Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 4 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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12. Jahrgang - Nr. 4 Auflage 3700 Stack 24. Januar 1936 DER ISRAELITISCHEN / Ll^l^lJl^Mjülll^lJ*^ Neuhebräische Nöte und Hilfen Von Rabbiner Dr. S. Samuel. Je stärker die Kenntnis des Neuhebräischen als wünschenswert, ja notwendig sich erweist, desto lauter werden die Klagen über die Schwierigkeiten dieser Sprache und die Unzulänglichkeit der Hilfsmittel. Gewiß haben sich neben berufenen auch unberufene Heilkünstler gemeldet, und die Erfolge lassen viel zu wünschen übrig. Jene älteren Kenner des biblischen Hebräisch sind nicht am schlechtesten daran, denen nur die sefardische Aussprache an Stelle der aschkenasischen, und außer einem gewissen Bedeutungswandel eine Erweiterung des Sprachschatzes über moderne Lebensgebiete zugemutet wird; zumal wenn sie den Vorzug hatten, auch grammatisch geschult zu sein. Übler ergeht es schon den vielen, denen (lebete und vielleicht Chomesch ziemlich geläufig sind, die sie aber mechanisch mit der Übersetzung zusammengenäht von ihren Lehrern ausgehändigt bekamen, wie einen „Rock mit dem Kutter". Das Auftrennen und Einfügen in neue Zusammenhänge macht große Mühe. Und doch ist die tabula rasa, die unbeschriebene Tafel, am sprödesten, das Neuhebräische aufzunehmen; dem reiferen Neuling auf diesem Gebiete steht es wie ein unheimlicher Riese gegenüber der überlistet, nicht überwältigt werden will. Eine witzige Methode zu sicherem Erfolge bietet ein soeben erschienenes, neuestes Lehrbuch: Dr. E. Hirse Ii telU, Aschersleben: „Neuhebräisch — altbekannt*'. Erschienen im Joachim Guldsiciii-Vcilag, Bei im w'., Ivjj. iiici suil ciiitttui dv.i V Okabelnot gesteuert werden, unter dem Rufe: Fort mit dem Vo k a b e 1 p a u k e n! Verfasser bemüht sich, jede Vokabel irgendwie „anzuknüpfen": aus der Allgemeinbildung, dem Kultus, dem alten und neuen Palästina, aus den bekannten Worten des Jargon, endlich mit mnemotechnischen Mitteln. Indem der Verf. gesteht, dftft fr vit'1' drit«-! :itirli Koiliki'lltM till-l rfrftftffaf hff VXV'idmwt1"! IifniMn»» uruTHTiT er fschemoi der Kintik zuvor. Atta \ roiT ',yüh i leine «oll atta „du" in< OedSrhtni« rufen; das Wörtchen „empör" hat die Vokale c und o des heb;. Imperfekts, eignet sich also zum MüStei für reguläre, hebräische Verba, so drollig auch timpor, jimpor usw. klingen mögen. Warum soll es nur Trick-Filme geben? Hier haben wir methodische Tricks! Daß diese sogar aus dem Rotwelsch, also der Gaunersprache hergeholt sind, zeigt eine üble Neigung, über Schwierigkeiten hinwegzuscherzen, sei es auch um den Preis einer groben Geschmacklosigkeit. Will man wirklich an Bekanntes anknüpfen, um z. B. die sefardische Aussprache nahezubringen, so gibt es andere Mitte!. Wir alle haben im biblischen Unterricht die Namen „modern" ausgesprochen; sie stellen aber zugleich hebr. Formen dar: also Adam, Noa, Abraham, Jakob, David, Saloino, Elia, Baruchj Jericho, Silo, Jerusalem; Sabbat, Jobel, Amen usw. Die Frage, ob die sefardische Aussprache wegen ihrer Ursprünglichkeit den Vorzug vor jeder anderen verdiene, ist wissenschaftlich noch nicht gelöst; daß sie aber den hebrilischen Lautgesetzen angemessener ist, liegt auf der Hand; die pol- -3SLi!ili.i 1 Mi i i i 11 ii i. f. i -Ii i t lä VORANZEIGE! Am 5. Februar 1936 findet anläßlich des 15-jährigen Bestehens des Keren Hajessod abends in unserer Gemeindesynagoge ein GEMEINDEABEND statt, bei dem Herr Dr. Michael Traub, Berlin W 30, Haberlandstraße 5, über das Thema: Konstruktive Selbsthilfe und die Ansiedlung von Juden aus Deutschland sprechen wird. Nähere Mitteilungen folgen in der nächsten Nummer des Gemeindeblattes. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde nische Aussprache buru für boro, sephard. bara, oder litauisch elem für aulom, sephard. olam, wird deutlich als verderbte Aussprache empfunden. Von der Aussprache zur Rede übergehend, tun wir gut, eine kittintcuuiig vuntifceutsciuvKcii. ilebritisch Iii cu kelütf Zeil eine tote Sprache gewesen. Nicht wie das Latein der Kirche ist es zu beurteilen, wo nur die Kleriker sich dieser Sprache bedienten; auch nicht wie das Latein der mittelalterlichen Urkunden und gelehrten Werke: In der Synagoge und daheim betete jedermann hebräisch; und die gebildete Welt, die sich des Hebräischen auch in imrl nnMernti *!.„„.. ^-- ItCij Lsüi^Mit. icitiiit: wriit-l im;:.•'.!!- sehen als hü hichtjühiscncn ivrcise." Lisi der Zuiriti zu den"lüoüer " neu Kulturen wurde seit 151) Jahren mit Einbuße an hebr. Kultur erkauft; je vollkommener die Einbürgerung, desto unvollkommener das Hebräisch. Aber jene fand auf dem Wege von West nach Ost Widerstände und Unterbrechungen genug, um Lebensraum für hebräische Sprache und Kultur übrigzulassen. Es hat große, östliche und orientalische Gruppen gegeben, für die eine Weihe der Sabbate und Feste mit dem ausschließlichen Gebrauch der „heiligen" Sprache verknüpft war. Die Gebiete jüdischer Massensiedlung mit ununterbrochener, hebräischer Sprachpflege machen allein die vor jft?t mehr als fünfzig Jahren einsetzende Renaissance unseier Sprache verständlich. Der eigentliche Boden des Neuhebräischen im heutigen Sinne war erst Erez Israel, seit den Tagen des Bilu und der Arbeit von Ben j e h u d a und seinen Freunden; sein Verbreitungsbezirk ist der neue Jischuw und die Menschen der einander folgenden Alijoth. Irrig wäre es zu glauben, daß von diesen Energiezentren aus uie Aufmerksamkeit nur auf das Neulich äische als unentbehrliche Verkehrs- und Umgangssprache gelenkt worden sei. Für den Kenner ist Morgen, Sonntag, Pfundsammlung! Gebt gern und viel!