Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 37 (15.9.1933)
- Date
- 1933-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 QEMEINDEBLATT DhR ISRAELITISCHEN RELICilONSüEMEINDE ZU LEIPZIG 15. September 1931 Synagoge „Ohel Jacob" (Pfaffendorfer Str. 1). Der Vorstand gibt bekannt, da», trotzdem bereits im vorigen Jahneine 50" „ige Reduzierung der Preise der Plätze vorgenommen war, auch in diesem Jahr, den Verhältnissen entsprechend, eine weitere Reduzierung der Preise beschlossen worden ist. Dieser Beschluß soll weitesten Kreisen Gelegenheit geben, an dem Gottesdienst dieser Synagoge teilzunehmen. Es sei auf das in dieser Auflage erschienene Inserat besonders aufmerksam gemacht. ... Winterarbeit des jüdischen Frauenbundes Ortsgruppe Leipzig. In einer Mitgliederversammlung, die am o. September d. J. stattfand, wurde folgender Arbeitsplan festgelegt: 1. Weiterrührung bestehender Einrichtungen (Familienfursorge, Mittwochsaitzung, Pfundhilfe, gesellige Nachmittage für alleinstehende altere Damen, Organisation der vom Sozialamt eingerichteten Haushaltungsschule): 2. Nahkurse (teils Weißnäh-, teils Schneiderkursuse); 3. Plattkurse, 4. Kochkurse (3. und 4. nur bei genügender Beteiligung. Alle diese Kurse sollen von einer geprüften Gewerbelehrern! erteilt werden. Beginn Mitte Oktober. Honorar je nach Beteiligung (etwa 5. - bis f>. RM. monatlich). Meldungen mit Angabe, ob Vormittags-, Nachmittags- oder Abendkursus, sind nur schriftlich an Frau Erna Kölner. Geibelstr. 42, zu richten. 5. Spielnachmittage, evtl. Waldwanderungen an Sonntagvormittagen in kleinen Kreisen ui verschiedenen Stadtteilen für die Kinder unserer Mitglieder (Alter 6 12 Jahre). Die Zusammenkünfte sollen mit Spielen, Singen. Basteln, Erzählen jud. Märchen usw. ausgefüllt sein und dienen dem Zwecke. Kindern frohes Beisammensein mit anderen jüdischen Kindern zu vermitteln, 6. Allwöchentlich einmal stattfindende Frauensprechstunde für die Mitglieder des J. F. B. und der angeschlossenen Leipziger judischen Frauenvercine. Es soll Gelegenheit zu Einzelausspräche über persönliche Angelegenheiten gegeben werden sowie ZU gemeinsamer Diskussion über die verschiedensten Fragen. Zweck: Pflege und Aufrechterhaltung des Vertrauensverhältnisses /wischen den Vorständen der Frauenvercine und ihren Mitgliedern. 7. Jüdischer Geschichtskursus. 8. Englischer und fran/ösischer Sprachkursus (gegen Ermattung eines kleineu. noch festzusetzenden Beitrags). - Meldungen für alle Kur>e nur schriftlich an Frau Erna Kölner, (ieibelstr. 42. Messeabend des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Leipzig. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich der Messeabend, den die Ortsgruppe des RjF. anläßlich der Messe veranstaltete, und an dem auch Vertreter der Stadt Leipzig und des Meßamtes teilnahmen. Die Beteiligung von Messebesuchern des In- und Auslandes war so stark, dali die Ansprachen der Redner durch Lautsprecher in Nebenräume des Versammlungssaales übertragen werden mußten. Nach einer Begrüßungsansprache des Führers des Landesverbandes Mitteldeutschland des RjF. Dr. Alfred Jaeoby zeigte Dr. Frankel, Berlin, an Hand von Beispielen aus der deutschen NX irtschaftsgeschiehte, in wie hohem Malle Juden zur Entwicklung der deutschen Industrie und des deutschen Handels beigetragen haben. Er erklärte es als wünschenswert, dali die oft zum Ziel ungerechtfertigter Augriffe gemachten internationalen Beziehungen de- Judentums, die dieses ebenso und in keinem anderen Sinne besitzt, als die Angehörigen anderer weltumspannender < ilaubensbekenntnisse, im Interesse der deutschen Volkswirtschaft und des deutschen Volkes ausgenutzt werden, und gab die Versicherung ab, daß die deutschen Juden, insbesondere die deutschen judischen Frontsoldaten, mit in erster Reihe im Kampf um neue Arbeitsplätze und um Erhaltung der alten Arbeitsplätze stehen wollen. Der Syndikus des Leipziger Messeamtes, Rechtsanwalt Dr. Niedenfuhr, dankte den Leitern des RjF. für die Veranstaltung des Messeabeuds. Das Meßamt wisse, daß das deutsche Volk exportieren müsse, wenn es lebensfähig sein wolle: es könne nicht von sich selbst leben. Er erinnerte an die Worte des Messeleiters Dr. Köhler „Jeder darf zur Leipziger Messe kommen, wer er auch sei" und erklärte, wenn das Mikrophon während der Rede Dr. Frankels die ganze Welt umspannt hätte, wäre dem deutschen Volke ein groller Dienst erwiesen worden. Dr. Niedenfuhr wies wiederholt auf den starken Eindruck hin, den die Darlegungen des Referats auf ihn gemacht und ihn innerlich tief berührt hatten. Abschiedsfeier der Leipziger Chalu/.im. Am Freitag, den 8. September fand abends im Saale des Jugendheims eine Abschiedsfeier für die 2*1 Chaluzim statt, die dieser Tage nach Erez fahren. Im Rahmen eines Oneg Schahbath, der durch Singen hebräischer Lieder eingeleitet wurde, verabschiedeten sieh die Leipziger Chawcrim von ihren nach Palästina gehenden Freunden. In den Worten, die an die Olim gerichtet wurden, kam vor allem die ernste Ermahnung zum Ausdruck, sich in Palastina in die neue Gemeinschaft des arbeitenden jüdischen Volkes einzugliedern, wo/u jeder noch eine strenge Erziehungsarbeit an sah zu leisten habe. Einer der Olim wies in seinen Abschiedsworten auf den schweren Weg der Chaluziuth hin, und betonte schließlich, dali die Grundlage für den Aufbau des Landes und die Obersiedlung Breiterer Chahizim aus Deutschland die Erlösung des Bodens durch den Keren Kajemeth sei. Daher sei es die Pflicht aller Juden, durch tatkräftige Unterstützung des KKI. den Weg für alle die freizumachen, die hinübergehen und dort den Boden für das jüdische Volk bearbeiten wollen. Mit dem Absingen der Hatikwah schloll die Oneg Schabbath-Feier, die für jeden ein Erlebnis war. Amtliche Bekanntmachung. Vermeidet Ansammlungen vor den Gotteshäusern! Es wird von allen maßgebenden Seiten besonderer Wert darauf gelegt, daß an den hohen Feiertagen alle Ansammlungen vor den Gotteshäusern unterbleiben. Wir fordern die jüdische Bevßlkerung Leipzigs rung Leipzigs auf, den Weisungen der bei den Gottesdiensten tätigen Ordner des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten strengstens Folge zu leisten, vor allem keine Verabredungen vor oder nach dem Gottesdienst ai-f den Straßen und Plätzen, die vor den Gotteshäusern liegen, zu treffen, damit Ansammlungen vermieden werden. Wahrung der Würde des Gottesdienstes. I s ist seit Jahren häufig die Klage laut geworden, daß die Würde der Gottesdienste vielfach durch Unterhaltungen gestört wird. Wir nehmen deshalb Veranlassung, anläßlich der bevorstehend! u Festtage daraufhin hinzuweisen, dali solche Störungen unter allen Umständen vermieden werden müssen. Es sei besonders betont, daß dt r Jugend nur durch ein der Weihe des Gotteshauses angemessenes Ve - halten ein Beispiel würdigen, zur Andacht stimmenden Gottesdienstes : gegeben werden kann. Die Aufseher sind streng angewiesen, gegen jegliche Störung eil zugreifen. Kleiderablage in der Gemeindesynagoge an den hohen Feiertagen. Die in der Kleiderablage der Genieindesynagoge abgegebenen Kleidungsstücke werden sorgfältig bewahrt und an den Berechtigten gegi u Rückgabe der ihm ausgehändigten Marke ausgefolgt. Es wird daher strengstens untersagt, Kleidungsstücke eigenmächt j selbst zu entnehmen. Die den Dienst versehenden Personen sind streng angewiesen, gemäß dieser Bestimmung zu verfahren. Indessen müssen wir ablehnen, für das Abhandenkommen von Kleidungsstücken irgeiu welche Haftung zu übernehmen. Dem Bedienungspersonal der Kleiderablagen ist strengstens verboten, Zylinderhüte zur Aufbewahrung anzunehmen. Leipzig, den 8. September 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 15. September, Abendgebet 18.30 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn). Sonnabem, 10. Septemmber, Morgengebet 0 Uhr, Jugendgottesdienst 15.15 Uhr mit Predgit (Rabbiner Cohn); Nachmittagsgebet 18.15 Uhr, anschließen I Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 19.05 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7.30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 18.10 Uhr. Neujahrsgottesdienst üem eindesynagoge. Oottsch edst r. 28. In Abänderung der auf den Eintrittskarten angegebenen Gebet- /.eiten beginnen die Gottesdienste an den Vorabenden des Neujahrs, festes um 18' , Uhr (nicht 17</4). Mittwoch, 20. September: Abendgottesdienst 18' , Uhr, Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann). Donnerstag, 21. September, Morgengottesdienst 8l/i Uhr, Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann) 10 Uht; Abendgottesdienst 18', Uhr. Freitag, 22 .September, Morgei - gottesdienst 8' , Uhr, Predigt (Rabbiner Cohn) 10 Uhr. - Freitag 22. September, S a b ba t got t e s d i e n s t, Abendgebet 18', Uhr. Sonnabend, 23. September, Morgengebet 9 Uhr; Nachmittagsgehlt 18' , Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmmaitn); AhemIgebet 18.48 Uhr. Morgengottesdieust werktags 7 Uhr, an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7.10 Uhr, Abendgottesdienst 18' , Uhr. Konzertsaal des Stadt. Kaufhauses (Eingang nur Kupfergasse I 1). Mittwoch, 20. September, Abendgottesdienst 18' , Uhr, PreduJ (Rabbiner Cohn). Donnerstag, 21. September, Morgengotte dienst 81 .. Uhr, Predigt (Rabbiner Cohn) 10 Uhr; Abendgottesdienst I81 , Uhr. Freitag, 22. September. Morgen gottesdienst 8*/« Uh , Predigt (Rabbiner Dr .Goldmann) 10 Uhr. Es wird darauf hingewiesen, daß die Predigten pünk lieh beginnen und daß wahrend der Predigten die Z U - ginge zu den Plätzen gesperrt sind. Ez-Chaim-Synagogc (Otto-Schill-Str.): Freitag, den 15. Septen ber: Abendgebe» 18.10 Uhr. Sabbat: Morgengebet 8.10 Uhr, Mincl i 16 Uhr, Ausgang 19.05 Uhr. Slichaus: Sonntag, den 17. September bis einschl. Dienstag, dm 19. September: o.'JO Uhr, Abendgebet 18.45 Uhr. 19. September: (DO Uhr, Abendgebet 18.45 Uhr. Erew Rausch Hi schono: Slichaus b Uhr. Rausch Haschono (I.Tag): Mittwoch, den 20. September Abendgebet 18.15 Uhr. Donnerstag, Morgengebet 7 Uhr, Predigt 10 Uhr, Mincha lo Uhr. Abendgebet 18.45 Uhr. Freitag: Morgei gebet 7 Uhr. Sa bbatgot t esd i en st: Freitag: Abendgebet 18.i5 Sabbat: Morgengebet 8.10 Uhr; Mincha In Uhr; Ausgang 18.48 Ulr Personenstandsnachrichten. Gehurten: 18. August 1933 Martin Wolff und Berta geb. Grabowski, Auenstr. 3" einen Sohn „Günther Max". 24. August 1933 Abraham Israel Plattner und Eva Emilie geb. Seht ker, Blücherstr. 33, einen Sohn „Wolf". Barmizwa: Sonnabend, 23. September, Hans Heinz Perls, Sohn des Herrn Willi Perls und Frau Charlotte geb. Guthinann, Steinstraße 55, in dr Oemeindesynagoge. Todesfälle: 4. September 1933 Werner Belmonte, Göschenstr. 14. Sprechsaal. (für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung nur die pressegesetzliche Verantwortung). Der Versicherungs-Agent. Es soll an dieser Stelle nicht im Einzelnen ausgeführt werden, wie sehr der jüdische Mensch unter den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen gegenwärtig zu kämpfen und zu leiden bat. Die Lage in den verschiedenen Berufen ist hinreichend geschildert worden und in allen Teilen der jüdischen Bevölkerung zu bekannt, aN daß es eines allgemeinen Aufsatzes bedarf. Aber es ist notwendig, auf einen Berufszweig hinzuweisen, der meines Wissens hier noch nicht zu Worte gekommen ist und der in heutig« Zeit besonders schwer zu kämpfen hat, und das ist der jüdisch«'