Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 49 (8.12.1933)
- Date
- 1933-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Srit.- 2 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 8. Dezember 193entgegensetzte, ja ihn begrüßte. Da- Wunder dos Makkabäersieges gl iiii-Iii als in dei Vernichtung der zahlenmäßig überlegenen Heere in der Erweckung der Selbstbesinnung jener Juden, denen die jüdische l i hn' nichts bedeutete. Diese Selbstbesinnung gab den Juden ihre Stärke, Miro innere Sicherheit. Und sie feiert unsere Menorah. Chanukka mit seinen Lichtern i-t ein immer neuer Hinweis auf die jüdische Geschichte, die, als Großes gesehen, den Sieg jüdischer Idee über alle Oleichgültigkeit, allen Abfall, allen von außen kommenden Versuchen der Unter drückung jüdischer Glaubenstreue mnl im Innern sieh anbahnenden Gefahren der \uflösung darstellt, Und darum bedeutet Chanukka immer neuen Impuls zu iimcrei Stärkung .ms der Vergangenheit. So sollen wir es auch in diesem Jahre schwerer Schicksalswendung begehen. Sollen an ihm wieder die große Kraft geschichtlichen Denkens erkennen und danach trachten, Kenntnis jüdischer Vergangenheit ZU gewinnen, nicht nur als Wissen sondern als Seelenkraft. Und sollen solche Kraft auch unseren Kindern geben. Chanukka kann und muH deshalb auch so gestaltet werden, daß ihnen nie der Gedanke zu kommen braucht, sie müßten etwas au Gemütswerten entbehren, was ihren Kameraden zuteil wird, Und soll ihnen auch jüdischen Stolz zeigen. Mußte uns luden erst von anderen deutlich gemacht werden, ii.iü Symbole und Formen fremder Glaubenskreise nicht ins jüdische Haus gehören? Unsere Gemeinde. Was ist jüdische Kunst? Mancher verwechselt sie mit Kunst, die \on Juden ausgeübt wild. Sie ist aber weit mehr. Judentum ist etwas Geistig-Seelisches. So müssen wir den Klängen lauschen, die aus jüdischer Seele dringend Oestalt gewonnen haben, wollen wir jüdische Kunst erkennen. „Aus jüdischer Seele!" Das ist das Kennwort des nächsten Abends, den der jüdische Ausschuß für Kunstpflege ankündigt. Nicht durch träumerisches Versenken in Mystik und Metaphysik will er die jüdische Seele zum Erklingen bringen, nicht durch Schwelgen in den Holien und Tiefen einer wirklichkeitsfernen Gefühlswelt. Uralle Worte und Worte unserer Zeil werden sieh vereinigen, um unser gegenwärtiges Si-in, dessen Wert so heiß umstritten ist. um den Sinn Jüdischen Schicksals in unserer Zeil uns selbst erkennen, ums selbst im reinen Lkht aufleuchten ZU lassen. W er weiß, daß in dem Gebet Mosis. in dir Weissagung Ezechiels, die an jenem \bcnd gesprochen werden, das Schicksal unserer Tage aufklingt, und daß der Herzschlag unserer I poche darin nicht weniger deutlich ist. als in den Szenen aus Joseph Roth"- H;ob. die daneben stellen werden' Wo spricht jüdischer (ieist und jüdisches Wesen eindringlicher, tiefer zu unserer Gegenwart als in der wundervollen, der modernsten Übertragung der Bibel in die deutsche Sprache durch die großen Juden Buber und Rosenzweig, etwa in der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern, die au diesem Abend vor uns neu ersteht? (icrade im Rauschen dieses Stromes der vom Vergangenen zum Werdenden flutet, wird jedem seine Oegenwart gegenwärtig werden. „Tua rcagitur!" Deine eigene Sache wird verhandelt! Dich selbst geht es an! „D.i- Wort kommt wieder ZU Ehren!" Der jüdische Ausschuß fur Kutistpflcgc hatte mit den beiden Abenden, die er der Musik widmete, einen gewaltigen Erfolg. Außere Schwierigkeiten bern noch immer die Verwirklichung dos Wunsches, auch in Leipzig jüdisches Theater ZU /eigen, sei c« selbst ein Gastspiel der Buhne - Berliner Kulturbundes. So soll jetzt einmal das gesprochene Wort in dieser Gestalt ain.li hier in dramatisch bewegter, blut- und lebensvoller Form! — un-ircn Kreis erreichen. Eine Meisterin des Wortes br i n g t es /u O eh Ar: Edith Herrnstadt-Oettingen! Niemand wird es bestreiten, dalt sie die größte jüdische kezitatorin unserer Tage ist. Ihre Gemeinde ist groß. 3enn jeder gehört da/u. der -ie einmal gehört hat. Wer sie aber noch nicht kennt, wird -ich diesmal von ihrer grollen Kunst erschüttern la-scn müssen, wenn man von ihm nicht >agen soll, er habe gedankeil- I"- hv'-iite gestanden, als es galt, fur judische Kultur einzutreten, jüci-che Kunst /u ehren, jüdischer Seele /u kuschen und sie in sich -ilbst /um Erklingen /u bringen. .Tua reagitur!" Deine eigene sjehe wird verhandelt! Dich «elbst geht es an! Der 1. Gemeindeabend in Leipzig, her Puf des (icmeindcvorstan- /um 1. Gemeindiahend vermochte in der (iemeindesynagoge eine außergewöhnlich -tätliche Zahl von i lemeindemitgliedern /u vereinigen, ein Zeichen dafür, daß die Gemeinde bereit ist, neue Wege ZU gehtn und sich neue Wege iuhren /u laum Gemeindevorsteher Gold-chmidt wies in -einer Eröffnungsansprache darauf hin, daß ei sich dabei im w c-ctithchen nur um neue Formen handelt, in denen heute die -eit jeher hier wie überhaupt seiten-. der judischen Gemeinden gepflegte gei-tige Aufgabe neues Leben gewinnen soll. Um dem Pechnung /u tragen, hat die Gcmeindckorper-.chaft eine Erweiterung de- Gemeindcvorstainie-, beschlossen. Die neugewahlten Herren werden sich insbt sondere dem Neuaufbau des jüdischen Bildungsnsimi in der Gemeinde widmen (über die Pläne ist in den Aufsat/en der letzten Summern de- Gcmeindeblattes im einzelnen geschrieben worden \) Red.) In programmatischen Ausfuhrungen behandelte sodann der Dezernent für da* jüdische Bildung-wcseii innerhalb der Ge- •-Je. Dr. Löbenstein, oen ganzen Aufbauplan, der in Angriff i." nommen w erden -oll. f r betonte dabei zunächst, daß mit der Veranstlttttng von Gemeindeabenden in d>-r synagoge die alte Tradition wieder aufgenommen werde, nach der die Synagoge nicht allein Statte de* Andacht, -ondern, wie auch das alte hebräische Wort besagt: Beth haknesseth Haudes Zusammenkommen^!>ein soll. An dieser Statte oll die jüdische Gemeinde ihr Leben bekunden, die Grundlage ihre-, SeSM festigen und erneuern Das sei gerade in gegenwärtiger Zeit eine besondere Notwendigkeit, nicht allem durch äußeren Zwang der V erhalliiiss'- '.ondern auch durch den inneren Drang geboten, weil nur in der 'j»-meinschaft und ihrer bewußten Pflege die Gewihr fui die Zukunft gegeben sei. Diese Sicherung mußte auf geistiger Qrund läge geschaffen werden: nur wo der geistige Untergrund stark genug sei, werde der jüdische Bestand erhalten. Aus diesem Gedanken hei aus soll das jüdische Schulwesen gegründet, die jüdische Volksschuli aufgebaut und die unter unsäglichen Opfern seit mehr als zwei Jalu zehnten segensreich durchgehauene Höhere Israelitische Schule ge stärkt werden; es soll der jüdischen Jugend wie auch den geradi jetzt nach Erneuerung oder Gewinnung von Wissen um das Judentum, seine Quellen und seine Geschichte verlangenden Erwachsenen in einer Reihe von Kursen Gelegenheit gegeben werden, sich diese Wissen anzueignen, damit die Erwachsenen den Kleinen Helfer und Fuhrer zur Entfaltung ihres jüdischen Seins werden können. Es handle sieh im ganzen weniger um ein Ziel als um eine Basis. Aul dieser Basis jedoch werde sich von selber das Ziel verwirklichen. Eingeleitet und abgeschlossen wurde der Abend durch Chöre dei Jugendbünde, die in ihren hebräischen Liedern den straffen Rhvthniu der neuen Zeit trefflich zum Ausdruck brachten. Zwischen die Ansprachen ordneten sich harmonisch die künstlerischen Darbietungen von Musja Gott lieb (Violine) hegleitet durch Kapellmeister Alfre. Simon (Orgel). Gernsheims Elauhenu und Rossis Arioso erwiesen sich gerade in diesem Rahmen in der feinsinnigen Wiedergabe als außerordentlich stimmungsvoll und trugen nicht wenig zum Udingen des Abends bei. Kammermusik-Abend. Auch dieser zweite Abend des Jüdische i Ausschusses fur Kunstpflege gestaltete sieh in erster Linie zu einen künstlerischen Erfolg. Der gesellschaftliche Rahmen war. dem intime.; Charakter der Kammermusik entsprechend, enger gezogen; sein Schauplatz war der kleine stimmungsvolle Orotrian-SteTnweg-Saal. Daß er trotzdem nicht ganz ausverkauft war, ist bedauerlich; man „sah" viele, die nicht da waren. Dabei überragte der Abend seinen Voigänger künstlerisch noch um ein Bedeutendes durch die Geschlossen heit und Qualität seines Programines. Das neugeschaffene Mendelssohn-Trio (Hella Mandelbrot-Chitrik, Klavier; Konzertmeister Leu Schwarz, Violine, Afrem Kinkulkin, Cello) hatte eine anspruchsvolle und schwere Spielfolge aufgestellt und bewältigte seine Aufgabe in glänzender Weise. Die drei Künstler, jeder als Meister seines Instruments bewährt und oft gewürdigt, haben in einer knappbemessenen Probenarbeit sich zu einem Klangkörper eingespielt, dein mau seine kur/e Existenz nur noch wenig anmerkt und der das Zeug in sich hat. zur großen Klasse der internationalen Triovereinigungen gezählt zu werden. Im Klaviertrio bildet der Klavierpart Rückgrat und Träger, ihm fällt die schwerste Aufgabe zu. Unser jüdisches Trio kann sii i rühmen, in Frau Chitrik einen der besten Kammerpianisten zu b - sitzen, den wir je gehört haben. Daß die technischen Voraussetzungen bei ihr restlos erfüllt werden, ist selbstverständlich; erstaunlich bleib;, mit welcher Musikalität sie die durchaus verschiedenen Charaktere der drei, jeweils aus ganz anderen Klangwelten entsprungenen Trios darstellte. Zwischen dem frühen Beethoven (Trio op. I, Nr. I, Es-Dui I, dem knappen, durchsichtigen, an llaydn geschulten Werk eines Fünfzehnjährigen, und dem Brahins (Trio No. I, H-Dur, op. 8) liegt eine Welt. Auch dieses ein Jugendwerk Brahms war 2(1 Jahre alt, ^jis er es komponierte — aber eine ganz andere Entwicklung einleitend. Die Expansion seines musikalischen und melodischen Gehalts verliehen dem Werk in seiner ersten Fassung eine derartige Dichte und Kompaktheit der Faktur, daß Brahms selbst in späteren Jahren ihm noch eine neue, endgültige Fassung gab. der den allzu üppigen Reichtum des Klavierparts etwas auflockerte. Aber auch in dieser Fassung not Ii ist er von orchestraler Fülle, und gerade in diesem Werk so vorbildlicher Kammermusiker zu bleiben, wie es die Pianistin tat, ist Bewe l hoher Künstlerschaft Den Beschluß bildete Mendelssohn d-moll.dcss i eleganter, auf Virtuosität abgestellter Part mit aller Grazie und Delikatesse gespielt wurde. Das /usaniuienspiel war rhythmisch untadeli . da- Klangbild stellenweise berückend schön. Wie sich der blftticedc Ton Leo Schwarz' und der sonore weiche Strich Kinkulkins mit dem weichen, ganz prachtvollen Grotrian-Flügel mischten, war von höchste n Reiz. Das Publikum, dessen gespannte Aufmerksamkeit durchhielt, b - dankte sich denn auch mit stürmischem und von Herzen kommende I Beifall. Dr. R. Chanukkah-Bitte. Alle Mitglieder des Israelit. Kindergartens (Tagesheim) und alle Kiiidcrfrcumlc. die bisher zu Ghaiiukkah noi Ii nichts gegeben haben, bitten wir herzlich, es jetzt noch zu tun. I - wird dringend gebraucht. Jede Spende, auch die kleinste, wird mit wärmstem Dank angenommen. Pe stscheckkonto Leipzig 66903. Hauspflege. Der Jüdische Frauenbund empfiehlt bewährte Freuen als Hauspflegerinnen, Die Frauen können in all den Fällen, in denn geprüfte Krankenpflegerinnen nicht notwendig sind, Pflege von Kra iken und -elbständige Betreuung des Haushalts übernehmen. Meldu igeu ».ind zu richten an Frau Erna Mein, Menkestraße 51a (Tel. 52891) oder an das Gemeindeamt, Walter-Blüniel-Straße Kl (Tel. 21382) TU richten. Für die Haushaltungsschule in Bad Dürrenberg wird für d n Speisesaal ein Möbelstück zur Aufbewahrung von Geschirr benötigt Es wird gebeten, ein solches geschenkotler leihweise zur Verfügung /ii -teilen. (Büfett, Anrichte, Vertiko oder dergl.) Ferner wäre sein erwünscht, wenn eine Schreibmaschine und eine Nähmaschine leihweise überlassen würden. Amtliche Bekanntmachung. Barmi/wa Vorbereitung. Zur Barmizwa-Vorbereitung werden seitens der Qemeinde unentgeltlich besondere Lehrgange abgehalten. Für die in der Zeit vom I. Juli 1921 bis 30. September W2\ geborenen Knaben beginnt <h'r Lehrgang am I. Januar 1931. Nur wer daran teilgenommen hat, wird als Barnitz wa in der (iemeindesynagoge zugelassen. Anmeldungen bis 31. Dezember 1933 im Gemeindeamt, Walter- Blümel-Straßf 10 l.