Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 33 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Auflage 4500 Stück taeitiöeblatt DER ISRAELITISCHEN REU Gl ONS GEMEIN DE-ZU I Jp-| 07lfm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT Vmlm I iX«! W DER GEMEINDEVERWALTUN&O Schrlfllaltungs Gemeinde™ ob Iner Gustav Cohn, Lalpzlg, LShntraße tO — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung du Verfassers gestattet. Nummer 33 / Jahrgang 8 30. Dezember 1932 Anzeigenannehme-, Verlag Ernst Goldfreund, Lalpzlg 0 5, ClchorlusatraGe 2a Farnspracher Nr. 60771 — Druck: Gebr. Junghanß, Leipzig 0 5 Durch das Ableben des Ehrenmitgliedes unserer Gemeinde, des Herrn CHAIM EITINGON sind wir aufs neue In tiefste Trauer versetzt Unvergängliche Werke zeugen von der Menschenliebe dieses edlen Mannes, der sich um die Allgemeinheit und unsere engere Gemeinschaft die höchsten Verdienste erworben hat Wir verdanken ihm als zweite Gebetsstätte, die unserer Gemeinde so lange gefehlt hat, ein würdiges Gotteshaus und ein bewundernswert ausgestattetes Krankenhaus, das den besonderen Bedürfnissen unserer Religionsgemeinschaft Rechnung trägt, zugleich aber die Leidenden jedes Bekenntnisses allezeit gastlich aufnimmt. Für seine Person von größter Anspruchslosigkeit, verwandte der Heimgegangene, einem innersten Herzensbedürfnis folgend, seine reichen Mittel dazu, Not jeder Art zu lindern. Unsere Gemeindevertretung war stolz darauf, daB er ihr angehörte. Sie gab den Gefühlen unverlöschllchen Dankes dadurch Ausdruck, daB sie den Entschlafenen anläßlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenmitglied der Gemeinde ernannte; als solches wird sein Name dauernd in Ihr fortleben. Leipzig, den 25. Dezember 1932. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig | Chaim Eitingon s. A. Ein Verlust von unvergleichlicher Schwere hat wiederum unsere Gemeinde betroffen: Chaim Eitingon, das Ehrenmitglied der Israelitischen Religionsgemeinde, weit über Leipzigs, ja, Deutschlands Grenzen hinaus als Wohltäter bekannt und geachtet, ist in die Ewigkeit abberufen worden. Seitdem ihm seine hochherzige Gattin, Frau Alexandra Eitingon, entrissen war, zehrte der Schmerz an ihm; seit Monaten waren seine Angehörigen und Freunde in banger Sorge um das ihnen so teure Leben. Und nun, nachdem noch kurz zuvor ein Hoffnungsschimmer aufgeleuchtet war, hat der Allbezwinger gesiegt: Chaim Eitingon lebt nicht mehr. Mit ihn ist eine Persönlichkeit dahingegangen, deren Namen menschliche und jüdische Werte und Werke in unserer Gemeinde für alle Dauer unvergeßlich gemacht haben. Am 6. Dezember 1859 in Moskau geboren, hat Chaim Eitingon schon vor Jahrzehnten sein Cicschäftsunternchmcn von Moskau nach Leipzig verpflanzt und von Wer aus zu einer außergewöhnlichen Entwicklung geführt: die Firma hat Weltgeltung erlangt, sie unterhält in den verschiedensten Ländern Niederlassungen und gehört zu den führenden in der Rauchwarenbranche. Diese geschäftlichen Erfolge zeugten für seinen Weitblick, seine kaufmännische Begabung und sein rechtliches Gebaren; für sein eigenstes Wesen aber ist bezeichnend, daß er bis zum letzten Tage der durchaus bescheidene Mensch blieb, dem stille Lebensführung in Pflichttreue und Gradheit alles war. Sicherten schon diese menschlichen Vorzüge Chaim Eitingon Achtung und Wertschätzung aller in höchstem Maße, so gewann ihm sein Kcmeinnütziges Wirken darüber hinaus weitgehende Verehrung und Liebe. Ein altjüdischer Sinn für die Pflicht, den Leidenden ein Helfer und Förderer zu sein, eine stete Bereitschaft, am Aufbau von Werken der Gesamtheit mitzuhelfen, bewährte sich in ihm so unwiderstehlich. daß man wohl niemals vergeblich mit einer Bitte um Förderung solcher Pläne an ihn herantrat. Ob es sich um gemeinnützige Einrichtungen handelte oder um die Aufrichtung der Existenz eines einzelnen, ob um religiöse oder allgemeine Zwecke, ob in Deutschland oder an sonst welcher Stelle der Welt: immer fand man bei Chaim Eitingon ein williges Ohr, ein verständnisbereites Herz und eine offene Hand. Seine innig-religiöse Einstellung machte ihn besonders zu einem steten Förderer religiöser Bestrebungen; seine Liebe zu Erez Israel hat das Aufbauwerk in Palästina wiederholt wirksam gestützt: der Unterstützung von Kranken, der Erhaltung gefährdeter Existenz von Handwerkern und Kleingewerbetreibenden galt seine Sorge: kurz, es mag wohl kein Gebiet wohltätiger Gesinnung geben, auf dem er sich nicht als ein freudig Fördernder bewährt hätte. Alle diese in der Stille geleistete Arbeit überragen jedoch die beiden großzügigen Werke, die als lebendige Denkmäler seines Schaffens in unserer Gemeinde stehen: die Ez-Chaim-Synagoge und das Israelitische Krankenhaus. Beide sind ausschließlich durch die Initiative und die zielbewußte Tatkratf Chaim Eitingons entstanden: Synagoge und Krankenhaus hat er ganz allein geschaffen. Von dem Gedanken geleitet, daß es der Durchführung solcher Pläne häufig genug nicht förderlich ist, wenn ein größerer Kreis in sie eingeweiht wird, hat er sie durchaus allein betrieben, von dem ersten Entschluß bis zur Vollendung: hat er lediglich für Synagoge und Krankenhaus — und besonders für dieses — die Fachleute herangezogen, denen sein Vertrauen galt, und die dieses Vertrauen auch rechtfertigten. Erst als die Bauarbeiten schon in vorgeschrittenem Stadium waren, sickerten — anfangs noch unbestimmte — Nachrichten durch; es dauerte geraume Zeit, bis die größere Oeffentlichkeit zuverlässig unterrichtet war; beim Krankenbaus erst, als dieses vollendet dastand. So bleibt das Verdienst an der