Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 22 (25.9.1932)
- Date
- 1932-09-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Auflage 8000 Stück DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMErl N DE-ZU I t| D7\Cm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT UlairX«IV7 DER GEMEINDEVERWALTUNG» hrlftlaltung: Gemelnderabblnor Gustav Cohn, Leipzig, I ShrstraOe 10 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet. Nummer 22 / Jahrgang 8 26. September 1932 Anzelgenanmh ms: Verlag Ernst Goldfreund, Leipzig 0 5, Cichorlusstraße 2a Fernsprecher Nr. 607 7t — Druck: Gebr. Junghanß, Leipzig 0 5 NEUJAHRSWUNSCH! In fehwerer Notzeit beginnen wir Juden das neue teligiöfe Jahr. Wie auf unferem Vaterlande, fo lallet der Druck auch auf den Mitgliedern unferer Gemeinde. Zahlreiche Familien fehen nicht ohne Zagen in die Zukunft. Noch immer hat jüdifche Frömmigkeit jeden Kleinmut überwunden und hat in vergangenen Zeiten, die oft noch viel Ichwerer und drückender waren als die unferen, jüdifche Gelchlechter ftark gemacht, alle Nöte mit feitet Seele zu überitehen. Aus aufrichtiger Gelinnung fprechen wir allen Mitgliedern unferer Gemeinde herzlichfte Glückwünlche für das neue Jahr aus. Möge in ihm jeder einzelne von der gleichen leelilchen Widerftandskraft erfüllt fein, die feit jeher die Stärke unferer Gemeinichaft gewefen ift. Laßt uns feft zufammenftehen, um nach unferen Kräften gemeinfame Not gemeinfam abzuwehren: Das treue Zufammenhalten wird das Vertrauen des einzelnen ftärken. Möge das neue Jahr auch den fo fehnlich erhofften Wiederaufftieg verwirklichen, zum Segen für das Vaterland wie auch für das gefamte Judentum und das Gedeihen unferer Gemeinde. Leipzig, den n. September 19.11 Der Vorftand der Üraelitilehen Religionsgemeinde zu Leipzig. >R. ELIAS AUERBACH, HAIFA-BERLIN: Eli und das Heiligtum von Siloh ZUM NEUJAHRSFESTE. Elias Auerbach, Wüste und gelobtes Land. Geschichte Israels von den Anfängen bis zum Tode Salomos. Mit 32 teils farbigen Bildern auf Tafeln, vielen Karten und Skizzen im Text. Berlin (Kurt Wolff Verlag) 1932. Soeben erscheint ein neues Geschichtswerk, das, wie schon der flüchtige Durchblick zeigt, als außerordentlich bedeutungsvoll bezeichnet werden muß. Wie wenig andere ist dieser Autor berufen, gerade über die jüdische Geschichte besonders der Periode zu sprechen, die sich im gelobten Lande" vollzogen hat. Hier spricht eine Gelehrtenpersönlichkeit, die eine souveräne Beherrschung der einschlägigen Forschung mit einer genauesten Kenntnis des Bodens, auf dem die älteste Geschichte der Juden sich abrollte, seiner Verhältnisse und vor allem seiner Menschen verbindet; Voraussetzungen, die, zumal eine künstlerische Erfassung und Darstellung des Stoffes auch einen rein ästhetischen Genuß bereitet, die Gewähr für ein ausgezeichnetes Werk bieten. Wir werden auf das Buch nochmals würdigend zurückkommen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages und des Verfassers sind wir in der Lage, einen Abschnitt aus dem Buche zu veröffentlichen, der gerade im Hinblick auf die Haphtara des Neujahrsfestes von besonderem Interesse ist. - Der Gottesname ist im folgenden durch J. wiedergegeben. Die Schriftleitung. Diu ersten Jahrzehnte "ach dem Eindringen der Israeliten in Kanaan waren neben den Kämpfen mit der Landesbevölkerung vor allem ausgefüllt von der allmählichen Anpassung an die neuen Lcbensbcdinguulen: Die Stämme, die bis dahin als Nomaden gelebt hatten, wurden Seßhaft und gingen zum Landbau über. Freilich haben wir uns die Israeliten bei ihrem Eintritt in Palästina ■loht mehr als reine Beduinen vorzustellen. Sowohl die Volksteile, die vorher in der Oase Kades gesessen hatten, wie diejenigen, die sich Ihnen im Ostjordanland anschlössen, hatten Gelegenheit gehabt, einen begrenzten Uetreide- und Fruchtanbau zu treiben. Zudem sind sie teilweise, besonders im Süden, in wenig abweichende Verhältnisse gekommen und hier wie im Ostjordanlaud nicht zur vollen Seßhaftigkeit übergegangen, sondern im wesentlichen Viehzüchter geblieben. Aber in grollen Teilen des Landes mußten sie doch einen grundlegenden Wechsel ihrer Lebensweise vornehmen. Das war nicht so leicht und einfach wie die Späteren, im seßhaften Leben schon verwurzelt, es sich vorstellten: ..... (Uott gibt dir) große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast. Häuser, gefüllt mit allem (Juten, die du nicht gefüllt hast, gehauene Zisternen, die du nicht ausgehaticn hast. Weinberge und Oclbüume. die du nicht gepflanzt hast: du wirst essen und satt werden." (Deut. 6. in bis 11.) Vielmehr verlangte auch das bäuerliche Leben harte Arbeil und Anspannung aller Kräfte, und vor allem verlangte es Lehrmeister, die die Israeliten in die Kunst der Bodennutzung einführten. Diese fanden sie in der kanaanäischeu Bevölkerung, die überall, auch da, wo die Israeliten rasch die politische Herrschaft errangen, als Unterworfene weiter unter ihnen lebte. Wie in aller Welt unter gleichen Verhältnissen, entwickelte sich auch hier bald ein friedliches Nebeneinander, bei dem die Kanaauäcr in den Gebieten dichter israelitischer Siedlung allmählich aufgesogen wurden, während die Israeliten die Wertigkeiten. Gewohnheiten und Anschauungen der Besiegten übernahmen. Gleichzeitig aber befestigten die Israeliten durch ihren Uehergang zur Seßhaftigkeit auch ihre eigene Position im Lande. Kitt Symbol hierfür ist die schon erwähnte Errichtung eines .I.-Heiligtums in der noch von Kanaanäeru bewohnten, aber bald abhängig gewordenen Stadt Qibeon. Cuius regio ejus religio („wer Herr des Gebietes ist, bestimmt dessen Religion"), das galt zu diesen Zeiten, in denen die Religion noch die Zusammenfassung aller kulturellen Kräfte war. noch weit mehr als später. Während man aber diese Heiligtumsgründung als Ausübung eines Hoheitsaktes, als Israelitlsierutlg der kanaanäischeu IJuma von Qibeon, ansprechen kann, ist die klare Kennzeichnung unbestrittener israelitischer Herrschaft im Kerulaiid Palästinas die Begründung eines rein israelitischen Heiligtums in Siloh. im Zentrum des Gebirges Ephraim. Der Tempel von Siloh war ein Jahrhundert lang ein Zentralheiligtum, zu dem von weither regelmäßige Wallfahrten veranstaltet wurden (I. Sam. 1, 3, 7; 2, 19); er hat darüber hinaus eine hohe geschichtliche und über seine Zerstörung hinaus fortwirkende kultur- Geineindebiatt erscheint Im Freitag. zweimal, am Freitag« dem 7. und \.K