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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-11-24 · 28 (24.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
28 (24.11.1932)
Date
1932-11-24
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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November 1932 CKME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOFME1NDE ZU LEIPZIG Seite 5 SCHULFEST der Höheren Israelitischen Schule ■ ■ fc (gleichzeitig Feier des 20 jähr. Jubiläums) Donnerstag, den 1. Dezember Im Varlet6saal des Krystallpalastes. Großes Festprogramm. Diverse Zelte zu Leipzig 1932, ab. 7,30 Uhr Große Tombola _ Jüdischer Sportverein Bar Kochba e.V., Leipzig. Heim und Geschäftsstelle: Elsterstraße 7. Eigener Sportpark: Dübener Landstraße. Mitgliederversammlung am Montag, dem 28. November, »bends 8.30 Uhr. im Saale des Jüdischen Jugendheimes. Tagesordnung: . Bericht der Obleute; 2. Bericht des Festkomitees; 3. Vortrag des lerrn Dr. Lehrfreund über „Die Lage der Juden in Deutschland". Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht! Turnen: Zwecks Einrichtung einer Turnabteilung findet unter Leinng von Förster ein Vorturnerkursus statt. Training jeden Montag, Uhr. in der Turnhalle. Recht zahlreiche Beteiligung erwünscht. Tischtennisabteilung (Anschrift S. Braun, Gohliser Str. 6). )ic für den 3. und 4. Dezember vorgesehene Reise nach Dresden ist um acht Tage auf den 11. Dezember verschoben worden. Wir bitten alle, sich diesen Tag freizuhalten. Bei genügender Beteiligung wollen vir einen Omnibus mieten und ersuchen deswegen, die Teilnehmerneldungcn uns jetzt schon schnellstens zu übermitteln. Diese Woche beginnen wieder die Verbandsspiele, an denen wir uns mit zwei Mannschaften beteiligen. Während unsere erste als Favorit in den Kampf geht, bleibt abzuwarten, ob es unserer zweiten |elingen wird, den im Vorjahr errungenen dritten Platz wieder zu belegen. Unser Spitzenspieler, der Leipziger Meister Karelitzki, wurde auf irund seiner vorjährigen Leistungen in die deutsche Rangliste aufgenommen. Neben dem Exmeister Baumgarten ist er der einzige Leipziger, dessen Name dort zu finden ist. Jüdischer Arbeiter-Tara- und -Sportverein. Bekanntmachung. Unser leim, Ritterstraße 7. Ist täglich von 19 Uhr ab geöffnet. Zutritt haben fereinsmitglider und eingeführte Qäste. Sonnabends und Sonntags ist das Heim ab 4 Uhr geöffnet. Am Freitag, dem 25. November, findet im Vereinsheim ein jcholem-Alejchem-Abend statt. Die Vorlesungen werden in jiddischer Sprache gehalten. Die Genossen und Genossinnen werden aufgefordert, sich der Heim- |citung zur Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Keren Kajemeth Lejlsrael (Jüdischer Nationalfonds e.V.), Leipzig, Keilstr. 4, Postscheckkonto 53341. Sekretariatswechsel: Am Dezember 1932 übernimmt Herr Heini Berliner an Stelle von Fritz Fraenkel, der sich auch auf diesem Wege von allen Mitarbeitern und Spendern aufs herzlichste verabschiedet, das Sekretariat. Adressenänderungen bitte mitteilen! Bei jeder Süchsenleerung stellt sich heraus, daß eine Reihe von Büchseninhabern Herzogen sind. Wir bitten, in allen Fällen von Adressenänderungen und pizügen um freundlichen Anruf unter Tel. Nr. 102 11. Das Helm des Jüdischen Frauenbundes In Wyk anl Föhr, Südstrand, nacht auch in diesem Jahre auf seine erfolgreichen Winterkuren Aufmerksam. Wie bekannt ist. wird das Heim in pflegerischer, pädagogischer und ärztlicher Beziehung aufs beste geführt. Schulkinder haben die Möglichkeit, an Schulzirkeln teilzunehmen. )as Heim steht unter Aufsicht des Herrn Oberrabbiner Dr. Carlebach, Mtona. Referenzen von Aerzten und aus Elternkreisen stellt die Geschäftsstelle des Heims in Berlin, Monbijouplatz 10, auf Wunsch zur /erfügung. Näheres ist aus der Annonce dieses Blattes zu ersehen. Theater und Konzert Kammerspiele (Kamrad Kasper). In einer Zeit, in der in weiten reisen der Krieg mit seinen Schrecken in Vergessenheit geraten zu lein scheint, ist jedes Antikriegsstück aufs wärmste zu begrüßen, churek zeigt in seinem „Kamrad Kasper" alle Folgeerscheinungen des rieges in krasser Deutlichkeit. Trübsal lastet auf dem ganzen Volke, ohin man sieht. Verfallserscheinungen. Einzelne Typen, wahllos herlsgegriffen aus der Volksmasse, geben dieser Stimmung Ausdruck: er greise Invalide, der sein Schicksal mit stoischer Gelassenheit trägt, >e Kieinbürgersfrau, die um ihren Sohn trauert, die Dirne, die das eben volter Hohn betrachtet, der Schieber, der sich an der Not seiner litmenschen nährt Der Dichter hat die Ereignisse der letzten zehn ahre in diesem Stimmungsbild zusammengetragen. Der Zeitungsveräufer ruft sie mit seinen sensationellen Ueberschriften wieder in die Tinnerting. Geschickt unterstützt die Szenerie mit ihren abbröckelnden äusern, der trübseligen, verbogenen Straßenlaterne das Stimmungs- 1d. Herausgehoben aus dem Elend des Volkes ist das Einzelschicksal s „Kamrad Kasper", wiederum nur ein typisches Beispiel des Massenlebens. Der heimkehrende Soldat eilt nach Jahren der Qefahr und s Schützengraben„dreckes" heim, Olück und Frieden suchend. Was idet er? Ehebruch. Arbeitsloslgkit, gepfändete Möbel. Not Es ist ein honer. dichterischer Gedanke, gerade den Kasperlespieler als Repräntanten des Volkes hinzustellen. Vielleicht will der Dichter damit gen, daß das Volk wie Kasperlefiguren von höherer Gewalt geführt ird. Vielleicht will er aber auch zum Ausdruck bringen, daß gerade t Kasperlespieler, der seinen Stoff dem urwüchsigsten Volksempfinden entnimmt, der wahrheitsgetreueste Darsteller der Volksseele ist. F. Chr. Boehme spielte die schwierige Rolle des Kasper mit ihren vielen Gefühlsschwankungen ausgezeichnet. Ingeborg Wcrzlau verkörperte ergreifend seine Frau, die aus Einsamkeit und Sehnsucht treulos wird und in all ihrer Treulosigkeit doch ihren Mann liebt. — Die Kammerspiele haben sich mit diesem ernsten und schwierigen Stück eine große Aufgabe gestellt, die sie beachtlich gelöst haben. E. Cn. Konzerte. Das 2. Gewandhauskonzert erhielt einen besonders festlichen Charakter durch die Mitwirkung des Geigers Nathan M11 s t e i n. Dieser junge Künstler ist einer von den ganz großen Geigern. Zu dem selbstverständlichen Rüstzeug des Virtuosen, einer stupenden, schlacken, losen Technik und einem weichen, süßen Ton, tritt bei ihm ein künstlerischer Geschmack von höchster Feinheit. Mit einer delikaten Phrasierung, mit agogischen Schattierungen und mit einem traumhaft schönen, transcendental schwebenden Piano holte er aus dem Violinkonzert von Tschaikowski Wirkungen heraus, wie wir sie noch nicht gehört haben. Er wurde mit Recht warm und herzlich gefeiert. Erfolg hatte auch die Neuheit: Grabners Variationen und Fuge über ein Thema von Bach. Es ist ein großangelegtes Werk symphonischer Variationen in der Art von Regers Mozartvariationen; auch hier geht wohl der Charakter des schlichten Bachthemas verloren, aber der symphonische Reichtum, die virtuose Arbeit in Satz und Kolorit, bestechen. Die Verwandtschaft mit Reger wird noch dadurch besonders unterstrichen, daß das Bachthema bei Grabner dem Fugenthema bei Mozart rhythmisch fast wertgetreu ähnelt. — Die Neuheit des 3. Konzerts. Paul Graeners „Sinfonia breve", fällt durch eine bei dem Komponisten ungewohnte düstere Färbung auf. Durch drei kurze Sätze wird eine tragische D-Moll-Stimmung festgehalten, wodurch das Werk, das wieder sehr interessant im Satz ist, eine leise Monotonie bekommt, die anscheinend vom Komponisten gewollt ist. Das jubelnde Gegenstück hierzu bildete die von Walter mit einer unbeschreiblichen Frische dargebotene 8. Symphonie von Beethoven. Dazwischen spielte Hans Münch-Holland, der Solocellist des Orchesters, mit großer Technik und schönem, weichem Ton das schon etwas verstaubte Cello-Konzert von d'AIbert. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen hörten wir das Klavierkonzert von Schumann: von Gerda Nette im 1. Konservatoriumskonzert unter Davissohn, von Max Pauer im 2. Alberthalienkonzert unter Schuricht. Teichmüllers Meisterschülerin spielte mit Verve und jugendlichem Temperament unter starker Hervorkehrung des virtuosen Elements. Die Darstellung Pauers, der von der dichtgefüllten Alberthalle mit südlich-stürmischer Herzlichkeit gefeiert wurde, trägt die Gelassenheit und Abgeklärtheit reifer Meisterschaft und enthüllt die seelischen Hintergründe des Werkes. Schuricht führte das Orchester mit der spielerisch-leichten Ouvertüre zu „Donna Diana" von Reznicek und einer leidenschaftsdurchglühten Aufführung der „Pathetique" von Tschaikowski zu neuen Triumphen. — Auch im Gewandhaus herrschten die Pianisten. In der ersten Kammermusik spielte Lubka Kolessa die B-Moll- Klaviersonate von Chopin (mit dem Trauermarsch) in ganz großem Stil. Den Höhepunkt des dem Andenken eines verstorbenen Direktionsmitglieds gewidmeten Konzerts bildete Bruckners Streichquintett mit dem wundersamen Adagio, das die Herren vom Gewandhausquintett mit Verklärtheit und edler Weihe spielten. Und im 4. Gewandhauskonzert kehrte Rudolf Serkin wieder und erspielte sich mit einer meisterhaft keuschen und adeligen Wiedergabe des Beethoven-G-Dur-Konzerts herzlichen Dank. Die Neuheit, eine Orchester-Suite aus der Oper „Der Spieler" von Prokofieff, kam nicht über einen Achtungserfolg für die ausgezeichnete Aufführung hinaus. Sie beweist wieder trotz aller symphonischen Reize die Fragwürdigkeit dieser Konzertform, die gleichsam Programmusik ohne Programm ist und mit der man nicht viel anfangen kann. Mit Mozarts „tragischer" Symphonie, der in G-Moll, in der unnachahmlich packenden Ausdeutung Bruno Walters, wurde der Abend beschlossen. Dr. R. Schülerkonzert. Am Sonnabend, dem 26. November 1932, pünktlich 19.30 Uhr, findet im Qrotrian-Steinweg-Saal, Dittrichring 18. ein Klavierabend, ausgeführt von nur jugendlichen Schülern des hiesigen Klavierpädagogen Siegfried Weinberger, statt Zum Vortrag kommen Solowerke, Vierhändige Werke und für zwei Klaviere. Eltern, die ihren Kindern einen anregenden, musikalisch-systematisch schnellfördernden Klavierunterricht bieten möchten, sind zu diesem Abend herzlichst eingeladen. Herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde xu Leipzig. Schriftleitung: Gemeinderabbiner Gustav Cohn. Leipzig C 1, Löhrstraße 10, III. Anzeigen: Verlas* Ernst Goldfreund, Leipzig OS, Cichoriusstraße 2a. ~ "' Druck: Oebr. Junghanß, Leipzig O 5, Täubchenweg 26. Anzeigen-Vertretung in Berlin: ,M. Badasch, Neukölln. Sanderstr. 24, Tel. FJ2. 1925. Literarisches Kabarett Litfaßsäule. Du Gastspiel Agnes Delsarto geht am 30. November zu Ende. An ihre Stelle tritt mit dem gleichen Repertoire Magdalene Schmidt. Autarkie? — Wir importieren! wird unverändert bis Miite Dezember gespielt. Lichtschauspielhaus "nbahnttr. 74 — Telefon 68271 •<•"■ bis Montag, 2 5.-21.11. SS J Film, auf den TaUtende warten 1 «• hölzernen Kraus«' Jenseits der deutschen Gröben "'ongszeiton, W.6.00 und 8.30 Uhr, (&MwAtyV>^*ty*\fan^ <H* 4*0lU>, ftjfttflt SMbfatiM*« «MHf lUt^OWt*} •) Neamarkl m (Inh, #f. Jakobtoll* — S.Fnm*.) Inserieren Sie bei unseren Inserenten! ■ Zwiegespra ch Dr. Fritz Loebetuteln und Zwi Die persönliche Vervlrk- Donnann (Brith Haolim) überf Qcklll 4tt Zl01Ü8mttS" Dienstag, den 29. November, 20 V* Uhr H| im „Jüd. Jugendheim", Elsterstraße 7 WLwm

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