Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 32 (11.8.1933)
- Date
- 1933-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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>eite 2 nl \ll l\DI Hl AI I DI R l>RAM IIIS< III \ Rl I KiloNSdl MI IN Dl Z.l> LEIPZIG II. August 193! Jüdische Zeitschau. Runderlaß an die Bibliotheken. w ie der „Amtliche Pressedienst" mitteilt, hat der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in einem an die Universität*-, Hochschul- und Akademiebibliotheken gerichteten Runderlaß darauf hingewiesen, daß für die wissenschaftlichen Bibliotheken die Beschlagnahme oder Vernichtung jüdischer odei marxistischer Literatur nicht in Frage kommt. Der Ausleihung dieser Literatur i-t aber in Zukunft besondere Aufmerksamkeif zuzuwenden. Sie darf mir noch erfolgen, wenn der Entleiher den Nachweis lulirt. daß er dit Bücher zu ernster wissenschaftlicher Forschungsarbeil benötigt. Hamburger Heine-Denkmal entfernt. ..Yn--ische Zeitung" meldet: Das im Hamburger Stadtpark stehende Denkmal Heinrich Heine wird nach einem Beschluss des Senats von seinem bisherigen Platz entfernt und in einem Schuppen eingelagert werden. Das Hamburger Heinedenkmal war die Stiftung eines Privatmannes und hatte bereits lange Jahre in einem privaten Garten gestanden, ehe es nach dem Kriege in den öffentlichen Park versetzt wurde. Fremdrassigen wird das Betreten fränkischer Ortschaften verboten. Wie die vom Keichstagsabgeordneten Julius Streicher herausgegebene „Fränkische l*ageszeitung" meldet, hat der Gemeindetet von Oberroßbach (Bez. A. Neustadt a. d. Aisch) folgende vom Bürgermeister Löw gezeichnete Bekanntmachung veröffentlicht: „Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, daß Fremdrassige die Ortschaften Oberroßbach, Unterroßbach und Rimbach nicht mehr ZU betreten haben, es sei denn, sie haben die Genehmigung des Unterzeichneten. Die Gemeinde wird sich bei I bertretung dieses Beschlusses /u schützen wissen." Handel mit Juden untersagt. Die „Fränkische Tageszeitung" berichtet aus Deberndorf, dal! der dortige Gemeinderai einstimmig beschlossen habe, der gesamten Gemeinde öffentlich bekanntzugeben, daß der Handel mit Juden untersagt ist. Badeverbot für Juden in hrlangen. Dei Bürgermeister von Erlangen A. (iroii hat folgende Kundmachung erlassen: „Das städtische Röthelheimbad ist bisher im wesentlichen von dem Besuch von Juden verschont geblieben, so daß sich ein Verbot des Betretens des Badegeländes durch Juden erübrigte. Da aber nunmehr in Nürnberg und anderwärts den Juden der Zutritt ZU Kadern verboten wurde, ist /u befürchten, daß aus der Umgebung in das Röthelheimbad Juden kommen. Ich ordne deshalb an: Zur Aufrechtcrhaltung der Ruhe und < >rduiiiin ist Juden der Zutritt zum kotlu lheimb.nl mit sofortiger Wirkung verboten." Professor Ludwig Goldschmidt HO Jahre. Am b. August feierte der bekannte Kantforscher Professor I udwig < koldschmidl in Jena seinen 80. Geburtstag. Goldschmidt, der in Sondershausen geboren wurde, studierte an den Universitäten Berlin und Göttingen, wirkte zunächst als Mittelschullehrer und Versicherungsmathematiker, um sich später vollkommen dir philosophischen, insbesondere der Kantforschung zu widmen. Ir \eranstaltete l'Mli eine Neuausgabe von Kants Kritik der reinen Vernunft und hat /ahlreiche W erke über die Ergebnisse seiner Kantforschung geschrieben, u. a. „Zur Würdigung der Kritik der reinen Vernunft", ..Kant über Freiheit. Unsterblichkeit, Gott", „Kaut und Dackel". „Verwahrung gegen die Behandlung Kants in Lehre und Schrift"; l'i'JJ veröffentlichte er eine Arbeit „Gegen Einsteins Metaphysik, eine kritische Befreiung". Keine Sonderbehandlung jüdischer Firmen im Getreidehandel. In einem im ..Berliner Tageblatt" veröffentlichten Bericht über die Generalversammlung des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse heißt es u. i.......Es gilt für den D.L.B. (Deutscher Landeshandelsbund) aU oberstes Gesetz nicht allein die Berücksichtigung wirtschaftlicher Wünsch« ein/einer Intcrcssentengruppcn und am vereinsieben ii ingender Persönlichkeiten, sondern er wird, als Träger und Mittler nationalsozialistischen Denkens, das Primat der Politik jederzeit anderen I r\\ igungen voranstellen und sein Wirken und Wollen nur in den Dunst der gesamten deutschen Nation stellen. Der D.L.B, schreibt den jüdischen Handelsfirmen bewußt keine Richtlinien vor. Dieselben haben bis heute völlige Freiheit des Handelns, also auch außerhalb des D I B., denn alle von diesem aus den alten Vereinen zu übernehmenden bewahrten Einrichtungen, wie Kontrakte, Schiedsgerichte und die damit zusammenhängenden Funktionen, stehen jedermann zur Verfügung, soweit sich die abgeschlossenen Geschäfte im Rahmen des soliden, ehrbaren Handels bewegen . . ." Reichsverband des jüdischen Mittelstandes. Als Parallelorganisation les Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens ist im Juni I'isj der Reichsverband des jüdischen Mittelstandes gegründet worden, um die Interessen aller Angehörigen des gewerblichen Mittelstandes und eh r freien Berufe zu vertreten. Die Geschäftsstelle befindet sich in Berlin W 50. NachodstT. 8. Reichsbund für jüdische Siedlung. Der Reichsbund für judische Siedlung in Deutschland L.V. (RIS) hat eine landwirtschaftliche und gärtnerische •schule auf dein Rittergut LötZC bei Rathenow errichtet. I.s sind zunächst Linrichtungen für die Aufnahme von 5<> Praktikanten und Praktikantinnen getroffen wurden. Der monatliche Zuschuß bell igt 50 RM. Kapitalkräftige sollen einen höheren Zuschuß zahlen, damit Minderbemittelte zu einem geringeren Satz aufgenommen werden können. Die Aufnahme erfolgt mit vierwöchentlicher Probezeit Meldungen sind an den Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland I V., Berlin W Ii. Emser Str. 12 (J2 Oliva 5588) zu richten Unsere Gemeinde. Sozialamt — Berufsumschichtung: Junge Mädchen, die beabsichtigen, sich in allen Zweigen der Hauswirtschaft gründlich auszubilden, wollen sich heim Sozialamt In der Sprechstunde für ßerufsumschichtling (Dienstag und Donnerstag von 15-17 l'hr) melden. Kein Arierparagraph für die Leipziger Messe. Das Leipziger Meßtmt gibt iur die Besucher der bevorstehenden Leipziger Herbstmesse folgendes bekannt: „Die Leipziger .Wesse ist seit Jahrhunderten so woiil im Hinblick auf die Einkäufer als auch auf die Aussteller eint internationale Veranstaltung. Ls ist selbstverständlich, daß diese Inter nationalität der Leipziger Messe auch in Zukunft keine Störung er fahrt. Die Leipziger Messe ist und bleibt ein Instrument des Waren Verkehrs, dessen Bedeutung nicht auf den deutschen Binnenmarkt beschränkt bleibt, sondern international ist. Alle Gerüchte, daß be stimmte Staaten und Völkergruppen, zum Beispiel niehtarische Kauf leute, von der Beschickung und dem Besuch der Leipziger Messe aus geschlossen werden sollten, entbehren jeder Grundlage. Auch den it Deutschland ansässigen jüdischen Kaufleuten wird bei der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit auf der Leipziger Messe kein Hindernis in den Weg gelegt. Die Gerüchte, die von einem ("eil der ausländischen Presse untet der Überschrift „Juden von der Leipziger .Wesse ausgeschaltet", böswillig verbreitet werden, sollen -ich auf die Tatsache stützen, daß flu eine Sonderveranstaltung im Rahmen der diesjährigen Herbstmesse die eiste „braune" grolle Messe durchgeführt wird. Hier handelt es sich um eine Schau rein deutscher Waren, die von deutschen Fabrikanten lies gewerblichen Mittelstandes hergestellt werden. Schon seit vielen Jahren zeigen andere Lander m geschlossenen Sammelausstellungen die Erzeugnisse ihrer nationalen Produktion auf der Leipziger Messe. Die Tatsache, daß jetzt auch die deutschen Fabrikanten eine Sonderschau rein deutscher Waren auf der Leipziger Misse zeigen, gibl keinerlei Aulali zu der Vermutung, daß Angehörige irgendwelcher Völker und Rassen von der Leipziger Messe ausgeschlossen werden sollen." Höhere Israelitische Schule. W iederbeginn des Unterrichtes Mittwoch, den 16. August 1933, 9 Uhr vormittags. Der Unterricht in den neueingerichteten Volksschulklassen beginnt Donnerstag, den 17. August, 9 l'hr vormittags. Die neueingerichteten Klassen 3 und I (5. und ö. Schuljahr) befinden sich imm Volkswohl, Walter-Blümelstr, 7, Klasse 7 (I.Schuljahr) im Gebäude dei Höheren Israel. Schule, Gustav-Adolfstr. 7. Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene! I. Es ist erforderlich, dal! uns von allen Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen umgehend die Adressen zugesandt werden, gleichviel, ob die betreffenden dem Rjf . angehören oder bisher einet Rriegsbeschädigtenorganisation angeschlossen waren oder nicht. Nach I rhall der Anschriften gehen den Betreffenden Fragebogen zu, die genau auszufüllen und au uns zurückzugeben sind. All» Fragen sind zu beantworten, evtl. mit „Nein". j. Alle jüdischen Kriegsopfer (Kriegsbeschädigte, Kriegerwitweti und Kriegerwaisen) müssen von uns erfaßt und deren Interessen vor uns wahrgenommen werden. Aufnahme und Vertretung bei Be hörden USW. erfolgt kostenlos. Sämtliche Eingaben, Beschwerden usw. sind nur au die untenstehende Adresse zu richten. I. Die Regelung der Stcrbegeldversicherung, insbesondere die Art, wie die Zahlungen erfolgen sollen, ist noch Gegenstand von Verhandlungen. Nach den bisherigen Besprechungen wird ab I. Juni 1933 ein monatlicher Betrag von Mi Pfennig zu zahlen sein. Sobald wir übet die Art, wie die Zahlung erfolgen muH, Näheres wissen, veröffenf liehen wir dies im < icmciudi hlatt. Bis dahin bitten wir Zahlungen nicht zu leisten. Wir erbitten umgehend die Adressen einzureichen au: Harr) Hirsch. Leipzig N22, wilhelmshavener Str. 8a. Reichsbund jfld. Frontsoldaten, Ortsgruppe Leipzig. Bad Nauheim. Mit Unterstätzung aus Mitteln der Professor D.Simonsen-Stiftung kann judischen Krauken, die einer Kur in Bad Nauheim bedürfen, die Durchfuhrung dieser Kur zu besonders ermäßigtet. Gebühren ermöglicht werden. Die (iaste der Professor I). Simonseu Gesellschaft e.V. erhalten Unterkunft und rituelle Verpflegung in erst klassig geleiteten Kurhäusern (Einzelzimmer mit fließendem warmen und kalten W asser, Balkon, < lartenbeiiutzuug). Anfragen sind zu richten au den Syndikus der Professor D. SimonSCn-Gesellschaft e.V. Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Schnur Spier, Frankfurt a. M., Tau nusstraße 1. Aus dem Gemeindeamt Gottesdienste: Der Gottesdienst in der Lz-Chaim Synagoge (Otto Schillstr.) findit statt: Freitag, den 11. August: Abendgebet 19.15 Uhr. Sabbat, den 12. August: Morgengebet 8.30 Uhr: Mincha 17 Uhr: Ausgang 20.25Übt Wochentag: Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet l'l.lt) Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: l'reitag, II. August, Abendgebet 1') Uhr. Sonnabend. 12. August, Morgengebet <> Ufr, Nachmittagsgebet IQöö Uhr; Abendgebet 2(1.25 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: l'reitag, 18. August, Abendgebet l'( Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. (loldmann). Sonnabend, I'). August, Morgengebet <) Uhr, Jugendgottesdienst 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. (loldmann): Nachmittagsgebet 19.40 Uhr. Abendgebet 20.10 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7. >n Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst l'l Uhr. Amtliche Bekanntmachung. Ausgabe der Synagogenkarten. Die Erneuerung der Synagogenkarrcn findet noch bis zum 18. August d. J. im Gemeindeamt, Waher-Blümel-Straße IiiI statt. Karten, die nicht rechtzeitig abgeholl sind, werden anderweit vergeben. Wegen Zuteilung verfugbarer Platze erfolgt später persönliche Benachrichtigung. I eipzig, den 8. August 1933, Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeindc zu Leipzig- Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!