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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-11-24 · 47 (24.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
47 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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-'' Auflage 4500 Stück ©emcinöcUatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMfcINDE- ZU I f"|D7|/IL AMTLICHES NACHRICHTENBLATT bLIl^lV DER GEMEINDEVERWALTUNOB Scbrlftleltuns: Oemcinderabbiner Ouita» Cohn Leipzig. Walter Blflmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe and ait Genehmigung des Verfassers gestattet. Nummer 47. "Jahrgang S 24. November 1933 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig OS, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. (07 71. Druck: Druckerei der Werkgetneinichaft, Leipzig C 1. 9 . J Biftt fltV** \v immengebrochen, der An die Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinde! An die jüdische Jugend Leipzigs! Groß ist die Not der Zeit! Doch noch nie ist das Judentum in Notzeiten Gemeinsinn stieg und man fand neue Kraftquellen. Doppelt verspüren wir heute die Not« da eins uns fehlt, was unsere Väter besaßen: Jude-Sein als Form des Lebens. Daher lautet heute die Losung: ZurOck zum Judentum! Hier will die Gemeinde helfen. In Erkenntnis ihrer Pflicht will sie führend sein auf dem Wege, der uns zu diesem Ziele bringt, dem Wege des Lernens. In öffentlichen Gemeindeabenden wollen wir unserer Zusammengehörigkeit Ausdruck geben. Wieder soll die Synagoge werden der Mittelpunkt jüdischer Lehre, das „Haus der Sammlung*4. Doch nicht nur uns sammeln, auch arbeiten wollen wir. In Lehrkursen werden sich Alt und Jung mit Bibel und Talmud beschäftigen, mit den Tatsachen jüdischer Vergangenheit, mit Problemen jüdischer Gegenwart und den Zielsetzungen jüdischer Zukunft. Reiht Euch ein in die Jüdische Gemeinschaft!!! Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig. Der L Gemeindeabend findet in der Gemeindesynagoge Gottschedstraße, Sonnabend, den 2. Dezember, abends 6 Uhr 30 statt. Nach der Eröffnungsansprache des Gemeindevorstehers, Herrn Carl Goldschmidt, spricht Herr Dr. Fritz I oebenstein programmatisch über: Das F.rziehungs- und Bildungswerk der Jüdischen Gemeinde. Programm und Organisation der Lehrkurse werden in der nächsten Nummer des üemeindeblattes veröffentlicht. Die jüdische Erwachsenenbildung von Dr. Ernst Marcowitz. Bereits im ersten Aufsat/ wurde angedeutet, daß die Aufgabe der iemeinde, dem jüdischen Leben innerhalb unserer Kehillah einen leiten Auftrieb zu geben, mit der Umgestaltung der jüdischen Schule nicht erschöpft ist. Die Erziehungsarbeit der Gemeinde muß außer Jer schulpflichtigen auch die schulentlassene Jugend und die Erwachsenen umfassen. Uber die Notwendigkeit einer jüdischen Bilnig braucht wohl nicht mehr gesprochen ZU werden; nur im Anlilttli an einen Punkt des letzten Artikels sei noch einmal kurz der Zusammenhang dargetan, der zwischen der jüdischen Schule und der iwacbsenenbildung besteht: Ks hieß dort: „Wir hoffen sogar, durch die jüdische Ausbildung der Kinder . . . manches Hann wieder stärker jüdisch zu machen . 1'iiU wirklich, wenn wir diesen üedanken weiter verfolgen, so erkennen wir die unbedingte Notwendigkeit, uns gemeinsam mit untern hindern jüdisches Wissen anzueignen und jüdische Formen wieder aufzunehmen. Wir haben uns alle heute für die jüdische Schule entschieden und damit unserm Willen Ausdruck gegeben: Unsere Kinder wenigsten! sollen ganze Juden werden, sollen unter dem Zwiespalt und der Halbheit, die wir in uns tragen, nicht mehr leiden. Sie sollen der Kultur der Umwelt nicht fremd gegenüberstehen, aber sie sollen stark und fest in ihrer eigenen Kultur verwurzelt sein. Und wir? Wenn wir nicht eine geistige Entfremdung zwischen unsern Kindern und uns aufkommen lassen wollen, dann müssen wir wenigstens unser Möglichstes tun, um ihren Bildungsgang verstehen, um ihre Fragen beantworten zu können. Wenn diese Gefahr auch für viele nicht in voller Scharfe besteht, so ist doch wohl die Begriffswelt der meisten von uns durch deutsche Kultur und Geschichte geformt worden und nicht durch Bibel, Talmud und jüdische Geschichte. Verweilen wir einen Augenblick bei der Bibel. Es ist uns allen klar, daß für den Unterricht auf der jüdischen Schule die Bibel den wichtigsten Lehrstoff bilden wird. An ihr lernt man Hebräisch, ihre Erzählungen, Lehren und Gesetze werden Grundlage und Beispiel für sittliches Handeln darstellen, ihre Dichtkunst wird die Phantasie und den Sinn für Poesie anregen; kurz, das unausschöpflichc Bildungsmaterial, das sie bietet, wird nach Kräften benützt werden. Und wie viele von uns haben sie überhaupt schon vollständig gelesen, geschweige denn sich näher mit ihr, ihrem tieferen Wesen und ihrer Ausdeutung beschäftigt! Wir erkannten bei dieser kleinen Abschweifung erneut die Notwendigkeit einer detaillierten jüdischen Bildung für Erwachsene wie für die Jugendbünde, denen es in ihrem Kreis oft genug an geschulten Kräften mangelt. Außer der in den Bünden zusammengefaßten jü- Religiöser Vortrag Der religiöse Vortrag des Herrn Gemeinderabbiner Dr. Felix O o I d m a n n findet am Sonntag, den 26. November 1933, 5 Uhr nachmittags, in der Gemeindesynagoge, Gottschedstr. 28, statt. Die weiteren Vorträge werden jedes Mal an dieser Stelle angekündigt. Das Thema lautet: „Der jüdische Mensch und die jüdische Gemeinschaft" Leipzig, den 13. Nov. 1933 Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.

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