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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-12-01 · 48 (1.12.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
48 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Uv 0 " Ü.12.3& v> Auflage 4200 Stück ©emcinö cblott: DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGE-MfcIN DE- ZU 1 t| D7|fav AMTLICHES NACH RICHTEN 8 LATT LLIl Mml\3r DER GEMEINDEVERWALTUN OB -cbriltleitung: Qemcinderabbiner Oustav Cohn Leipzig, «alter Hlümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Oenebmigung des Verfassers gestattet. Nummer 48. ■ Jahrgang 9 1. Dezember 1933 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig O 5, Culioriusstraßc 2a, Fernsprecher Nr. 60771. Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C I. I. Gemeindeabend Der I. Gemeindeabend findet Sonnabend, den 2. Dezember 1933, abends 8' 2 Uhr in der Gemeinde- Synagoge, OottschedstraBei statt. Die Jüdische Gemeinde erwartet, dali alleOemeindemitglieder, insbesondere die Jugend, sich an diesem Abend beteiligen Vortragsfolge: 1. Chor der JugendbUnde 4. Dr. Fritz Loebenstein: Das Erziehungs- und Bildungswerk l. Eröffnungsansprache des Gemeindevorstehers Herrn Carl der jüdischen Gemeinde. OoldSChmidt 5. Rossi: Arioso. Violinsolo: Musja Gottlieb (. Friedrich Gernsheim, Elohenu: hebr. Gesang. Violinsolo: 6. SchluBchor Musja Gottlieb Leipzig, den 27. November 1Q33 Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Unser Sozialamt. F.in Bericht über die Tätigkeit des Sozialamts der Israelitischen ligionsgemeindc zeigt ein Bild von einer Mannigfaltigkeit der gesteten Arbeit, von dem skii der Außenstehende kaum einen Begriff einacht haben dürfte. Kein äußerlich betrachtet zeigt sich das Ausmaß 1 Arbeil an der ratsache, dal! /n «Ich Beratungen, die wöchentlich chsmal stattfinden und sich aul durchschnittlich 2- 2' , Stunden ertrecken, durchschnittlich je 25 30 Ratsuchende erscheinen; daß die ahl der Fälle, die laufend bearbeitet werden, sieh auf 5iki beliuft; daß i( Eröffnung des Amts etwa 1400 Briefausgänge verzeichnet sin-.!, i se Leistung ist um so höher anzuschlagen, als das Sozialami mit lern zahlenmäßig selir kleinen Apparat arbeiten muß, um die durch Sammlungen aufgebrachten Beiträge in möglichst geringem Ausmaße r Verwaltungsausgaben heranzuziehen. Dies war nur dadurch mögh, dali die einzige besoldete Krafl in hingehendster Weise, über das Vlall ursprünglich übernommener Pflichten hinaus, sich in den Dienst i -ip wichtigen Arbeit gestellt hat, und daß die ehrenamtlich tätigen bteilungsleiter, die Herren Dr. Fleiß und Sa bat zky, teilweise durch rt ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen unterstützt, Vußerordcntlics geleistet haben und leisten. Ms wichtigste Arbeit des Sozialamts wurde die produktive Beruf sum Schichtung in Angriff genommen. In der Nahe von Leipzig (Burghausen) wurden lb junge Leute til gärtnerischen bzw. hauswirtschaftlichen Arbeiten vertraut gemacht, der Leitung eines fachlich autgebildeten Gärtners erhielten die jun- ' ii Leute Anleitung in der Bearbeitung des Bodens und in der Aninzung verschiedener Oemüsearten. Auf benachbarten (intern hatten Gelegenheit, ergänzende Arbeiten kennenzulernen. Im Jacobson-! leim in Bad Dürrenberg wurden J'i junge Mädchen wichen unter Leitung einer Haushaltungslehrerin in allen hauswirthaftlichen Arbeiten ausgebildet. Dank der vortrefflichen Durchführte der Ausbildung hat der Kursus einen besonders harmonischen rlaul gehabt und gute Erfolge erzielt; die jungen Mädchen haben iira großen Teil schon Stellungen als Hausgehilfinnen angenommen; übrigen stehen in Unterhandlungen und werden in Kurze unter- ■ bracht sein. In zwei Kursen erhielten je Ji I tauen und Mädchen Anleitung im I ' i isieren und Manicure. Daneben wurden eine ganze Reihe von Einzelstellen zu laudwirthaftUcher oder handwerklicher Auabildung im In- und Auslände vermittelt Zum Teil mußten lür alle diese Ausbildungen Zuschüsse erdigen, /um Teil auch die Kosten ganz übernommen werden. Die Durchführung dieser Arbeiten wurde dadurch erleichtert, dali es gelang, eine Anzahl von Qemdndemitgliedern zur Übernahme von Patenschaften zu gewinnen, wodurch laufend die monatlich erforderlichen Zu- -> hnsse sichergestellt wurden. Die aus der Not der Zeit wie aus der falschen Berufsschichtuug der Juden in Deutschland als so notwendig erkannte Arbeil soll weitergeführt werden. Schon in Kürze wird der /weite Haushaltungskursus in Dürrenberg beginnen; außerdem sollen in mehreren Nähkursen Ins zu b!i Frauen und Mädchen, die bisher nur geringe oder gar keim: Fertigkeil im Nahen besaßen, unter Leitung einer früheren Gewerbeoberlehrerin und einer geprüften Meisterin so weit angeleitet «erden, dali sie in Heimarbeit ihre Existenz finden können. Weitere größere Plane sind in Vorbereitung: Die Ausbildung einer Gruppe in Zimmereiarbeiten und Anstreichen soll in einem Orundstück erfolgen, in dem nach Abschluß dieses Kurses eine l ehrwerkstätte für Tischlerei eingerichtet werden soll; daneben soll eine Schlosserei-Lchrstättc eröffnet werden, für die eine mit dem gesamten Material an Maschinen und Werkzeugen ausgestattete Werkstätte in dankenswerter Weise von einem Gcmeindcmitglicd unter günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt worden ist. Verdienen auch diese Vorhaben, die lasi ausschließlich jünger« n Menschen von 18 bis 25 Jahren die Grundlagen tut eine neue Berufsbetätigung vermitteln sollen, als wesentlichste Aufgaben die ihnen eingeräumte umfangreiche Berücksichtigung, so smd doch auch die aus der neu entstandenen Lage sich ergebenden Arbeiten für die I vstenzsicherung allerer aus ihrer Hahn gerissener Gemeindemitgliedvi keineswegs vernachlässigt worden. Hiei griff in tatkräftigster Weise die Beratung in berufs- und arbeitsrechtlichen Fragen usw. ein. (I irr di< Bearbeitung arbeitsrechtlicher Fragen hat sieh in dankenswerte; Weist Herr Arbeitsgerichts™! LR. Dr. Mannes zur Verfügung gestellt.) Line ganze Reihe von Angestellten, die infolge der wirtschaftlichen Vorgänge der letzten Monate aus ihren Stellungen gerissen wurden, erhielten Rechtsberatung und mangels einer Organisation, die sii vor den Arbeitsgerichten vertreten darf, auch rechtlichen Beistand: Meist mit Erfolg konnten wenigstens die üehaltsansprüche der Betroffenen sichergestellt werden. I inen Arbeitsnachweis darf das Sozialamt nicht haben; doch konnte es durch Hinweis auf Stellen itu Alislande wie auch aul Firmen im Inlande wie in Leipzig, Ratsuchenden bei der Arbeitsgewinnung behilflich sein. Auch die etwa 12ti hier ansässigen Gemeindemitglieder, die sich bis zum Frühjahr dieses Jahres als Marktfahrer ihr Brot verdient haben, wurden bei ihren Bestrebungen, die außerordentlich tief gri fenden Erschwerungen ihrer Existenz zu überwinden, durch das Sozialamt unterstützt. 1s darf im besonderen erwähnt werden, daß wahrend der verschiedenen Leipziger Kleinmessen jüdischen Markt lief eranten Stände zugebilligt waren; auch bei der bevorstehenden Weihnachtsmesse werden jüdische Markthändier zugelassen. Auch allgemeine Rechtsberatung in schwierigen sozialen Fragen, die nicht ohne weiteres durch die Mitarbeiter des Sozialamts cu erledigen waren, konnte bei hiesigen jüdischen Anwälten vermittelt werden, die sich in uneigennütziger Weise fiir diese Tätigkeit zur Verfügung gestellt haben. (SchluB folgt.)

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