Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 26 (11.11.1932)
- Date
- 1932-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4876568-5968808-5969324--4501-4881605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
II. November 1932 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite!< Sonnabend, den 3. Dezember 19321 nA_ fl nR im festlich dekorierten, als Ballsaal hergerichteten Varietesaal des Krystailpalasts I M#d.Ä mJFlMü Winterfest des J. S.V. Bar Kochba Uraufführung des Singspiels: „Jaques Offenbach" von Salo Kunin Tombola Ueberrasehungen Erstklassige Tanzkapellen Vorverkauf bei S. Preismann, Nlkolalstr., M.W.Kaufmann, Brühl, und bei den Mitgliedern des Festkomitees. wir Inmitten der Anhänger eines Bekenntnisses leben, das eine große Geschichte hat, ist es ein tiefer Schmerz, zu sehen, daß der Qlaube in ihm so gesunken ist. daß wir eine Kapitulation des religiösen Gewissens vor de i Mensehen erleben. Wie sollen wir uns dem gegenüber verhalten? Wohl wird viel zur \ : ärung getan, aber wer lügt, kann uieht widerlegt werden. Iis miidelt sieh beim Lügner nicht um eine Kraue des Verständnisses, sondern um eine solche des Willens. Fr will die Unwahrheit sprechen. Die Judenfrage, von der heute so viel gesprochen wird, wird letzten inles nur dureh uns .luden selbst gelöst werden. Wenn es jüdische ■crsönllchkeiten gibt, Juden, die aus ihrem Judentum heraus und durch hr Judentum etwas sind, so ist das die wirksamste Form einer Abwehr des Judenhasses. Wir denken zu oft an unsere Feinde und zu wenig an uns selbst. Was uns oft fehlt, ist Haltung. Die größte Gefahr für uns ist der zitternde, angstschlotternde Jude. Die jüdische Persönlichkeit ist iür uns Zukunftsgewißheit. Nicht durch einen direkten Appell, wohl aber durch unsere aufrechte Haltung können wir auf diejenigen einwirken, in denen Religion noch nicht erschüttert ist. Letzten lindes kommt es auf uns an. Wie wir sein werden, so wird unsere Zukunft sein. Die Antwort auf die Judenfrage sind wir selbst. Wenn uns diese Tage der Einsamkeit Einkehr in uns selbst neben, wenn sie uns gaben, daß wir alle Haltung zurückgewinnen, dann dürften wir trotz allem, was gestern Kowesen ist und vielleicht morgen kommen wird, getrost das Wort sprechen: Ewtach welau ewehod Ich fürchte mich nicht; ich vertraue; ich bin gewIBI Unsere Gemeinde Berufsjubiläum des Herrn Gemeindcrabblner Dr. Goldmann. Am November 1**67 begann unser Rabbiner Dr. Goldmann seine rksamkeit als Rabbiner. Mit dankbarer Qesinnung nimmt unsere Heinde au seinem Ehrentage teil. Eine ungemein vielseitige und ragreiche Leistung kennzeichnet diese 25 Jahre der Tätigkeil eines ihbiners, der den Kreis seiner Aufgaben ungewöhnlich weit fallt und iüi vor allem die Wege zeitgemäßer Entwicklung des Amtes, das bekleidet, zum Segen für seine Gemeinde und das Judentum erkannt d betreten hat. Wir haben vor kurzem Leistung und Verdienste . Qoldmanns anläßlich seines 50. Geburtstages in diesen Blättern im /einen gewürdigt und können uns heute darauf beschränken, auch dieser Stelle unseren Wünschen für den Jubilar herzlichen Ausdruck verleihen: möge es Herrn Dr. Goldmann vergönnt sein, noch viele rzehnte mit reichem Erfolge für unsere Gemeinde, das deutsche und n gesamte Judentum zu wirken. Danksagung. Der Vorstand des Israelitischen WohltätlgkeitsVereins zu Leipzig S| icht allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern, die es durch ihre S| enden und Zuwendungen möglich gemacht haben, auch in diesem 1 ire der schweren Not die Gratis-Speisiingcn a den hohen Feiertagen auszuführen, für ihre Opferwilligkeit /hellsten Dank aus. (Es wurden in II Festmahlzeiten l°l<l Portionen ihrcieht, also eine Durchschnittsausgabe von ca. 144 Mahlzeiten: Uöchstzahl wurde an Sinuhas Thon mit 195 Portionen erreicht.) Verkauf und Ausstellung von Handarbeiten jüdischer Flauen Leipzigs beginnt Sonntag, den 13. November, nachmittags 4 Uhr, in den Ri1 men der Leipzig-Loge, Arndtstraße 1. Die Ausstellung ist Montag, las, Mittwoch. Donnerstag und Freitag von II bis 13 Uhr und von ag Iiis Donnerstag von 16 bis 19 Uhr geöffnet. An allen Nachmittagen finden gesellige Veranstaltungen statt, zu ■te en alle Qemeindemltglieder herzlich eingeladen sind. Für Bewirtung ist gesorgt, jedoch kein Kaffeezwang. Programm für die Nachmittage: Sonn tau. den 13. November: He lere Gesangsvorträge von Frau Susi Schild (am Kavier Fräulein 1 rator). Montag, den 14. November: Filmvorführung des Films -I leißigf Hände". -- Dienstag, den 15. November: Veranstaltung des Jüdischen Frauenbundes: „Die Hcbräcrinam Putztisch" (Plauderei über ein altes Much): Frau Hadassah Cham) ze r. ■ Mittwoch, den Ih. November: Konzert, ausgeführt von Frau Tanja Urvtunser (Klavier) und Fräulein Zunser (Geige). — Donnerstag, dm 17. November: Gesang und Rezitation: Frau Gertrud Schmidt (Sopran); Frau Rosa Daumaiui-Heilpern. Kommt allo und fördert das Hilfswerk. Jeder von Buch hat Irgendwelche Dedarfsartikel oder Chanukahgeschenke einzukaufen, die er nirgends besser, preiswerter und geschmackvoller als in der jüdischen Handarbeitsmesse findet. Jüdische Hauspflegerinnen. Der Jüdische Frauenbund. Ortsgruppe Leipzig, vermittelt bewährte Frauen für alle Fälle, in denen eine Vertretung der Hausfrau benötig! wird. Anfragen sind ZU richten an Frau *"na Schieß (Telephon 50 468). Frau l.eni Emmerich (Telephon I2 2WO Ul|d au das israelitische Gemeindeamt (Telephon 21 382). Amtliche Bekanntmachungen Mädcheukoniirmation. Die Vorbereitungskurse für die Mädchenkonfirmation beginnen im Oktober. Vorbereitung und Konfirmation sind unentgeltlich. Zur Teilnahme berechtigt sind alle Mädchen, die am I. April 1".« das 15. Lebensjahr vollendet haben werden, jüngere nur, wenn sie die Schule verlassen, um ins Leben zu treten. Schriftliche oder mündliche Anmeldung bei Qemeinderabbiner Dr. Goldmann. König-Johann-Str. 17. (Sprechstunde Sonntag. Mittwoch und Freitag 9Ü II Uhr: Fernsprecher 21h67.) Leipzig, den 15. September lu32. Der Vorstand der israelitischen Religinnsgcmeindc zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt Gottesdienste Gcincindesynstgoge. Gottschcdstr. 28. S a b b a i g otte »dienst: Freitag, den 18, November, Abendgebet 16.30 Uhr. mit Ansprache des Herrn Rabbiner Cohn anläßlich de», 25jährigen Berufsjubiläums des Herrn Rabbiner Dr. Goldmann; Sonnabend, den |y. November, Morgengebet 9 Uhr. Jugendgottesdiensi 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn): Nachmittagsgebet 16..*» Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn): Abendgebet 17.(14 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen s Uhr. werktags I.Mi Uhr. Abendgottesdienst 16-30 Uhr. Ez-Chalm-Synagflgc, Otto-Schill-Straße. Freitag, den II. November. Abendgebet 16.30 Uhr: Sabbat-Morgengebet s..?n Uhr. Mincha 16 Uhr. Ausgang 17.12 L!hr: wochentags: Morgengebet 7 I hr. Abendgebet 17 Uhr. Personeiistandsnachrichten. B a r m i /. w a s : Am Sonnabend, dem 19. November l<M2. Qeorg Heinz Moses. Sohn des Herrn Carl Theodor Moses und Frau Liska geb. Adelberg, Wangerooger Weg 5, in der Qemeindesynagoge. T r a Ii ii n g e n : Am Sonntag, dem 20, November 1W2. ,';ll Uhr vormittags, Fräulein Qala Bochenek, Rosentalgasse 8/10, mit Herrn Hermann Rzonsynskl, Thomasiusstraße 3. T 0 d e s f ä 11 e : 30.Oktober 1W2: Kind Josef Baron. Lortzingstraße l". .'o.Oktober 1932: Josef Abraham Kassel. Waldstraße 57. I.November 1932; Jacob Mingelgrün, Rosentalgasse 2. 4. November IW2: Julius Hauptmann, Marbachstraße 2. 6. November 1W2: Max Breslauer. Steinstraße 66. Austritte aus der israelitischen Religionsgesellschaft seit dem 7. 4. .'2 Nach geltendem sächsischem Recht bedeutet der Austritt aus der israelitischen Rellglonsgesellschafl den Austritt aus dem Judentum; nach Ziifer 16 der Bestattungs- und Friedhofsordnung der Leipziger Qemeinde hat der Austritt aus dem Judentum den Verlust des Anrechtes auf Beisetzung und auf eine etwa früher erworbene Qrabstelle zur Folge. Bankdirektor Viktor Oppenheim. Döllnitzer Straße 9. Frau Bankdirektor Margarete Oppenheim, Döllnitzer Straße 9. Lisbetfa Kreidl. Humboldtstraße 12. Carl Stern, Seineckerstraße Frau Flsa Stern, Selneckerstraße X Qisela Oppenheim, Döllnitzer Straße 9, Lucle Alker, Hamburger Straße .'6. Albert Michel, Wicseiistralle 33. Winterhilfe. Die konfessionellen Verbände, die in der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege zusammengefaßt sind, führen in der Woche vom 12. bis 20. November d. J. eine Straßen- und Hauslistensammlung durch. Für die Straßensammlung ist die Zeit vom 12. bis 14. November vorgesehen: für die Hausllstensammlung ist die Woche vom 12. bis 20, November festgesetzt. Auch wir werden bei den Sammlungen tatkräftig mitwirken. Die Eingänge werden zwischen den Verbänden und der Leipziger Nothilfe verteilt: die Zuteilung an den einzelnen Verband erfolgt entsprechend den durch ihn gesammelten Geldern, Je mehr also unsere Sammler einbringen, desto mehr flicUt unseren Bedürftigen zu. Weisen Sie bitte deshalb unsere Sammler, die Sie in der genannten Zeit besuchen werden, nicht ab. Der herannahende Winter bringt die Hilfsbedürftigen In die größte Bedrängnis. Helten Sie uns. ihre Notlage zu erleichtern! Auch mit kleinen Gaben kann viel ei reicht werden. Allen, die noch Brot und Verdienst haben, legen wir ans Herz, an die Erwerbslosen zu denken. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.