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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-11-04 · 44 (4.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
44 (4.11.1933)
Date
1933-11-04
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 4. November 1933 vertrag heißt, als „prescription ilti droit international, reconnue de*- ormais comme regle de conduite effective de* Gouvernements" anerkannt \\ urde. Gibt es .il-o auch im allgemeinen noch kein internationales Oesetz oder Abkommen, keine gerichtliche oder sonstige internationale Instanz, vor welcher der Einzelne sein Recht aul eine Staatsbürgerschaft oilcr wenn er schon Staatenloser ist, sein Recht aul Aufenthalt, auf Freizügigkeit oder sonstige „Menschenrechte" geltend machen kann, mi drängt doch die Entwicklung in diese Richtung. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß schon auf der /nr/eit stattfindenden Tagung des Völkerbundes das Staatenlosenproblem wieder zur Diskussion kommt. Das Intel nationale Nansenami für Flüchtlingsfragen hat bereits am 2. 10. l'Mi dem 6. Ausschuß des Völkerbundes den Entwurf eines „Abkommens" zum Schutz der Flüchtlinge vorgelegt, der die Grundlage für die Regelung des ganzen Staatenlosenprobiems werden kann, her Entwurf schlägt vor, die Flüchtlinge in den Genuß aller bürgerlichen Rechte zu setzen, ihnen Sicherheit, Niederlassung*- und Arbeitsrecht zu geben, die Zulassung zu Schulen und Universitäten /u gewährleisten und ihnen den I lebrauch der Bezeichnung „Flüchtling" im Sinne der internationalen Vereinbarungen zu gestatten. Hinsichtlich »Iii Ausweisung >ielit das Abkommen vor. daß keine Regierung einen „Flüchtling" ausweisen kann, wenn er nicht vorher die Erlaubnis hat, in ein anderes I and zu gehen. Wenn dieses Abkommen für die „Flüchtlinge" angenommen wird, kann eine Erweiterung auf alle Staatenlose nicht mehr lange auf sich warten lassen. Unsere Gemeinde. Eröffnungskonzerl des Jüdischen Ausschusses für Kunstpflegc. I >as erste Konzerl des Jüdischen Ausschusses für Kunstpflege gestaltete sich zu einem vollen Erfolg, nicht nur des Veranstalters, sondern der Leipziger jüdischen Gemeinde. Der große Saal des Städtischen Kaufhauses war bis mf den letzten Platz gefüllt mit einer erlesenen Zuhörerschaft judischer Männer und Frauen aus allen Schichten, und daß dieses erlesene Publikum in solchen Scharen herbeiströmte, auch daß die Jugend so stark in Erscheinung trat, verlieh der Veranstaltung den < harakter einer machtvollen Kundgebung besten Kulturwillens, pflichtbewußter Verbundenheit und ungebeugten Lebensmutes. Aufgeschlossen dem Kunstgenuß, dankbar und beifallsfreudig, folgte die Hörerschaft dem langen Programm, und mau konnte feststellen, wie die Gehobenheit der Stimmung auch die ausübenden Künstler erwärmte und ihre Leistungen im Laufe des Abends steigerte. hu gebotenen Kunstgenüsse standen alle auf achtbarer Höhe. In Anna Lipin-Berlin lernten wir eine jüdische Künstlerin von Formal und bester Kultur kennen. Ihre schone Stimme, ein samtener, in der Mitte leicht überschatteter, in der Hohe strahlender Alt, eine vorhe Stimmtechnik, eine bei sparsamsten äußeren Mitteln innerlich große und zwingende Wärme des Vortrages, eine vorzügliche Aussprache, vereinigten sich mit einer äußerst sympathischen Erscheinung zu einem Bild von besonderem Reiz. In Afrcin Kinkulkins Cellospiel wird die Erinnerung an seinen in diesen Tagen verstorbenen großen Lehrer Julius Klengel lebendig, dessen Spiel das seine sehr ähnelt. Dies« Sicherheit und Selbstverständlichkeit, mit der technische Schwierigkeiten gemeistert werden, ist ebenso typisch für die Klengelile wie die keusche und zurückhaltende Tongebung in klassischen Stücken (Couperin-Suite). In einer interessanten Fantasie über eine jüdische Volksmclodie \<>n Zeitlin fanden wir den blühenden Ton wieder, dm wir au dem Konzertmeister Kinkulkin so seh.it/ten, und in einem Nocturne eigener Komposition zeigte er sich als geschmackvoller Komponist. Und endlich Meister Barnet Licht mit dem neuorganisierten PsaHerion-Chor, einer Auslese guter Stimmen, die von ihrem bewährten Führer zu einem technisch tadellosen, dynamisch außerordentlich fein geschulten Klangkörper zusammengeschweißt worden sind, dem die gar nicht einlachen Mendelssohnschen a capclla- Chöre glänzend gelangen. Am Flügel waltete Alfred Simon als delikater und sicherer Begleiter seines Amtes. Eine Spielfolge von Niernstes Wollen und gutes Können der Ausübenden auch hierin gutes Oeningen und voller Erfolg. Hein Jüdischen Ausschuß für Kunstpflege sei gedankt für diesen Abend. Die Hunderte von Hörem, die seinem eindringlichen Ruf gefolgt sind, sind nicht enttauscht worden. Umsichtige Vorbereitung, tadellose Regie, bis in die textliche und typographische Gestaltung des Programm blatte», haben bewirkt, daß auch auf dem äußeren Bild des Abend» kein Stäubchefl haftete. Her Jüdische Ausschult für Kunstpflege hat von der Gemeinde eine überwältigende Vertrauenskundgebung bekommen; lie sei ihm hoher Lohn fiir seine Arbeit und anfeuerndes Signal ru neuen Taten' Dr. R. Hesped für den „Chofez Chajiffl" s.A. und den „Lubliner Rowu s. A. Es wnd bekannt gegeben, daß am Sonntag, den 5. XI. 33 um 17.15 Uhr in der Synagoge, KeiNtr I. s. |.. Herr Rabbiner I) Feldmann einen Hesped-Mar über »las Hinscheiden des „Chofe/. Chajihi", <!• - Größten unserer Zeit, sowie über den Qodaul Raw htelr Schapiro, Lublin, (früher Sanoker Raw), von dessen Hinscheiden das Judentum erneut schwer erschüttert wurde. Heide Zadikim standen an der Snitze der Agudas Jisroel-Weltorganisation. Her „Chofez Chajim" war al- Ehrenpräsident das geistige Haupt der Agudas Jisroel, und der lubliner Raw, <iruuder der lubliner Jcschiwoh, war der große politische I iihrcr. NIhkursus des Sozialamts. Di« Vorbereitungen für den seitens des Sozialamts geplanten Nähkursus sind soweit gediehen, daß er voraussichtlich Mitte November eröffnet werden kann. Für die Einrichtung werden noch eine Anzahl stuhle benötigt. Es wird gebeten, solche unentgeltlich für du- Zwecke de, Nähkursus zu überlassen. Nach Meldung beim Gemeindeamt (21182) werden sie abgeholt Schachturnier um die jüdische Meisterschaft von Leipzig. Dir Schachklub Rar Kochbl fordert hierdurch alle jüdischen Schachspieler auf, sieh an der Meisterschaft der Juden Leipzigs zu beteiligen. Mehrender besten I eipziger Spieler sind mit von der Partie. Meldungen w erden bis zum 12. November erwartet, und zwar fiir Gruppe H (1! 17jährige) schriftlich an F. Jaffe, Funkenburgstr. 15p oder mündlich au Lehrer Schönfeld, Höhere Isr. Schule. Reugeld 1.511 Mk Gruppe A (über 17 Jahre) schriftlich an Ii. Jaffe, Funkenburgstr. 15j) oder Montaus und Donnerstags im Bridgezimmer des CT. bei den Spielabenden. Reugeld 1.50 M. Spieler jeder Starke sollen sich melden; es braucht keiner zu furchten, auf unüberwindliche Gegner zu stoilen. Der Bar Kochba wird wertvolle Ehrenpreise zur Verfüguni stellen. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemeindesynagoge. Sabtxatgottesdienst: Freitag, 3. Novem ber, Abendgebet 16.45 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. üoldmann) Sonnabend, 4. November, Morgengebet 5 Uhr, Nachmittagsgebet 16.5t) Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Qoldmann); Abendgebet 17.24 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 16.45 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 10.Novem ber, Abendgebet 10,30 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Sonnabend 11. November. Morgengebet 'I Uhr, Jugendgottcsdicnst 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Nachmittagsgebet 16.40 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 17.13 Uhr. Morgengottesdienst au Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 16.30 Uhr. Der Gottesdienst in der E/.-Chaim-Synagogc, Otto-Schill-Str., find« statt: Freitag, den 3. November, Abendgebet 10.15 Uhr. Sabbat, den 4. November, Morgengebet 8.30 Uhr; Minclta 10.30 Uhr; Ausgatu 17.24 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 17 Uhr. Personenstandsnachrichten. Geburten: 1<). Oktober l<)33 Oedalje Katz riete Gleicher und Chawe Rachel geh Ooldberg, Thomasiusstr. 13, „Zwillinge". Bar m i z w a : Am Sonnabend. 11. November, Henrv Szladkowski, Sohn des Herrn Elias Szladkowski und Frau Feige geb. Wittelsohn, Alexandel stralie 10, in der Ocmeindcsvnagogc. Am Sonnabend, II. November, Heinz Sprung, Sohn des Herrn Maren - Sprung und Frau Ciaire geb. l ink, Hcrggartcnstr. 12, in de: Synagoge Schillerweg 31. Todesfälle: 28. Oktober 1933 Leopold Qoldmann. Uferstraße 12. Austritte aus der israelitischen Religionsgesellschaft: Nach geltendem sächsischen Recht bedeutet der Austritt aus ihr Israelitischen Religionsgesellschaft den Austritt aus dem Judentum; nach unserer Friedhofsordnung hat der Austritt aus dem Judentum den Verlust des Anrechtes auf Beisetzung und auf eine etwa frühi r erworbene (irabstelle auf unseren Friedhöfen zur Folge. Kaufmanns-Ehefrau Wilhelmine Auguste Marie Kaplan geb. Trairmann. geb. ILO. 1894, Landsberger Stralie OL Schauspielers-Ehefrau Gertrud Meta Oottschalk geb. Wolff, geb. 13.8. 1002, Norderneyer Weg 5 a. Vereinsnachrichten. Jüdischer Jugendbund „Franz. Roscnz.weig", Leipzig. Heute, dm 3. Nov., fallt die Freitag-Abendfeier aus. Morgen, Sonnabend, den I. Nov., 20 Uhr, veranstalten wir in den Räumen der Leipzig-Log . Arndtstr, I, ein gemütliches Beisammensein mit Tanz unter Mitwirkung unserer Bundesfreunde, der bekannten (iebr. Selig. Gäste können eingeführt werden. Dienstag, den 7. Nov., französisch'r und hebräischer Sprachkurs. An uusenu Heimabend, Mittwoch, ihn 8. Nov., werden von Bundesfreund Dr. Freudenthal die anläßlich sein - Palästina-Berichtes ergangenen Fragen beantwortet. Donnerstag, den 0. Nov., englischer Sprachkurs und Stenographie-Unterricht. Wir erwarten pünktliches und vollzähliges Erscheinen. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Leipzig. Sonntag, den 5. November 1933, vormittags 10.30 Uhr, im Kunstlerha.:- am Nikischplatz, Großer Saal, Mitgliederversammlung. Kam - rad Dr. Alfred Jacobv, Leipzig, spricht über das Thema: „Der deutsc'.ie Jude als Staatsburger". Anschließend Aussprache. Die Angehörig " unserer Kameraden und von Mitgliedern eingeführte Oiste sind herzlichst eingeladen. Agudas Jisroel Frauengruppe, Leipzig. Wir machen unsere Mitglieder und Freunde darauf aufmerksam, daß wir am Dienstag, des 7. November, abends 8' j Uhr, Höhere Israel. Schule, Oustav-Adolf-Sti., mit unserer \\ interabeit beginnen. Herr Rabbiner Feldmann, des- M Vortrage in unserem Kreise sich gröllter Beliebtheit erfreuen, hat sich gütigst bereit erklart, den ersten Abend mit einer größeren Ansprai I« einzuleiten. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen .Anschließend Besprechung über das Winterprogramm. Jüdisch-nationaler Jugendbund „Herzlia". Nachdem das Polizeipräsidium Leipzig diese aus dem ehemaligen Brit Trumpeldor hervorgegangene und in seinem Oeiste geleitete staatszionistische Jugendorganisation genehmigt hat, können Neuanmeldungen von Jugendlichen bis zu 18 Jahren bei dem Führer Alexander Landau, l.eip/ig W33, Reuterstraße 20, erfolgen. Wanderungen, Heimabende und sonstige Veranstaltungen werden regelmäßig an dieser Stelle bekanntgegeben. Jüdischer Kindergarten, Pfaffendorfer Str. 1,11. Der KindergaiU" der „Techijja"-Schule wird wegen des verzögerten Eintreffens der hebräischen Kindergärtnerin aus Palästina vorläufig als jüdischer Kindergarten unter Leitung einer jüdischen Kindergärtnerin weitergeführt I s ist hiermit Eltern die Möglichkeit gegeben, ihre Kinder in ein** judischen Kindergarten zu schicken. Der Kindergarten wird in ein* dem jüdischen Volks- und Religionscharakter angepaßten Mctlm-K

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