Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 8 (24.2.1933)
- Date
- 1933-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mi Februar 1933 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Jüdischer Frauenbund Bitte auf den Saal iu achtan! Montag, den 27. d.M. 16.30 Uhr im Goldenen Saal des CT Ortsgruppe Leipzig Hannah Karminski, Berlin spricht Uber „Die Frau in der Rlchtungslosigkeit unserer Zeit" Das aktuelle Thema, von einer so beliebten Rednerin behandelt, verspricht einen wertvollen Nachmittag. Es wird daher um einen recht regen Besuch gebeten. Da im Augenblick nicht zu übersehen ist, zu welchem Zeitpunkt die Einberufung des Verbandstages sich als zweckmäßig erweisen wird, wurdo dieso Bestimmung ebenfalls dem Kollegium der Berliner Dezernenten übertragen. Dieses soll auch auf Grund der vorliegenden Unterlagen und der im Ausschuß erfolgten eingehenden Durcharbeitung die Verträge zum Abschluß bringen, welche zwecks Gründung von Pensionskassen für die jüdischen Beamten mit den in Betracht kommenden Versicherungsgesellschaften einzugchen sind. Es ist in Aussicht genommen, die nicht erledigten Punkte der Tagesordnung in einer spätoren Sitzung zu beraten. Jahresversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissen- Kfcaft des Judentums. In Berlin fand die satzungsgemäße Jahresversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums statt. Den Jahresbericht erstattete Prof. Dr. Ismar Elbogen. Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentum* konnte 1932 bedeutend verstärkt werden anläßlich des 60. Geburtstages von Moritz Sobernheim. Da« große Werk Uber die Geschichte des deutschen Judentum» „Germania Judaica" ist heinahe abgeschlossen und wird im Herbst erscheinen, „Corpus tanaiticum" sifre zum Den lernnomium sind weitgehend gefördert, da« Generalregister zu den i Münden Monatsschrift fast fertiggestellt. Vom Mendelssohn-Werk St ein neuer Band „Schriften zur Philosophie und Aesthetik" er schienen. Bedeutende Manuskripte liegen druckreif vor. — Der Mitglicderstand ist von 1458 auf 1375 zurückgegangen. Gemeinden und Verbände haben ihre Subventionen verkürzt oder gestrichen, aber die Mitglieder haben großen Opferwillen gezeigt. Die Einnahmen be trugen 17000 RM. (1931 20000 RH). Zu Sobernheims Ehren ist eine "'■cdac.htnisstiftung errichtet worden, der von 14 Einzelpersonen 1800 RM. zugeflossen sind. Von den Zinson sollen in Sobernheims Sinne wertvolle Arbeiten jüdischer Schriftsteller gefördert werden. I'ie Jahresrechnung schließt mit 26 700 RM. ab. Die Monatsschrift kostet 10 000 RM. Außenstände bestehen kaum. Im Ganzen ist die Vermögenslage nicht ungünstig. Die Bilanz weist 25 800 RM. Aktiva und 35 500 RM. Passiva aus. Dia Substanz ist im wesentlichen erhalten. Das Defizit im Voranschlag wird sich wohl ausgleichen laaaan. Zum Schluß godeukt Prof. Elbogen des verstorbenen Mitbegründers der Gesellschaft Oberrabbinpr Dr. Simonsen-Kopenhngen und ihrer tätigen Mitarbeiter Rabbiner Aucher-Hagenau (Elsaß). Rabbiner l»r. Bacck stellt fest, daß fast alle geleistete Arbeit dem unermüd liehen Wirkon von Prof. Elbogen zu danken sei. Nach einstimmiger Entlastung dos Vorstandes wird der alto Vorstand bestätigt und Prof. Eugen Mittwoch, Direktor des Orientalischen Seminars der Berliner Universität, zum Vorsitzenden gewählt. Außer ihm gehören dem Vorstände an: Rabb. Dr. Bacck, Prof. Dr. Elbogen, Prof. Dr. Gotthold Weil und Karger. Der Ausschuß wird einstimmig '»■»tätigt, hinzugewählt werden Prof. Dr. Perles-Königsberg und Prof. Dr. Stein-Karlsruhe. Prof. Dr. Mittwoch dankt für seine Wahl, die er aus Liebe zur jüdischen Wissenschaft angenommen hat. Er gelobt, 'las Schiff der Gesellschaft nach besten Kräften durch die Notzeit hin «lurchzusteuern. Der Jahresversammlung war eine Gedenkfeier für den jüngst verstorbenen Vorsitzenden der Gesellschaft Legationsrat Prof. Dr. Moritz Sobernheim vorangegangen. Dr. Ernst Schaeder, Professor der orientalischen Sprachen an der Universität Berlin, hielt die Gedenkrede, in der auch des vor wenigen Tagen verstorbenen Staatsministers a. D. Prof. Dr. C. EL Becker gedachte: mit ihm verband Sobernheim eine enge Freundschaft, da er mit ihm die Übereinstimmung der Verbindung ernster Wissenschaft mit praktischer Arbelt im sozialen und öffentlichen Leben gemein hatte. Er schilderte Sobernheims Persönlichkeit und würdigte sein mutiges Eintreten füt Juden und Judentum, seine Hilfsarbeit für den orientalistischcn Nachwuchs und bezeichnete ihn als den Mann, der für den Kreis der Berliner Orientalisten einen Mittelpunkt bildete. Wissenschaftlich gab M seine besten Kräfte der Arabistik und leistete Großes für die Sammlung, Sichtung und Veröffentlichung der arabischen Inschriften in Syrien. Er empfand als moderner Mensch, handelte als guter Deut - -eher und wirkte für alles Jüdische. So wurde er der geeignete Mann für das Referat über jüdische Angelegenheiten im Auswärtigen Amt. fr. Friedrich Ollendorf gedachte namens der Zcntralwohlfahrts. teile der deutschen Juden, des Deutsch-Israelitischen Gemeinde- 'mndes und der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge des jüdischen Sozialpolitikers Moritz Sobernheim. Das Auswärtige Amt hat zur Sobernheim-Gedenkfeier Vertreter entsandt. Von nichtjüdischen wissenschaftlichen Organisationen waren vertreten die Religionswissenschaftliche Voreinigung zu Berlin, dar» lustitutum Judaicum der Universität Berlin, dio Vorderasiatisch- Aegyptische Gesellschaft, dio Deutscho Oriont-Gesellschnft u. a. m. Aus sächsischen Gemeinden. Plauen, (Vom Schulausschuß). In einer Sitzung des Schulausschusses der Israelitischen Rcligionsgemeinde Plauen berichtete der Leiter der Schule, Herr Kantor und Lehrer Worinscr. Es sind in diesem Schuljahre im Gemeindebezirke 93 Kinder im volkssehulpflichtigcn Alter unterrichtet worden; davon entfallen 60 auf Plauen und 33 auf die anderen Städte des Bezirkes. Bis auf eine volksschulpflichtige Schülerin, welche für das laufende Jahr bei der zuständigen Behörde von den Erziehungsberechtigten vom Religionsunterricht gemäß den Bestimmungen der sächsischen einschlägigen Verordnungen abgemeldet und dem Moralunterricht zugeführt worden ist, waren alle im volksschulptlichtigcn Alter stehenden Kinder unserer Gemcinderaitglieder zum Religionsunterricht unserer Gemeinde gemeldet. Über das volksschulpflichtige Alter von 14 Jahren hinaus wird ein freiwilliger Unterricht erteilt, an dem Jugendliche bis zum vollendeten 17. Lebensjahre teilnehmen. Noch im Jahn 1939 besuchten allein in der Stadt Plauen Üß volksschulpflichtige Kinder den gemeindlichen Religionsunterricht. Der Rückgang der Schülerzahl ist auf den allgemeinen Geburtenrückgang, teilweise auch auf Abwanderung zurückzuführen. In der genannten Zeit ist die Gcsanitseclenzahl der Gemeinde Plauen von etwa 850 auf rund 800 gesunken: der weitaus größere Teil von ihnen gehört der liberalen Richtung an. Außerhalb des Gemeindebezirkes ist von der Israelitischen Rcligionsgemeinde in der thüringischen Stadt Greiz, in der sich bisher eine jüdische Gemeinde nicht gebildet hat, Religionsunterricht für eine Anzahl von schulptlichtigcn Kindern dortiger Glaubensgenossen eingerichtet worden. — Infolge des Rückganges der Plauener Schülerzahl wird von Ostern 1933 ub eine Neuorganisation des Religionsunterrichtes durch Verminderung der Klassenzahl in Aussicht genommen. Auf Vorschlag des Gemeindevorsitzenden Dr. Goldberg wurde beschlossen, im Februar 1933 eine Elternversammlung einzuberufen, in der Uber die den Religionsunterricht betreffenden Rechtsverhältnisse referiert werden soll. Der Elternabend soll zugleich eine engere Verbindung von Elternhaus und Schule herbeiführen und gegebenenfalls als dauerndo Einrichtung beibehalten werden. Das jüdische Elternhaus wird wegen der Verantwortung vor der Geschichte und vor der heranwachsenden jüdischen Jugend für verpflichtet angesehen, den jüdischen Religionsunterricht von sich aus zu unterstützen, selbst wenn es glaubt, zeitgenössischen Anschauungen weitgehendst Rechnung tragen zu müssen. Neben dein von der Israelitischen Religionsgemeinde eingerichteten Religionsunterricht können die Kinder der Gemeinde auch an dem speziellen hebräischen Unterricht des Talmud-Thora-Vereins teilnehmen. Dieser erhält hierfür von der Gemeinde eine jährliche Subvention. Zur Zeit besuchen 32 Schüler die Schule des Talmud-Thora-Vereins. Im Anschluße an seine Rechtsausführungen über die nach der Reichs- und Landesverfassung bestehen gebliebene Eingliederung des jüdischen Religionsunterrichtes in Sachsen in dio allgemeine staatliche Schulaufsicht — was bisher noch nicht allenthalben bei allen sächsischen Behörden bekannt zu sein scheint — wies der Gemeindevorsteher darauf hin, daß der Freistaat Sachsen bisher, im Gegensatz zu fast allen deutschen Ländern, noch keinerlei Staatszuschüsso für den israelitischen Religionsunterricht beigetragen hat. Da eine Bevorzugung des christlichen Religionsunterrichtes nach der Reichsverfassung nicht begründet erscheint, nach Artikel 149 der Reichsverfassung der Religionsunterricht (also nicht nur der christliche Religionsunterricht), aber öffentliches Lehrfach der Schule (d. h. aller Schulen), mit Ausnahme der weltlichen Schulen, und seine Erteilung im Rahmen der Schulgesetzgebung geregelt werden, so besteht eine Verpflichtung des Staates, dem jüdischen Religionsunterricht dasselbe .:uteil werden zu lassen, wie dem evangelischen oder katholischen Religionsunterricht. Der Staat müsse daher ersucht werden, ebenso wie er den persönlichen Aufwand für den evangelischen und katholischen Religionsunterricht bestreitet, im gleichen Maße auch dem jüdischen Religionsunterricht gerecht zu werden. Bei der Finanzlage der jüdischen Gemeinden in Sachsen könnte auf dieses unbestreitbare Recht der jüdischen Gemeinden nicht verzichtet werden. Der Sächsische Israelitische Gemeindeverband habe auch bereits entsprechende Maßnahmen beschlossen. Wheröffneten in der KÖllf gShailS'PaSSage Depositenkasse KaTOCll Jl*"f Kommanditgesellschaft auf Aktien Markt 17 Petersstraße 13, eine