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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-06-16 · 24 (16.6.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
24 (16.6.1933)
Date
1933-06-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 16. Juni 193 fallen? Oder tollen wir nicht vielmehr wieder lernen, wie unsere Väter, im Judentum unser Glück und unsere Ehre zu finden? NlUI denn! Wenn wir hundert Jahre lang alles Heil darin erblickt haben, es den anderen in allem gleich zu tun, wenn wir auf die trügerische Macht der Menschenliebe gebaut und dabei uns seihst verloren haben, wenn wir unsere Kostbarkeiten in den Staub geworfen und unseren Glauben in ein fadenscheiniges, bloßes Gedankendiug, ohne Leben, ohne Saft und Kraft und Seele und Atem, verwandelt Itaben, dann legt in dieser Not/eit das Schicksal seine eiserne Faust auf uns, dann ruft unser Gott und der Gott unserer Väter im Schicksal lieser Zeit, das er über uns ergehen läßt, uns ZU, dali wir, wie im Jubeljahr „zurückkehren ein jeglicher zu seinem Eigenbesitz und zu seinem Geschlecht", Hier lind die starken Wurzeln unserer Kraft. Hier i>t der Ort, wo wir ein umfriedetes, warmes Plätzchen in dieser kalten, von Liebe verlassenen Welt finden können und nicht zu betteln brauchen um die Brosamen fremder Gunst und Liebe. So hoch uns auch die Achtung von außen stellt, die Achtung vor uns selbst muß uns hoher stehen. Wir müssen uns wieder bewußt werden — um so mehr, je mehr die Außenwelt uns fühlen läßt, daß wir Juden sind — laß wir nicht als Bettler in die europäische Kultur eingetreten sind. Dali wir in uns etwas haben, was keine Meinung der Welt zu schmälern vermag. Nicht was andere von uns denken, sondern wie wir selbst uns fühlen, macht unseren Wert aus. Nicht welchen Platz andere ins einräumen, sondern welchen Platz wir selbst uns geben, ist entscheidend für unseren Platz, unter den Völkern. Daß wir das auserwählte Volk uns nannten, warf man uns einst als Hochmut vor. O, daß wir nur ein klein wenig von diesem „hochgemuten" Sinn hätten, nur so viel, daß es zur Selbstachtung reichte! Erben ungeheurer eigener Schätze, sollten wir es verschmähen, /u betteln, wo wir zu schenken haben. Nur dürfen wir freilich das Leben nicht von außen ansehen, als ein Jagen nach äußerem Erfolg, als ein Streben nach Anerkennung und Glcichmachung, wie es vielen in den Jahrzehnten äußerlicher Verflachung geworden ist. Solchen mag wirklich das Judentum, zumal heute, ein Unglück dünken, und " sie mögen es für unverständlich ansehen, wie man es je als Glück betrachten konnte, ein Jude zu sein. Ein Vergnügen war es nie, Jude zu sein. Aber die Menschen sind auch nicht zum Vergnügen auf der Welt. Wer das noch je gewahnt und sein Leben darauf gestellt hat, ist noch nie auf seine Rechnung gekommen. Unseren Patriarchen ward in grauer Vorzeit eine doppelte Verheißung: „Ihr sollt werden wie die Sterne am Himmel" und „Ihr sollt werden wie der Staub der Erde". An uns liegt es, welche Verheißung in Erfüllung geben soll. Wir können wie der Staub und können wie die Sterne sein. Wir können am Staube kleben und im äußeren Genießen den Sinn des Lebens erblicken, und wir können unserem Dasein einen Sternen (hin geben. Wie erhebt und beglückt der Oedanke, in diesem kleinlichen Leben eine große heilige Aufgabe zu haben, um derentwillen es sich lohnt zu leben und zu sterben. An uns liegt es, an diesen Sinn unseres i »ascins, an den Sinn und Zweck unserer einzigartigen I orterhaltung unter allen Nationen der Lrde, an unsere Sendung und Bestimmung vom Sinai her zu glauben: „Ein Reich von Priestern zu sein und ein heiliget Volk". Lin solcher Uochgedanke würde uns emporreißen aus der seelischen Heimatlosigkeit und der äußeren Erbärmlichkeit der Gegenwart, wurde unser Leben wieder reich und tief, lebenswert und glücklich machen. Wurde uns und unsere Kinder wieder hungern lassen nach dem geistigen Brote unseres Volkes, nach seiner Sinailehre, leinen heiligen Schriften, seiner wunderbaren Geschichte. Würde die Selbstachtung und das Selbstgefühl unserer Väter und Mütter wieder in unsere matte Seele gießen und uns mit ganzem Her/en und mit ganzer Seele empfinden lassen das (ilück, Jude /u sein. Aus dem Gemeindeamt Gottesdienste: Gemeindesynagoge. Freitag, 16. Juni, Abendgebet 19 Uhr. Sonnabend. 17. Juni, MÖrgengebet 9 Uhr, Jugendgottesdienst 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Nachmittagsgebet 20.55 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. (ioldmann); Abendgebet 21.28 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7,30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 23. Juni, Abendgebet 19 ifhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann); Sonnabend, 24. Juni. Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 21 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn): Abendgebet 21,30 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7.10 I hr. werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schillstr.) und Talmud Thora-Synagoge (Keihrtr.): I reitag, den 16. Jiiüi; Abendgebet 19.15 Uhr. Sabbat: Morgengebet B.30 Uhr, Mincha 17 Uhr; Ausgang 21.28 Uhr. « och en tag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 19.15 Uhr. Zuschriften an das Sozialamt. Es wird darauf hingewiesen, daß Zuschriften an das .Sozialamt nicht mit einer persönlichen Anschrift versehen sein dürfen, da solche Zuschriften nur eine erhebliche Verzögerung der Angelegenheit zur I olge haben. Es wird gebeten, Schreiben jeglicher Art lediglich an das Sozialamt der Israelitischen Religionsgemeinde, Leipzig I, Löhrstr. lo, zu richten. Personenstandsnachrichten. Oeburten; 15 Mai 1033 Heschel I elber und Fidla geb. Figermanil, Jakobstr. 0, eine Tochter „Uilli". 21. Mai 1933 Moritz Berger und Sara geb. Henik, Htunbokttftr. 23, eine Tochter „Esther". 27. Mai 19J3 David Qutter und Sara geb. Szapira, Nordplatz 1, ein:- Tochter „Ruth". 28. Mai 1933 Chaskel Tempel und Masia geb. Amtmann, Nordstr.2i<, eine Tochter „Goldi". 30. Mai 1933 Rachmiel Preismann und Selma geb. Littmann, Ehren steinstr. 43, einen Sohn „Herbert Sam". B a r in i z w a : Sonnabend, den 24. Juni 1933, Oskar Suhl, Sohn des Herrn Amol I Suhl und Frau Luise geb. Pintschuk, Yorkstr. f>, I, in der E\ Chaim-Synagoge. Trauungen: Am Sonntag, 18. Juni 1933, 1 ,i Uhr nachm., Fräulein Irma Schüftan Ratibor, mit Herrn Martin Zimmels aus Leipzig, Keilstr. 3, in dei Wohnung von Herrn Rahb. Dr. (ioldmann. Todeslille: 9. Juni 1933 Erna Pfingst, Dresden. 11. Juni 1933 Lasar Marcus, Ranst. Steinweg 33. 12. Juni 1933 Anna Genia Reichenbach, Naunhof. 12. Juni 1933 Nelly Lewin, Grassistr. 32. Vereinsnachrichten. Brith Chaluzim Dathiim (Bund gesetzestreuer Chaluzim). Wie in vielen anderen Städten Deutschlands besteht seit einigen Wochen auch in Leipzig eine Gruppe (Snif) des B. Ch. D. Der B. Ch. I). umfaßt die jungen jüdischen Menschen, die sich zur Clialuziuth entschieden haben, und sich auf der Grundlage des jüd. Religionsgesetzes für das Aufbauwerk in Erez Israel vorbereiten. Durch körperliche und geistige Hachscharah wollen wir uns für ein neues Erez Israel im (ieiste von Thorawaawoda erziehen. Unsere Zusammenkünfte finden an jedem Sonntag 20.15 Uhr im Jüd. Jugendheim statt. KrankenunterstUtzungsverein „Bikur Cholim". (Geschäftsstelle Schuhhaut Hönigsberg, Windmühlenstr. 31.) Der in der am 10.5. ds. Js. stattgehabten Generalversammlung des Krankeiiimterstutzungs Vereins „Bikur-Cholim" e. V. zu Leipzig, neu konstituierte Vorstand hat sich zur Aufgabe gemacht, den Verein mit allen ihm zu Gebot'' stehenden Mitteln neu aufleben zu lassen. Dazu bedarf er aber der Unterstützung der gesamten jüdischen Bevölkerung Leipzigs. Um e< allen Kreisen zu ermöglichen, dem Verein als Mitglieder beizutreten, ist der Jahresbeitrag auf RM. 6.— und die Aufnahmegebühr ebenfaUi auf RM. (). herabgesetzt worden. Für das Jahr 1933 wurde also nUi noch der 2. Halhjahresbeitrag von RM. 3.— zu entrichten sein. Angesichts der unermeßlichen Not, von der besonders unser g - wer betreibender Mittelstand betroffen worden ist, erwartet der Vorstand, dali insbesondere der Teil unserer jüdischen Gemeinschaft, 1 r noch dazu in der Lage ist, durch Spenden, wie es in früheren Jahren üblich war, den Vorstand in die Lage versetzt, der ungeheueren Not zu steuern. Jüd. Jugendbund „Franz Rosenzweig". F reitag, den 16. Juni, 21 Uhr, Freitagabendfeier. Die Leitung liat unser Bundesfreund Jack Schartenberg. — Sonntag, den 18. Juni, abends 19.30 Uhr, findet im Saale des Jugendheimes, Elsterstr. 7, geselliges Beisammensein (mit den beliebten Gebrüdern Selig) statt. (Unkostenbeitrag für Mitgliedei —.20 Pfg. und für (iäste .30 Pfg.) Mittwoch, den 21. Juni. 20.30 Uhr. Heimabend. Zionistische Vereinigung Leipzig. Voranzeige! Montag, den 26.6, abends 81 a Uhr, im großen Saal des Jüd. Jugendheimes, Bericht von Herrn Dr. Fleiß über: „Das Hilfswerk für die deutschen Juden". Herr Dr. Fleiß, der von einer eingehenden Studienreise durch Bei gien, Frankreich, England jetzt zurückgekehrt ist, wird über Maß nahmen und Mängel dieses sozialen Werkes berichten und besonders von der Aktion für Berufsausbildung und Umschichtung für die jüdische Jugend, Unterbringung von stellungslosen Kaufleuten und Akademikern sprechen. Offen für alle Mitglieder und geladene Oiste. Agudas Jisroel Jugendgruppe Leipzig (Färberstr. 6): Schiurimplan: Montag--Donnerstag von 20.15 bis 21.15 Uhr und Sonntag IS.15 19.15 Uhr: (iemoro Kiduschin. - Schabbos Kaudesch: Tefillas Scfwchuil 8 Uhr: Mincho gedaulo 12.45 Uhr, Mincho 17 Uhr anschl. Chajc odoni, Leiter Sr. Ehrw. Herr Rabb. Rogosnitzki. Keren Kajemcth Lejisraei (Jüd. Nationalfonds), Leipzig, Keilstr. 1. An die jüdische Bevölkerung Leipzigs! Die nächsten Wochen werden unter dem Zeichen intensiver Werbetätigkeit des Jüdischen Nationalfonds stellen. Freiwillige ehrenamtliche Mitarbeiter, vorwiegend aus den Kreisen verantwortungsbewußter älterer jüdischer Jugend, werden U.a. bei vielen, die bisher dem Palästinaaufbauwerk fremd gegenüberstanden, vorsprechen, um die bekannten kleinen, blauen Büchsen aufzustellen oder zu leeren und Spenden für den Natioualfonds entgegenzunehmen. Behandelt unsere Mitarbeiter nicht wie Schnorrer, laßt sie, die voller Begeisterung sich selbstlos für das jüdische Werk einsetzen, nicht durch Dienstboten abweisen, verschanzt euch nicht hinter Zeitmangel und Sorgen! Der Keren Kajemeth (Jüdischer Natioualfonds) erwirbt Land in Palästina als ewigen, unveräußerlichen Besitz des jüdischen Volkes. Er ist eure eigenste Angelegenheit! Früher oder später wird vielleicht mancher von euch ihn in Anspruch nehmen. Darum empfangt unsere Mitarbeiter so, wie ihr selbst wünschet, hei anderen aufgenommen zu werden! Helft dem Keren Kajemeth — ihr helft euch selbst! Dr. H. I.Weiser. J.S.V. Bar Kochba (I ußballabteilung). Adolf Rotter-OedichtJU> Sportfest auf dem Bar Kochba-Platz. Sehr viele Teilnehmer und Zuschauer hatten sich eingefunden, um Zeuge der spannenden Kämpf* Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!

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