Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 48 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I, Dezember 1933 Unsere Gemeinde. Chcwra-Kadischa-Fasten. Wie alljährlich findet am 15. Kislew, das i-t am Sonntat;, dem 3.Dezember 1933, ein Chewra-Fasten statt, in diesem Jahr wird der Gottesdienst in der Synagoge, Keilstraße 4, abgehalten, Die Mitglieder versammeln sich morgens um 7 Uhr in der obengenannten Synagoge /um Gebet, bei welchem der Bedeutung des Tages entsprechende Selichos eingeschaltet werden und wie am Fasttage Thoravorlesung stattfindet. Im Anschluß daran hegeben sich die Teilnehmer nach dem Friedhof, Berliner Straße, um auch dort die entsprechenden Gebete zu verrichten. Am Nachmittag findet um 4 Uhr der Minchagottcsdienst statt, hei welchem wie am Fasttage wiederum Thoravorlesung gehalten wird. Im Anschluß an die Thoravorlesung wird allen verstorbenen Mitgliedern ein Iii mole rachamim gemacht Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage sehen wir auch in diesem Jahre von dein Stattfinden einer Chewra-S'uda ab. Sozialamt: Sprechstundenandcriing: Die Sprechstunden des Sozialamtes finden jetzt an folgenden Tagen statt: Montag, Mittwoch, Freitag vorm. 11 13 Uhr; Montag, Mittwoch nachm. 15' ., 17" . Uhr; Donnerstag nachm. 15 — 17 Uhr. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, dall zu anderen als den angegebenen Zeiten keine Abfertigung Stattfinden kann. In Ausnahmefällen muß eine telephonische Anmeldung erfolgen. Frauen-Chewra-Kadischa. Die Chewra-Kadischa der Frauen gibt bekannt, dali vom Montag, dem 4. Dezember 1933, ah im Gemeindeamt, W alter-Blümel-Str. lOptr., in der Zeit von 3—6 Uhr wieder genaht wird. Um /ahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. Vortrag in der Gemeindesynagoge. Gemeinderabbiner Dr. Ooldmann eröffnete seine diesjährige Vortragsreihe mit dem Thema ..Der judische Mensch und die jüdische Gemeinschaft" in der bis auf den letzten Platz gefüllten Oemeindesynagqge. Zu Hunderten waren die Wisscnsdurstigcn, die Bedrängten und Hilfsbereiten ins (iotteshaus geeilt, wo der Redner in mitreißenden Ausführungen die Stellung des jüdischen Menschen zu seiner Gemeinschaft aufzeigte, ausgehend von dem Fundamentalsatz unserer Lehre, dall dort den Menschen in seinem Ebcnbilde erschuf. Nicht des (ieistes, nicht des Verstandes und der Liebe wegen Eigenschaften, die auch das Tier in hohem Malle besitzen kann sondern für die Sittlichkeit, die der Einig-Einzige liott als „(iarant de- Guten" der Menschheit ins Merz pflanzte. Der jüdische Mensch zumal, wie kein anderer am Sinai der sittlichen Offenbarung teilhaftig geworden, hat durch Jahrtausende bis auf den heutigen Tag die Verantwortung für die Reinerhaltung und Verbreitung der Sittlichkeit übernommen, sie in die Tat umgesetzt nicht durch frommes Insichselbstversenkcn, sondern durch das Werk der Nächstenliebe. Bleibt er auch im grollen All ein Nicht- .so erhebt er sich als Wegbereiter der Sittlichkeit hoch über seine Substanz und wächst ins Gewaltige alunerschütterlicher Erneuerer der sittlichen Weltkraft. Durch sie seiner nach Umfang kleinen Gemeinschaft unlösbar verbunden, erfallt er den Sinn der Sittlichkeit nicht nur im Feierlich-religiösen, sondern i benso tief im Leben des Alltags, in der harten und aufopfernden Arbeit für den anderen, für die (iemeinschaft. Heilig sind ihm Werktag und Feierstunde, Arbeit und Ruhe zugleich. Und damit - dem sittlichen Wollen und der sittlichen Verantwortung - wird die jüdische Gemeinschaft zu einer Gemeinschaft der Gleichen, wie sie sich uns darstellt -eit mehr als drei Jahrtausenden. Keinen Vergleich duldet sie deshalb mit anderen Religionen oder Volksgemeinschaften, sie gilt vielmehr, obwohl im Altertum eine Nation mit weltlichen Institutionen, al- „das Volk des Einig-Einzigen Gottes", rein erhalten bis auf die Gegenwart in den Nachkommen tierer, die aus Ägypten zogen und am Sinai standen. Mit uns bilden die vergangenen und kommenden Generationen diese einzigartige Gemeinschaft von weltgeschichtlicher Bedeutung, der auder Ewigkeit des Geistes vom Sinai, aus dem Gebot der Sittlichkeit Aufgabe und Mission zufallt. Die Besinnung auf diese exklusiven Qualitäten jüdischen Seins wird uns zum Halt in der geschichtlichen W eit, zum Tm-t in Not und Verzweiflung. ..Wir sind nicht verlorene Schafe auf die-er W elt", rief Dr. (ioldmann seiner Ge> meinde zu. ..wir stehen fest in unserer ewigen, jüdischen, sittlichen Gemeinschaft. Und der von ihr erfüllt i-t. wird den W eg zur Hohe finden!" Unbeschadet unserer Pflichten der Welt und dein Vaterlande gegenüber müssen wir Juden unsere eigene Gemeinschaft, auf die wir heute beschränkt Sind, mit neuem kulturellen leben erfüllen, müssen -ie erneuern und stärken durch allumfassende soziale und gei- -lige Arbeit ..mit unserem ganzen Herzen, unserer ganzen Seele und userer ganzen Kraft". Mit diesen Worten entließ Dr. Ooldmann seine dankbar« Zuhörerschaft, deren spontane Beifallskundgebung als glückliches Omen für einen durch ersprießliche judische Arbeit ausgezeichneten W inter gelten darf Dr. Walter Leopold. Der 5. Bunte Abend cngagementsloser jüdischer Künstler findet am nächsten Sonntag, diu ). Dezember, abend- 8.15 Uhr, im weißen saale des Zoo -tatt. Da- Programm verspricht den Besuchern einige -ehr genußreiche Stunden; es wird nicht nur seriöse Kunst (Gesang, Rezitation, Kammermusik) geboten, sondern die Leipziger Publikumslieblingi I mibe Winterberg und Jollv Arro-Mejerstein dafür sorgen, daß auch die Liebhaber der leichteren Muse zu ihrem Rechte kommen. Bei die-er Gelegenheil -ei bereitheute darauf hingewiesen, dali dei ii Bunte Abend am Sonntag, den 31. Dezember, abend- 8' L. Uhr, in \ erbindung mit einer zeitgemäßen Sylvesterfeier im Künstlerhaus stattfindet jüdisches Orchester. Dei Kppell au unsere musikfreudigen Leipziger Glaubensbrüder ist nicht ungehört verhallt! Die Bildung eines jüdischen Orchesters ist Tatsache geworden. Allerdings vorerst noch beschränkt auf Streichinstrumente. aber es wird Bereits mit hingebender Freude an der Sache musiziert Allein der Kreis der Teilnehmer sollte größer, wesentlich gröber -ein! Wenn Hamburg bereits ein jüdisches Orchester von 5'i Mitgliedern aufzuweisen hat, durfte damusikalische I eipzig nicht dahinter zurückstehen. Allzu viele halten ich noch ahsut-. Wohl keiner, weil er sich für zu gut halt, aber mancher wohl auf < irund der modernsten aller Leiden, der „Minderwertigkeitskomplexe". Die beste Medizin eigen diese Krankheit ist die prakti-chv Betätigung. Wer etwa eine Sonate von Mozart sauber zu spielen vermag, dessen Können reicht zunächst völlig aus. Jeder Hen und jede Dame ist zu den Proben ohne weiteres herzlichst willkommen die jeden Dienstag um 20 Uhr pünktlich in der Elsterstr. 7, Erdg stattfinden. Evtl. Anfragen bitten wir Sonntags zwischen () und 11 Uli; an Herrn Kapm. Simon tclephonisch zu richten (50796). Amtliche Bekanntmachung. Bildungskurse der israelitischen Religionsgemeinde. Für die von der israelitischen Religionsgemeinde zu veranstalten den Bildungskurse für die Mitglieder der Gemeinde und für lugend liehe über 16 Jahre haben sich eine Reihe von Referenten Hebens würdigerweise zur Verfügung gestellt. Es finden folgende Kurse statt 1. Bibel: Dr. Lipschitz, „Die Themen im Propheten Jeschaja" Frau Anna N cum an n, „Midrasch-Erklärungen zum Penta teuch". Wer cz berger, „Gesetzgebung der Bibel". 2. Talmud: Rabbiner Dr. (ioldmann, „Was ist der Talmud um' was bedeutet er für unsere Zeit?" Dr. Schereschewski, „Methode der Mischna". 3. Geschichte und Literaturgeschichte: Rabbiner Cohn „Nachbiblische jüdische Literatur". Dr. P.J.K oh n, „Kulturgeschichtliche Bilder aus dem Mit telalter und späterer Zeit nach der Responsen-Literatur". Dr. Ernst Markowicz, „Kultursituation der Juden in der Voremanzipationszeit". Dr. Woskin, „Der Inhalt der historischen und der nicht historischen Bücher der Bibel mit Berücksichtigung der außerbiblischen Quellen". Rabbiner Dr. Carlebach. Thema wird noch bestimmt. Beginn voraussichtlich Ende Januar. Weitere Kurse sind geplant. Einschreibelisteu für die Kurse liegen im Gemeindeamt und im Jüd. Jugendheim, Elsterstr. 7, aus. Außei dem ist Gelegenheit zur Anmeldung an dem am 2. Dezember stattfindenden Qemeindeabend gegeben. Schriftliche Anmeldungen und Anfragen sind au Dr. Leo (ioldhaber, Gustav Adolf-Str. 23, zu richten Jedem Kursus geht eine Vorbesprechung voraus, in vier der Referent gemeinsam mit den Kursteilnehmern Programm, Zeit und Ort du Kurse bestimmt. Die Kurse finden im allgemeinen einmal wöchentlich mit l1 2 Stunden Dauer statt. Leipzig, den 27. November 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, I. Dezzen - her, Abendgebet 10.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. i ioldmann Sonnahend,2. Dezember, Morgengehet 9 Uhr, Jugendgottesdienst 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Nachmittagsgebet 16.25 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. (ioldmann); Abendgebet 16.55Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.'i0 Uhr, Abendgottesdienst 16.15 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 8. 1 taten - her, Abendgebet l().15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Sonnabend, (t. Dezember, Morgengehet Q Uhr, Nachmittagsgebet 16.20 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 10.53 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.3(1 Uhr, Abendgottesdienst 10.15 Uhr. Ez-Chaim-SynagOge (Otto-Schill-Str.) und Talmud Thora-Svuagoei- (Keilstr. 4): Freitag, den I. Dezember: Abendgebet 10.15 Uhr. Sabbat: Morgengebet &30 Uhr; Mim ha 10 Uhr: Ausgang 10.55 Uhr. Wochentag: Morgengehet 7 Uhr, Abendgebet 10.3(1 Uhr. Personenstandsnachrichten. Oeburtcn: 12. November PID Jakob Hirsch Fischbein und Chaje Laube geb.Zinn falsc Wohlfeld. Cädlienstr. 21, einen Sohn „Eduard". Trauungen: Am Sonntag, 26. November, Fräulein Maryla Kummer, Nordstr. 56, mit Herrn Wolf Stein. München. Am Sonntag,!. Dezember, 1 .1 Uhr nachm., Fraulein Elise Blitzer, Uiimboldtstr. 24. mit Herrn Josef Kleinberger, Zwickau, in d r Synagoge Obel Jacob, Pfaffendorfer Str. 4. Vereinsnachrichten. Jüdischer Jugendbund „Franz Rosenzwcig", Leipzig. Heute, de« EXIL, Freitag-Abendfeier unter Leitung von Bundesfreund Wiescnthal. Sonntag, den 3. XII., vormittags I lalbtagsvv anderung unter Leitung von Bundesfreund Urbach. Nachmittags, pünktlich I6V| Ulir, veranstalten wir wiederum einen Tee-Heim-Nachmittag unter de« Motto „Mehrt euer jüdisches Wissen!" Ein jüdischer Dichter dei Gegenwart (Ausschnitt aus seinem Leben und Werk) wird unserii Mitgliedern (nur diese haben Zutritt!) vertraut gemacht. Dienst - den 5. XII., hebräischer und französischer Sprachunterricht. Mitt-I WOCh, den 0. XII., unser Heimabend. Donnerstag, den f. XII., eilt;-1 lischer Sprachkurs und Stenographieunterrieht. Voranzeige! Sonn-1 abend, den 16. Dezember, grolle Chanukkah-Fcicr in den Räumen der I Leipzig-Loge, Arndtstr I. Zionistische Vereinigung Leipzig. Voranzeige! Dienstag, den! 12. Dezember, abends 8' , Uhr, spricht im Städtischen Kaufhaus, Ein E gang Kupfergasse, Herr Dr. Michael Traub, über das Thema: „Juden! und Araber in Palästina!" Die Behandlung dieses Themas ist wegen! der Auseinandersetzung, die jetzt in Palästina sich ereignet und die in*l alle zuliefst angeht, von grundlegender Wichtigkeit für unser jOdrl sches Sein. I Fußball-Länderspiel Deutschland-Polen! Am Sonntag, den J. I>' | zember. findet wie bekannt das Fußhallländerspiel Deutschland Pole"! in Berlin, Poststadion, statt. Aus allen Teilen Deutschlands ist Beteiligung der polnischen Staatsangehörigen sehr zahlreich. Die pct*l