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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-07-28 · 30 (28.7.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
30 (28.7.1933)
Date
1933-07-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ciEMEINDEBLATT DLR ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINOE ZU LEIPZIG 28. Juli ly gesinnungsmäßig begründet werden. Und hur muQ da* erste, fiir allzu viele alles, geschehen. Jüdische Bücher und jüdische Zeitungen müssen wieder Eingang finden: sie geben ungemein wertvolle Aufklärung und Anregung, zeigen, wie führende Köpfe und jüdische Gruppen die jüdischen Dinge sehen. Die großen Werke über jüdische Geschichte und zur Darstellung des Judentums, die solche Einblicke vertiefen und den Weg zu eigenem Schauen des Bildes bahnen. Aber: das erwacht erst zum Leben im Gedankenaustausch mit anderen Ringenden, möglichst unter Leitung und Weisung von solchen, die nicht mehr suchen, sondern aus tiefstem Eingedrungensein, aus «In Geschlossenheit einer Oberzeugung, aus einer heißen Liebe und einem heiligen Olauben für die Sache des Judentums sprechen. Der Wim.eh nach solcher Zwiesprache begegnet heute hiufig. Mit seiner Erfüllung sollte l inst gemacht werden, in kleinen, von ernstem Willen getragenen Gruppen, die nach Verlebendigung der jüdischen Lebensinhalte suchen. Wir müssen wieder leinen. Keineswegs ausschließlich, wie unsere Alten gelernt haben, die all ihr Wissen am Talmud und an den rabbinischen Schriften gebildet haben. Aber in ihrer Art, mit ihrem Eifer, ihrer Liebe und ihrer Hingabe muß die unendliche Fülle alles dessen, was den Juden als Jüdin angeht, angefaßt werden. Durch eine solche Betrachtung der Dinge unter dem Gesichtspunkte der jüdischen Werte wurde dann, über die Schaffung des jüdischen Selbstgefühls, die Sicherung der jüdischen Seele und das ist vielleicht die Richtung, nach der unser Mühen heute sieh bewegen lllllll auch das eine neue Beleuchtung erfahren, was wir als jüdische Kultur /ii pflegen haben. Was als unser Eigenstes wert ist. bewahrt und gesteigert zu werden, und was wir als Beitrag zur Kultur der Menschheit geben. Damit begegnen wir am wirksamsten den Versuchen, uns der Verachtung der Völker auszuliefern. Jüdische Zeitschau. Volkseinheit durch Gcsinnungsglcichhcit. In einem gemeinsamen Hirtenbrief nehmen die deutschen Bischöfe /tir staatlichen Neuordnung in Deutschland Stellung. In dem Hirtenbrief wird erklärt, die Bemühungen der neuen Staatsautorftät, die eigene Volkskraft zu fördern und damit das Volk zu verjüngen und es zu einer neuen großen Sendung zu befähigen, liege ganz in der Richtung des katholischen Gedankens. Es sei aber dringend zu verlangen, daß dabei nicht die Seele über dem Körper notleide und daß die staatliche Autorität bei Förderung der Volksgcsundheit nicht zu Gesetzen und Verfahren greife, die sie vor Gott, dem alleinigen Herren alle» Lebens, nicht verantworten könne. „Wir glauben", so erklären die Bischöfe, „daß eine Volkseinheit sich nicht nur durch die Blutsgleichheit, sondern auch durch die Qesinnungsgleichheil verwirklichen läßt und daß bei der Zugehörigkeit zu einem Staatswesen die ausschließliche Bekennung der Rasse und des Blutes zu Ungerechtigkeiten fuhrt. Was bisher für jede Volksgemeinschaft galt, daß die Gerechtigkeit die Grundlage aller Volkswohlfahrt sei, muH erst recht bei der Neuordnung des deutschen Volkswesens gelten. Diese Gerechtigkeit darf auch dem bisherigen Feinde gegenüber nicht versagen, dem politisch nur Andersgesinnten aber wird diese Gerechtigkeit, sofern er aufrichtig entschlossen ist, im neuen Staat ehrlich und opferwillig ZU dienen, nicht einem ungewissen Schicksal überliefern, sondern seine Mitarbeit wiederum ermöglichen." Zum Schluß wird das Vertrauen ausgesprochen, daß manches, was in den letzten Monaten vom katholischen Standpunkt aus als befremdlich und unbegreiflich erschienen sei, sich nur als ein Qärungsvorgang erweisen und dal! die Gerechtigkeit sich nunmehr auch jenen gegenüber großmütig bewahren w erdv, die bisher unter den Zusa.....lenbriichen, UmschaKungen und Ausschaltungen Unsägliches erlitten hätten und innigstes Mitleid verdienten. Dr. Leo Baeck Ehrenvorsitzender der Reichsvertretung. - Errichtung einer Zentralstelle für Erziehungsfragcn des deutschen Judentums. Die Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände Deutschin Ii trat am Sonntag, den T>. Juni, in Berlin /u einer Sitzung zusammen. her Vorsitzende, Kammergerichtsrat Wolff, gedachte nach Begrüßung der Erschienenen des schweren Verlustes, den das gesamte Judentum durch den Tod des Dr. Chaira Artosoroff in Tel Awiu und des Jiisti/rats Dr. I lias Straiis in München erlitten hat. Die Reichsvertretunfl besi h iftigte sich vor allem mit Schul- und Erziehungsfragen. Es wurde die Begründung eines Erzichiingsaiisscjllisscs beschlossen, der aK eine Zentralstelle ade Erziehungsfragen des deutschen Judentums behandeln und den Landesverbänden und Gemeinden anregend und beratend /ur Seite stehen soll. Zum Vorsitzenden wurde Herr Professor Dr. E Ihogt-n - Berlin bestellt. Alsdann erstattete das Generalsekretariat des Zentralausschusses der deutscheu Juden für Hilfe und Aufbau ausführlich Bericht über die Arbeit des Auss( husses. Im Anschluß daran fand eine eingehende Aussprache Ober alle I ragen der wirtschaftlichen und sozialen Hilfsarbeit statt. Der eine der beiden Präsidenten der Reichsvertretung. Herr Rabbiner Dr Baeck. hat den Wunsch ausgesprochen, von der weiteren I uhrung des Mitvorsitzes in der Reichsvertretung und der Mitgliedschaft im Präsidium mit Rücksicht auf seine starke Überlastung mit anderweitiger im Interesse des deutschen Judentums zu leistenden Arbeit entbunden ZU werden. Die Reichsvertretuilg hat von diesem Wunsche mit größtem Bedauern Kenntnis genommen und ihm Rechnung getragen Sie hat Herrn Dr. Baeck zum Ehrenvorsitzenden gewählt. 111 welcher Eigenschaft er an den Arbeiten des Präsidiums auch Weiter teilnehmen wird Dr. David Feuchtwang Oberrabbiner von Wien. Der Vorstand der Israelitischen KuHusgememde Wien hat mit Stimmeneiuhelligkeit beschlossen, den Oemeinderabbiner Dr David leuchtwaug /um Obcrrabbiner von Wien zu ernennen. denkt an den jüdischen Xandmerker 11 IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH Dr. l euchtwaug wurde lSdl in Nikolsburg (Mahren) geborci absolvierte das Rabbinerseminar in Berlin, studierte an den Oniversi taten Berlin und Wien und erwarb das Doktorat der philosophische I akultät der W iener Universität. Seit 1903 wirkt er in Wien als Oi meinderabbiner und Inspektor für den jüdischen Religionsunterricl au den Wiener Mittelschulen. Er ist Dozent am judischen Lehre seminar und Mitredakteur der „Monuments Judaica". Seit dem Tod iles früheren W iener Oberrabiners Dr. H. P. Chajes i. J. 1927 war Dr leuchtwaug provisorisch mit der Leitung des Wiener Oberrabbinats betraut. Lr hat sechs Bande Kanzelreden, eine Reihe von Studien auf judaistischem Gebiet und ein Werk über das holländisch Judentum veröffentlicht. Als Kanzelredner weiß er. tiefe Wirkungen zu erzielen. Gleichzeitig mit der Ernennung Dr. Feuchtwangs zum Oberrabbiner wurde der Gemeinderabbiner Dr. Israel Taglicht zum Titularoberrabbiner ernannt. Ausgrabungen in Samaria. — Ein Amphitheater und die Säulen stralJc von Sebastc freigelegt. Wie die Hebräische Universität Jen salem mitteilt, hat die Vereinigte archäologische Expedition die Au» grabungsarbeiten in Samaria wieder aufgenommen. Von den uisprüngnehen Mitgliedern der Expedition sind der Leiter J.W. Crowfoot, sein Stellvertreter Dr. E. L. Sukenik von der Hebräischen Universität, I ran und Frl. Crowfoot, Frau Lake, Frl. Kenyon und die Herren Buchanan, Pinkerfeld und Reiss am Ort der Ausgrabung wiedei eingetroffen Ihnen werden sich im Laufe des Monats Mai folgend neue Expcditionsmitglieder anschlichen: Mill Murray, Miß Crespigny und die Herren Prof. Lake. Prof. Blake, Dr. Weingreen, Inge und riood Nachdem im Monat April die Ausgrabungen im Gebiet der Paläste aus der israelitischen Periode fortgesetzt worden waren, hat ma;i nunmehr eine Stelle in Angriff genommen, an der mau auf QrUilii einer von einem englischen Militärflugzeug aus gemachten Aufnahmt das Amphitheater der Herod es Stadt Sebastc vermutete. Die Flugzeugaufnahme zeigte eine Einbuchtung am Nordabhang des Hügels, ein kleines Stuck östlich von dein von Hemdes errichteten Augustutempel. Die Ausgrabungsarbeiten haben die auf Grund der photo graphischen Aufnahme entstandene Vermutung bestätigt. Obwohl d größte Teil des Mauerwerks abgetragen worden war, sind doch di< Grundmauern, mehrere Sitzreihen und die Pflasterung der Orchestra deutlich erkennbar freigelegt worden. Es wurden auch einige architektonische l ragmeute, die zum Bühnenaufbau gehören, gefunden Die Ausgrabungen an dieser stelle werden fortgesetzt. Außerden wurde bei den im Monat Mai vorgenommenen Ausgrabungen dif I reilegung der Stadtmauer auf der Ostseite der Römerstadt weit. fortgesetzt. Es wurden Teilstrecken der Fundamente dieser Mau« mit drei offenbar der herodischen Periode zugehörenden, jedoch in einem spateren Zeitpunkt restaurierten Turme ausgegraben. El bleibt nur noch ein kleines Gebiet zur Forschung übrig, um die Gesamtlag« der romischen Stadtmauer festzustellen. Es ist damit zu rechnen, dal! diese Arbeit in nächster Zeit zum Abschluß gelangt. Schließlich wurde das Gebiet der Säuleustraße in Angriff genommen. Der erste Graben wurde in der Nähe des Westtores ausgehoben. Es wurden mehrere gepflasterte Stucke der Straßenobe ■ fläche freigelegt. Darunter wurde ein Stück Mauerwerk gefunden das auf Grund seiner Lage in einem aus dem I eis ausgehauenenOrabet und des in diesem gefundenen Töpferwerks mit ziemlicher Sicherheit der israelitischen Periode zugeschrieben werden kamt, womit neue j dings der Nachweis erbracht ist, daß die ursprüngliche israelitisch. Stadt, das biblische Schomrou, sich nach Osten bis in die Gegend dr späteren Säuleustraße ausgedehnt hat. Von den kleineren Funden ist der bedeutendste das Fragment ein:: Keilschrifttafel, die in einer aus losen Steinen aufgeschichteten Grenzmaucr zwischen zwei Ackerfeldern gefunden wurde. Diese offcnb.i aus der Zeit der assyrischen Okkupation stammende Tafel ist der erst, in Palastina gemachte derartige I und. (JTA.) Unsere Gemeinde. Aufruf. Das Sozialamt der Rdigionsgemeindc hatte in den letzten Tag. eine Fülle von Rechtsfragen jüdischer Arbeitnehmer zu hearbeitei. Aus der Bearbeitung ergab sich häufig die Notwendigkeit einer Vertretung vor den Arbeitsgerichten. Diese lassen aber nur solche Vertreter zu, die für wirtschaftliche Vereinigungen von Arbeitnehmer) tätig sind. Vorbehaltlich einer etwaigen behördlichen Regelung, dk bisher noch nicht ergangen ist, ergibt sich daraus die Notwendigkeit eines zunächst wenigstens losen Zusammenschlusses der judischen Arbeitnehmer, zumal da sie von den bisherigen <ifwerkschaften nach ihrem Aufgehen in die Arbeitsfront nicht nicht betreut werden. Das Sozialamt bittet daher alle Angestellte und Arbeiter, <ÄC einer jüdischen Religionsgemeinde angehören und ihren Wohnsitz in Bezirke der Kreishaiiptmannschaft Leipzig haben, bis spätestens zuir 15. August WH ihre Anschrift unter Angabe des Arbeitgebers, l>< dem sie talig sind oder zuletzt tätig waren, und gegebenenfalls d" Gewerkschaft, der sie angehört haben, dem Sozialamt der Religion'- gemeinde, Abteilung Arbeiter- und Angestelltenfragen, schriftlich 00* persönlich (taglich von 5 <> Uhr nachm. in der Fürsorge-Abt.) zuteilen und dabei anzugehen, ob sie gewillt sind, einer solchen * Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!

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