Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 49 (8.12.1933)
- Date
- 1933-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Auflage 4250 Stück (Bemrinö cblott DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGfcM&IN DE- ZU I JELI D7|fZ, AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LLir^lW DER GEMEINDE-VE-RWALTUNGB Scbriltlcitung: Ocmeinderabbiner Oustav Cohn Leipzig. Vatter Bltimel-Str. 10. - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit C)enehmi|>unK des Verlasser« gestattet. Nummer 49. "Jahrgang 9 8. Dezember 1933 Anzeigenannahme: E. Qoldfreimd, Leipzig O 5, Cichoriussttaße 2a, Fernsprecher Nr. 607 71. Druck: Druckerei der Werkgeineinschaft, Leipzig C 1. Durch das Ableben des Herrn Emil hat unsere Gemeinde einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Entschlafene hat seit 1Q21 der Körperschaft unserer Gemeindeverordneten angehört und sich durch rege Mitarbeit, besonders auch in den Ausschüssen, verdient gemacht; bei allen Beratungen fanden seine klaren und besonnenen Ausführungen stets aufmerksamstes Gehör. Seine enge Verbundenheit mit unserer Gemeinde und sein soziales Empfinden hat er schon zu Lebzeiten durch eine Stiftung füi wohltätige Zwecke bekundet. Wir werden ihm ein treues und dankbares Gedenken bewahren. Leipzig, den 5. Dezember 1033 Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. I Licht strahlt aus der Vergangenheit Chanukka 1933 Von üemeinderabbiner Gustav Cohn. Mancher, der seine Zeh intensiv erlebt, kann sich schwer vom;enwärtigen lösen und tut Vergangenes seinen Blick lenken, in crioden, die den Menschen zufrieden machen, in Lebenskreisen, die auder l ulle sich bietender Qenüsse herauszugreifen brauchen, ihnen behagt, und die ihren Alltag ganz roll sorglosen Stunden fufüllcn vermögen, bleibt kein Raum für geschichtliche Gedankenwge. igib) aber ein anderes intensives I iieben einer Oegenwart, das rade den Sinn für das Geschichtliche erschließt: wir alle Gründen seiner Gegenwart ins Wanken geraten sieht, wessen Alltag nur " ii ein lleuie, kaum ein Morgen ist, wer nicht mein vorausberechi kann, keine Gewißheit mehr hat, daß sein Vorsorgen auch seine tinunung erfüllen wird, der denkt auch an das Vergangene: weil ii Gegenwart so fragwürdig geworden ist, daß er auch Fragen an Zukunft zu -.teilen hat, werden ihm die Zusammenhänge um dem iheren deutlich; er sieht, daß alles lebende von dem Oewesenen lingt ist. 111k| gewinn! dadurch eine andere Wertung seiner Gegen- .1 rt. Dft hat mau seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß die chichtlichc Literatur der Juden im Mittelalter in einem sein ge- 'ii Verhältnis zu allem übrigen indischen Schrifttum steht, und hat in'- auf einen wenig entwickelten geschichtlichen Sinn der Juden in wollen. Das ist ein Fehlschluß. Der Jude stellt seit jeher in lir engem, stets bewußl gepflegten Verstehen zu seiner Vergangenit Die biblischen Bücher, die religiösen Feste haben ja immer wieder ien (icist für die Beschäftigung mit der Geschichte aufgeschlossen, i der Jude hat lange Perioden hindurch nicht die Muße, nicht die it'entrafionskraft besessen, um in dir Vergangenheil zu forschen 1 die l rgebnisse solcher Studien in Schriften festzuhalten, I i mußte l'ine jeweiligen Sorgen durchkämpfen, murin jeden rag sein Dasein 1 erringen. Ii brauchte -.eine ganze Geisteskraft, um den notweneil Widerstand gegen die Fährnisse des Alltags zu wahren. Ii •rieb in solchen Zeiten wenig Geschichte; aber er lebte sie. In -'mein Denken baute er auf den lehren der Vergangenheit auf. Ii wh -eine Verpflichtung gegenüber den Vätern, genoß aber auch i'wuß( i)sü Verdienst der Vater, den Segen dir Vergangenheit. In '""ii Ringen um das Dasein gab die Verheißung der Väter Stärke, »cht allein die Verheißung, die in Worten der Propheten ausgesprohen war, sondern auch der Glaube, der ans geschichtlichem Werden 'wauswuchs, und dei die innere Gewißheit verlieh, daß Judentum wd Juden auch Bedrängnisse der Gegenwart überwinden würden. Da- 19. Jahrhundert brachte eine Gefährdung degeschichtlichen Sinneihr Juden in Deutschland. Auf der einen Seite entstand wohl gerade in ihm eine tiefgreifende und wertvolle Forschung, eine ganz* vielgestaltige jüdische Geschichtsliteratur. Aber der Kreis der ge schichtlich Denkenden war ganz erheblich kleiner als der Kreis der Leser solcher Schrillen: mau blieb an der Oberfläche solcher Arbeiten halten, liell sieh für Stunden fesseln, fand aber doch im allgemeinen wenig innere Beziehung zu all dem Vergangenen. Man glaubte und je weiter da- 19. Jahrhundert fortschritt, desto gewisser an die neue Zeit, die alle Träume Früherer Geschlechter für alle Dauer verwirklich! habe. Es klang so weltenfern, was da aus dem 18. Jahrhundert zu sagen war; bestenfalls klang es vielen wie anheimelnde ..Ii /.ililiuiyen"; vielen, vielen anderen war es geradezu unangenehm, daran erinnert zu werden, daß es einmal /eiten gegeben hat, in denen Juden in solcher Lage hatten leben müssen. Heute gewinnt die Vergangenheit einen neuen Sinn für die Juden. Gerade daß ein Rückschlag eintreten konnte, den man für unmöglich erachtet hatte, lenkt die Gedanken auf die Zeiten, in denen unsere Vater in gleichen Kämpfen gestanden und überwunden haben. Man wird sieh wieder der Bedeutung jüdischer Geschichte für che Gegen wart bewußt. Damit erhall Lest, das so viel erfaßt und gefeiert Der Anpassung an daß die Schönheil dei achtarmigen Menorah im Wettbewerb mit der des Baumes unterliegen müßte. Heute wächst der Kreis derer, die Poesie und Liefe eines Familienfestes nun in einer jüdisch gestalteten Feiei suchen wollen. Sie werden erkennen, daß ein mit liebe gefeiertes Chanukka-Fcst mit seinein bescheidenen, aber doch so vielsagenden I ichterglanz unendlich froh machen kann, und daß die Stunden des Frohsinns, die im Zeichen des Chanukka-Lcuchters die Familie vereinigen, bleibende Eindrücke für das Kind und nachhaltige Vufrichtuni; für die Erwachsenen geben. Denn daisi da- Bedeutsame an diesen Chaiiukka-Lichtcrn: sii offnen den Sinn für da- Große der jüdischen Vergangenheit. Einen Sii^ leiert d.<- Chanukka-Fcst. Doch: nicht wesentlich i-i dei Sieg dei Makkabäcrscharen über die Syrerheere. Siege aul Schlachtfeldern können nicht jahrhundertelang gefeiert werden. Der Sicij, den dil Lichter unserer Menorah Jahr für Jahr vor dem Geiste lebendiu machen, i-i der innerjüdische Sie^: der Sieg der drohenden Zerfall. Juda Makkabi ergriff die Fahne (iott und seine lehre, als dei Abfall der Hellenisten Volkes als I rägei der t lotteslehre arg gefährdete kampi des Syrers von außen war ja nur deshalb weil ein stattlicher feil des jüdischen Volkes ihm auch dii Chanukka-Feiei neuen Impuls. Dieses gemütvolle \\ erte in sich trägt, w enn es um recht wird, ist von allzu vielen Vernachlässigt worden, die Umwell wurde es geopfert, weil man meinte, ien I reue ubei den de- Kampfes im den Bestand des Der Religion hetid, stand so gefahrdt Im inen \\ ul