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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-10-27 · 43 (27.10.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
43 (27.10.1933)
Date
1933-10-27
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 27. Oktober 1933 Jüdische Zeitschau. Vereinigung für das religiös-liberale Judentum. Die Vereinigung für das liberale Judentum hat eine außerordentliche Hauptversammlung abgehalten, in der einstimmig beschlossen wurde, den Namen der Vereinigung in „Vereinigung für das religiös-liberale Judentum" umzuändern. Es wurde betont, dal! durch die Wahl dieser Bezeichnung die Verbindung mit der Geschichte der Organisation aufrechterhalten, gleichzeitig aber klargestellt werde, dali die Organisation mit allgemeiner Politik nichts /u tun hat, sondern lediglich die geistesgeschichtlich und theologisch klare Bewegung des religiösen Liberalismus vertritt und fordert, wie sie dies in ihrer ganzen nunmehr ein Viertcljahrhundert umfassenden Geschichte getan hat. Der Verband Deutscher Zionisten-Revisionisten (Judenstaatspartei) Berlin-Charlottenburg 2, loachimsthaler Str. J.II, Sprechstunden nachmittags von 1 .3 1 _,S Uhr. veranstaltet wiederum eine Palästina- < ieseflschaftsreise für seine Freunde und Interessenten zu überaus günstigen Bedingungen. Die ('herfahrt wird mit der „Vulcania" ab Neapel am i. November angetreten. Die Rückfahrt ist zzu den ververschiedensten Terminen möglich und kann daher jeder Teilnehmer seinen Aufenthalt im Lande individuell einteilen. Anmeldungen bis zum 23. Oktober an das Büro, welches ebenfalls nähere Auskünfte erteilt, bzw. Merkblätter versendet. Unsere Gemeinde. ErOffnungskonzert am II. Oktober im Städt. Kauf haussaal. In der vorigen Nummer i>t schon auf die Bestrebungen hingewiesen worden, die Iiier in Leipzig auf eine dem Berliner Kulturbünde entsprechende kulturelle Gemeinschaft hinzielen. Aus kleinen, bescheidenen Anfängen hat sich in kürzester Zeit die grollartige Berliner Organisation entwickelt. Wie ging das zu? Ein paar tatfreudige jüdische Künstler hatten sich zusammengetan und wagten in schlichtem Kähmen künstlerische Veranstaltungen aller Art. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Die Säle waren voll und übervoll, und, wenn in früheren Zeiten die Kunstbegeisterung und das Interesse und die Opferbereitschaft der Juden oft, und manchmal vielleicht lauter als gut und notig, betont und gerühmt ward, wenn in allen Theaterpremieren und bei allen ..I reignissen" im Musikleben das jüdische Publikum in erster Reihe stand, so hat sich unter den heutigen veränderten Verhältnissen gezeigt, daß nicht leere Schaulust und Sensationsbedürfnis der wesentliche Grund jener Erscheinung war, sondern eine innige und echte seelische Verbundenheit der Juden mit der deutschen Kultur, dal! aufrichtige Liebe zum Schönen, Reinen und Erhebenden in \\ irklichkeit Triebfeder gewesen ist, und dal! der hohe und unzerstörbare Idealismus der Juden, der allein sie durch Jahrhunderte mit der Kraft zum Ertragen von Not und Leid gestählt hat. auch jetzt wieder in sorgenschwerer Zeit sich bewährt. So war es in Berlin. Wird es in Leipzig auch 10 sein?? Ja, und abermaljal E.s wird, es muß mi sein! IN kann, es darf nicht anders kommen! Traurig und bis ins Mark beschämend wäre es, müßten wir erleben, daß in unserer Gemeinde nicht die Erkenntnis vorhanden i-t. um was es hier geht. Ls handelt sich nicht darum, für ein Konzert die Werbetrommel zu rühren, sondern darum, daß jeder, aber auch jeder sieh bewußt werden muß: Hier geht es um meine eigene Sache! Wem denn verdankt unser kleines, über die Wi ll verstreutes jüdisches Volk seine Geltung innerhalb der zivilisierten Menschheit? Wie kommt es, daß Liebe und Haß, Verunglimpfung und Bewunderung seit Jahrhunderten nicht /um Schweigen kommen, sobald es sich um uns Juden dreht? Ein/ig den Leistungen des jüdischen Geistesl Von den Tagen unsrer Propheten au über Jahrtausende hinweg haben jüdische Dichter, Gelehrte. Künstler, Schriftsteller, Forscher und Weltweise Unsterbliches im Reiche des < ieistes geschaffen! Soll der Strom jüdischen Oeistet, soweit er in Deutschland fließt, jetzt in schwerer Zeit versiegen und zugrundegehen, -oll der Gelehrte an seinem Schreibtisch, der Forseher in sei- M m I aboratorilim, der Künstler vor seinem Instrument genötigt sein, ilie Hände in erzwungener Untätigkeit in den Schoß zu legen, weil in bedrängter Zeit -eine Stammesbrüder „andere Sorgen" haben? Das kann und darf nicht sein. Denn wenn erst die geistige Regsamkeit beginnt zu verdorren, dann wäre die stärkste Waffe zerbrochen, die Oott uns Juden für den Kampf um unsere Erhaltung und unsere Geltung in die Hand gegeben hat! Das zu verhüten muß begonnen werden! Ein Anfang muß gemacht werden, wie in Berlin SO anderwärts und in erster Linie in Leipzig. In diesem Sinne eröffnen wir: Das ist die eigentliche Bedeutung dieses Eröffnungskonzertes. An imallen ist es, jüdische Bruder und Schwestern, zu /eigen, dal! die Zeit der Gleichgültigkeit, des lauen und flauen Abseitestehens endgültig vorbei ist für jeden von uns, daß wir wie in früheren Zeiten der Not /ueinander gefunden haben, f anget au! Kinderbeschenkung des Hilfsvereins. Aus dem Büro des Hilfsvereini israelitischer Gewerbetreibender wird uns mitgeteilt, daß die Vorarbeiten für dje die-).ihrige Kinderbeschenkung mit Eifer betrieben werden. Trotz der besonders schweren Not der Tage oder Vielmehr gerade um ihretwillen hofft man. daß es möglieh sein wird, dagroß« Hilfswerk auch in diesem Jahre großzügig durchzuführen, und den an den Hilfsverein gelangenden Antragen in weitem Umfange gerecht zu werden. Dafür setzen die langjährigen (iönner ihre stets bewahrte Opferbereil-chaft ein und hoffen, darüber hinaus auch neue f reunde zu gewinnen, die für die unausweichliche Notwendigkeit de- Wirke- Verständnis beweisen und sieh mit offenem Heizen und offener Hand den alten Förderern der Kinderbe-chenkung an die- Seite -teilen werden, In dieser I rwartung sind die Meldelisten - hon jetzt eröffnet; ewird empfohlen, \lltrage auf Berücksichtigung bei dir Kinderbeschenkung bald an die Geschäftestelle des llilfsvereins. Packhofstr. 7, zu richten. Jüdische Mitglieder der Krankenversicherungen. Die Reichsvertretung «ler Deut-eben Juden gibt bekannt: „Bekanntlich haben die Mittelstandsversicherungcn eine Einschränkung in der freien Arztwahl für ihre Mitglieder vorgenommen. Diese Einschränkung gilt aber, worauf noch einmal ausdrücklich hingewiesen sei, nicht für die jüdischen Mitglieder der Versicherungsvereine, da für jüdische Mitglieder der Versicherungsvereine die Liquidationen aller Ärzte, auch aller jüdischen Ärzte liquidiert werden, ohne Rücksicht ilarauf, ob die Arzte zu den Krankenkassen zugelassen sind oder nicht." Amtliche Bekanntmachung. Koscherfleisch. Wir geben hierdurch bekannt, daß die Aufsicht unseres orthodoxen (iemeinderabbinats über Koscherfleisch sich ausschließlich nur auf folgende Fleischereien erstreckt: Schußheim, Plauensche Straße 9—11. Frischer, Packhofstraße 11 Ii, Kohn, Humboldtstraße 27, Löh, Ranstädter Steinweg 11, Leipzig, den 23. Oktober 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Änderung der Hausnummer des Synagogen-Gebäudes. Vom 1. Januar lö jl au erhalt unser Synagogengebäude in der Qottschedstraße die Hausnummer ). Leipzig, den 23. Oktober 1933. I ler Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Mädchenkonfirmation. Die Vorbereitungskurse für die M äd ch e n k o n f i r m a t io n beginnen im Oktober Vorbereitung und Konfirmation sind unentgeltlich Zur Teilnahme berechtigt sind alle Mädchen, die am 1 April 1034 das 15. Lebensjahr vollendet haben werden, jüngere nur, wenn sie die Schule verlassen, um ins Leben zu treten. Schriftliche oder mündliche Anmeldung bei Oemeinderabbinei Dr. Uoldmaun, König-Johann-Straße 17. (Sprechstunde; Sonntag, Mittwoch und Freitag 9'/a — Ii Uhr, Fernsprecher 21667). Leipzig, den 15. September 1933 Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 2(.Oktober. Abendgebet 17 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn). Sonnabend, 28.Oktober, Morgengebet 9 Uhr, Nachniiltagsgebet 17.115 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 17.t5 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen S Uhr. werktags 7.1(1 Uhr, Ahcndgollcsdicnst 17 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 3. November, Abendgebet 16.45 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. (ioldmann) Sonnabend, 4. November, Morgengebet <) Uhr, Nachmittagsgebet 16.5t) Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. (iolduianu); Abendgebet 17.24 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen S Uhr werktags 7.'}(l Uhr, Abendgottesdienst 16.45 Uhr. Ez -Chaim-Synagoge (Otto-Schill-Str.) und Talmud-Thora-Synagogi (Keilstr.): Freitag, den 27. Oktober: Abendgebet 17 Uhr. Sabbat Morgengebet 8.5(1 Uhr; Mincha 16.30 Uhr; Ausgang 17.15 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 17 Uhr. Personenstandsnachrichien G eburten: 7. Oktober 1933 Hans Blankenstein und Jetty geb. Feldmann, Tau chaer Str. 10, eine Tochter „(iitta Mirjam". 12. Oktober 1933 Benzion WaJstnan und Mania geb. Jakubowici Breitestr. 8, einen Sohn „Heinz Josef". B a r m i /. w a : Am Sonnabend, 28. Oktober, Schalom Marcus Czaczkes, Sohn des Herr i Anselm und Frau Sophie Czaczkes, Kantstr. 24, II, in der Ohe- Jacob-Synagoge. Am Sonnabend, f. November, Kurt Tschopik, Sohn des Herrn Rechtsanwalt Dr. Louis Tschopik und Frau Betty geb. Roaenfeldcr, (iott schedstraße 30, in der (iemeindesynagoge. Trauungen: Am Sonntag, 5. November, I Uhr nachm., Fräulein Sofia HoJzworm, König-Johann-Str. 10, mit Herrn Bernhard Schiermann, Tauchaei Str. 58, in der Wohnung König-Johanu-Straße 10. Todesfälle: 20. Oktober 1933 Her/ Richter, Schillerweg <> 11 2(1. Oktober 1933 Abrain Schmul Schmulowitsch, Walter-Blümel-Str. 13. 21. Oktober 1933 Josef Wasse.lauf, Klingenstr. 1. Vereinsnachrichten. Jüdischer Jugendbund „Franz Rosenzweig" Leipzig. Heute, den 27.X., Freitag-Abendfei er unter Leitung von Herrn Oherkantor Lampel. Dienstag, den 31. X., französischer und hebräischer Sprachunterricht (trotz lies öffentlichen Feiertages). Mittwoch, den 1. XL, Heimabend in der neuen Ausgestaltung. — Donnerstag, den 2. XL, englischer Sprachunterricht und Stenographie-Kurs. Wir erwarten vollzähliges und punktliches Erscheinen unserer Mitglieder EH den einzelnen Veranstaltungen. J. S. V. Bar-Kochha. I >as bereits angekündigte jüdische Sportfest findet bestimmt am 29. Oktober auf unserem Platz pünktlich II Uhr statt. Die Veranstaltung ist polizeilich genehmigt und bitten wir um rege Beteiligung der judischen Bevölkerung. Unterstützt jüdischen Sport!!

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