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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-09-08 · 36 (8.9.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
36 (8.9.1933)
Date
1933-09-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 QEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIÜIONSGEME1NDE ZU LEIPZIG 8. September 1933 1. Wirksamen Schutz Englands und Frankreichs fiir die Juden, die sich im Bereich der Einflußsphäre dieser Mächte und in Gebieten befinden, die dir Kontrolle des Völkerbundes unterstehen. 2. Dali die aufgeklärten Elemente clor arabischen und muslemanisehen Welt für die Einstellung der Zeitungshetze j^c^fii die jüdische Bevölkerung und für Sehnt/ des Lehen- und Eigentums der Juden seitens der lokalen Behörden eintreten. 3. Ermöglichung der Auswanderung der Juden aus diesen Landern und Öffnung der Tore Ere/ Israels für sie. I. I rleichterung der Alijah orientalischer Juden und Schulung Ihrer Jugend für die Arlu'it heim Aufhau Ere/ Israels. 3. Einwanderungs- und Ansiedlungshilfe für orientalische Juden in Palästina. Nach Sehluli der Generaldebatte antworteten die Mitglieder der Executive auf die Ausführungen der Vertreter der einzelnen Parteien. Herl Locker behandelte hauptsächlich die organisatorischen Probleme, Prof. Brodetzky die Fragen der politischen Arbeit und der politischen Perspektive. Zum Schluß sprach der Präsident Sokolow, der etwa folgendes ausführte: Unser Weg ist ein Weg der Tat, ein Weg der etappenmäßigen Erreichung des Zieles, von dem wir nicht abgehen können. Im /entrinn lies nationalen Aufbaues muß auch weiter der jüdische Arbeiter stehen. Nicht als ob nicht auch der Handwerker oder der Intellektuelle von groller Wichtigkeit wäre; aber der Kern ist der jüdische Arbeiter. Was heim jüdischen Volke fehlte, ist der jüdische Arbeiter und die jüdische Landwirtschaft, die in Palästina geschaffen wurde. Zur Frage des Sabbathschutzes in Palästina erklärte Sokolow, es gehöre /u den Übertreibungen der Parteiredner, wenn sie behaupten, daß die Sabbathentweihung zu etwas Spezifischem in Palästina geworden sei. Ich selbst, sagte er, war in Palästina und konnte mich uberzeugen, daß die Behauptungen, die hier wegen der Sabbathentweihung vorgebracht wurden, Parteiubertreihungen sind. Für das Judentum ist die Institution des Sabhatb von grolter Wichtigkeit. Unsere Ideologie, fuhr Sokolow fort, muß ganz klar sein. Wir müssen für die Oleichberechtigung in allen Ländern kämpfen und sie mit Energie schut/en. Im Geiste der zionistischen Allgemeinheit und im Sinne der Beschlüsse unserer kompetentesten Autoritäten müssen wir gegen jedes Unrecht in den Lindern der Diaspora und in Palästina kämpfen, müssen uns mit der Gleichberechtigung und mit der Frage der Minoritäten beschäftigen. Die Zionistische Organisation muH mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, um die jüdische Gleichberechtigung /ii wahren und Palästina aufzubauen. So werden wir die Interessen von Palästina mit den Interessen von!() Millionen Juden in der ganzen Welt verknüpfen. Wenn wir diesen Weg gehen, werden wir eine wahrhaft produktive Vereinigung aller arbeitswilligen Parteien im Zionismus herstellen, die Mittel für unsere Arbeit und die Verbindungen finden, die wir hei den Regierungen brauchen. Wir müssen in guten Beziehungen ZU Völkern und Regierungen leben; wir müssen unsere Ehre wahren und die Ehre der anderen respektieren. Mein Wunsch ist es, daß sich dieser Kongreß zu dem grollen Enthusiasmus, zu dem großen jüdischen Pathos, zu der grollen jüdischen Einheit emporhebe, um das zu erreichen) was unser wahres Ideal ist: ein arbeitendes Palästina, das alle die umfallt, die dort arbeiten. Unsere Gemeinde. Hechalu/., Snif Leipzig. Wir geben folgender Zuschrift der Ortsgruppe des Hechaluz Raum: Die neue I tltwickhing in Deutschland hat den deutsehen Juden die Augen geöffnet. Beruf (Umschichtung, Produkti vlerung, Palästinaaufbau sind heute selbstverständliche Begriffe. Der deutsche Hechaluz hat im Laufe weniger Monate seinen Mitgliederbestand um it>*i erhöht. Juden und Jüdinnen, die uns bisher fremd, ja feindselig, gegenüberstanden, klopfen an unsere Tore. Es liegt uns fern, „Besserwisser" ZU triumphieren, denn so bedauerlich auch die Aus- 5< lialttmg der Juden aus dem deutschen Lehen sein mag, für uns lind äußere Verhältnisse und der äußere Druck niemals die Grundlage d< - Judentums gewesen. Wir betrachten das Schicksal und die Problemc des Judentuns weder vom deutschen, noch vom französischen oder sonstigen Standpunkt, sondern lediglich vom jüdischen. Wir sind Juden, nicht weil unsere Umwelt uns nicht mag, sondern weil wir -ein wollen. Und darum, weil wir unsere Pflicht gegenüber der jüdischen Gesamtherl fühlen, nehmen wir die jungen jüdischen Menm hen, die durch die historische Entwicklung getrieben, zu uns kommen, mit offenen Armen auf. Aber Berufsumschichtung und Produktivicrung sind Aufgaben, die sich von heute auf morgen nicht verwirklichen lassen. Der ganze Mensch und daganze Verantwortungsbewußtsein gehören dazu. Wir haben an allen Orten Deutschlands und auch in Leipzig die Erfahrung gemacht, daß viele Menschen, die heute neu zu uns stoßen, sieb infolge ihrer Unkenntnis falsche Vorstellungen über die Aufgaben machen. Wir halten es für unsere Pflicht, alle diejenigen, die uns beitreten wollen, darauf aufmerksam zu machen, daß das Leben, das sie fortan fuhren müssen, die schwersten Opfer heischt. Gröbste und härteste Handarbeit, körperliche Anstrengung, Entsagung in jeder Hin licht, SO sieht die Hachsdiarah und auch die Alijah in Wahrheit aus. Berufsumschichtung und Aufbau sind keine Schlagworte, und der Hechaluz ist weder ein Oeselligkeftsklub, noch eine literarische Angelegenheit, sondern härteste Realität gehören aus dem dringendsten Lebensintere IC des jüdischen Volkes und begründet auf die Darbria« guag von persönlichen Opfern. Im Hechaluz können nur Menschen ingereih! werden, die erfüllt sind von stärkstem Verantwortungsbewußtsein, ilie wissen, daß sie mit Beginn der Hachscharah unter ihr bisheriges Leben einen Schlußstrich ziehen und ihr ferneres Dasein nicht auf personliche Interessen aufbauen, sondern bereit sein müssen, sich voll und ganz in den Dienst des jüdischen Volkes zu stellen. Um spätere Enttäuschungen und unnütze Hemmungen unserer Arbeit zu vermeiden, geben wir hiermit öffentlich bekannt, daß wir ohne Rücksicht jeden, der sich nicht einordnet, uiul von dem wir den Eindruck haben, daß er uns nur als Quelle für Begünstigungen benutzen will, aus unserer Gemeinschaft ausschließen. Ungeachtet der Erkenntnis der ungeheuren Nöte der judischen Jugend in Deutschland und unserer Aufgabe der Umschichtung, kam: man es uns nicht verdenken, daß wir das Werk, das unsere ('.hawerim mit dem Linsatz ihres Lebens geschaffen haben, sichern müssen, und darum unsere Ideologie und Praxis keinesfalls verwässern lassen dürfen. Jeder junge Jude und jede junge Jüdin, die diesen harten, aber schönen Weg zu gehen bereit sind, in voller Kenntnis aller Schwierigkeiten, Entbehrungen und Strapazen, denen sie sich aussetzen müssen, sind uns herzlichst willkommen. So wie unsere Chawerim in „guten" Zeiten freudig für die Rettung und Erhaltung unserer Nation arbeiteten, werden wir konsequent und planmäßig unsere Pionierarbeit an der jüdischen Jugend und im jüdischen Lande fortsetzen. Palästinarcise. Die Studienreise Leipziger Industrieller und Kaufleute erfolgt am 7. Oktober über Karlsruhe Straßburg Marseille mit dem 18000 Tonnen-Dampfer Cephee. Es besteht die Möglichkeit der Teilnahme an der Hin- und Rückreise ohne Landreise oder an der Hinreise allein. Dauer der Reise 4 Wochen. Kosten etwa (»00 Mark inkl. Verpflegung. Anmeldungen können nur noch bis zum IS Septemher entgegengenommen werden. Zuschriften an Dr. H.Fleiß, Humbnldtstr. J. Synagoge Otto Schill-Straße. Der Vorstand gibt bekannt, daß in Anbetracht der schwierigen wirtschaftlichen Lage, in der sich ein großer Teil unserer Gemeindemitglieder befindet, in diesem Jahre die Preise für alle Synagogenplätze um 50" „ reduziert worden sind. Mit dieser Maßnahme soll weitesten Kreisen Gelegenheit geboten werden, au einem streng konservativen Gottesdienst mit Predigt, ersten Kantoren und Chor teilzunehmen. Eine weitere Herabsetzung kann in keinem Falle erfolgen. Nachrichten des Hilfsvercins. Holland. Für FilmkriftC besteht an sich keine juristische Sperre, doch sind im Augenblick diese Kräfte nur sehr schwer unterzubringen. Hörspielregisseure können sich bei der AVRO, Amsterdam, NZ Voorhurgwal 120/126. SchauspielregisseurC bei Herrn Jacques Spyer, Amsterdam, Keizersgracht 25$, bewerben. Röntgen Schwestern mit sehr guter Ausbildung hätten evtl. Chancen, eine Anstellung zu finden, da die Zahl der gut ausgebildeten Schwestern noch gering ist. Tschechoslowakei. Es bestehen Möglichkeiten in der Slovakei eine größere (iruppe junger Familien anzusiedeln, die bereit sind, sich mit Geflügelzucht, Obst und Tabakbau und sonstiger Landwirtschaft zu befassen. Interessenten, die über Mittel verfügen, wollen sich an den Hilfsverein der Deutschen Juden e.V., Berlin WJO, Martin Lutherstr. (M (Auswauderuugsangelegenheiteu), wenden. Feiertags-Speisung des Israel. Wohltätigkeitsvereins. Der Vorstand des Israelit. Wobltätigkeitsvereins erläßt folgenden Aufruf: „Es bedarf wohl keines Hinweises darauf, daß die Not in den jüdischen Kreisen in diesem Jahr größer als je zuvor besteht. Die Mittel zur ■Linderung dieser schweren Not sind aber aus diesem Grunde noch schwieriger aufzutreiben als in den letzten Jahren. Trotzdem stehen wir jetzt vor der Frage: „Was nun?" Wir sehen uns verpflichtet, trotz aller Schwierigkeiten an alle diejenigen heranzutreten, die noch im Erwerb und Verdienst stehen, sie müssen uns helfen! Wir wollen an den bevorstehenden hohen Feiertagen die Armen und Bedürftigen festtäglich speisen, und wenn die Mittel dazu aufgebracht werden, ihnen auch den ganzen Winter hindurch an den Freitagabenden wenigstens eine warme Mahlzeit verabreichen. Dieses Hilfswerk durchzuführen ist nur dann möglich, wenn uns dabei schnell und willig geholfen wird, da aus eigenen Mitteln keine Gelder mehr zur Verfügung stehen. Wir bitten darum herzlichst: Hellen Sie uns und Sic hellen den Armen!" Genossenschaftsbank „Ivria" Leipzig. Die konstituierende General Versammlung der Genossenschaftsbank Ivria Leipzig findet Mittwoch den U. September im großen Saal des Jüdischen Jugendheims abends '//) Uhr in Anwesenheit der Berliner und Chemnitzer Volksbankdirek tonn, voraussichtlich auch des Herrn Kareski, Berlin, statt. Alle An teilzcichaer und Interessenten werden gebeten, sich pünktlich einzu finden. Auswanderung nach Palästina. Durch den letzten Runderlaß de Reichswirtschaftsministeriums ist für Palästinaauswanderer und Inter essenteO an einer Kapitalsanlage in Palästina eine wesentlich veränderte Situation entstanden. Auskunft darüber in Eiu/elbiTatungen erteilt nach Fühlungnahme mit den Berliner Stellen Dr. Heinrich Fleiß, Humboldtstraße l, (Tel. 105(>7)., Sonntag, den 10. Sept., vorm. zwischen 9—1! Uhr. Vorherige telephonische Anmeldung erwünscht. Der 3. Bunte Abend zur Unterstützung engagementsloser jüdischer Künstler bietet ein außerordentlich großes und vielseitiges Programm, wie aus dem Inserat an anderer Stelle dieser Zeitung zu ersehen ist. Da der Andrang zu den ersten beiden Abenden ein sehr starker war, hat sich der vorbereitende Ausschuß entschlossen, die dritte Veranstaltung im großen Alhambra-Festsaal des Zentraltheaters stattfinden zu lassen, damit jeder Besucher einen bequemen Sitzplatz bekommt. Der Besuch des i. Abends wird hoffentlich noch besser sein als zuvor; denn da der Zweck der Veranstaltung ein wohltätiger ist, wäre den auftretenden Künstlern und Glaubensgenossen ein voller Erfolg sowohl in künstlerischer wie auch in materieller Hinsicht zu wünschen, um so mehr als die Veranstaltung unter dem Protektorat des Sozialamtes der jüd. Gemeinde Leipzigs stattfindet. Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!

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