Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 46 (17.11.1933)
- Date
- 1933-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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LLda Auflage 4500 Stück (taeinö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I {■ID7lsCa AMTLICHES NACHRICHTENBIAT? Imlss I lAstl V7 DER GEMEINDEVERWALTUNG« Schriftleitung: Oemeinderabbiner Oustav Cohn Leipzig. Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Oenebmigung des Verlassers gestattet. Nummer 46. ■ Jahrgang 9 17. November 1933 An zc i gtnan nah int: E. Ooldfreund, Leipzig O 5, Cichoriusstiaße 2a, Fernsprecher Nr. 60771. Druck: Druckerei der Werkgenicinschaft, Leipzig Cl. Öffentliche Vorträge Die religiösen Vorträge des Herrn Gemeinderabbiner Dr. Felix G o 1 d m a n n in der Gemeindesynagoge müssen mit Rücksicht auf die bevorstehenden Gemeindeabende anders gelegt werden. Der erste Vortrag findet nicht wie angekündigt, am 19. November, sondern erst am Sonntag, den 26. November 1933, 5 Uhr nachmittags, in der Gemeindesynagoge, Gottschedstr. 28, statt. Die weiteren Vorträge werden jedes Mal an dieser Stelle angekündigt. Das Thema des ersten Vortrages lautet: „Der jüdische Mensch und die jüdische Gemeinschaft" Leipzig, den 13. Nov. 1033 Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Die neue jüdische Schule von Dr. Ernst Marcowitz. II. Das Bildungsziel der jüdischen Schule. Wir haben im vorigen Aufsat/ eine kurze Darlegung clor Notwendigkeil einer jüdischen Schule in der heutigen Zeit gegeben, den iußeren Rahmen dieser Schule skizziert und uns vor allein an die I Iternschaft gewandt. Diese Unterstützung erbitten wir nicht nur auf dem rein pädagogischen Gebiete, sondern ebenso oder noch stärker aul dem Gebiete der bildungsmäßigen Entwicklung der Kinder. Natürlich wissen wir, dall es vielen Litern, die ja selber ineist nicht auf eine indische Schule gegangen sind, nicht möglich sein wird, die jüdische Bildung der Kinder zu ergänzen und zu vervollständigen. Im Gegenteil, wir hoffen sogar, durch die jüdische Ausbildung der Kinder, durch das i ernmaterial und durch die engere Verbindung von Elternschaft und Schule manches Maus wieder stärker jüdisch zu machen. Aber dazu in.iiichen wir eins, das ist die Bereitschaft, unsern Weg mitzugehen, das Interesse au dem, was wir dort Italien wollen und die liebevolle Unterstützung der Kinder bei der großen Aufgabe, die wir ihnen in der jüdischen Schule stellen: Ganze Juden zu werden. Demi das BildttngSZiel der neuen jüdischen Schule ist der jüdische Mensch, der so selbstverständlich und sicher in seinem Judentum verwurzelt ist, dalt er nach aulten hin im besten Sinne jüdisches Wesen repräsentiert und innerlich sich, trotz aller Fahrnisse und widrigen Umstände, seiner geistigen Heimat stets bewulit bleibt. Ein freier, stolzer und gerader Charakter soll herangebildet werden, der genau weil!, warum er die Kulturwerte seines Volkes als gleichwertig neben die anderen Nationen stellen kann, der aber auch nicht in falscher Überheblichkeit andere Gemeinschaften und ihre Kultur als minderwertig ansieht. Wir wollen Menschen heranziehen, die wieder so selbstei Stündlich Und echt Juden sind wie früher, in der Zeit vor der Emanzipation. Aber im Gegensatz /u den Juden früherer Generationen ollen die Juden der neuen Epoche die Fehler sowohl der Emanzipalionszeit als auch der Ohettozeit vermeiden. Weder sollen sie, unter Vufgabe ihrer jüdischen Ligenart, um ihr Recht als Gruppe um1 Individuen kämpfen; noch unter Beibehaltung ihrer Sonderheiten sich geduckt und demütig als Objekte des Geschehens behandeln lassen. Der iunge Jude soll unbedingt Pflfchterfüllung dem Staate gegenüber, Anteilnahme an seinem Schicksal und verantwortungsbewußte Mitarbeit in seinen wirtschaftlichen Aufgaben, als seine menschliche und jüdische I'flicht betrachten, während alle politischen und kulturellen Energien der eigenen, der jüdischen Gemeinschaft zuzuwenden sind. In der Stellung zur deutschen Umwelt also wird eine klar und eindeutig jüdische Erziehung, die sich ihrer Pflichten bewuftt ist, unseren Nachwuchs die richtige Haltung finden lassen. Nicht Gleichgültigkeit der Umwelt gegenüber, wie es zur Ghettozeit meist der Fall war, aber auch »icht Identifizierung mit dem Deutschtum, sondern selbstverständliche loyale Treue dem Staate gegenüber. Aus dieser Darstellung des Bildungsziels ergibt sich klar, worauf die neue jüdische Schule im einzelnen Wert zu legen hat: a) in kultureller und ethischer Hinsicht: Die Unterrichtssprache ist selbstverständlich die Muttersprache der Kinder, nämlich Deutsch. Sie »hent in erster Linie dem Vertrautniachen des Schülers mit den Leistungen des deutschen Geistes und mit dem deutschen Volksleben. Ebenso muH aber dieser Deutschunterricht bei der allgemeinen Charaktcr- und Geistesbildung naturgemäß auf die Bücher der Bibel sowie auf die Schrillen der Gesetzeslehrer und jüdischen ReligionsphUosophen grundlegend hinübergreifen. Hierbei ist entsprechend der verschiedenen Einstellung der Elternhäuser zum Ritual vor allem auf den uns alle verbindenden sittlichen, sozialen und kulturellen (iehalt dieser Werke Wert zu legen. Alliier der Bedeutung für uns selber ist auch die allmenschliche Wirkung, die von unseren Schriften ausgegangen ist, in Rechnung zu ziehen. Im Sprachunterriehl muH der neuhebräischen Sprache besonderer Raum gegeben werden. Sie soll im Rahmen des fremdsprachlichen Unterrichtes eventuell eine der üblichen neueren modernen Fremdsprachen ersetzend, nach modernen, bewährten Methoden gelehrt werden. Hierbei ist als Sprachguf neben Bibel und Mischna in hohem Maße iieunebräisches Schrifttum, insbesondere auch aus dem Hereich des heutigen Palästina, der Quelle jüdischer Erneuerung, heranzuziehen. b) In historisch politischer Hinsieht: Außer der Geschichte di!8 deutschen Heimatlandes bildet die jüdische Geschichte den Kern des historischen Unterrichtes. Hierbei ist nicht wie früher die biblische Geschichte als zentral, sondern nur im Rahmen des Gesamtkomplexes der jüdischen Geschichte zu behandeln. In den höheren Klassen muH auch die politische Erziehung einsetzen, Gegenwartssituation des Jüdischen Volkes entnehmen hat. Die Entwicklung des jüdist verständlich ebenfalls in diesen Rahmen, schnitt muH der historische Gestallswandel innerhalb der letzten Ibl) Jahre bilden. c) In physischer und soziologischer Hinsicht: Im Hinblick auf die falsche ökonomische Schichtung des deutschen Judentums sowie unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Situation ist schon auf der Schule die berufliche Umschichtung geistig und praktisch vorzubereiten. Line systematische körperliche Schulung muß die Grundlage für ein starke-, arbeitsfähiges Geschlecht schaffen. Werkunterricht, sowie gärtnerische Ausbilduiigsmöglichkeiten sollen besonders betrieben werden, um in den Kindern den Sinn für Natur und Arbeit schon frühzeitig zu wecken und diese ZU Lebenswerten für die Jugend zu gestalten. Da die jüdische Jugend Deutschlands in erheblichem .Walle ihre Zukunft im Ausland, insbesondere auch in Palästina, suchen wird, muH schon auf der Schule eine seelische und berufliche Vorbereitung auch in dieser Hinsicht stattfinden, damit der Jugend der innere jüdische Halt nie verloren geht und sie mit Freude später den richtigen Beruf ergreift. Diese Darlegungen Über die Aufgaben der Schule konnten natürlich das Thema nur ganz kurz skizzieren: jedes einzelne Gebiet würde eigentlich eine Abhandlung für sich erfordern. Wir stehen au einem Anfang: ganz fest umrissene Lehrpläne sollten heute noch gar nicht aufgestellt werden, die Entwicklung muH zeigen, was von wesentlichem Wert ist und was einer späteren Weiterarbeit des Schülers überlassen bleiben kann. Geben wir zum Schluß noch der Hoffnung Ausdruck, daß es der Schulleitung in Zusammenarbeit mit der Lehrerschaft und Elternschaft gelingen wird, in gemeinsamem Streben für die Erneuerung des Judentums die großen Aufgaben der jüdischen Erziehung durchzuführen! die ihr Lehrmaterial der in seiner Gesamtheit zu ich Palästina gehört selbst- Einen besonderen Ahdes deutschen Judentums