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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-01-10 · 2 (10.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
2 (10.1.1936)
Date
1936-01-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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12. Jahrgang - Nr. 2 Auflage 3700 Stück i \?k 10, Januar 1936 DER ISRAELITISCH EN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Die Juden in der Welt Argentinien. Von Dr. Mark Wischnitzer-Berlin. Ein in gleicher Weise den Gegenwartsintcrcsscn wie dem gesteigerten Verlangen nach Kenntnis der jüdischen Geschichte entgegenkommendes Werk hat, wie kaum ein anderer berufen, Dr. Mark Wischnitzer unter dem Titel „Die Juden in der Welt. Gegenwart und Geschichte des Judentums in allen Ländern" geschrieben (Erich Reiss Verlag Berlin 1935). Dem Wunsche derer, die sich in dieser Zeit mit Auswanderungsgedanken beschäftigen und wissen wollen, wie es um die Verhältnisse der Juden in den verschiedenen Ländern der Welt steht, tut das Buch in ausgezeichneter Weise Genüge: Die jahrelange, an führender Stelle von dem Verfasser geleitete Arbeit hat ihn wie keinen anderen zu dieser Aufgabe befähigt. Ein besonderer Vorzug des Buches liegt darin, daß es über das für die Wanderung Zweckmäßige hinaus auch auf die innere Lage der Judensiediungen in den Ländern eingeht, wie sie geschichtlich sich entwickelt hat. Der in der Fachwelt der Geschichtsforscher geschätzie Historiker erweist hier seine umfassende Kenntnis jüdischer Vergangenheit in den einzelnen Ländern. In knappen, aber alles Wichtige und Wissenswerte zeichnenden Strichen ersteht das Bild von der Entwicklung der einzelnen Judensiedlungen. So darf sich das Buch mit Recht als eine Übersicht über „das Judentum in Geschichte und Geyenwart" bezeichnen und wird gerade, weil esi nicht in zeitlichen, sondern in den räumlichen Zusammenhang der einzelnen Länder geordnet ist, eine Lücke im Bücherbestande jüdischer Häuser ausfüllen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags können wir in Nachstehendem eine Probe für die Art des Buches veröffentlichen. Die Srhriftleitung. Niederlassungen von Marannen entstanden in Argentinien in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Cordoba, Rosario und Buenos Aires, sowie in Tucuman, das nach einem Bericht des Inquisitionstribunals von 1686 eine große Anzahl Juden beherbergt haben soll. \\ ir hören von Geschäftsreisen der Juden aus Buenos Aires nach Lima in Peru. Im Laufe der Jahrhunderte verloren jedoch diese dauernd beargwöhnten und verfolgten Menschen den Kontakt mit dem Judentum und gingen in ihrer Umwelt auf. Es dürften viele Kreolenfamilien in Argentinien von Marannen abstammen. Mariano Moreno, der geistige Urheber des Unahhängigkcitsgedankens in Argentinien (1788 bis 181V, war ein Marannensproß. Die Geschichte der modernen jüdischen Niederlassung ist jüngeren Datums. Nach 852 begann eine Einwanderung zunächst von deutschen und englischen, späterhin auch von sefardischen Juden, die vom Balkan, von Voivierasicn und Nordafrika her kamen. Nach 1870 tauchen Juden aus dem Elsaß auf. Inzwischen hatte sich 1868 in Buenos Aires eine Gemeinde gebildet. 1889 kommen fünfzig jüdische Familien aus Siilrußlaud und begründen die Anfinge der osteuropäischen Einwaudtrung, die späterhin größere Dimensionen erhalten sollte. Vorläufig, 1890, zählt das Land im ganzen 1000 Juden. Die russischen Juden, die nun nach Argentinien kommen, sind zum großen Teil Siedler, die sich auf dem von Baron Hirsch angekauften Boden niederlassen, um hier als Farmer ihr Brot zu verdienen. Ein prozentual hoher Teil der Einwanderer setzt sich in Buenos Aires fest. 1895 hat Argentinien etwa 4000 Juden aufzuweisen, aber die Zahlen steigen in beschleunigtem Tempo weiter. 1902 sind es 30000, 1908 fast 40G00. Davuii entfallen etwa 16000 auf Buenos Aires, 13000 auf die Kolonien, die von der eigens ins Leben gerufenen Jewish Colonisation Association (ICA) verwaltet werden, der Rest lebt verstreut in Landstädten und kleineren Ortschaften. Im ganzen sind von 1904 bis 1932 rund 164000 Juden eingewandert (etwas über 3 9fo der gesamten Einwanderung Argentiniens). Wenn wir im Jahre 1933 schon mit einer jüdischen Einwohnerschaft von 250000—300000 rechnen müssen, so haben wir auch den natürlichen Zuwachs mit zu berücksichtigen. Der herkunftmäßigen Zusammensetzung nach gliedert sich die jüdische Bevölkerung Argentiniens wie folgt: rund 920/0 stammen aus Osteuropa, 7 o/o sind Sefardim, 1 o/n kommt aus Mittel- und Westeuropa. Allerdings gehen diese Verhältniszahlen bis 1932/33, dann aber verschieben sie sich vorwiegend zugunsten Deutschlands, das eine bedeutende, wenn auch nicht an die vorangegangene osteuropäische Massenimmigration heranreichende Einwandererzahl stellt. Die jüngste Immigration findet eine viel ungünstigere wirtschaftliche Lage vor, die gekennzeichnet ist durch Sinken der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Schrumpfen des Konsums von Industrieerzeugnissen. Allerdings ließ sich 1934 bereits eine Überwindung des Tiefpunktes beobachten. Die Zuwanderung wird von der Regierung stark gesiebt. Inhaber von durch die Regierung beglaubigten Arbeitsverträgen. Angehörige von im Lande Ansässigen, die den Nachweis über Mittel fuhren können, erhalten die Einreisebewilligung. Die argentinische Presse setzt sich hin und wieder für die Einwanderung ei::, weil das Land, von den negativen Konjunkturverhältnisseu abgesehen, aufnahmefähig ist. Argentinien hat eine Bevölkerung von 11846655 auf einer Fläche von 2980000 Quadratkilometern, d.h. nur 3,9 Menschen pro qkm. Das Land hat eine große Zukunft. Die fünfzehn Kolonien der ICA sind folgendermaßen verteilt: neun befinden sich in der Provinz Entre Rios, zwei — Moiseville und Montefiore - in der Provinz Santa Fe, zwei — Mauricio und Baron Hirsch — in der Provinz Buenos Aires, eine — Narci&se Levin — in den Pampas und eine — Dora — in der Provinz Santiago del Esteros. Sie umfaßten im Jahre 1932 : 27772 Einwohner, darunter 3114 Siedlcrfamilien mit über 18500 Seelen. Die übrigen Familien betreiben keine Landwirtschaft. Im Umkreis der Kolonien entstanden im Laufe der Zeit an die sechzehn Ortschaften mit einer Bevölkerung von rund 17000 Menschen (davon 40 •><> Nicht Juden), die sich von Handwerk, Handel und Transport ernähren. Die Kolonisten erwerben den Boden sowie Haus und Inventar von der ITA auf Abzahlung. Die Parzellen Skid 100 bis 150 ha groß. Im Jahre 1932 gab es ca. 1500 Siedler, die im ganzen etwa 220(XJO ha Land besaßen. Rund 180901 ha sind hettz.tes, aber noch nicht Mor$en9SonntafiJZ.J

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