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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-01-13 · 2 (13.1.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
2 (13.1.1933)
Date
1933-01-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1.33. Auflage 4500 Stück (Bemeinö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I Jtl D7lfm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT lala I ■ Mm I \& DER GEMEIN DEVERWALTUNGI Sei rifileltung: Gemelnder«bblner Guetav Cohn, Leipzig, LohrjtreBe 10 — N.chdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfaaaera geatattat. Nummer 2 / Jahrgang 9 13. Januar 1933 Anzeigenannahme: Verleg Emst Goldfreund, Leipzig 0 5, Clchorlueatrabe 2» Fernsprecher Nr. 60771 — Druck: Gebr. Junghanfi, Leipzig 0 5 Verwaltungsdirektor GUSTAV KATZENSTEIN Der Gemeindehaushalt1932/33 Vor einiger Zeit ist an dieser Stelle darauf hingewiesen worden, welche Schwierigkeiten die Aufstellung des Haushaltplanes für das laufende Rechnungsjahr (1. April 1932 bis 31. März 1933) gemacht hat, da noch mehr als anderswo in unserer Gemeinde der wirtschaftliche Niedergang sich in einem ungeheuren Rückgang der Steuerkraft der Mitglieder ausgewirkt hat. Unsere Gemeinde ist jung. Erst vor wenigen Jahren haben wir das 75jährige Bestehen unserer Gemeindesynagoge gefeiert, das auch zugleich das Bestehen der Gemeinde im heutigen Sinn bedeutet. In der Zeit des Liberalismus gegründet, schuf die Gemeinde in erster Linie diejenigen Einrichtungen, die dieser Richtung dienten. Da die Folgezeit eine solche des wachsenden Wohlstandes war, sorgte die Orthodoxie für ihre besonderen Bedürfnisse aus privaten Mitteln und verzichtete darauf, ihre durch ihre Pflicht zur Steuerleistung berechtigten Ansprüche geltend zu machen. Indessen erstreckte sich als wesentlicher Zweig der Gemeindetatigkeit die Wohlfahrtspflege von vornherein auf die Gesamtheit. Der Krieg mit seiner Zwangsbewirtschaftung brachte weitgehende Aendcrungen. Nur noch eine vom Staat anerkannte Stelle, wie die schon damals gesetzlich als öffentlich-rechtliche Körperschaft ausgestaltete Gemeinde, konnte die wachsenden Aufgaben erfüllen. Zunächst wurde die Versorgung mit rituellen Lebensmitteln von der Gemeinde eingerichtet und. als der Fleischbezug aus Halle unmöglich wurde, eine eigene Schechita geschaffen, die bekanntlich im Königreich Sachsen bis zum Jahre 1910 durch Staatsgesetz verboten war. Nachdem die Gemeinde damit auch eine von den liberalen Kreisen nachdrücklichst vertretene Forderung erfüllt hatte, erkannte sie nunmehr grundsätzlich ihre Verpflichtung an, auch für die besonderen Bedürfnisse der streng religösen Mitglieder zu sorgen, und ging schrittweise an die Durchführung heran. In der Folge wurde ein orthodoxes Rabbinat eingesetzt, die rituelle Beaufsichtigung der Fleischereien übernommen und der Bestand des Ritualbades gesichert. Aber nicht einseitig geschah der Ausbau der Gemeinde. Auch der liberale Kultus wurde kräftig gefördert. Die Berufung eines zweiten liberalen Gemeinderabbiners ermöglichte eine lebendige Fühlungnahme der geistlichen Führer mit den Mitgliedern der Gemeinde. Der Zweig- Gottesdienst au den hohen Feiertagen wurde würdig umgestaltet und so erweitert. daB er die heranwachsende Jugend aufnehmen konnte, lerner ein besonderer Kindergottesdienst an den hohen Feiertagen für die Kleinen eingerichtet. Die Religionsschulen beider Richtungen wurden auf neue Grundlagen gestellt und räumlich und sachlich den heutigen Anforderungen einsprechend erweitert. Mit dem Wachstum der Gemeinde an Mitgliederzahl stiegen, nicht tutetet dank der Förderung durch die Volkspartei, auch die Leistungen •uii kulturellem Gebiet, so für alle namhaften jüdisch-wissenschaftlichen Anstalten im Reich und in der Gemeinde sowie für sonstige jüdische gemeinnützigen Einrichtungen und Körperschaften. Gekrönt wurde dieser Zweig der Tätigkeit der Gemeinde durch die Schaffung eines Heimes ii'r die jüdische Jugend. Neben Kultus und Unterricht erfuhr aber vor allem die soziale Tätigkeit der Gemeinde einen gewaltigen Aufschwung. Ueber den heutigen Stand dieses Zweiges der Gemeindetätigkeit hat ein besondrer Aufsatz unterrichtet. Fügen wir nun noch hinzu, daß durch das neue Friedhofsgebäude »ach rein äußerlich die starke Entfaltung der Gemeinde in Erscheinung Wtt, so wird es niemand verwundern, daß der Haushalt der Gemeinde •jegenüber der Vorkriegszeit sich vervielfacht hat. So kam es, daß der naushaltplan im Rechnungsjahr 1929/30 in Einnahme und Ausgabe auf ie 803000 M. anstieg. Die Not der Zeit bedingte es. daß diese Summen Kewaltig herabgesetzt werden mußten. Sie betragen für den Haushalt 1931/83 je 503 000 M. Tiotzdem hat die Gemeinde keine ihrer ideellen Aufgaben vernachlässigt. Ja, es ist ihr sogar gelungen, in den diesjährigen Haushaltplan einen Betrag einzusetzen, durch den sie sich die '-z-Chaim-Synagoge als Gemeindegotteshaus angliedern konnte. Damit W der letzte Schritt getan, durch den die Gemeinde alle wesentlichen Einrichtungen erhalten hat, die eine jüdische Religionsgemeinde besitzen «iuß. Daö dies möglich war. ist das Verdien-.t ietes edlen Stifters, der letzt von uns gegangen ist und dessen Name auf immer mit der Geschichte unserer Gemeinde verbunden sein wird. Die Herabminderung der Ausgaben geschah in erster Linie durch die Kürzung und Einschränkung aller persönlichen Ausgaben, also der Besoldungen. In bedeutendem Maße mußten auch die Mittel für die Wohlfahrtspflege herabgesetzt werden. Wenn dies trotzdem kein Nachlassen unserer Fürsorgetätigkeit zur Polge hatte, so liegt das daran, daß wir in immer mehr steigendem Maße das Recht unserer Gemeindemitgliedcr auf Fürsorge aus allgemeinen öffentlichen Mitteln durchsetzen und ihnen auch sonst durch planvolle und zweckmäßige Unterstützung wirksam helfen konnten. Trotzdem bleibt es tief bedauerlich, daß die Mittel unseres Sozialetats so sehr beschränkt sind, denn die Not in unserer Gemeinde ist erschütternd, und alle Hilfsquellen gewähren den Bedürftigen kaum das Notwendige zum nackten Leben. Gehen wir nun den Haushaltplan im einzelnen durch. Die allgemeine Verwaltung unserer Gemeinde kostet 42 500 M Rechnet man noch einige Posten aus anderen Abschnitten des Haushaltplanes hinzu, die auch als Verwaltungsausgaben angesehen werden können, so kommt man auf etwa 10 Prozent der Gesamtausgaben. Das Gemeindehaus läßt einen kleinen Ueberschuß, da für die Geschäftsräume des Gemeindeamtes die ordnungsmäßige Miete berechnet und zu Lasten der Verwaltungsausgaben verbucht wird. Der Hauptposten des Haushaltes ist natürlich Kultus und Unterricht mit rund 127 000 M. Davon werden durch Einnahmen nur 12 000 M. gedeckt. Die verbleibenden 115000 M. verteilen sich gleichmäßig auf die liberale und orthodoxe Richtung. Es ist natürlich bedauerlich, daß die Gemeinde auf die Einnahmen aus den Synagogenplätzen nicht verzichten kann. Die Platzmiete ist wesentlich ermäßigt worden, damit nach Möglichkeit jedem die Gelegenheit gegeben ist, den Gottesdienst zu besuchen. Den Minderbemittelten wird durch weitestgehende Abgabe von Freiplätzen Rechnung getragen. Durch die Errichtung der Ez- Chaim-Synagoge sind in der Hauptsynagoge manche Plätze freigeworden, so daß ein Mangel nicht mehr besteht. Viel umstritten sind die Ausgaben für das Kaschrus. Sie betragen 30 000 M., wovon indessen 26 500 M. durch die Abgaben der rituellen Betriebe aufgebracht werden sollen. Wenn auch der planmäßige Fehlbetrag von 3500 M. nicht unbedeutend überschritten werden wird, so ist doch wohl die Nettoausgabe für eine Gemeinde von unserer Größe nicht sehr beträchtlich, und es kann wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß für diesen wichtigen Zweig des religiösen Lebens gesorgt werden muß. Da die Gemeinde leider kein eigenes Ritualbad besitzt, so gibt sie dem Jüdischen gesetzestreuen Verband einen Zuschuß zum Betrieb der von ihm unterhaltenen Anstalt in Höhe von 4800 M Die Ritualbäder erfordern in allen Gemeinden einen Zuschuß in ähnlicher Höhe. Die Ausgaben für das Bestattungswesen betragen 92 400 M.. die Einnahmen 56 800 M. Der Fehlbetrag von rund 35 000 M. eniiällt zum allergrößten Teil auf die Verzinsung und Fügung der zum Bau des neuen Friedhofs aufgenommenen Anleihe. Der Fehlbetrag wird sich mit der zunehmenden Belegung vermindern, weil alsdann die in eigener Verwaltung betriebene Gärtnerei Ueberschüsse abliefern wird. Jetzt deckt sie schon fast völlig ihre Kosten aus eigenen Einnahmen. Häufu werden uns Vorwürfe gemacht, daß unsere Gebühren für die Beerdigungen zu hoch sein. Es ist zuzugeben, daß sie in anderen Gemeinden niedriger sind. Sie sind aber Im Durchschnitt wesentlich niedriger als die Kosten einer nichtjüdischen Beerdigung in Leipzig. Wir sind stark belastet durch die Sorge für die Bestattung völlig unbemittelter Glaubensgenossen. Die Stadtgeiueiude zahlt uns hierfür nicht einmal den Betrag, den sie für die Bestattung Unbemittelter auf anderen Friedhöfen aufwendet. Während wir früher gar nicht versucht haben, die Stadt hierfür in Anspruch zu nehmen, hat uns vor einiger Zeit unsere Finanzlage gezwungen, diese Forderung geltend zu machen. Wir haben es auf richterliche Entscheidung ankommen lassen, die jedoch zu unseren Ungunsten ausgefallen ist. Es bedarf daher neuer Wege, daß uns unser Recht zuteil wird. Sic werden nach Beendigung des noch schwebenden Verfahrens beschritten werden. Ein günstiger Ausgang würde zu einer Senkung der Gebühren beitragen, die nach den gesetzlichen Vorschriften in der Höhe erhoben worden müssen, daß sie die Kosten des Bestattungswesens decken. Die Gesamtaufwendungen für die Wohlfahrtspflege betragen einschließlich der Gehälter 90500 M., die Nettoausgaben nach Abzug von

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