Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 11 (11.3.1932)
- Date
- 1932-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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- ■>. oo. DJDLi \ Poslauflage dieser Nummer: 4490 SlUcR. UPS. ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU tIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Dm tJrmcIndeblatt erscheint |eden Freitag und wird den Mitgliedern der Rrllglonsgrmrindc unentgeltlich irih die Post zugestellt - Schrlftleltung: »clnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, Löh rat ratio 10 NUMMER 11 / JAHRGANG 8 FREITAG 11.MARZ10I2 Anzeigt nVerwaltung und Drink : Budldrudtcrel August Pries. Leipzig, BrOderatr. 59 - l'ernrui 70006 - Postsdicck Leipzig 53020 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassen gestattet Messeerlebnisse jüdischer Kaufleute in Leipzig Historische Studie von Amt» Kupp. Lelpiig. Nachdruck istnicht gcHtuttct! I. It'll •.III ■ eingehender min sich mit dem Studium der in den Archiven der Messestädte autbewahrten handschriftlichen Quellen befallt, desto klarer wird sich ein wahres Bild schaffen lassen von derlieschichte luden in Deutschland. Der Vorwurf aber, den der politische -schriftsteiler und sehr oft auch der Historiker vom Fach der Ischen Judemchaft macht, als habe diese vom ersten Tage ihres ulTs in die Wirtschaftsgeschichte Deutschlands und anderer euron her Staaten von einer Uehervorteilung ihrer christlichen QlaU- •enossen gelebt, die sehr oft auch tlie (irenzen des Krlaubten rschritten habe, dieser Vorwurf kann heute nicht mehr aufrecht Ken werden. Das Gegenteil ist der Fall. S e Ii r o f t benutzten i'innaüchtlge christliche K a u f 1 e u t e mit den iseeinrichtungen noch wenig vertraute J u d e n 'ie trägt* riachen Manipulationen. rügt* Behauptungen lassen sieh nach gründlichen Quellenstudien leicht beweisen. Die Archive der deutschen Messestädte, wie ischweig, Naumburg. Frankfurt a. d. (). und Frankfurt a. M. legen II Zeugnla ab. Für Leipzig, das von jeher der wichtigste Sanimelt jüdischer MeUfahrer gewesen ist, soll diese Behauptung durch stehende Kpisoden, die sich zu Dutzenden beliebig vermehren ii. bewiesen werden (1). — Hamburger Kaufmann Franz Schwarmstädt hatte l!M holsteini- Taler, die in Kursachsen als Zahlungsmittel verboten waren, zur messe tles Jahres 1007 mit nach Leipzig gebracht, um sie hier im 'I des Metageschäfts mit an den Mann zu bringen. In dem Leip- Kaufmanu Johann Urban Dürich, bei dem der Hamburger ite. fand Schwarmstädt einen willigen Helfer, die verbotene se in Ilmlauf zu bringen. Als Opfer hatten sich beide den l'rager i Moses Jitachin erkoren, der erst einige Male die Leipziger besucht hatte und mit den kursächsischeu (iesetzen noch wenig raul war. Kr war auf die Messe gekommen, um Strümpfe, Ilain- •r. Apohlaer, Delitzscher und Weimansche Waren gegen gute '<■ eiuzuhantleln. (ileichzeitig aber wollte er seine aus Böhmen uif tlie Messe gebrachten Textilien, weilie, baumwollene Köcke. iiifen. -einem Kumlgnng durch die Statll trifft Jetachill den Leipziger mann Dürich, der ihn hat. ihm einen Teil der holsteinischen i gegen sächsische Münze einzuwechseln. Als .letschin zögerte, i erst einige dabeistehende Bürger fragte, „ob ihm das Kinwechnieht Gefahr bringen könnte", sagt Dürich in liegen wart der •■reu: '!<■. Du bist ein Narr! Was wird l)ir*s vor (iefahr bringen? Du iSl ja, wie ich andern mehr davon zahle!" Handel wird abgeschlossen, und .letschin erhält für 100 Taler Achaiacher Münzen die entsprechende Summe in Holsteiner Talern. 1 ■ttdtiaeher ..Auf|>asser" aber hatte den Vorgang beobachtet und ' dem Kate hinterbracht. Dieser liil.it .litschin aufheben und beall ihn noch am gleichen Tage, weil er „Wechselgeschäfte" gemacht, h minderwertige (ieldsorten nach Sachsen eingeführt habe, mit 300 Talern. Und da der .lüde diese Summe nicht sofort beschaffen konnte, behielt ihn der Hat in Haft. Kineo Tag später aber hinterlegen die auf tler Messe anwesenden (ilaubensgeiiossen Abraham Aaron, Löbel Karpel, Jakob Jerusalem. Lazarus Wiener, Löbel Wühlo und Moses Marcus Karpel die verlangte Kaution, worauf tler Hat •litschin frei gibt. In einer umfassenden Verteidigungsschrift sagt mit Recht Jitachini Anwalt, Dr. Gottfried Harth, dafl sein Klient nicht dafür bestraft werden könne. „was ihm ein Leipziger Hürger selbst in Leipzig öffentlich auf öffentlichem Marckte zu thun augerathen." auch habe sein Klient ja kein schlechtes (leid eingeführt, sondern er habe es auf Hilten tler christlichen Kaufleute nur umgewechselt. Trotz tlieser sachlichen Verteidigungsgründe belegte der Leipziger Schöppenstuhl .litschin mit einer sofort zu entrichtenden Geldbuße von 50 Talern. Schwarmstädt erhielt 100 und sein Helfer Dürich 90 Taler Strafe, die auf dem Gnadenwege dann noch auf <iO und 24 Taler ermäUigt wurden. Am 7. Juli HiS)7 schreibt .litschin (2) daher mit gutem Rechte au den Hat, „dass er ganz unschuldiger Weise in tlie Sache verwickelt worden sey, da er als fremlider Jude von solch schärften CburfstL Verbothe nichts gewusst habe, vielmehr von Schwarmstädt und Urban Dührigen, als ob es keine (iefahr hätte, versichert worden. ... Also bitte er unterthänigst. Kw. Magnif. ... wollen mir diessfalss Bnrinhetzigkeit erzeigen ..." Der Hat aber zog es vor, tiiese Hingabe unbeantwortet zu lassen. — II. Am ersten Maitage des Jahres 1006 herrschte vor dem Hallitchen Tore der kursächsischen MeUstadt Leipzig reges Lehen. Soeben war es dein Torwächter gelungen, ein .ludengeschirr mit Heschlag belegen zu können, daü versucht hatte. NO 000 Stücke gemünztes Silber aus tler Stadt zu schaffen. Das Geld gehörte dem Hofjuden Bernd Lehmann, und die Torwächter vergegenwärtigten sich schon tlie klingende Belohnung für den glücklichen Fang. Im Triumpfzuge brachten sie die wertvolle Ladung auf das Kathaus. Hemd Lehmann, der in Dresden weilte, eilte auf tlie böse Kunde hin sofort nach Leipzig. Am (>. Mai erscheint er vor dem Hat. der ihm mitteilt, da 1.1 in seiner Sache vorderhand wenig getan werden könne, denn die (leider müUten erst — sortiert werden. Lehmann gibt zur Antwort, daü er infolge der Messe Starke Auszahlungen habe Das beschlagnahmte (ield sei ihm von seinein (ilaubensgeiiossen Isaak Wulff von llalberstadt offeriert worden. Ks seien alles Silbermüiizeu in alten und neuen Sorten, die er in der kurfürstlichen Münze habe zu Geld machen wollen. Dieselbe aber habe einen Erwerb tler Münzen abgelehnt wegen „des von ihm geforderten zu hohen Preises". LellltV>nD leg! die Sache in tlie Hände Hemd Wulffs, welcher den Hat bittet, die Sortierung der Münzen einstweilen aussetzen zu wollen, da nach seinem Dafürhalten „auch etliche Leute mit der Sortierung in vier Tagen noch nicht fertig würden". Kr schlägt daher dem Rate vor. dafl „ihm vergönnt werden möge, aus etlichen Säcken unterschiedliche