Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 9 (3.3.1933)
- Date
- 1933-03-03
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968810-5969342--4621-4881708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Selto 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 3. Mürz 1933 Trauungen: Sonnlag, 20. Februar 19:«, 5 Uhr nachm.: Fräulein Anastasia Arian, Karlstr. 18, mit Herrn David Krolin, Querstr. 31 im Restaurant Gottlieb, Plauensche Str. Todesf&lle: 21. Februar 1933: Rebeoa Pollak, ComeniusstraHe 18. 23. Februar 1933: Sohabse Rapaport. Funkenburgstraße 9. Betriebe unter Aufsicht des orthodoxen Gemeinderabbinats. II. Nur zu Pessach stehen unter Aufsiebt: a) Kolonial Warengeschäfte: R. Berliner, Nordstr. 21. — E. Diamant, Nordstr. 11. — S. Felber, Nordstr. 41 II. — S. Jaffe, Tauchaer Straße 15. — S. Jamschon, Jakobstr. 15. — Josef Kober, Ranst. Steinweg 14. — T. Krämer, Ranstädter Steinweg 49. — E. Miodownik, Nordfetraße 49. — 8. Hingelblum. Nordstr. 24. — Ch. Schiffmann, Nordslr. 14. — A. Tomarkin, Gustav-Adolf-Str. 38. — B. Wetzer, Jakobstr. 15. — L. Berggrün, Nordstr. 1. — B. L. Mäkler. Berliner Str. 3. — B. Rosen. Gerberstr. 60. b) Selterswasser eigener Fabrikation und Wein in Originalabzug der Finna Hugo Bondi, Mainz bei A. Weigler, Wittenberger Str. 19, Fernspr. 58115. c) Das Großhandelslebensmittelgeschäft von J. Tempel, Blücherstraße 11; im Einzelhandel sind dort Waren nicht erhältlich. Leipzig, den 30. Januar 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgcmeinde zu Leipzig. Eingesandt. Für die^e Rubrik übernimmt die Schriftleitung nur die preßgesetzliche Verantwortung. Für und Wider die Kreditgenossenschaft. Von Dr. Heinrich Fleiss. A. Nun, Herr B., sind sie schon Genosse'!* B. Nein, wissen Sie, ich habe mir schon einmal bei der L.schen Spar- und Gewerbe-Bank die Finger verbrannt und bin daher jetzt vorsichtig. A. Wenn diese Bank als Gonossenschafts-Bnnk gegründet worden wäre, würde sie noch heute zum Nutzen der Leipziger Juden bestehen und solche Kapital-Yerlusto wären garnicht möglich gewesen. B. Was hat denn die Gesellschafts-Form mit der Vermeidung von Verlusten zu tun? A. Das will ich Ihnen sagen. Bei einer Aktiengesellschaft kann ein Aktionär 50 oder 100 Aktien und daher ebensoviele Stimmen haben. 1> c meisten Aktionäro haben aber nur eine Stimme. Wenigo Menschen können so durch Einflußnahme auf die Zusammensetzung des Aufliohtsratl und des Vorstandes über Credit-Gewährung bestimmen. Ganz anders bei der Genossenschaftslmnk. (G. B.) da kann jeder Genosse zwar mehrere Geschäftsanteile, aber immer nur eine Stimme haben. Alle sind also gleichberechtigt, niemand hat mehr zu sagen als der Andere. Wenn aber 10(1 Augen aufpassen, wohin die Gelder der Bank gehen, dann müssen Fehler rechtzeitig entdeckt werden. B. Da« leuchtet mir ein. Erklären Sie mir aber jetzt etwas anderes. Sie wollen doch durch die G. B. dem kleinen Mittelstand, der I ei den Großbanken keinen Credit bekommt, helfen. Wo nehmen Sie (iio Gelder dafür hori* Wenn ich als Kaufmann dort Geld einlege, will ich doch jederzeit 'darüber verfügen können. Solche Gelder können Sie also nicht verleihen. Das Genossenschafts-Kapital uliein aber ist fit! eine wirksame Hilfe zu gering. A. Ich will Ihnen gerne die Funktionen einer Bank erklären, um Sie zu überzeugen, daß das wohl möglich ist. Ein Teil der Gelder, die man zur Bank trägt, sind Spargelder. Diese sind wöchentlich oder monatlich kündbar. Der andere Teil sind Kassenreserven von Geschäftsleuten, von denen der Eigentümer nicht weil», ol) er sie morgen oder in einein Monat brauchen wird; sie müssen daher jederzeit greifbar sein, in beiden Fällen sind die Gelder viel kurzfristiger angelegt als der Geldnehmer seinen Kredit befristet haben will. B. Wie kann denn da die Bank sich trauen, Gelder zu verleihent A. Darin besteht eben die wirtschaftliche Funktion einer Bank, daß sie die kurzfristigen Gelder so präpariert, daß ihre Verwendung für Kreditgeschäfte möglich ist. Die Bank kann ruhig einen Teil der Gelder auf kurze Fristen ausleihen, dann sie weiß, es werden nie alle Kunden auf einmal kommen, um ihr Geld abzuheben. Wenn ein Kunde über sein Guthaben verfügt, dann zahlt ein anderer wieder Geld ein. B. Aber stellen Sie sich vor, längere Zeit hindurch wird bei einer Bank mehr Geld abgehoben als eingezahlt, was tut sie dann? A. Die Bank hat 2 Möglichkeiten, sich in einfacher Weise zu helfen. Sie kann zunächst einen Teil der von ihr gewährten Kredite wi(«der zu Geld machen, ohne den Schuldner zu belästigen. Sie kann ihre Darlehens-Forderungen anderen Banken abtreten, sie kann Wechsel, die sie diskontiert hat, bei anderen Banken rediskontieren und dadurch wieder in den Besitz das verliehenen Geldes kommen. B. Das soho ich ein. Aber was kann denn die Bank mit den Kassenroserven von Kaufleuten machen, die wie ich täglich wieder über ihr Geld verfügen wollen!* A. Es gibt eine »Stelle in der Wirtschaft, wo man Darlehon auf einen Tag oder auf ganz kurze Fristen geben und nehmen kann. Das ist der sogenannte Geldmarkt. Hier treten nur erste Firmen auf, sodaß über dio Sicherheit kein Zweifel besteht. Hierher pumpen diese Firmen ihre flüssigen Gelder, leihend oder verleihend, so daß sie trotz der kurzen Fälligkeiten auch mit diesen Geldern nutzbringend arbeiten können. I!. Jetzt begreife ich die Funktionen einer solchen Bank. Indem nun diu kapitalkräftigen und unabhängigen jüdischen Firmen ihren Umsatz ganz oder teilweise in eine solche G. B. legen, wird Kapital angesammelt, von dem ein Teil gleichzeitig kurzfristige Kredithilfe für die kleinen jüdischen Firmen ermöglicht. Wie steht es nun mit der Höbe des Risikos, das man durch die Beteiligung an einer solchen G. B. eingeht? A. Sie zeichnen einen oder mehrere Genossenschafts-Antoile in Höho von jo 200,— RM., dio Sie in Raten S 50, —RM. abzahlen können. Diese Beträge bilden da9 verantwortliche Eigen-Kapital der G. B. Nur für den Fall, daß dio G. B. mit ihrem Eigenkapital ihre Schulden nicht bezahlen kann, haften die Genossen noch mit einem Betrage, der ebenso hoch ist wie ihr Anteil. Darüber hinaus können sie nicht in Anspruch genommen werden. B. Was für Erfahrungen hat man nun praktisch mit solchen G. B. in anderen Städten gemacht. A. Die Berliner Ivria setzt jährlich RM. 40 bis 50 Millionen um, die Chemnitzer Ivria hat 21 Millionen RM. im ersten Geschäftsjahr umgesetzt. Diese Bank hat, obwohl sie hunderten von Geschäftsleuten durch Wechseldiskontierung, Beleihung, zedierter Außenstände, Lombardierung kuranter Ware geholfen hat, dank einer vorsichtigen G«. Schäftsleitung, keinen Verlust gehabt. Sio hat 1000,— RM. aus dem Gewinn in den Reserve-Fond legen können, sio hat alle Gründung-- Kosten verdient und wird überdies eine Dividende ausschütten können. Allerdings hat in Chemnitz fast jeder dritte erwerbstätige Judo sein Konto bei der Volksbank Ivria, wo er sich zu Hause fühlt. B. Um einen Erfolg zu erzielen, kommt es also nur auf eino rego Beteiligung aller Kreise der Leipziger Juden an. A. Sehr richtig. Das ist der Punkt auf den alle.» ankommt. Es müssen alle Branchen vorhanden sein, damit man den Geldbedarf der einzelnen Branchen gegenseitig ausgleichen kann. Der Sodawsscr- Fabrikant hat im Sommer Geld, im Winter Kredit-Bedarf, beim Kürschner ist es umgekehrt. So hilft man sich gegenseitig. B. Nun, Herr A. will ich Ihnen gestehen, daß ich eigentlich abwarten wollte, wie felch die Sache entwickelt. Ich seh aber ein, daß es jetzt darauf ankommt, zu zeigen, daß man die Bedeutung einer solchen Gründung verstanden hat und sich entschlossen hinter sin stellt. Wenn alle abwarten wollten, könnte man nie anfangen. 200 RM. sind ein Betrag, den man für eine solche Sache schon riskieren darf. Ja, ich glaube sogar, man muß es tun, denn Selbsthilfe i»t in diesen schweren Zeiten das Gebot der Stunde. — Vereinsnachrichten. Jüdischer Jugendbund „Franz Rosenzwcig". Freitag, den 3. März 1933: Freitag-Abend-Feier. Leitung: Bundesfrcunil Ludwig Hahn. Beginn 20.45 Uhr. — Mittwoch, den 8. März 1933. spricht unser Bundesfreund Erich Loew Uber: Die Situation nach dem 5. März. Beginn 20.30 Uhr. — Voranzeige: Sonnabend, den 18. März findet unser l'urimfest im Saale des Judischen Jugendheimes, Elstcrstraßo 7, statt. Näheres s. nächste Nr. ds. Blattes. Agudas .lisrool Jugendgruppe, Leipzig. Purimfest. Wir veranstalten auch in diesem Jahre ein Purimfest, dessen Reinertrag wie im Vorjahre dem Erez-Jisroel-Schulwerk und dem Keren Hatorali zufließt. — Die Veranstaltung, die s, G. w. Sonnabend, den 11. Mär/., um 20.30 Uhr, in der Großen Aula der Höheren Israelitischen Schule stattfindet, ist auch diesmal mit wertvollen Auffuhrungen und musiki lischen Darbietungen reichhaltig ausgestattet. Insbesondere haben wir auf vielfachem Wunsch den weltberühmten Komikor Israel Melizer und seinen ihm ebenbürtigen Bruder für diesen Abend gewonnen. Zur Verlosung bringen wir eine reichhaltige Tombola mit wertvollen Gewinnen. — Im Hinblick auf den überaus wichtigen Zweck unserer Veranstaltung bitten wir um zahlreiches Erscheinen. — Die Eintritte preise sind volkstümlich gehalten, so daß es jedem möglich ist, sich einen vergnügten Abend zu verschaffen. Poale Zion-Hapoel llazair. Freitag, den 3. März 1933, im Borochow-Heim, Eberhardstraßo 13, wichtige Mitglioder-Vors a in m 1 u n g. Beginn pünktlich 20 'A Uhr. In Anbetracht der Dringlichkeit und Wichtigkeit dieser Versammlung erwarten wir vollständiges und pünktliches Erscheinen aller Mitglieder. Tagesordnung wird dort bekannt gegeben. Zionistcn-Revisionisien. Oneg-Schabath bei B. Sudowicz, Leipzig. Kickerl ingsberg 2, am 8 0 0 u abend, den 4. März 1933, nachm. 4.30 Uhr. (Nur für Mitglieder und aus Anlaß der Messe in Leipzig aufhältliche Gesinnungsgenossen). Montag, den 11. und Montag, den 25. März 1933, abends H9 Uhr, finden die nächsten Zusammenkünfte der hiesigen Gruppe im Restaurant Gottlieb, Leipzig-C. 1, Plauenschestraße 3, statt. Durch Mitglieder eingeführte Gäste willkommen. Sender der ganzen Welt alle sauber getrennt — In vollendeter Klangschönheit bringt der Schaub-Superhet mit Kurzwallen« bereich von 16—70 m und Wellenbereich 200-2000 m. 7Kr ei se- 3Bandf Itter- Geräuschblende(craek killer).Verstärk, auch dar Kurzwellen Ober alle Röhren. Von RM. 189,— o. Röhren an. Europs- Serle(4 Röhren 3Krelse)von RM. 146,- o. Röhren an. Varl. Sie Werbeblatt. G. L. CHÄil [ 6. SPnttB Assirrtsswsri. »H ChartOtttBtourB j Vorführt p| ■. Vertont, EltJrtrt-Moosdorf, Retetestr.39[Dirrd>g l ä