Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 41 (13.10.1933)
- Date
- 1933-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 GEMEINDE.BLATT DLR ISRAELITISCHEN RELIOIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG 13. Oktober 1933 in unterer I andschafl immer mehr als Fremdkörper ab und werden nur sehr gern als Spiegelflächen benutzt; sie wirken in ihrem Ausdruck sehr hart und drücken meistens, da in der Sonderanfertigung zu teuer, nichts Persönliches aus Aus den genannten deutschen (iesteinen, von denen eratere zwei hier besonders bevorzugt werden, lassen sich die schönsten Entwürfe, also auf die betreffende verstorbene Person abgestimmt, ohne große Kosten anfertigen. Hinsichtlich der Höhen sei noch zu sagen, daß bei der Vollausnutzung der zugelassenen Höhe meistens nicht die volle Wirkung eines Grabmals zu erzielen ist, wie ein großer Teil unserer Mitbürger noch anzunehmen scheint. Die Abmessungen des Denkmals müssen sich im Rahmen einer schönen (iesamtwirkung halten. Es sei darauf hingewiesen, daß solche Sockel, insbesondere noch aus anderem Material als der Stein, unter Umstanden noch aus Kunststein, unschön wirken und daher zu vermeiden sind. Durch Unterschiebung von Sockeln wird meistens das Oegentcil von dein erreicht, was erreicht werden soll: Wirkung eines (irahmals kann niemals nur durch die volle Höhenausnutzung erzielt werden, sondern in seinem (iesamtaufbau. Hier sei noch gesagt, daß eine einfache Linienführung, abgestimmt zu einem schönen Oesamtbild, nicht nur mehr Befriedigung bringt, sondern auch in der Herstellung und Anschaffung sich weit günstiger stellt als längst überhotte Ideen mit unnützen und unschönen Verzierungen, Absätzen, Sockeln, Blumen kästelten usw. Nun noch einige Worte über die Verwendung von Kunststeindenkmälern! W ohl in verschiedenen Städten sind Grabsteine aus Kunststein grundsätzlich verboten, sicherlich auch mit zum Schutze gegen eine gewisse Obervorteilung der Käufer: denn Kunststein hat, besonders von ungewissenhaften Leuten hergestellt, eine sehr begrenzte Haltbarkeit, d. h. man kann nach ganz kurzer Zeit beobachten, wie sich die Schäden einstellen, die in wenigen Jahren zum Zerfall führen! Es sei besonders darauf hingewiesen, daß für den gleich niedrigen Preis, den man für einen Kunststein anlegen muß, einen sehr schönen Natur- Ifein in vorgenanntem Material kaufen kann! Bei der Bewilligung von Einfassungen und sarkophagartigen Steinlusbildungeu ist man hier, wie fast überall nur sehr zurückhaltend; sie können, selbstverständlich im Rahmen der Deukinalsordnung nur dort zur Aufstellung genehmigt werden, wo sie ein schönes Gesamtbild ergeben, vorausgesetzt, daß sie aus Naturstein bestehen. Auch bei der Beschriftung eines Denkmals wähle man eine gute ausdrucksvolle Schrift und vermeide jedes Überflüssige Wort. Auf die Ausführung der Schrift und auf die Wahl der Farbe soll man mehr Wert legen als bisher. Aufgesetzte Buchstaben aus anderem Material als der Stein soll man vermeiden. Es sei auch bemerkt, daß ein grüner und gepflegter niedriger Hügel, ein Blumenbeet mit einer immergrünen Heeke in Verbindung mit einem einfachen Stein zur Ausgestaltung eines Grabes recht geeignet ist. Mit vorstehenden Ausführungen sollte versucht werden, das Publikum mit Oedanken vertraut zu machen, mit denen sich weite Kreise unserer (iemeinde beschäftigen müssen. Es ist leider vielfach festzustellen, daß Familien sich oft bei Fachleuten erst zu spät den notwendigen Rat einholen und so Schäden aller Art erleiden! Man wende sich zwecks Beratung vor dem Kaufabschluß an einen Friedhofsfachmann, einen Künstler oder Architekten, zumindest aber kaufe man bei namhaften Firmen; nur auf diesem Wege kann etwas Schönes geschaffen und der Käufer vor Schäden bewahrt werden. Bei Beachtung der vorstehenden Gedankengänge wird es auch möglich sein, die Stätte unserer liehen Entschlafenen recht würdig zu gestalten. Friedhofsinspektor Simon. Unsere Gemeinde. Brith Chalu/im Datiim. W ie bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt, findet -.d.w. von Uoschanah Rahbah bis Sonntag nach Suk- KOth (II. IV Okt.) in Leipzig die interne Fuhrertagung unseres Bundes mit folgendem Programm statt: l. Erziehungsfragen: a) Die Situation in Erez-Israel, b) die Situation im Bunde, c) Lfm Schreibung der erzieherischen Arbeitsgebiete. '1. '/au Gruppierung der religiöschaluzischen Jugend in Deutschland, i. Zur Arbeit im Bunde: a') Arbeitsbericht, b) die Arbeit im kommenden Jahre. Ferner veranstalten wir im Rahmen unserer internen Tagung am Schabbath, den 14.Okt., nachm. 5 Uhr, im Saale des Jugendheimes, l l-'erstr. 7, eine öffentliche Seudah Schiischith, auf der u. a. Chaver M. Unna (Hapocl-Hamisrachi, Kibbuz Rodges) über Lrez-Israel sprechen wird. Zu dieser ■nudali Schiischith sind alle Freunde uiisircr Bewegung herzlichst eingeladen. Was wird aus unseren Kindern? Ober dieses Thema sprach im Rahmen einer Veranstaltung der Zionistischen Vereinigung Leipzig Herr Rabbiner Dr. Prinz aus Berlin am 3.Oktober 1933 im dichtbesetzten Saale des Städtischen Kaufhauses. Der Redner ging davon .uis, daß die Erzichungsfragc heute nicht mehr eine akademische, sondern eine pohtisi he Präge sei, und nur vom Standpunkt der Wirklichkeit aus, unbeeinflußt von Furcht oder Hoffnung, betrachtet werden iiui^sr Herr Dr. Prinz ging alsdann auf die gegenwärtige Lage in Deutschland ein, die er als eine epochale Wende ansieht, deren historischer rrsprung bereits auf das Jahr 1815 zurückzuführen sei. Damals seien die Errungenschaften der französischen Revolution infolge des Durchbruchs dir nationalen Tendenz Verlorengegangen. Seitdem habe das Staatsbild des I Iberalismus dauernd I ilischichungcii erfahren, doch immer wieder habe sich die liberale Idee aus den Trümmern erhoben. Das Jahr 1918 sei schließlich der Höhepunkt des l.iberalismUS gewesen. Das Jahr 1933 habe dagegen den Sieg der 1815 begonnenen deutschen Tendenzen gebracht. Der Begriff des Men- M hen so führte der Redner weiter aus habe sich demzufolge völlig gewandelt. Das neue Weltbild gehe davon aus, daß der Men« Ii in seiner Nation w urzele. Zum Volk gehöre daher nicht, wer nicht deutschen Blutes sei; dies bedinge notwendig, daß wir Jude aus der Volksgemeinschaft und damit aus dem tragenden Leben dl Nation ausgeschlossen seien. Auch der neue Kampf um die Emat zipatiou könne somit nicht wie im vorigen Jahrhundert ein Kampf tu ilie Emanzipation des Einzelnen sein, sondern er müsse geführt werd< als ein Kampf um die Anerkennung der Juden als nationale Grupp Um aber unseren Gegnern mit Würde gegenübertreten zu können, s zunächst erforderlich, daß wir selbst zugeben, anderen Blutes zu seil Die Assimilation habe das Judentum entwertet; Aufgabe des Augei blicks sei es deshalb, das Judentum wieder zu einem Wert zu mache damit wir wieder als freie, selbstbewußte Menschen leben könne Dies sei nur möglich durch die Anerkennung unseres eigenen Volkstum Die Frage: „Was wird aus unseren Kindern?" kann nach Ansicl; tles Redners nur von diesem Gesichtspunkte aus gelöst werdei Mögen auch wir zum Teil noch eine Existenz in Deutschland haben, so gäbe es doch für unsere Kinder in diesem Lande keinen Weg meh Abzulehnen sei aber eine unkontrollierte Auswanderung, da sie dm Export des Antisemitismus nach ganz Europa zur Folge haben müss Dagegen bedeute die organisierte Einwanderung nach Palästina die Begründung einer fundamentalen Geschichtsepoche, Aufgabe der E ziehung sei es nun, unseren Kindern wieder das Gefühl ihres jüd - sehen Wertes zu geben, damit wir sie einmal als Juden in die We t schicken können, die sich des Wertes ihres Judentums bewußt sinn. Dabei müsse von vornherein die Verbindung zwischen Erziehung und Beruf gewährleistet sein. Grundbedingung dafür sei die Einrichtung eines dichten Systems jüdischer Schulen über ganz Deutschland, in denen unsere Kinder mit wahrer Liebe in einem klaren jüdischen Geiste zu dem erzogen werden, was sie einmal werden sollen; gerade, selbstbewußte, aufrechte Menschen, die wieder Beziehung zum Boden habci. Das bedeute Verzicht auf den Typus des Akademikers, auf Berechtigungsscheine und Studium, dafür aber Rückkehr zur Arbeit d> r zehn Finger und zum eigenen Boden. Die Ausführungen des Redners wurden mit starkem Beifall au ■ genommen. G. L. Kindcrbcschcnkung.( Der 11 ilfsverein Israelitischer Gi werbetreibender wrird auch in diesem Jahre eine Kinderheschei kung veranstalten. So unendlich groß die Schwierigkeiten sind, müsst n sie im Interesse unserer Jugend überwunden werden, damit im Winter kein jüdisches Kind in Leipzig friert! Die Kinde besthenkung kommt bekanntlich nicht nur den Mitgliedern des Vcieins zugute, sondern der gesamten jüdischen Bevölkerung, und so seien schon heute alle Leipziger Juden aufgefordert, für du- Kinderbeschenkung ihre Spenden zu geben, (ield und Sachspenden sind in gleicher Weise willkommen. Es wird herzlich gebeten, alle Spenden an das Büro des Hilfsvereins Israelitischer Gewerbetrcibetider, Packhofstr. 7,1, zu senden. Das Postseheckkonto hat die Nummer 52IIÖ5 .Anmeldungen von Kindern können gleichfalls, aber nur schriftlich, an das Büro des Hilfsvereins gerichtet werden. Nähere Einzelheiten über das Hilfswerk folgen in der nächsten Nummer. Vortrag von Rudolf Saudck. Im Rahmen von Bestrebungen, geistig und künstlerisch interessierten Kreisen unserer (iemeinde durch Vei■ austaltungen auf den Gebieten von Kunst und Wissensehaft Anregui - gen zu vermitteln, fand am Sonntag, dem 8. Oktober, im Atelier d> I jedem Kunstkenner Leipzigs durch seine ausgezeichneten Bildwerl ( bekannten Bildhauers Rudorf Saudek eine Vortragsveranstaltung stau Der Künstler führte die Erschienenen durch sein Atelier und gab bereitwillig Erklärungen über die Entstehung und die Aufstellung der tei s in Modellen, teils in ausgeliehenen Originalschöpfungeu aufgestellt Bildwerke und fügte daran einige Darlegungen über die bei plastisch n Bildwerken angewandte Technik. Im Mittelpunkt der Veranstaltui .: stand ein Vortrag, in dem der Künstler unter dem Thema. „Der BiL - hau er liest in einem Mcnschengesicht" Einblick in die seelische Beziehung des Künstlers zu seinem Werk gab. Wenn eis plastisches Bildnis seine Aufgabe erfüllen soll, so muß es nicht alleil eine äußerliehe Ähnlichkeit aufweisen, sondern auch die Seele d 1 Dargestellten muß aus dem Werke zum Betrachter sprechen. Da scharfe Beobachter wird in den Zügen eines Menschen mehr und im ir dessen Charakter ausgedrückt finden, so daß er schließlich die Fähi »• keit besitzt, sich aus der Betrachtung eines Menschengesichtes dal seelische Wesen nachzeichnen zu können. Die prägnanten, Scharfsinnigen Ausführungen Saudeks ließen erkennen, wie die Beseeltheit il den im Atelier gesehenen Werken in der feinen Beobachtung Saud» kl begründet ist, zu der allerdings auch eine besonders starke technisi IC Ausdrucksfähigkeit des Künstlers tritt. Gemeinderabbiner Colin sprach Rudolf Saudek den Dank der Erschienenen aus, die es besonders begrüßten, daß ihnen Gelegenheit gegeben war, durch di'st Stunde im Atelier des Künstlers eine besondere Beziehung zu d in jüdischen Künstler zu gewinnen. Mit Interesse betrachteten die Teilnehmer auch einige Radierungen und Grabmalseutwürfe, zu denen il« Kunstler gleichfalls einführende Erläuterungen gab. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemeindesynagogc, Go11scIiedstr. 28. Gesetz.esfreude: Donnerstag, 12. Oktober, Abendgebet 17>/j ' lir Freitag, 13. Oktober, Morgengebet 9 Uhr, ThoravorTcsung 9S/« Uhr;] Freitag, I ». Oktober, Sabbatgottesdienst, Abendgebet 17'/« Uhr. Sonnabend, U.Oktober, Morgengebet 9 Uhr, T horavorlesung 1,11] Uhr; Naehmitlagsgebet I7'/S Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmann), Abendgebet 18.03 Uhr. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Predigt pünktlich beginnt und daß während der Predigt die Zugänge zu den Plätze« gesperrt sind. Morgengottesdienst au Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7.30 Uhr. werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 17'/j Uhr. E z - C h a i m - S y n a g o g e (Otto-Schill-Str.). Slmchas Thora: Donnertag: Abendgebet 17.30 Uhr. Freitag: Morgengebet 8 Uhr; Abendgebet 17.30 Uhr. Sabbat: Morge«"