Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 32 (11.8.1933)
- Date
- 1933-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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J X. U. 06, Auflage 4500 Stück taemftebktt DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGE-Mtl N DE- ZU I III D71CL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL I I Mm I ^7 DER GEMEINDEVERWALTUNG« Scbriftleitung: Gemeinderabbiner Gustav Colin Leipzig. Valter lllumcl Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe nd mit Oenebmigung des Verfassers gestattet. Nummer 32 ■ Jahrgang 9 11. August 1933 Anzeigenannahme: E. Ooldfrcund, Leipzig O 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 607 71. Druck: Druckerei der Werkgemeinschat't, Leipzig C I. Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen. Im den letzten Jahren, Insbesondere in den letzten Monaten, wird sowohl in größeren imtl mittleren Qemeinden als auch in Klein* gemeinden ein verstärktes Bedürfnis nach jüdischer Wirtschafts- und Kredithilfe beobachtet. Um nun die schon seit vielen Jahren bestehenden jüdischen I larlehnskassen, die die verschiedensten Formen aufweisen, auszubauen und zu beleben, desgleichen zur Begründung neuer Darlehnsinstitute, haben die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Preußische Landesverband jüdischer Qemeinden die „Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen" ins Leben gerufen, die auf dein i nannten (iebiet eine intensive Wirksamkeit entfaltet. Da Lrw eiternden und Neubegründungen jüdischer Darlehnsinstitute vor allem aran scheiterten, dafl das notwendige Kapital meist von den Qemeinden bzw. Landes- und l'roviu/ialverbanden allein nicht aufgebracht Verden konnte, hat dankenswerterweise die American Joint Reconitruction Foundation einen größeren Kredit für diese Zwecke der Zentralstelle für judische Darlehnskassen /ur Verfügung gestellt, der unter folgenden Bedingungen an die Qemeinden bzw. Organisationen vermittelt wird: Laufzeit: Fünf Jahre mit der Maßgabe, dafl die Amortisation nach einem Jahre beginnt. Bei sinnvoller Arbeit der betreffenden Darlehnskasse kann nach ein bis zwei Jahren ein erneuter Kredit Unabhängig von dein ersten gegeben werden. Zinsfuß: )' „ jährlich. Weitere Bedingungen: Aufbringung eine-; Eigenkapitals, das in gewisser Relation /u dem herzugebenden Kredit steht, Qarantieübernahme für den Kredit durch die Qemeinden. Zurzeit bestehen in Deutschland 17 jüdische Darlehnskassen. I ber die meisten von diesen sowie über ilie munds.it/liclleu Probleme des judischen Darlehnskaasenwesens ist Näheres aus der von der Zentral- .vohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauptstelle für jüdische wanderfursorge herausgegebenen Broschüre „Das jüdische Darlehns- Kassenwesen in Deutschland" zu ersehen. Mit Hilfe des dir Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen zur Verfügung gestellten Kapitals der Foundation wurden im Laufe der tzten Zeit 22 Darlehnskassen erweitert bzw. neu begründet. Diesen Darlehnskassen wurde insgesamt durch die Zentralstelle für jüdische 11 arlehntkassen ein Kapital von ca. ÜHIIKKI KM. vermittelt. Sie haben den Bedingungen entsprechend, ungefähr das gleiche Kapital selbst aufgebracht. Nach den vorliegenden Berichten arbeiten die Darlehnskassen zufriedenstellend, das heißt, da sie Darlehen nicht nach wohl- ■ahrtspflegerischen Qesichtspunkten sondern lediglich nach wirtschaftlichen vergeben, für die gute Sicherheiten verlangt werden, sind die Verluste gering. Selbstverständliche Voraussetzung ist, daß die Darlehen lediglieh ZU produktiven Zwecken verwandt werden dürfen. Wenn auch an die Darlehnsentnahme unter den heutigen Vern iltnissen in den seltensten Fällen große Erwartungen geknüpft werden können, so verhindern doch die Darlehen ein Abgleiten der Dar» lehnsnehmer in die Wohlfahrtspflege und ermöglichen ihnen zumindest eine F.xistenz auf schmaler Basis. Das Bestreben der Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen geht ''aliin, in den verschiedenen Landest ei Ich Be/irks-l )arlehnskassen ZU errichten, damit die in Kleinstgemcindeu verstreut lebenden Juden auch "iit erfaßt werden können. Zu allen näheren Auskünften steht die Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen, Herljn-Charlottcnlnirg 2, Kantstr. 158, /ur Verfügung. Die industrielle Entwicklung Palästinas. Einem Aufsatz von Dr. Alfred Marcus-Haifa („Israelitisches Familienblatt" vom 6. Juli WH) entnehmen wir folgende Angaben: Di( industrielle Entwicklung Palästinas hat im Jahre 1932 Fort schritte gemacht. Bezeichnend hierfür ist der Verbrauch des Landes au elektrischem Strom. Bei der Palestine Electric Corporation, die auch das am Iii. Juni 1932 in Betrieb genommene Jordankraftwerk besitzt, stieg die Stromabgabe gegenüber dem Vorjahre für Beleuchtungszwecke um 41" .„ für industrielle Zwecke um 2i", und für Bewässerungszwecke um 12" . Aus dieser Aufstellung ist ersichtlich, dafl der industrielle Fortschritt in der Oesamtwirtschafl Palästinas noch keineswegs die Hauptrolle spielt. Wichtiger bleibt der Fortschritt des städtischen und ländlichen Siedlungswesens und der Landwirtschaft als Wirtschaftsgruppe; denn die Zunahme des Stromverbrauchs für industrielle Zwecke ist prozentual viel geringer gewesen als in den beiden anderen Positionen. Andererseits entwickeln sich freilich mannigfache Kleinindustrien im Lande, die zum guten Teile noch nicht zur Verwendung von Elektrizität als Kraftquelle gelangt sind. I s handelt sich hierbei im wesentlichen um Kleinbetriebe der Metallindustrie. Für ihren Bedarf verden neuerdings im Lande selbst Metallbeschläge, Kleineisenteile usw. aus eingeführten Halbzeugen hergestellt. Man importiert nicht mehr Fertigfabrikale, sondern Halbzeuge, die man -dlist auf Fertigfabrikate verarbeitet. denkt an den jüdischen Xandwerker In der Verkehrswirtschaft des Landes spielt heute schon der Kraftwagen die entscheidende Rolle Im Jahn 1932 wurden HO fertige Waren im Werte von - 164000 eingeführt, gegen 665 Wagen im Vorjahre. Hinzu kommt eine beträchtliche Anz.th! von Wagen, die im Laude seihst von den Filialbetrieben der großen amerikanischen Qruppen montiert worden sind. Dann: besteht ein natürlicher, ständig wachsender Bedarf an Ersatzteilen aller \rt. Auch die Herstellung von Badeöfen und Heizapparaten für Llektro- und Petroleumbetrieb hat im Lande selbst begonnen. Die Zementindustrie des Landes hat sich unter dem Einfluß der guten Baukonjunktur gunstig entwickelt. Du Zementfabrik .,Mcscher" in Haifa hat ihre Produktion im Jahre 1932 auf rund 100000 Tonnen gebracht, sie hat inzwischen ihre Leistungsfähigkeit erheblich erhobt. Palästina konnte im Jahre 1932 rund lillKHI Tonnen Zement exportieren. Für die chemiewirtschaftliche Entwicklung des Landes ist die Aufnahme iles Schwclcllicrgbaus bei daza von Bedeutung. Außerdem ist eine Anzahl von Klein- und Mittelbetrieben der Anstrich-, Farben- und Lackfabrikation entstanden. Wesentlich für die Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft ist ferner die ständige Zunahme der Produktion von Textilien geworden. Zu lösen bleibt hier noch das Problem der Färberei. Vorläufig vermag die palästinensische Textilindustrie den Bedarf des Landes noch bei weitem nicht zu decken. Daher wurden im Jahre 1932 an BaiMlwollwaren 2614778 kg, an Wollgeweben und -waren 2äl$°ökg, an Seidengeweben und -waren 270 111kg importiert. Die Projektierung einer kleineu Kunstseidefabrik ist über die Anfangsstadien bereits hinaus. Die Produktion von Strickwaren ist aufgenommen worden. Daneben steht schließlich die Produktion von Zündhölzern, Zigaretten und allen möglichen anderen Artikeln des täglichen Bedarfs. Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!