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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-02-26 · 9 (26.2.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
9 (26.2.1932)
Date
1932-02-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite I GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG N um im i als Barmizwa-Geschenke bei M.W. Kaufmann, Brühl 8 Jüdische Verbände und Gemeinden Frankfurter Tagung dei Verbandes der jüdischen Judendvereiiic Deutsehlaads. Am 14. Februar fand in Krankfurt a. M. anstelle der Reichsdelegiertentagung eine öffentliche Vorstandssitzung statt. Die vielstUndige Aussprache ergab, dafl die Vorstandsmitglieder des Verbandes und il«vr «lein Verband angeschlossene Hund .lüdischer Pfadfinder «1 i * - Arbeit auch weiterhin auf gesamtjttdischer Basis durcbtübren werden. Ks wurde festgestellt, daß sich bei der gegenwärtigen Situation der Jugend eine Auseinandersetzung mit dem Fragenkomplex Judentum und Kommunismus (Oeserd!) künftig nicht umgehen lassen wird. — Die soziale Arbeit, die nach noch festzulegenden Gesichtspunkten umgestaltet wird, bleibt ein wichtiges Aufgabengebiet des Verbandes. Unter Berücksichtigung dieser Arbeitsgebiete wird es das Ziel des Verbandes sein, der Arbeit einen einheitlichen Rhythmus und den Menschen eine eigene Haltung zu verleihen. Insbesondere wird die Arbeit in den Kleinvereinen, die nach Möglichkeit mit Hilfe anderer jüdischer Organisationen durchgeführt werden soll, eine weitere Vertiefung erfahren. — Oer vorgelegte Etat, welcher Einsparungen bis zu :t(l Prozent enthielt, wurde angenommen. Uni die Arbeit der Kleinvereine zu erleichtern, sind die Beiträge um 25 Prozent herabgesetzt worden. Der neu gewählten Verbandsleitung gehören an: Rechtsanwall Dr. Walter Einstein. Stuttgart, Rabbiner Dr. Alfred Philipp, Elberfeld. Artur Herrmanns, Düsseldorf und Dr. Gustav Löffler. Krankfurt a. M. in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Beirates. (ITA.) Sächsische Gemeinden ChemaitS. Am 'J. Februar schied Herr Georg Mecklenburg aus dem Leben. •>:! Jahre alt. Ein Mann, der sich außerordentliche Verdienste um unsere Gemeinde erworben hal. Aus einer angesehenen Familie in Königsberg stammend, betrieh er nach längerem Studium seit 1895 eine grofie Kärberei in Oberlungwitz, die zeitweise über 200 Arbeiter beschäftigte. Von Anfang an widmete er sich der Gemeinde und vielen jüdischen Institutionen, 1!K21 bis 1927 war er Vorsitzender des Gemeindevorstandes. Vor dem Kriege hatte er eine Stiftung von 10(KK) M gemacht. Besonderes Interesse widmete er dein .lugeiidverein und der Saxonia-Loge; so stammte auch die Initiative zu der jüdischen Kunstausstellung in derselben von ihm. Ebenso wurden ihm in der Gemeinde alle künstlerischen Arbeiten anvertraut, da- Gefallenen-Denkmal, der Umbau der Friedhofshalle und der kleinen Synagoge usw. Besonderes Verdienst erwarb er sich bei Ausbruch des Krieges durch seine hingebungsvolle Arbeit für die zwangsweise hierher verschlagenen, größtenteils blutarmen Ostjuden, denen er später auch zu einer schönen Synagoge verhalt. Ueberall arbeitete er mit Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit bis in die kleinsten Einzelheiten selber mit. Von größeren Schöpfungen für die Gemeinde sind noch zu nennen der Ausbau des Gemeindeamts und die Gründung der Jüdischen Wohlfahrtszentrale. — lieber Chemnitz hinaus war die ..Richtung Mecklenburg" bekannt als die konsequenteste Vertretung des CV-Standpunktes. den er im CV selbst und in di r Vereinigung für das liberale Judentum, in deren Hauptvorstand er war. in Wort und Schrift durchführte. Die temperamentvolle Veri nund-mazze-Giitscheme! Oei schweren wirtschaftlichen Laqe Rechnung tragend, habe ich. um dem jüdischen?ublikum von Leipzia den Einkauf von Pessachwaren möalichst leicht zu gestalten, fo'gende Einrichtung getroffen: Ich gebe ab heute 1 Pfund-Hane- Cutscheine im Werte von RM 0.50 aus. Diese Gutscheine sind bei mir für nur RM 0.47 erhältlich, so d»Q jeder Kaufer eines solchen Gutscheines 6*/. als Vergütung für die im voraus bezahlten Gutscheine erhalt. Diese Gutscheine nehme ich auch bei Einkauf anderer Pessachwaren zum vollen Wert in Zahlung. Hochachtungsvoll Tel. 29541 E. Diamant, Leipzig C1 Nordstr.n Größtes Spezialgeschäft für "iz»s Waren am Platze Bestellungen werden frei Haus geliefert tretung seines Standpunktes erweckte ihm viele Gegner, und jali r>| lang stand er im Mittelpunkt des Interesses innerhalb und auliri halb der Gemeinde. Aber auch seine erbittertsten Gegner mfise nl zugestehen, dafl er stets nur für die von ihm vertretene Sache seil t j los mit ehrlichen Mitteln und selbst erarbeiteten geistigen YV'afl kämpfte. Die Erhaltung der Ehre des Judentums und der Errangt nschatten der Emanzipation in der deutschen Judenheit war sein hohl Ziel, das er auch in den nichtjüdischen Berufsorganisationen V( r folgte, in deren Vorstand er war. Eine gerechte Geschichtshetrachtti ig der Zukunft wird ihm das Prädikat eines guten und hervorragend n Juden unserer Zeit nicht vorenthalten! Unsere Gemeinde Israelitischer Wohltätigkeitsverein zu Leipzig. Abt. Solbadkolonie Dürrenberg (Alfons-.lacobson-Kinderheint). Das Kinderheim wird Anfang Mai eröffnet. Anmeldungen für sän I liehe Kolonien werden entgegengenommen: Dienstag, den S. März Dienstag, den 15. März Donnerstag, den 17. Mörz vormittags von 10 bis 12 Uhr im Gemeindeamt, LOhrstr. 10, pari Spätere Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Origruppe Leipzig. In einer am Dienstag, den 16. Februar lOIVJ statt gefundenen überfüllten, öffentlichen Gemeindeversammlung iprarl der bekannte Berliner Anwalt Dr. Bruno Weil über das Thema „Boulanger, Panama, Dreyfus — Die grollen Krisen der französi sehen Bepublik". Der Redner brachte in zeitlicher Reihenfolge ein Darstellung der Fälle Boulanger. Panama-Skandal und Fall Dreyfu- In allen drei Fällen ist Frankreich der großen Volksbewegung, di< sich an jeden der drei Namen geknüpft hat, Herr geworden. D Spuren der gewaltigen Beben sind auch, obwohl sich die ungeheuri Erlebnisse des Krieges dazwischengelegt haben, im Aufbau des frar zösischen Staates und in der geistigen Verfassung der französisch! tiepublikaner heute noch zu finden. Darüber hinaus hat sieh jee der drei Affären zu einem grundsätzlichen Kampf der Meinung? über die dauernden Prinzipien jeder wahren Demokratie entwicke In einer Zeit, in welcher für die Gegenwart gekämpft werden mu wendet sich der Blick oft und gern in die Vergangenheit, und Vi gleiche drängen sich auf. Der Name Boulanger hatte weit Ober d französischen Grenzen hinaus in der Weltgeschichte eine seltei Popularität. In dem Auf- und Niedergang der an seinen Nanu geknüpften nationalen Bewegung treten Züge hervor, die politiscl Allgemeinbedeutung haben, und die sich unter gleichen und äh liehen Vorzeichen auch bei anderen Völkern finden. Vieles aus d< Boulanger-Zeit drängt geradezu Vergleiche mit den politischen Ve hältnisseu des heutigen Deutschland auf. wenn auch die uationa Bewegung 1HM7 in Frankreich in einer wirtschaftlich autlerordentlii günstigen Periode aufkam, während die jetzige in Deutschland dun die schlechte Wirtschaftslage einen besonders günstigen Nährhodi gefunden hat. Die Ausführungen über den Panama-Skandal, der durch eu französische Zeitung in antisemitisches Fahrwasser zu bring' versucht wurde, und nicht zuletzt über die Drcyfus-Affüre zeigtt wie Frankreich auch mit der nationalen Bewegung fertig geword ist, die in Judenhafi überzuleiten suchte. Die aufrechten, von Gerat tigkeitswilleu geleiteten Republikaner hallen sich zur rechten Zi zu wehren gewußt. W. Dr. Nathan Birnbaum in Leipzig. Dr. Nathan Birnbaum, Berlin, d grolle Denker und Schöpfer der agudistischen Aulinibewegung, d durch die Reichhaltigkeit seiner Ideen alt und jung immer von ueut zu fesseln versteht, wird nächste Woche zwei populäre Vorträge Leipzig halten. Dienstag, den 1. März, in der Frauengruppe d Agudas Jisroel und Mittwoch, den 2. März, in der Ortsgruppe. Bei Vorträge linden in der Höheren Israelitischen Schule, abends u N.IM) Uhr statt. Das Thema in der Ortsgruppe lautet kurz „Aktiv mus*4. Es handelt sich um die neue Bewegung innerhalb der Agud Jisroel, welche von den Agudisten in Zürich ihren Ausgangspunkt nimmt und grollen Anklang findet. Wir bitten um zahlreiches I scheinen und hoffen besonders, daß alle Freunde der Agudas .lisro die auf den letzten Versammlungen die Bildung einer Ortsgrui sehr warin begrülit haben, zu diesem Vortrage sich alle einfind werden.

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