Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 21 (26.5.1933)
- Date
- 1933-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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S?i!e 1 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIUIONSOEMEINDE ZU LEIPZIQ 26. Mai IQ) Aus aller Welt. .Makkabi - Weltverband. Wir veröffentlichten vor kurzer Zeil einen Aufruf des deutschen Makkabikreises an alle jüdischen Turner und Sportler in Deutschland. Im Anschluß daran wird uns mitgeteilt: „Das Präsidium des Makkabi-Weltverbandes ist unter titiger Mitwirkung des Ehrenpräsidenten Lord Melchett von Berlin nach London verlegt worden. Der Präsident des Makkabi, Rechtsanwalt Dr. Lelewer, isl in London in die Anwaltsfirma Oppenheimer, Nathan, Vandyk, London E.C.1, I insbury Square I, eingetreten, deren Teilhaber der bekannte jüdische Abgeordnete im englischen Unterhaus, Major Nathan, ist." Jüdische Frontkämpfer als Krankenkassenärzte. Auf Grund einer Verordnung des Reichsarbeitsministers sind alle Aerzte, die Kriegsteilnehmer waren, sofort zur Kassenpraxis am Orte ihrer Niederlassung zuzulassen, sofern sie ein Jahr ärztlicher Tätigkeit nach ihrer Approbation hinter sich haben. Bei Ariern genügt Kriegsteilnahme. Nichtarier müssen nachweisen, daß sie Frontkämpfer oder als Front- oder Seuchenlazarettärzte tätig waren. Unsere Gemeinde. Auswanderung nach Frankreich. Von der Gemeinde Kehl wird hierher berichtet, daß dort in vielen Lallen die Einreise nach Frankreich trot/ eines vom französischen Konsulat erteilten Visums verweigert worden ist, mit dem Hinweise, daß polnische Staatsangehörige nach Polen zurückwandern sollen. Mehrfach gerieten vier-, sechs- und achtköpfige Familien dadurch in größte Not und mußten von der dortigen Gemeinde mit I ahrtkosten nach einer der nahegelegenen größeren Gemeinden, mehrfach auch mit dem für mehrere Taue erforderlichen Unterhalt Unterstützt werden. Es wird deshalb ilarauf hingewiesen, daß polnische Staatsangehörige, die nach Frankreich auswandern wollen, nur nach genauesten Erkundigungen die Reise antreten sollen, Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die Ortsgruppe Leipzig des C.V. hatte ihre Mitglieder zu einer Versammlung einberufen, in der über das Thema „Was tut der C.V.?" berichtet wurde. Namens des Ortsgruppenvorstandes begrüßte Stadtrat Julius Krause die Erschienenen und erteilte dem stellvertretenden Syndikus des C. V. Dr. Alfred Hirschberg-Berlin das Wort zu einem Bericht über die Situation der deutschen Juden und die Arbeit der Zentrale. Der Referent führte aus, daß es zu zeigen gelte, welche wichtige Arbeit der C.V. heute gegenüber den neuen Mächten in Rechtmäßigkeit und Loyalität geleistet habe. Der Redner ging eingehend auf die Frage des Boykotts ein und zeigte die Maßnahmen auf, die zur Bekämpfung der Greuelpropaganda im Auslande getroffen seien. Die allerstärkste Beachtung wurde den sich durch die neue Situation ergebenden wirtschaftlichen Aufgaben gewidmet. Durch die Schaffung der wirtschaftlich-juristischen Beratungsstelle in der Zentrale und den Zweigstellen in den einzelnen Landesverbänden konnte einer ungeheuren Anzahl von Glaubensgenossen, die durch die Situation gelitten haben, geholfen werden. Eine besondere Aufgabe ergebe sich in Bezug auf die Fürsorge für die junge Oeneration. Der Redner zeichnete im einzelnen die Tätigkeit für die einzelnen Berufszweige auf und forderte zum Schluß dazu auf, in Selbstbesinnung und Würde als aufrechte Juden durch die Zeit zu gehen. Danach berichtete Syndikus Sabatzky über die Tätigkeit des C. V. in Mitteldeutschland. Der Redner gab ein Bild von der ausgedehnten Tätigkeit des Landesverbandes und besonders über die wichtigen Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet, die gegenüber Eingriffen und Uebergriffen unternommen seien. Stärkste Beachtung sei den Verhältnissen in den verschiedensten Berufskategorien zuteil geworden. Der C.V. habe sich auch an der Einrichtung des Leipziger Sozialamtes aufs stärkste beteiligt. Rabbiner Dr. Goldinann gab darauf praktische Beispiele aus der Tätigkeit der Ortsgruppe Leipzig des Centraivereins. Jeder Jude müsse sich in den heutigen Zeiten seiner Pflichten gegenüber der Oesamtheit besonders bewußt werden. Die überfüllte Versammlung spendete den Referaten lebhaften Beifall. Nach einem zündenden Schlußwort des Herrn Stadtrat Krause wurde die Versammlung geschlossen. ( Sabatzky. Amtliche Bekanntmachung. Oeffentliche Erinnerung. In diesem Jahr können wir an der Gepflogenheit, säumige Steuerpflichtige an die Zahlung der Gemeindeanlage zu erinnern, nicht resthalten, weil die Geschifte einen Umfang angenommen haben, die eine solche Mehrarbeit nicht mehr zulassen. Wir müssen vielmehr gleich zur förmlichen Mahnung schreiten, mit der die Androhung der Zwangsvollstreckung verbunden ist. Wir möchten nach Möglichkeit von dieser Maßnahme absehen, die von vielen als eine Unfreundlichkeit angesehen wird and zudem Kosten verursacht. Deshalb bitten wir hiermit nochmals diejenigen Steuerpflichtigen, die noch im Verzuge sind, um umgehende Begleichung ihrer Rückstände. Wir führen die folgenden beherzigenswerten Worte an, die eine der ehrwürdigsten Gemeinden Deutschlands an ihre Mitglieder gerichtet hat: „Die Kultussteuer müßte unter den vielen Steuern, die heute zu zahlen sind, insofern eine Ausnahme bilden, als jeder sie gern bezahlen sollte. 1. sie ist viel niedriger als die übrigen Steuern, 2. durch die Zahlung der Kultussteuer ermäßigt sich die Einkommensteuer, 3. in der jetzigen Zeit ist es mehr als je dringend erforderlich, die Gemeinde als älteste und einzige Organisationsform, die alle Juden umfaßt, zu erhalten. Dies gilt besonders auch für alle, die von den Einrichtungen der Gemeinde nur geringen oder gar keinen Gebrauch machen, für die aber die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft mehr als ein leeres Wort ist, 4. sie bietet der Gemeinde die Möglichkeit, neben ihren religiösen und kulturellen Verpflichtungen zu den gewaltig angestiegenen Lasten für soziale Aufgaben beizutragen, 5. die von der Oesamtgemeinde gewählte, alle Kreise der Gemeinde vertretende Verwaltung bürgt für sachgemäße und sparsamst Verwendung der Steuermittel". Leipzig, den 19. Mai 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Friedhofsgärtnerei des neuen Friedhofs. Die von der Gemeinde in eigener Verwaltung betriebene Gärtnere unseres neuen Friedhofs übernimmt sämtliche Aufträge auf Bepflanzung, Instandsetzung und Pflege von Grabstede!!. Es wird weiter darauf hingewiesen, daß die I riedhofsbesucher die Möglichkeit haben, ihren Bedarf an Topfpflanzen, Schnittblumen, Vasen und Schalen in der Ericdhofsgärtuerci /u handelsüblichen Preisen ZU decken. FachmilUlische Beratung und Berechnungen erfolgen kostenlos. Leip/ig, den 23. Mai 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Es wird darauf hingewiesen, daß die Mitglieder des Fürsorgeausschusses und der Darlehnskommission Oesuche, die für die Qemeinde bestimmt sind, nicht entgegennehmen. Antragsteller müssen ihre Oesuche direkt an die israelitische Religionsgemeinde richten. Leipzig, den 15. Mai 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemeindesynagoge. .Sabbatgottesdienst: Freitag,den26.Mai, Abendgebet IQ Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann); Sonnabend, 27. Mai, Morgengebet 9 Uhr, Jugendgottesdienst 15,15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann); Nachmittagsgebet 19,35 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmann); Abendgebet 21,<K) Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7.30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Gemeindesynagoge. Wochenfest: Dienstag, 30. Mai, Abendgebet 19,30 Uhr, Mittwoch, 31. Mai, Morgengebet 9 Uhr, Thoravorlesung 9,45 Uhr Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann) 10,15 Uhr, Abendgebet 19,30 Uhr. Donner stag, 1. Juni, Morgengebet 9 Uhr, Thoravorlesung 8,45 Uhr, Predigt (Rabbiner Cohn) 10,15 Uhr, anschließend Seelenfeier; Nachmittagsgebet 19,40 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 21,13 Uhr. Es wird darauf hingewiesen, daß die Predigten pünktlicL beginnen und daß während der Predigten die Zugänge zu den Plätzen gesperrt sind. Gemeindesynagoge: Sabbatgottesdienst: Freitag,den2. Juni, Abendgebet 19 Uhr, Sonnabend, den 3. Juni, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebe' 20.45 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Ooldmann); Abend gebet 21,16 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7,30 Uhr. werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schillstr.) und Talmud Thora-Synagoge (Keilstraße 4): Freitag, den 26 Mai: Abendgebet 19.15 Uhr; Sabatt, Morgengebet 8,30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 21 06 Uhr. Schowuaus: Dienstag, den 30. Mai: Abendgebet 20 Uhr; Mittwoch, den 31. Mai: Morgengebet 8.30 Uhr; Predigt (nur Ez-Chaim-Syn.) 10 Uhr Abendgebet 20 Uhr; Donnerstag, den 1. Juni: Morgengebet 8 30 Uhr. Seelenfeier 10 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 21.16. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7,30Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 19.15 Uhr. Personenstandsnachrichten. Geburten: 8. Mai 1933 Moses Kanarek und Gitel geb. Zucker, Auenstraße 42. eine Tochter „Chaje Eva". 10. Mai 1933 Abraham Moses Piller und Ousta geb. Klein, Humboldt Straße 25, einen Sohn. Barmis: was; Am Sonnabend, 3. Juni 1933, Efraim Harry Löwy, Sohn des Herrn Hermann Lowv und Frau Jenny geb. Obermeyer, Waldstraße 41, in der Ez Chaim-Synagoge, Otto Schillstraße. Sonnabend, den 3. Juni: Max (ilasberg, Sohn des verewigten Herrn Samuel (ilasberg und I rau Sally geb. Quthcrz, Döbeln, Bahnhof Straße 7'J, in der Gemeindesynagoge. Trauungen: Am Sonntag, 4. Juni 1933, 3 Uhr nachm. Fräulein Elsa Schindler, Bussestraße 3, mit Herrn Pinkus Haffner aus Berlin, in Leipzig, in der Wohnung von Herrn Rabb Dr. Ooldmann. Bad Kissingen. Umlaufenden Gerüchten entgegen sei betont, dal jüdische Kurgäste unbesorgt Bad Kissingen aufsuchen können. Es gibt auch viele jüdische Villenbesitzer, bei denen jüdische Kurgäste gut und preiswert Unterkunft finden. Verzeichnis jüdischer Lehrkräfte. Zur Vorbereitung aller auf dem Gebiet des Schulwesens erforderlich werdenden Maßnahmen legt die „Reichs Vertretung der jüdischen Landesverbände Deutschlands", herlin- Charlottenburg 2, Kantstr. 158, ein zentrales Verzeichnis aller für die künftige Gestaltung des jüdischen Schul- und Unterrichtswesens in Deutschland in Betracht kommenden Lehrkräfte an. Es sind dafür folgende Abteilungen vorgesehen: Studienrate (-innen); Studienassessoren (-innen); Studienreferendare (-innen); Mittelst hullehrer (-innen); VotksschuUehref (-innen), a) seminaristisch vorgebildete, b) akademisch vorgebildete;