueh kein Unfall vorgekommen ist. Wir haben bei unserer Berliner Zentrale veranlaßt, daß die Transportführer, die bei dem allgemeinen Gedränge in der kurzen Zeit des Aufenthaltes fast nie zu erreichen sind, angewiesen werden, sich bei den Vertretern unserer Zweigstelle von selbst zu melden und dafür Sorge zu tragen, daß die bereits von Berlin abfahrenden Olim während des Autenthaltes in Leipzig ruhig in ihren Abteilen sitzen bleiben. Darüber hinaus ist es aber notwendig, daß auch die Leipziger iuden Einsicht und Würde wahren und sich streng an folgende Veraltungsregelu halten: 1. Auf den Bahnsteig dürfen nur die allernächsten Angehörigen. Entfeinte Verwandte. Freunde und Bekannte können sich vor der Sperre verabschieden. Es steht nichts im Wege, den Groschen, den man so erspart, einem wohltätigen Zweck zuzuweisen. 2. In die Abteile dürfen nur die Abfahrenden seihst hinein F? genügt vollständig, ihnen die Gepäckstücke in die Wagen zu reichen. Die Reise ist lang genug. Jeder Abfahrende hat daher ausreichend Zeit, sich nach der Abfahrt den ihm angewiesenen Platz in Ruhe zu suchen ünd kann die Zeit bis zur Abfahrt an den Fenstern verbringen, die von den Berliner Olim in Zukunft frei sein werden. Von dem Verständnis und der Disziplin der l eipziger Juden erwarten wir, daß es nur dieses Appells bedarf, der ja im-allgemeinen Interesse liegt, ohne daß es notwendig wird, schärfere Sicherungsmaß" regeln />» ergreifen — ■ Drei Fragen ar« die jüdischen Frauen Leipzigs richtet der Jüdische Frauenbund Ortsgruppe Leipzig: 1. Würden Sie Ihre Kinder in einen in Ihrer Gegend gelegenen Spiel kr eis schicken? 2. Würden Sie Ihre Kinder an einem in Ihrer Gegend gelegenen Schularbeits- Zirkel teilnehmen iassen? 3. Möchten Sie Ihre Kinder gemeinsam mit anderen zur Schule begleiten lassen? — Falls sich genügend Meldungen ergeben, würde der Jüdische Frauenbund oben erwähnte Einrichtungen zur Entlastung der jüdischen Frauen organisieren. Die Einzelheiten über Raum- und Kostenfrage können erst narh erfolgter Meldung in gemeinsamer Besprechung erörtert werden. Meldungen mit genauer Angabe von Zahl und Alter der Kinder sind zu richten an Frau Hedwig Mathias, Kaiserin-Augustastr. 21 bei Gomperz. Keren Kajemeth Lejisrael-Sekretariat, Leipzig, Keilstr. 4. Die am 18.1.36 stattgefundenc Ziehung der Chanukka Aktion: Verlosung von 5 Palästina-Reisen sowie 25 wertvollen Zionistischen Werken ergab nachstehende Gewinne: 1445 (Leipzig), 9133 (Magdeburg), 0009 (Leipzig), 2003 (Bautzen) und 3982 (Leipzig): je 1 Palästina-Reise; 8632 (Leipzig) undö871 (Chemnitz): je Herzl, Tagebücher, 4 Bände; 0087 (Leipzig Berlin), 7300 (Chemnitz) und 4121 (Plauen): je Bein, Theodor Herzl, 1 Band; 0625 (Halberstadt), 4663 (Leipzig), 0105 (Leipzig), 36« (Eisleben) und 0173 (Arnstadt): je Herzl, Zion. Schriften, 1 Band; 6011 (Leipzig), 7236 (Chemnitz), 1135 (Mühlhauscn), 1614 (Leipzig) und 1129 (Mühlhausen): je Böhm, Theodor Herzl, 1 Band; 7023 (Chemnitz), 8073 (Leipzig), 6778 (Chemnitz), 5788 (Leipzig) und 2114 (Mühlhausen): je Israel, Volk und Land; 1342 (Leipzig), 1191 (Leipzig),