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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-12-29 · 52 (29.12.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
52 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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4 L 34 a i-LO Auflage 4250 Stück (Bemeinö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEIN DE ZU I JELI 071tlm AMTLICHES NACHRICHTENBLATT LL I 1 /■« I V7 DER GEMEINDEVERWALTUNG» Scbriftleitung: Oemeinderabbiner Ouitiv Cohn Leipzig. Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck aar alt Quellenangabe and mit Oenebmlgnng des Verfassers gestattet. Nummer 52." Jahrgang 9 29. Dezember 1933 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig OS, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 607 71. Druck : Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Carl Goldschmidt zum siebzigsten Geburtstage! Am 1. Januar feiert der Vorsteher der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig Carl Qoldschniidt seinen 70. Geburtstag. Seit fünfundzwanzig Jahren gehört Carl Goldschtnidt der Verwaltung der üemeinde an, seit zehn Jahren steht er an der Spitze ihres Vorstandes. Welche Fülle von Arbeit, von Mühen und Opferwilligkcit hinter dieser schlichten Tatsache sich bergen, ist kaum zu sagen. Leipzig ist eine der Großgemeinden Deutschlands, ihre Verhältnisse sind stets besonders schwierig gewesen, die Gegensätze innerhalb der jüdischen Bevölkerung sind nicht klein, und ihr Verwaltungsapparat gleicht an Grölte und Bedeutung dem einer kleinen Stadt. Es ist also kein leichtes Amt, dem Carl Goldschmidt vorsteht. Und gerade seine Amtsperiode ist bestimmt die schwierigste gewesen, die in Leipzig jemals einem Gemeindeführcr beschieden war. Die Wirkungen von Krieg, Revolution und Inflation machten sich in einem standigen Rückgänge der finanziellen Lage und in einem beharrlichen Wachsen der Lasten, insbesondere der Fürsorge, gellend. Riesengroß wuchsen Aufgaben und Schwierigkeiten in diesem Jahre, als die deutsche Gesetzgebung das Judentum vor ungeahnte Probleme stellte. Es ist wirklich eine schwere Zeit, in der Carl Goldschmidt die Geschicke der Gemeinde lenkt. Ich weiß, daß das Geburtstagskind, dem natürliche, vornehme Bescheidenheit eigen ist, sich nicht gern rühmen hört. Aber gesagt sei es doch, wie sehr die Gemeinde ihm zu Dank verpflichtet ist. In seiner ruhigen und festen Art widmet er sich seiner schwierigen Aufgabe mit unermüdlichem Eifer. Seine große Erfahrung in geschäftlichen und verwaltuugstechnischen Dingen hat es ihm ermöglicht, sich in alle Teile der weit verzweigten Gemeindeverwaltung so einzuarbeiten, daß er über den Dingen steht und sie meistert. Sein ausgeprägtes Gefühl der Verantwortlichkeit verbindet ihn innerlich seinem Werke'. Und die Leipziger Gemeinde weiß darum, dar! sie in schwerer Zeit mit vollem Vertrauen ihr Geschick in rechte Hände gelegt hat. Die Entwicklung, die unsere Leipziger Gemeinde während dieses Zeitraumes genommen hat, ist der beste Beweis dafür, daß Carl Goldschmidt n' erfolglos) geaibeitet hat. Gewiß unterstützt von J tfchtigen und hingebungsvollen Arbeitern, hat er es verstanden, unsere Verwaltung vorbildlich zu gestalten. Es ist hier nicht die Stelle, um auf Einzelheiten einzugehen, aber jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß Leipzig sich mit seiner Verwaltung, seinen Institutionen, seinen Anstalten und vor allem mit der gesunden Grundlage des jüdischen Gemcrndclcbens durchaus sehen lassen kann. Mehr noch aber als dieser Blick auf die äußere Entwicklung wird Carl Goldschmidt an seinem siebenzigsten Geburtstage durch eine Betrachtung der inneren Verhältnisse der Gemeinde sich davon überzeugen können, daß er zum Segen gewirkt hat. Die Eigentümlichkeit der Leipziger Judenheit besteht in den starken Gegensätzen, die sich im Laufe der Zeit zwischen den aus Deutschland und den aus dem Gsten stammenden Juden herausgebildet hatten. Dazu kamen noch die verschiedensten Interessen der Liberalen und der Orthodoxen. Gewiß ist es nicht möglich, bestehende Verschiedenheiten der Erziehung, des Glaubens und der Weltanschau- — auch die Kämpfe zwischen nationaljüdischcu und deutschjüdischen Kreisen kommen dazu — fortzubringen oder dauernd zu überbrücken. Aber man kann den Dingen ihre Schärfe nehmen, wenn alles Persönliche fortfällt und nur sachlicher Gegensatz und damit die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit bleiben. Diese ausgleichende und versöhnende Arbeit hat Carl Goldsehmidt in weitestem Maße geleistet. Selber aus einer durchaus liberalen Familie stammend, der Sohn eines liberalen Mannes, dem die Gemeinde zu größtem Danke verpflichtet ist, weil auch er sich in den Dienst ihrer Aufgaben gestellt hatte, hat er es verstanden, nur der Sache und dem Judentum dienend, die Achtung aller Kreise der Gemeinde zu erringen. Er arbeitet in größter Eintracht mit allen Parteien, zeigt tiefes Verständnis für alle Meinungen, und man kann ihm zum Ruhme nachsagen, daß alle Gemeindemitglicder, welcher Partei und welcher religiösen Richtung sie auch angehören mögen, in gleicher Wertschätzung ihm zugetan sind. Er ist wirklich der Vertrauensmann aller, und das ist gewiß das Schönste, was man einem Gemeindevorsteher bescheinigen kann. Alle feiern an diesem Tage Carl Goldschmidt als den klug abwägenden und rastlos tätigen Lenker der Geschicke der Gemeinde. Alle geben ihrer Dankbarkeit einem Manne gegenüber Ausdruck, der durch die schlichte Art seiner Persönlichkeit, durch die Liebenswürdigkeit seines Wesens und die stets bewiesene Hilfsbereitschaft, die tiefe Einsicht insbesondere in die Nöte der Juden von heute, sich überall Freunde erworben hat. Und letzten Endes ist das an einem Menschen das Höchste. Wir alle lieben an Carl Goldschmidt diese abgeklärte Persönlichkeit, die die Dinge des Lebens auch mit Humor zu werten weiß, die für alles Schöne und Oute echtes Interesse zeigt. Und daß der Mann von sieben/ig Jahren sich die Entschiedenheit des Urteils 'lenierk. f.v.ycrte Spannkraft bewahrt hat. beweist, daß er im Herzen jung und lebensfroh geblieben ist. Ich vermute, daß unser verehrter Gemeindevorsteher in seiner echten, schlichten Bescheidenheit von diesem Artikel zunächst nicht allzusehr entzückt sein wird. Ich kann nur eine Entschuldigung in führen, daß er nämlich objektiv nur die Wahrheit sagt und subjektiv der aufrichtigen Gesinnung aller derer, die Carl Goldschmidt kennen, cubpiicht. Wir wünschen ihm von Herzen ein langes und glückliches Leben in schöneren Zeiten, Rüstigkeit und Gesundheit, Glück und Freude im Kreise seiner Familie. Den alten jüdischen Glückwunsch sprechen wir aus: „Ad meo we'eßrim schono. Bis zu hundertundzwanzig Jahren'" Felix üoldmann

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