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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-05-12 · 19 (12.5.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
19 (12.5.1933)
Date
1933-05-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLaTT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 12. Mai 1933 *.». ™». BiGXULTBA Reiner Atem: die sparsame rein deutsche ZAHNPASTA mit biologischer Sauerstoff- Wirkung kannt sei, sei bisher nur am Wadham College ein deutscher Professor Rufgenommen worden. Dir ehemalige Leiter der Erziehungsabteilung des Londoner Graf- Schaftsrates Sir Robert Blair erklärte, er empfinde die tiefste Sympathie für ein deutschen Juden angesichts der innen zuteil werdenden Be« handlung, vorläufig aber könne er hinsichtlich der Vorschläge, Lehrstellen für Professoren aus Deutschland zu schaffen, noch keinerlei Erklärung abgeben. Am kommenden Mittwoch werde er in Handon in einer Versammlung über dieses Thema sprechen. Dieser Versammlung werde auch der Bürgermeister von Handon, der den diesbezüglichen Vorschlägen ebenso wie er selbst sehr sympathisch gegenüberstehe, beiwohnen. Wiedereintritte in das Judentum. Im Qemeindeblatt der Jüdischen Qemeinde Berlin wird darüber berichtet, dafi im Qememdebüro täglich Briefe von Personen eingehen, die in früheren Jahren aus der Qemeinde oder aus dem Judentum ausgeschieden waren und die jet/t ihren Wiedereintritt in die Qemeinde erklären. Unter diesen Briefen befinden sich auch solche sehr bekannter Persönlichkeiten, die sich für ehrenamtliche Mitarbeit zur Verfügung stellen. Es wird der besonderen Genugtuung Über diese erfreuliche Stärkung der Qemeinde Ausdruck gegeben. 100-Jahrfeier der Großen Synagoge in Kopenhagen. Am 21. April wurde die Feier des 100jährigen Bestandes der Grollen Synagoge in Kopenhagen in besonders festlichem Rahmen begangen. Am Festgottesdienst nahmen König Christian X., der dänische Kultusminister, Vertreter des Kopenhagener Stadtrats, sämtliche Mitglieder der Repräsentanz der Jüdischen Qemeinde Kopenhagen, Delegationen der jüdischen Gemeinden Oslo, Stockholm, Göteborg und Malmö, sowie Vertreter zahlreicher jüdischer Korporationen teil. Die Feier, die ursprünglich auf den 19. April festgesetzt worden war, war verschoben worden, um dem König, der nicht in Kopenhagen geweilt und den ausdrücklichen Wunsch geauliert hatte, dem I estgottesdienst beizuwohnen, die Teilnahme an der Feier zu ermöglichen. Ein Bialik-Lehrstuhl für hebräische Sprache an der Universität Jerusalem. Am 2. April fand in Tel Awiw eine Feier anläßlich des 8 jährigen Bestehens der Hebräischen Universität statt. Es wurde beschlossen, an der Universität einen Lehrstuhl für hebräische Sprache zu schaffen, der den Namen Chaim Nachman Bialiks tragen soll. Nach Ansprachen des Kanzlers der Universität Dr. Magnes, des Vorsitzenden der English Zionist Federation und ehemaligen Präsidenten der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann, des Bürgermeisters von Tel Awiw Mayer Dizengoff, des Dichters Chaim Nachman Bialik und Schmarjahu Lewiiis wurden '2(H)(l Pfund für die Errichtung des Lehrstuhls gezeichnet. Alle Redner wiesen darauf hin, dali die Erhaltung der hebräischen Universität im Hinblick auf die Lage der Juden in Deutschland notwendiger sei als jemals. Es wurde eine Kommission gebildet, die Mittel zur Erhaltung der Universität autbringen soll. Neue Ausgrabungen in Palästina. Die Ilaverforder archäologische Expedition hat unter Mitarbeit von Fachleuten aus der Ägypten-Expedition der Universität von Pennsylvania mit der Ausgrabung des im 1. Buche Samuel Cap. 0 erwähnten Beth Shämäsch begonnen. Bei den Ausgrabungsarbeiten sind 150 Arbeiter beschäftigt. Es wurden bereits Hausmauern aus der spätisraelitischen Periode freigelegt. Auch wurden Scherben von Töpferergegenständen aus dieser Periode gefunden. Man erwartet, daß die Ausgrabung des alten Beth Shämäsch, das die Hauptstadt des kanaauitisch-philistäischen Reiches war, neuen Aufschluß über Leben und Kultur in diesem Lande im zweiten und ersten vorchristlichen Jahrtausend geben wird. Auch die allgemeine Kulturgeschichte jener Zeit durfte im Hinblick darauf, daß Palästina damals in lebhaften Handelsbeziehungen mit Ägypten und anderen Ländern des Mittelmeerbeckens stand, durch diese Ausgrabungen wesentlich aufgehellt werden. Safed soll zu einer modernen Stadt ausgebaut werden. Bekannte I ührer des JhKhuw aus Jerusalem und Tel Awiw haben ein Komitee gebildet, das sich die Aufgabe gestellt hat, den Ausbau der heute vernachlässigten und verfallenen Stadt Safed, die in früheren Zeiten im judischen Leben ein große Rolle gespielt hat, zu einer modernen Stadt in die Wege zu leiten. Detaillierte Pläne für den Ausbau der Stadt und ihrer Umgebung wurden von hervorragenden Fachleuten fertiggestellt. Mitglieder lies Komitees haben sich nach Safed begeben, um mit den Vertretern der dortigen Bevölkerung über die Durchführung der Ausbaupläne zu verhandeln. Gesteigerter Touristenverkehr in Palästina. Infolge des außerordentlich gesteigerten Touristenverkehrs und der grollen Anzahl in Palästina eintreffender Immigranten hat sieh ein empfindlicher Mangel an Unterkunftsmöglichkeiten fühlbar gemacht. Die jüdischen Hotels in Jerusalem, Tel Awiw und Ilaifa sind bei weitein nicht in der Lage, den erhöhten Verkehr zu bewältigen. Die Ziinmerpreise sind auf mehr als das Doppelte gestiegen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfahrt, werden gegenwärtig vom Stadtrat von Tel Awiw Verhandlungen mit einem amerikanisch-jüdischen I inan/icr zwecks Errichtung eines großen Hotels am Strande VOH Tel Awiw, wo die Stadtgemeinde ausgedehnte Qrundstücke besitzt, geführt. Die Stadtgemeinde ist bereit, jedermann Oruudttßcke zu besonders günstigen Bedingungen zwecks Errichtung eines Hotels zur Verfügung zu stellen unter der Bedingung, dali die Zimmerpreise der Städtischen Kontrolle unterliegen. Durch diese Bestimmung sollen angemessene I 'nterkiiuftsmöglichkeiten für Mittelstandseinvi anderer geschaffen werden. Sozialamt der israelitischen Religionsgemeindc. Um all denen, die aus ihrer Bahn gerissen sind, sachgemäßen Rat und so weit irgend möglich ist, wirksame Hilfe zuteil werden zu lassen, ist die Einrichtung eines Sozialamtes bei der israelitischen Religionsgemeinde beschlossen worden. Seine Beratungsstelle soll für alle Arten wirtschaftlicher Beeinträchtigung Abhilfe zu schaffen suchen, die durch die allerjüngsten Ereignisse hervorgerufen sind, und bemüht sein, in weitgehendem Umfange bei dem Wiederaufbau erschütterter oder zerstörter Existenzen mitzuwirken. Voraussichtlich schon Anfang nächster Woche wird die Beratungsstelle geöffnet sein. Schriftliche Gesuche um Ansetzung einer Stunde zwecks Rücksprache können schon jetzt bei der israelitischen Religionsgemeinde (Löhrstr. 10) eingereicht werden. Bitte! Eine unserer Hauptaufgaben ist Arbeitsbeschaffung für die Jugend. Es ist daher von jedem Standpunkt zu begrüßen, daß für eine Anzahl junger Menschen Stellen in Palästina beschafft worden sind. Bedingung für die Obersiedlung ist aber eine einigermaßen ausreichende Ausstattung. Es werden gebraucht: Schlafanzüge, Nachthemden, Sporthemden, Pullover, Unterwäsche, farbige Kittelschürzen, Windjacken, Anzüge, Arbeitskleidung für männliche und weibliche jugendliche, Arheitsstiefel, wollene Decken, Bettwäsche, Handtücher, Taschentücher, Koffer. Die Sachen dürfen gebraucht, müssen aber haltbar und in gutem Zustande sein. Es darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß jeder selbst schwer Entbehrliches für diesen produktiven Zweck frei macht. Die Sachen werden gern abgeholt. Meldungen sind zu richten an: Erau (ilenka Fleiss, Wangerooger Weg 17. Zionistische Vereinigung Leipzig. Im Anschluß au die Palästina- Beratungsstunden werden auch Auskünfte über Erziehungsmöglichkeit von Kindern in Erez Israel erteilt. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemcindesynagogc. Sa b batgo11esdie nst: Freitag, den 12. Mai. Abendgebet 19 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann); Sonnabend. 13, Mai, Morgengebet 0 Uhr, Nachmittagsgebet 2(1,10 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmann); Abendgebet 20,42 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7.30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Gemeindesynagoge. Sa bha t gott esd ie nst: Freitag, den IQ. Mai. Abendgebet 1<) Uhr mit Predigt (Rabbiner Golm); Sonnabend, 20. Mai, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 2(1,25 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 20,55 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7,30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 19 Uhr. Ez. Chaim Synagoge (Otto-Schillstr.) und Talmud Thora-Synagoge (Keilstr.): Freitag, den 12. Mai: Abendgebet 19.15 Uhr; Sabbat: Morgengebet 8.30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 20.42 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 19.15 Uhr. Personenstandsnachrichten. Geburten: 16. April 1933 Siillimanu Jusupoff und Surija geb. Abramova, Kickerlingsberg 4, einen Sohn „Samuel". 19. April 1933 Hermann Weiner und Rosalie geb. Pester, Heidenau. wiesenstr. 3, eine Tochter „Edith Pia". 22. April 1933 Moses Becker und Berta geb. Kobold, Brühl 17, einen Sohn „Simon". B a r m i z w a: Sonnabend, 13. Mai: Siegmund und Marcus Kern, Söhne des Herrn Zacharias Kern und Frau Dora geb. Seßler, Berliner Str. 15, in Jer Krakauer Schul (Berliner Str. 10). Trauungen: Am Sonntag, 14. Mai, 5 Uhr nachm., Fräulein Herta Zuer, I rankfurtei Str. (), mit Herrn Elias Wurzel aus Altona, in Leipzig, Löhrstr. 0, hei Flaschmann. Todesfälle: 4. Mai 1933 Roda Leja Zilbcrkwejt, Poctenweg 13. 7. Mai 1933 Alice Martha Stein, Fiinkenburgstr. 1. Neue Bücher. Unsere Gemeinde Kassenpraxis jüdischer Arz.te. Wie uns mitgeteilt wird, üben die jüdischen Arzte zunächst noch unverändert Kassenpraxis aus. Wissenschaft des Judentums. Trotz ernster Sorgen sucht die deutsche Judenheit nach besten Kräften das Banner der jüdischen Wissenschaft hochzuhalten, das ja in erster Linie von deutschen Gelehrten entfaltet worden ist. Zeuge dafür ist das neueste Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des J u d e n t u in s, das mit gewohnter Pünktlichkeit Ende des Monats erschienen ist. Hans Lewy zeigt, daß im ausgehenden Altertum Versuche unternommen wurden, den Juden das Recht auf ihr palästinisches Heimatland zu bestreiten; Adolf Kober veröffentlicht eine rheinische Judenordnung aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts, die veranschaulicht, wie eng mau damals in einer Zeit z.ünftlerischer Abgeschlossenheit den Kreis der wirtschaftlichen Betätigung der Juden zog. Daß all diese Bedrückungen dem Judentum die Frische des Geisteslebens nicht nehmen konnten, tritt andererseits hervor aus Walter Fisch eis Behandlung der jüdisch-persischen Literatur, welche ein fast unbekanntes Qebiet unseres Schrifttums der Betrachtung erschließt. (Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft Uli Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!

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