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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-03-17 · 11 (17.3.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
11 (17.3.1933)
Date
1933-03-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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IT. Marz litt:} GEMEINDEBLATT DER I8RAELITI8CHEN REL1GI0N8QEME1NDE ZU LEIPZIG Seile Kaufen Sie bei unseren Inserenten! Neue Bücher. Aus einem jüdischen Bildarchiv. Von Gemeinderabbiiter Gustav Cohn. Jüdische liotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. Stuttgart 1032. Herausgegeben vom Ohorrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (Dr. Benno Filser Vorlag Gmhll. Augsburg). Mannigfache Umstände haben in neuester Zeil das Interesse au der jüdischen Geschichto ungemein belebt. Allgemeino Darstellungen auf breitester Grundlage wio Arbeiten in Begrenzung auf einzelne Lander und Landesteile. Versuche zur Sinngebung der jüdischen Geschichte, Biographien und historische Romane legen unverkennbar dafür Zeugnis ab. Neben anderen Momenten, auT die dieses neue Erwachen des Interesses an der jüdischen Vergangenheit zurückzuführen ist, kemmt eine nicht nebensächliche Bedeutung dem Suchen nach einem bertohtigten Geschichtsbild zu. Lange, wohl allzulange hat die erste grolle umfassende Geschichtsdarstellung von Heinrich Graetz die jüdische Auffassung beherrscht. Sio soll in ihrer Bedeutung nicht im mindesten herabgesetzt werden: sie wird immer die monumentale ('■rundlago bleiben, von der jedo Weiterführung der Forschung und iler Bearbeitung wird ausgehen müssen. Und wenn zahlreiche Gelehrte seit Jahrzehnten mit ihren Untersuchungen neue Kenntnisse und damit neue Erkenntnisse freigelegt haben, so bleibt es oben Graetzens Verdienst, den Weg dazu eröffnet zu hoben. Aber es ist nun eben in \ielo noch dunkel gebliebene Verhältnisse Licht gedrungen; Urteil und Auffassung früherer Tago fanden vielfache Berichtigung durch Vertiefung in Einzolfragen, durch Bereicherung des Stoffes, durch das Wachsen der Vertrautheit mit den Methoden. Es war unausbleiblich, daß ein neuer Standpunkt gewonnen werden mußte. Eine ungewöhnliche Bedeutung hat bei alledem die Erschließung neuer Quellen gehabt. Mußten die ersten Gesamtdarstellungen häufig genug durch Intuition geschichtliche Verhältnisse erfassen. Lücken ausfüllen. Zusammenhänge erkennen, so ergab die Durchsuchung der Archive bei den Gemeinden wio in denen der städtischen und der Staatsbehörden eine ungeahnte Filllo an Stoff, mit dem Fohlendes ergänzt, Falsches berichtigt werden konnte. Und dabei erwies sieb oft dio unscheinbarste Quelle als wesentlich. So kam dio gelehrte Forschung mehr und mehr dazu, die lokalen Quellen als Bausteine zum Aufbau der Gesamtdarstellung zu würdigen. Allo auf Juden bezüglichen Archivalien wurden herangezogen, dio wichtigeren ediert, andoro bearbeitet; besonders wurde diese Entwicklung durch die (iomeindeblätter gefördert, die gerade der örtlichen Untersuchung ihre Spalten öffneten. Für den Zweig der jüdischen Geschichte, in dem das Kulturelle vorherrscht, gibt es eino Quelle, die bisher noch nicht die genügende Beachtung gefunden hat: die Gotteshäuser und die Friedhofe. Es würde für dio Kenntnis der jüdischen Geschichte dos frühen Mittelalters unendlich wertvoll gewesen sein, wenn uns in ausreichendem Umfange, wenigstens Beschreibungen und Abbildungen dieser für das Leben der Gemeinde unerläßlichen Mittelpunkte, und gerndo dadurch zur Erforschung jüdischer Entwicklungen wichtigsten Unterlagen zur Verfügung ständen. Die Bauten selbst sind dahingegangen, verfallen, zerstört, untergesunken. Ihrer literarischen Fosthaltung hat man keinen Wert beigemessen. Um so mehr sollte sich unsere ganze Aufmerksamkeit den noch vorhandenen Resten zuwenden und darauf bedacht zu sein, das, was heute geschaffen wird, im Bildo festzuhalten; im Bilde, das oft eher geeignet ist, dio Zeiten zu überdauern, als die Dinge selbst. Der israelitische Oberrat Württembergs hat diesen Gedanken systematisch verwirklicht. Seit einer Reihe von Jahren ist er bemüht, „die kulturgeschichtlich wertvollen Güter der jüdischen Vorzeit in Württemberg vor dem Schicksal der Vergessenheit und vor dem Untergang an bewahren." Und er hat die Gelegenheit der Feier des 100jährigen Bestehens der Israelitischen Oberkirchenbchördc in Württemberg zum Anlaß genommen in einem Bilderwerk oinen Ausschnilt aus diesem Bildarchiv einem weiten Kreise zugänglich KU machen. Es mag vorweggenommen werden: die Veröffentlichung Ist eine ungemein würdige Festgabe. Die Ausstattung (h-s Werkes ist in allen seinen Teilen eine gaiu hervorragende. Die zum allergrößten 'Peile erstmals veröffentlichten Aufnahmen sind nicht nur technisch vollendet, sondern von hohem künstlerischen Niveau; das gilt besonders von den Friedhöfen, hei denen reizvolle Stimmungsbilder gewonnen wurden: sie zeigen wirkungsvoll die eigenartige Eingliederung dieser Ställen der ewigen Hube in das umgebende Land.schafl-s.bihl. und gehen dabei doch soviel an Einzelheiten, daß sie geradezu urkundlichen Werl erhallen. Ist da.s Werk schon durch diese äußeren Vorzüge geeignet, das allgemeinste Interesse auf sich zu lenken, so wird dies noch durch seinen inneren Wert außerordentlich gesteigert: es wird ein Denkmal für dio Judenhelt Württembergs, deren sämtliche Gemeinden mit charakteristischen Bildern vertreten sind, und deren Geschichte In knappster aber sachkundiger Skizze durch Stadtrabbiner Dr. Rieger gezeichnet ist. Schon diese geschichtliche Übersicht zeigt, zu welch bedeutsamen Ergebnissen die lokalo Forschung führt. Unsere vor zwei Jahren erschienene Arbeit über den „Jüdischen Friedhof" halle darauf hin gewiesen, daß nicht nur, wie feststeht, in Italien, sondern auch auf deutschem Boden im frühen Mittelalter von den Juden Katakomben zur Bestattung ihrer Toten verwendet worden sein müssen .Es hat bisher an einer Bestätigung dieser aus der Betrachtung aller mit dem Beslattungsw(ven der Juden zusammenhängenden Umstände gewonnenen These gefehlt. Nun kann Dr. Rieger in dem ersten Teile seiner Skizzo, dio sich mit der ältesten jüdischen Siedlung in Württemberg l>efaßt, auf eino in Heilbronn entdeckte kalakombenartige Grabstätte des Vorsiehers „Nathan ha-Parness" verweisen. Wir dürfen auf weitere Ergebnisse nach dieser Richtung gespannt sein. Sehr wertvoll sind dio beiden Zusammenstellungen der früheren mittelalterlichen und der heute bestehenden jüdischen Siedlungen; bei den ersteren Angaben über ihre urkundlichen Erwähnungen nebst Quellen: bei den heute (seit den 16. Jht.) bestehenden stichwortartig die wiehligsten Momente ihrer Entwicklung. Und nun folgen 150 Bilder, in denen in bunter Folge Synagogen, zum Teil mit den Straßenbildern, in die sie hineingebaut sind, das Innere der Gotteshauser, oft von ungeahnter Schönheit durch die künstlerische Ausgestaltung (was nicht immer mit prunkvoll identisch zu sein braucht, sondern häufig gerade in der Schlichtheit gefunden wird), Friedhöfe, Einzclgrabsteine. Es ist nicht möglich, in unserem Zusammenhange alle die reichen Anregungen zu verfolgen, die von diesen Bildern ausgehen. Gedanken über die Entwicklung der Stilarten, über die Beziehungen zur Kunst der Umwelt, Uber die Schönheit der einfachen Grabstoinformcn früherer Jahrhunderte, über die monumentale Kraft der hebräischen Inschrift und gar manche andere sind anhand dieser Bilder leicht zu vertiefen. So werden sie zu Zeugnissen für die kulturelle Lage der Juden und damit, wie wir andeuteten, geradezu zu einer Quelle für die geschichtliche Forschung. Der Gedanke des lokalen jüdischen Bildarchivs, der unseres Wissens wohl noch recht selten verwirklicht ist, findet hier einen mustergültigen Fürsprecher. Man sollte ihm in allen Gemeinden ernsteste Beachtung zuwenden. Es wird mit seiner Durchführung der Kenntnis unserer Vergangenheit, der l'flego des Zusammenhanges in der Gegenwart und damit der Bewahrung hoher jüdischer Werte auch für die Zukunft wertvollster Dienst geleistet. Rudolf Hallo. Judaica. Sonderdruck aus: „Religiöse Kunst aus Hessen und Nassau". Marburg 1932 (Verlag des Kunstgcschichtlichen Seminars). Nicht ohne tiefe Wehmut zeigen wir dieses Werk des in so jungen Jahren mitten aus einer wertvollen und erfolgreichen Arbeil durch einen jähen Tüd herausgerissenen Forschers an. Die nur mit besonderen Voraussetzungen zu fördernde Frforsehung der jüdischen KOSCHER FÜR PESSACH noD is "W3 Unentbehrlich heute wie vor 30 Jahren! Mit PALMIN koscher werden die Speisen auch für den empfindlichen Magen bekömmlich. Es ist beim Kochen und Braten von großer Ausgiebigkeit! TOMOR Mandelmilch-Pflanzenmargarine enthält keine tierischen Fette. Sie ist fleischig wie milchig verwendbar und unter Fleisch ein köstlicher Brotaufstrich. TOMOR in PALMIN wA KOSCHER 108 TPK 6-111

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