Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 39 (29.9.1933)
- Date
- 1933-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4876568-5968810-5969376--4810-4881867- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 24. Septrmber 1933. rufcs Ml! deutschem Boden versagt sein, vor uns steht als Tatsache, der gegenüber alles Fragen und Meinen aufhört, die deutliche geschichtliche Notwendigkeit, unserer Jugend Neuland zu bereiten. Es ist zur großen Aufgabe geworden, Plätze zu erkunden und Wege zu bahnen, wie auf dem heiligen Boden Palästinas, dem die Vorsehung eine neue Zeit gefügt hat, so überall, wo Charakter, Fleiß und Tüchtigkeit des deutschen Juden sich bewahren können, niemandem Brot nehmen, sondern andern Bröl schaffen. Hierfür wie für alles das andere erhoffen wir den verständnisvollen Heistand der Behörden und die Achtuns unserer nichtjüdischen Mitbürger, mit denen wir uns in der Liebe und Treue zu Deutschland begegnen. Wir hauen auf den lebendigen Gemeinschaftssinn und das Verantwortungsbewußtsein der deutschen Juden wie auch auf die opferwillige Hilfe unserer Brüder überall. Wir wollen zusammenstehen und im Vertrauen auf unseren (iott für die Ehre des jüdischen Namens arbeiten. Möge aus dem Leid dieser Tage das Wesen des deutschen Juden neu erstehen! Die Reichsvertretung der deutschen Juden Leo Hacek Otto Hirsch-Stuttgart Siegfried Moses-Berlin Rudolf Callmann-Kötn, Jakob Hoffmann-Frankfurt a. M., Leopold Landenberger-Nürnberg, Frau/ Meyer-Breslau, Julius L Seligsohn-Berlin, Heinrich Stahl-Berlin. Der ehemaligen Provinz Posen entstammende gelehrte jüdische Aerzte Herr Heinrieh Kurt/ig schreibt uns: Unter dem Titel: „Die Bedeutung der früheren Provinz Posen für die Entwicklung der deutschen Judenheit" brachte das Gemeindeblatt der Israel. Religionsgemeinde ZU Leip/ig in Nr. II des laufenden Jahrgangs einen Aufsat/ von mir, in welchem eine grolle Anzahl hervorragender jüdischer Persönlichkeiten gewürdigt wurden. Eine erschöpfende Darstellung war es nicht und sollte es auch nicht sein. Ohne die Absicht ZU haben, das Fehlende durch einen Nachtrag heute lückenlos ZU ergänzen, möchte ich doch noch über zwei Männer berichten, die sich in der (ielehrtenwelt einen Namen gemacht haben. Sie stimmen aus meiner kleinen Posener Vaterstadt Inowrazlaw, und ich konnte ihren Lebensweg von Jugend an verfolgen. Es sind dies die Berliner Är/te: Dr. Bergel und Dr. Sandler. Uber ersteren heißt es in „Winingers National-Biographie": Bergel, Oslo, medizinischer Forscher, geb. ISOS in Inowrazlaw. Seine Arbeiten beziehen sich U. a. auf den Einfluß des Lichtes auf die Flimmerbewegungen und die Theorie der Syphilis-Diagnostik und -Therapie. B. entdeckte die Sekretion eines fettspaltenden Ferments aus den Lymphocyten, die Wege des fermentativeu Abbaues der Tuberkelbaziflen im Organismus sowie den Einfluß des Fibrins auf die Knochenregeneration. Er führte das Fibrin in die Behandlung der Knochcnbrüchc ein! Zwei Urteile mallgebender medizinischer Kritiker will ich über Bergeis bedeutendes Werk „Die Syphilis im Lichte neuer experimenteller Untersuchungen" (Jena 1925. Verlag Gustav Fischer) folgen lassen. Die „Denuatologisehe Wochenschrift" spricht von dein „wertvollen Buche, durch das der Forschung manche neue Wege gezeigt werden", und das „Zentralblatt für Haut- und Geschlechtskrankheiten sagt: „Das Buch stellt vom wissenschaftlichen Standpunkt einen b e deutsamen Fortschritt dar". Nun zu meinem zweiten Landsmann Dr. \ron San dl ei. Ich zitiere aus dem „Jüdischen Lexikon": Sandler, Ar/t und zionistischer Gcmcindcpolitikcr in Berlin, geb. 1S7'J in Inowrazlaw (Posen) begründete I«I4 die „Jüdische Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina", und schuf in Verhandlungen mit dem Malariakomitee der deutschen Regierung das Internationale Institut in Jerusalem. — Er schrieb „Anthropologie und Zionismus" (1904) sowie die erste „Medizinische Bibliographie für Palästina, Syrien und Cypern", die von Thomsen in dessen Palästinabihliographie fortgeführt wurde". — Hierzu bemerke ich ergänzend, daß der erwähnte Peter Thomsen ein christlicher Archäologe is(, der als Mitarbeiter am Deutschen evangelischen Institut für Altertumswissenschaft in Jerusalem die Erforschung Palästinas vom religiös-bedingten Standpunkt auf die Höhe europäischer Gelehrsamkeit gebracht hat. - Das ferner obengenannte, von Sandler geschaffene hygienische Institut hat Abteilungen lur Malaria, für Trachom (eine Form der ägyptischen Augenentzündung), für Tollwut und für serologische Untersuchungen. — Sandler schrieb in dem fünfbäi.digen „Jüd. Lexikon" (Berlin. Jüd. Verlag) neben zahlreichen Artikeln über Medizin und Palästinakunde den grollen, besonders zu erwähnenden Aufsat/ „Medizin in Bibel und Talmud". Unsere Gemeinde. Seclcnfeier des Hilfsvereins israelitischer Gewerbetreibender. Der Hilfsverein veranstaltet auch in diesem Jahre keinen Gottesdienst und ist daher gezwungen, bei der Seelenfeier wie im vorigen Jahre der verstorbenen Gönner, Stifter und Mitglieder in der Synagoge Keilstr. I am Versöhnungstag zu gedenken. Angehörige der Verstorbenen werden gebeten, /ur Seclcnfeier in der Synagoge zahlreich zu erscheinen. Eintritt zur Seelenfeier wird jedem gern gewährt. Hilfe durch Pfundsammlung. Zeiten gemeinsamer Not bedingen ein gegenseitiges Füreinandereinsteheii, fordern letzte Opferbereitschaft. Darum ist es selbstverständliche sittliche Verpflichtung jeder jüdischen Frau, die für sich und die Ihren das tägliche Brot hat, das Los derer zu erleichtern, ilie in Sorge um das Notwendigste sind. Die Pfundsammlung lies jüdischen Frauenbundes und des israelitischen Frauenvereins (Mindestbeitrag von Mk. —.25 wöchentlich, der monatlich durch Boten kassiert wird), ermöglicht es jeder Frau, ihr Scherflein beizutragen, um schwere Sorgen anderer zu lindem. Meldungen mit Angabe des monatlich zu kassierenden Betrages sind zu richten an Frau Erna I elsenstein, Kickerlingsberg 12 (Tel. 50)3 41), Frau Franziska Salm, Steinstr. 4 (Tel. 338 38), Frau Erna Qomperz, Kaiserin Augustastr. 21 (Tel.35928). Nähkurse. Bei genügender Beteiligung will der Jüdische Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig, Weißnäh- und Schneiderkurse einrichten. Es ist geplant, die Kurse, die 5. - Mk. je Person und Monat kosten sollen, von einer geprüften Gewerbelehrerin erteilen zu lassen. Die bisher eingegangenen Meldungen genügen aber noch nicht zur Einstellung einer Lehrkraft. Es werden daher weitere, möglichst haldige Meldungen an Frau Erna Kölner, Gcihelstr. 42, erbeten. Bitte. Die hohen Feiertage stehen vor der Tür und mehr als je mahnen sie uns, der Notleidenden zu gedenken. Besonders die Kinder liegen uns am Herzen und darum bittet der Isr. Kindergarten inständig, seiner in dieser schweren Zeit zu gedenken und uns Geld zur Speisung der SO Kleinkinder, die wir verpflegen müssen, da sie sonst zu Hause hungern, zu spenden. Jede, auch die kleinste Gabe, winl dankend angenommen. (Postscheckkonto Nr. W)lJlJ3.) Amtliche Bekanntmachung. Vermeldet Ansammlungen vor den Gotteshäusern! Es wird von allen maßgebenden Seiten besonderer Wert darauf gelegt, daß an den hohen Feiertagen alle Ansammlungen vor den Gotteshäusern unterbleiben. Wir fordern deshalb die jüdische Bevölkerung Leipzigs auf, den Weisungen der bei den Gottesdiensten tätigen Ordner des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten strengstens Folge zu leisten, vor allem keine Verabredungen vor oder nach dem Gottesdienst auf den Straßen und Plätzen, die vor den Gotteshäusern liegen, z.u treffen, damit Ansammlungen vermieden werden. Wahrung der Würde des Gottesdienstes. Es ist seit Jahren häufig die Klage laut geworden, daß die Würde der Gottesdienste vielfach durch Unterhaltungen gestört wird. Wir nehmen deshalb Veranlassung, anläßlich der bevorstehenden Festtage daraufhin hinzuweisen, daß solche Störungen unter allen Umständen vermieden werden müssen. Es sei besonders betont, daß der Jugend nur durch ein der Weihe des Gotteshauses angemessenes Verhalten ein Beispiel würdigen, zur Andacht stimmenden Gottesdienstes gegeben werden kann. Die Aufseher sind streng angewiesen, gegen jegliche Störung einzugreifen. Leipzig, den 8. September 1033. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Mädchenkonfirmation. Die Vorbereitungskurse für die Mädchen konfirmation beginnen im Oktober. Vorbereitung und Konfirmation sind unentgeltlich. Zur Teilnahme berechtigt sind alle Mädchen, die am 1. April 1934 das 15. Lebensjahr vollendet haben werden, jüngere nur, wenn sie die Schule verlassen, um ins Leben zu treten. Schriftliche oder mündliche Anmeldung bei üemeinderabbiner Dr. QoMmaun, König-Johann-Straße 17. (Sprechstunde: Sonntag, Mittwoch und Freitag 9'/. — II Uhr, Fernsprecher 21()()7). Leipzig, den 15. September 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. -25 Jahre- 1933 E. SAXL 1908 Btoder. Blumen, Spitzen Mode-Neuheiten Partei, Knöpfe. Webwaren PETERSSTR. 5 Bestrenommiertes Fachgeschäft Unser Wahlspruch bleibt nach wie vor: „Stets das Neueste zu billigsten PreisenI" Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!