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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-01-10 · 2 (10.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
2 (10.1.1936)
Date
1936-01-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN 10. Januar 1936 ausgezahltes Partnerland. Die Kolonien liegen in Gebieten mit gemäßigtem Klima (/wischen dem 31. und 38. Breitengrad). Es bestehen gute Verbindungen mit den Haupteisenbahnlinien. Buenos Aires und die wichtigsten Häfen sind schnell und leicht zu erreichen. Die Kolonien bilden keine geschlossenen Siedlungskomplexe; die Oehöfte liegen oft weit auseinander, auf mehrere Provinzen verteilt, was einen engeren sozialen und kulturellen Zusammenhalt erschwert im Antauge beschäftigten sich die Kolonisten in der Hauptsache mit Viehzucht. Der grölitc Teil des Modens bestand aus Weideland. Das Vieh wurde an die Schlachthäuser geliefert. Später wandten sich die Siedler dem Anbau von Getreide, Flachs sowie Luzerne und anderen Futtermitteln zu und betrieben die Milchwirtschaft. Die Lage der Kolonisten galt als durchweg günstig, doch machte sich die Kri<c, die auf der Agrarwirt-chafi lastet, bald bemerkbar; die Depression ist noch nicht gewichen. Die Kolonisten besitzen eine gründliche landwirtschaftliche Ausbildung. Der Boden ist, da in der Nähe der Ffeenb&hniinicn gelegen, im Preise gestiegen. Ein Moment der Unsicherheit bildet die Abhängigkeit vom Exportmarkt und die häufigen Naturkatastrophen wie Dürre und Heuschreckenplagen. Die Nähe der Städte hat freilich manche Kolonisten, die ihre Schulden abgetragen hatten, verlockt, in die Stadt zu ziehen und den Boden zu verkaufen oder zu verpachten. Andererseits haben sich Söhne alter Kolonisten im Jahre 1927 in der Nähe der Kolonien angesiedelt und etwa l()(Ki() ha Land erworben. Die Zahl der Familien, die sich der Landwirtschaft widmen, ist von 3382 im Jahre 1913 auf 3600 im Jahre 1031 gestiegen, im Jahre 103? aber wohl infolge der Krise auf 3144 zurückgegangen. Es seien noch jüdische barmer in den Außenpampas in Medanos und in Villa Alba, in der Baumwollzonc des mittleren Chacourwaldes, genannt, die sich mit eigenen Mitteln angesiedelt haben. Im Rio Negro-Tal, in Sudargentinien, besteht eine Siedlung von Obst- und Weingärtnern, die im Jahre 1900 aus Rufi- RELIGIONSüEMEINDE ZU LiPZIG ___ gewiesen. Vor fünf Jahren wakn schätzungsweise etwa 60 0/0 im Handel, vorwiegend Getreidepid Viehhandel (Lederwarenerzeugung. Möbel- und Brcn/ci iikei). i i" «> in der Landwirtschaft. Den Rest bildeten Ärzte, Zahnärzte, Jörnaiisten, Apotheker und in zweiter Linie Juristen, Ingenieure und Affekten. Der Anteil der Juden an den freien Berufen wird inzwisdfcn gestiegen sein, wenn die Angaben stimmen, wonach 10o/0 derjitudierenden an den argentinischen Hochschulen Juden sind. Eine Manung möge hiermit ausgesprochen sein an alle, die die Folgen der Überfülluiig der freien Berufe in Europa beobachtet haben. Die aus Deutschland Eingewanderten versuchen, sich durch Umschichtung cn Lebensmöglichkeiten, die ihnen das Land bietet, anzupassen. >,oc!c Choei im Rio Negro-Tal werden junge Menschen für die Qxtnerei ausgebildet. Bemerkenswert ist der Aufschvung des Genossenschaftswesens unter den Juden in Argentinien. Ee landwirtschaftlichen Genossenschaften besorgen den Absatz der Erzeugnisse der Kolonien; sie sind zu einem landwirtschaftlichen lunde zusammengeschlossen. Die auf genossenschaftlicher Basis aufgetaute jüdische Volksbank in Buenos Aires zählte 1931: 8000 Mitglieder; ähnliche Institutionen bestehen auch in den Provinzstädten. Zahlreiche Bildungs- und Wohfahrtsvereine, unter denen die Einwandererschutzvereinigungen besoiders hervorzuheben sind, zeugen von dem ausgeprägten üemeiischaftssinn. Für die religiösen Belange sorgen zwei groMe Organsationen. Die aus West- und Mitteleuropa stammende!! Juden bitten mit einem I eil der russischen Juden die Israelitische Kongrtgation der Argentinischen Republik, die Sefardim sind in der Isnelitisch-Lateinischen Kongregation zusammengeschlossen. Die Gesellschaft für religiöse Erziehung der Juden unterhalt au die hundert Schulen; in den Kolonien sorgt für den religiösen Unterricht die ILA. Im allgemeinen besuchen die Kinder staatliche Schulen, die Zionisten unterhalten hebräische iiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiii luden \A /erden LJelfen KJ edes Weh 1 1 eilen ^^ggggügm^j ■iiüllllllillllllllllliiiiiiiiilillltlllllllliliillllilllll IIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlllllllll land nach diesem damals fast gänzlich unbewohnten Land auswanderten. Die ICA besitzt eine Rodcnrcsei vc von 195Oüu ha guten anbaufähigen Bodens. Für kräftige Menschen aus Mittel- und Osteuropa, die imstande sind, sich auf die besonderen Bedingungen der argentinischen Landwirtschaft einzustellen, ist hier eine Existenzmöglichkeit geboten. Die Schöpfung des Baron Hirsch hat den Juden Argentinien erschlossen. |eder neue SfftHer ist ei:: Pionier, ein Wegbereiter für andere, die ihm nachfolgen, gleichgültig, ob er aufs Land geht oder seinen Erwerb in der Stadt findet. Buenos Aires zählt ca. 200000 Juden. Rosario über 22000 Seelen. Kleinere Niederlassungen weisen Cordoba, Santa Fe, La Plata, Avallaneda, Mendoza, Tucuman, Paräna, Concordia und Bahia Bianca auf. Wir besitzen keine Statistik der Juden in Argentinien und sind für die Kennzeichnung der Berufsgliederung auf Schätzungen an¬ Schulen, die Orthodoxen ihre Talmudthoras. Unter den au? Osteuropa Eingewanderten hat sich d:c jiddische Sprache erhalten, die junge (ieneration spricht Spanisch. Das deutsehsprechende jüdische Element erhält seit 1933 Zuwachs durch neue Zuwanderung aus Deutschland. Bei der Eingliederung dieser Menschen in das Wirtschaftsleben Argentiniens leistet der zu diesem Zweck ins Leben eerufene H|!fevcrclfl der deutschsprechenden Juden gute Dienste. Die jüdische Presse Argentiniens imfaßt 35 Publikationen. Zwei jiddische Tageszeitungen erscheinen in Buenos Aires, ferner eine Anzahl Zeitschriften auf jiddisch und sphisch bzw. zweisprachig, soj das Organ der Zionistischen Organisf/on „Jiddische Welt". In!, Rosario erseheinen zwei jiddische und ine spanische Wochenschrift, r-emet haben Aveilaneda, Bernascom Concepcirr? del Uruguay, j Moiseviüe, Paräna, Salta und Santa b^'hre Publikationen. (ije —i(i Teil auf landwirtschaftliche Intet essen gestellt sind. Aus sächs. Gemeinden Vermeidung eines Wahlkampfcs in der Gemeinde Dresden. In einer kürzlich stattgefundenen Gemeinderatssitzung der Israelitischen ReH(rinn*g»meinde Dresden wurde einstimmig ein Beschlull angenommen,' in dem zur Vermeidung eines Wahlkampfes die Reichsvertretung gebeten wird, die auf Grund ihres Schiedsspruches vom 3. April 1934 bis zum 31. Dezember 1935 geschaffene Regelung In der Verwaltung der Gemeinde um ein Jahr zu verlängern. Innerhalb dieses Jahres soll durch Verhandlungen zwischen sämtlichen im Gemeinderat vertretenen (iruppen eine dauernde Regelung auf Grund einer neuzufassenden Qemeindesatzung herbeigeführt werden. Dieser Ordnung der Wahlangelegenheit haben sämtliche Richtungen, die in dein damaligen Schiedsspruch der Reichsvertretung aufgeführt sind, zugestimmt. Die Reichsvertretung hat daraufhin mitgeteilt, dali sie die durch den Schiedsspruch getroffene Regelung bis zum 31. Dezember 1936 verlängere. Für die Zeit danach hat die Neubesetzung der Gemeindekörperschaften auf Grund der Qemeindesatzung stattzuf nden. Der Haushaltplan der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden für das Jahr 193t) ist einstimmig angenommen worden. Die Einnahmen und Ausgaben balancieren mit 251789,11 RM. Dur-h Gemeindesteuern sollen 187512 RM. aufgebracht werden. Der Gemeinderat hat der Erhebung von zwei orauszahlungen für die Oe. meindesteuern 1936 mit je 40 Prozent •- Gemeindesteuern 1935 am 1 10. Februar und 10. Juli 1936 zugestimi Unsere Gerfeinde. Frauen Chewra Kadischa. Die Chet Kadischa der Frauen gibt bekannt, daß vom Montag, dem 13. Jar 1936, ab im Sozialamt, Humboldtstraße 13 ptr< der Zeit von 3-6 Uhr wieder genäht wird. Um zahlreiches cheinen wird dringend gebeten. . , ,. . ., Fundsache. Bei der Veranstaltung Jüd. Kulturbundes vom 5. Dezember („Die Häuser des Herr&rtorius") in den Schlolikeller-Sälen ist eine 1 )amen-1 ulaarmblhr gefunden worden Abzuholen zu den üblichen Geschäftszeit im Jüd. Kulturbund Ooethestraße 1. Der Leipziger Konzertdirektion Ar Ehrlich ist seitens der Kreishauptmannschaft für das Jahr 193icderum die Kunstbescheinigung erteilt worden. Im Hüfsverein israel. Gewerbetreltr spricht Herr Dr. Soloweetschik, Leipzig Gl, Funkenburgstftber: „Ratschläge zur Gesundheitspflege in Palästina" am 18. ü, 20 Uhr (im Feiix-Gold-

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