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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-12-22 · 51 (22.12.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
51 (22.12.1933)
Date
1933-12-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 sich nicht hinter einer Mauer gegen die Welt absperren und sich die Anregung von außen fernhalten will. Elbogent Darlegungen schließen mit dem Hinw eis auf Hilleis Mahnung an den Heiden: Gehe hin und lerne. Auch Ältere und Wissende können und sollen nie auslernen über das Judentum. „Freilich gibt cs eine untere Grenze für die Anforderungen an dieses Bejahen des Judentums. Sie ist klassisch ausgedrückt in dem Worte des Propheten Jona: ..Iwri ouauehi we'ess hasehem elauhe hasehomajini ani jore, ascher ossoh ess hajom we'ess hajaboschoh. - Ein Hebräer bin ich und den Ewigen, den Qott des Himmels verehre ich, der das Meer geschaffen hat und auch das Trockenland." Wer auf die Frage nach seiner Herkunft ohne Überlegung diese Antwort gibt, wem Stammes- und Glaubcnszugehörigkeit so in Fleisch und Blut übergegangen sind, an dem hat die jüdische Erziehung ihre Wirkung getan! Unsere Gemeinde. Veranstaltungen der nächsten Zeit: H. XII.: Konzertdirektion Artur Ehrlich: <>. Bunter Abend. 6. I.: Jüdischer Ausschul! für Kunstpflege: Offenbach-Abend. Berichtigung. Ermittlungen haben ergeben, dall Herr Hans Silberfeld, Leipzig, Oberliiuterstr. 40, mit den Kohlenlieferungen nichts zu tun gehabt hat. Er hat lediglich die Kohlenscheine für einen unleren entgegengenommen. Die Lieferung selbst ist nicht durch ihn erfolgt. Beratungsstelle des Centralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der C.V. unterhält wie in den Sitzen aller Landesverbände so auch in Leipzig eine juristisch-wirtschaftliche Beratungsstelle, die sämtliche Kollektiv- und Einzelschritte bei Behörden. Organisationen und Firmen, die mit der Judenfrage zusammenhängen, bearbeitet, ebenso wie auch Rechtsberatung in einzelnen Fällen erteilt. Ausdrücklich sei hervorgehoben, dall der CA'. Rechtsschutz und Wirtschaftsschutz nicht nur seinen Mitgliedern, sondern sämtlichen luden Deutschlands zuteil werden lallt. Die Geschäftsstelle befindet sich König-Johann-Str. 171, Fernsprecher 120 fS.. Aus jüdischer Seele. Vortragsabend Edith Herrnstadt- Oeningen. 3. Veranstaltung des Jüdischen Ausschusses für Kunstpflege. Hatten die ersten beiden Veranstaltungen des Ausschusses für kunstpflege im wesentlichen gezeigt, dall jüdische Künstler das hohe (int deutscher Kunst rein und schön zu pflegen imstande sind, so bedeutete der Rezitationsabend von Frau Herrnstadt-Oettingen eine Selbstbesinnung und einen feierlichen Hinweis darauf, daß jüdische Kunst und jüdische Kultur lebt und wirkt heut'' wie vor Tausenden von Jahren .Man mag zur heute so aktuellen Frage des sog. Bluterbes stehen, wie man will: die mit erlesenem Geschmack aufgestellte Vortragsfolge lieb jeden der Viel/uw eiligen, die Frau Hcrrnstadt-Oettingens schöner Spraelikunst lauschten, eindringlichst fühlen, dall es jedenfalls ein (ieisteserbe gibt, das sich fortpflanzt und sich im □runde gleichbleibt über hundert Generationen hinweg. Von den urältesten Büchern der Bibel der Josefsgeschichte über Dawidt Psalmen, Über die ErlöSIUlgS Verheißung Jcsajas und die grandiose Auferstehungsvision Ezechiels, übet die talmudische Legende von der Erschaffung des Messias hinweg bis zu Roscnfclds Chanukka-Licd und zu Joseph Roths heilig-nüchterner Legende vom ,,einfachen Mann" Mendel Singer, dem Hiob des 20. Jahrhunderts, zieht ein Geist, der deist des Vertrauens in Gottes Wunder und in die Erlösung der Mensehen durch Ihn, den zuerst erkannt zu haben und immer wieder und weiter zu erkennen und dem zu dienen, Lust um! Last des Volkes Israel war und ist. Frau Herrnstadt-Oettingen, deren volle klingende Stimme sich sofort nach den ersten Worten der hallenden Akustik des nur schwach besetzten grollen Raumes der (lemeindesynagoge anpaßte, vermochte das sie selbst beseelende innere Feuer auf die, die ihr lauschten, zu ubertragen und sie zu einer Gemeinschaft zusammenzuschließen. Auch die sonst etwas befremdend wirkende Verdeutschung der Bibel uurch Buber und Rosenzweig gliederte sich in der tieschichte vom Wiedererkennen Josefs und seiner Bruder in den klar fließenden Strom edelster deutscher Sprache ein, in der hier reinster jüdischer Geist aus jüdischer Seele vorgetragen und erlebt wurde. Die besondere Stärke der Sprecherin, beseeltes Pathos und dramatische Gestaltung des Vortrags, lieli die Worte des Messias in dir talmudischen Legende in glühender Pracht erstrahlen und machte in Roths „Hiob" den Hader Mendel Singers mit seinem (iotte und die Weihe und das Wunder des Sederabends zum eigensten, ergreifendsten Erlebnis des Hörers. Allerdings kam die ausgesprochen judische Kunst form der schlichten und ruhigen Erzählung, zu der die Bibel das große Vorbild gibt, und die auch beherrschend ist für die moderne Erzahlcrkunst Joseph Roths, durch das starke dramatische Pathos der stets aus den Gedächtnis rezitierenden Sprecherin nicht zur vollen Geltung. Doch hindert dies nicht, in Frau Herrnstadt-Oettingen eim Sprachkünstlerin von hohen Qualitäten anzuerkennen, wie es nicht hinderte, den Vortragsabend ein grobes Erlebnis werden /u lassen. Frau Herrnstadt-Oeltingen gelang es, die aus W underbare grenzende Kontinuität jüdischen < leistes und jüdischer Seele über drei Jahrtausende hinweg, die in der Menschheitsgeschichte einzige Erhaltung einer stets befehdeten und bedrängten Gemeinschaft von der Zeit der Pharaonen bis zum heutigen Tage ihren Hörern zum eigensten Erleben zu machen. Der Judische Ausschuß für Kunstpflege ist zu dem hohen Niveau - Vortragsabends zu beglückwünschen. Es bleibt nur zu wünschen, dall die judische Öffentlichkeit ihm seine großen Leistungen durch zahlreicheren Besuch seiner Veranstaltungen dank; und sich nicht wieder wie es leider am II. d.M. der Fall war durch äußerst weitgehende Ignorierung dieser wirklichen KunStabende ein mehr als trauriges Armutszeugnis ausstellt. Dr. Gr. Sijum der Agudas Jisroel. Am Mauzoe Schabbos Kaudesch, den 2. 12. t) fand in den Räumen der Agudas Jisroel eine würdige gutbesuente Sijumfeier auf Masechef iGdduschra statt. Herr Bernhard Isaak hielt diu Hadron. Er umriß in kurzen Worten die ..Erkenntnis von der Unlösbarkeif vom Judentum", die uns stets beigebracht wird, und wies nach, dall dies in der Thora für die ganze Zeit der Diaspora angekündigt sei. Bei der Seiidas Mizwoh hielt Herr Rabbiner D. Feldmann eine Ansprache. Er zeigte au einem schönen Beispiel, dall kleine Verfehlungen oft grolle Verantwortungen nach sich ziehen können. Es sprachen dann noch Herr J. B.Sachs und Herr A. Isaak. Die gesanglichen Darbietungen des Herrn J. Schwarzmann fanden großen Beifall. Schließlich wurde die Masichtan Baba Kama mit einer kurzen halachlschen Einleitung begonnen. Die Feier hatte einen guten Erfolg. Synagogcn-Chanukka-Feier von Oberkantor Kupfer. Auch in diesem Jahre veranstaltete Oberkantor Kupfer in der Synagoge „Ohel Jacob" eine Chanukka-Feler, die sich von all den vorangehenden nur darin unterschied, daß sie die schönste, erhebendste und künstlerisch wertvollste zugleich war! Kantor Kupfer hatte bei dieser Feier alle Perlen seines Repertoires mit seiner ebenso glanzvollen wie innerlich warnten Stimme vor seinen Zuhörern ausgestreut. Kupfer hatte stimmlich einen ganz großen Tag er meisterte jede Lage seines sehr ansehnlichen Stimmumfanges und gestaltete seine Vorträge zu Kunstwerken, die die andächtig lauschende Gemeinde ganz in ihren Bann zog. Sämtliche Gesänge wurden musikalisch (Harmonium, Violine) illustriert und gewannen dadurch ungemein an Wirkung. Das Publikum war zutiefst ergriffen und derart begeistert, daß es nicht umhin konnte, ungeachtet des Raumes, durch spontanes Beifallsklatschen den Scheidenden zu ehren. Klassenfest der I. Volksschulklasse der höh. isr. Schule. Trotz groller Hindernisse trat die I. Volksschulklasse mit einem gut vorbereiteten Fest an die jüdische öffentlichkeit. Es muß dieser Klasse, wenn man den (iesamteindruck dieses Abends betrachtet, ein großes Lob für ihren Klassengeist ausgesprochen werden, besonders, da alle Aufführungen selbständig dargestellt und inszeniert wurden. Neben den vielen humoristisch gehaltenen Darbietungen sind besonders der Sprechchor „Kinder der Freiheit" und die Szene „Die Kabbalisten" zu erwähnen. Awi. Der 6. Bunte Abend engagcmentsloser jüdischer Künstler Leipzigs findet am Sonntag, den 31. Dezember 1033 (Silvesterabend) im großen Saale des Leipziger Künstlcrhauses, Nikiscliplatz 2, statt. — Dem Charakter des Silvesterabends entsprechend wird ein Programm geboten, das von Anfang bis Ende auf Heiterkeit und Humor eingestellt ist. Auller den üblichen heiteren Solovorträgen der Mitwirkenden gelangen auch einige lustige Einakter und Sketche zur Aufführung, in denen besonders Emilie Winterbergs trockene Komik und Sidy Bienenstocks pikante Darstelliingskunst glänzen werden. Nach der Vorstellung findet eine zeitgemäße Silvesterfeier (mäßige Getränkepreise kein Weinzwang) mit Tanz, Tombola und Nachtkabarett statt. In Anbetracht des guten Zweckes der Veranstaltung (Unterstützung engagementsloser jüdischer Künstler) ist den Veranstaltern ein volles Haus und dem „vollen Haus" ein fröhlicher und genußreicher Silvesterabend gewünscht. Berufung. Der frühere Leipziger Privatdozent Dr. iur. Martin David ist an die Universität Leiden (Niederlande) berufen worden, wo ihm eine Dozentur für römisches Recht, griechisch-ägyptisches und alt-orientalisches Recht übertragen ist. Amtliche Bekanntmachung. Barmi/wa-Vorbereitung. Zur Barmizwa-Vorbereitung werden seitens der Gemeinde unentgeltlich besondere Lehrgänge abgehalten. Für die in der Zeit vom 1. Juli 1921 bis 30. September 1921 geborenen Knaben beginnt der Lehrgang am 1. Januar 1934. Nur wer daran teilgenommen hat, wird als Barmi/wa in der Gcmcindcsynagoge zugelassen. Anmeldungen bis 31. Dezember I•>J'J im Gemeindeamt, Walter- Blümel-Straße 101. Von der Teilnahme können auf Antrag der Eltern solche Knaben befreit werden, welche bereits ihren Religionsunterricht privat durch einen von der Gemeinde angestellten Lehrer erhalten. Auch diese Kinder sind zur angegebenen Zeit zu melden. Leipzig, den 23. November 1933. Der Vorstand der israelitischen Religiifnsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 22. Dezember, Abendgebet 16.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Sonnabend, 23. Dezember, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 10.25 Uhr, antchließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 10.57 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 16.15 Uhr. Gcmcindcsynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 29. Dezember, Abendgebet 16.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann). Sonnabend. 30. Dezember, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 16.30 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmann); Abendgebet 17.(11 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 16.15 Uhr. Ez-Chaim-Synagogc (Otto-Schill-Str.) und Talmud Thora-Synagoge (Kcilstr.): Freitag, den 22. Dezember: Abendgebet 16.15 Uhr; Sabbat: Morgengebet 8.30 Uhr; Mincha 16 Uhr; Ausgang 16.57 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 16.15 Uhr. Personenstandsnachrichten. Geburten: 29. November 193 3 Chaim Rodoll und Rosa geb. Landmann, Menckestralle 13, eine Tochter. Barmi/wa: Am Sonnabend, 23. Dezember 1933. Leo Fettermann, Sohn des Herrn Jakob Fettermann und Frau Paula geb. Krczipicka, Gerberstr. 17, in der Ariowitsch-Sehul, Färberstraße. »

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