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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-02-26 · 9 (26.2.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
9 (26.2.1932)
Date
1932-02-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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f BIBL. Post Auflage «Hefter Nummer: 4SOS Sliic$<. \ j \ emeinö eblatt ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU III D7|fL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT las. 11 mI Vder Gemeindeverwaltung* Di« (Jemelndeblatt erscheint Irden Freitag und wird Mitgliedern der Kellglonagcmclnde unentgeltlich lunh die Pott zugestellt - Schriftleitung: .....imlerabblner Gustav Cohn, Leipzig, LohratraAe 10 NUMMER O i JAHRGANG 8 FREITAG 26* FEBRUAR 1012 Anzelgrnverwallung und Druck: Budidruciirrri August Pries, Leipzig, Brüilerelr. 59 - lVimul 70006 - Postscheck Leipzig 53920 - Nachdruck nur mll Quellenangabe und mit Genehmigung de« Verfassen gestattet Die soziale Sendung der Gemeinde ii Rahmen eines Gemeindeabends, wie sie seit kurzer Zeit von der Bdischen Gemeinde in Berlin veranstaltet werden, sprach Herr runo W oyd a, Mitglied der Repräsentanten Versammlung der Jüdi- •li"ii Gemeinde Berlin und des Rates des Preußischen Landesverindea, über „die soziale Sendung der Gemeinde", runo Woyda charakterisierte die Krise dieser Zeit als die innere rise des Menschen. Nicht die göttliche Weltordnung, sondern das ußere Welträderwerk, ist in Unordnung geraten. Darum keinen ii l r u c h 11) a r e u I* e s s i in i s in u s! Es gilt heute, dein äußeren ie dem inneren Menschen zu helfen. Mehr als bisher muß die Gei. inde über ihre Pflicht gegenüber dem Kultus hinaus auf soziale gl Binnen. Die jüdische Bevölkerung in Deutschland leidet mit dem -Hinten deutschen Volke unter der furchtbaren Wirtschaftskrise. I et gibt dabei ein zusätzliches jüdisches Leid, dessen Ursachen KU und geistig sind, und dessen Wurzeln in die Vergangenheit chen, in die Zeiten historischen Unrechts, da die Juden künstlich stimmte Berufe gezwängt wurden. In der Land Wirtschaft sind der allgemeinen Bevölkerung, aber nur l,n>0/o .luden, in Indu- und Handwerk 3ü"/o der allgemeinen Bevölkerung und 21*/« der ii n tätig. Im Handel dagegen ist ungefähr die Hälfte der jüdin Bevölkerung engagiert, während die allgemeine Bevölkernug ihm mit nur 18*/a beteiligt ist. Selbständige zählt man unter der n'inen Bevölkerung 18°/o, unter den .luden 48°/o; Angestellte I der allgemeinen Bevölkerung 17°'o, unter den .luden 84*/*; Aril r unter der allgemeinen Bevölkerung 47°/o, unter den .luden W%. auch im Handel gibt es eine Zusammenballung in bestimmte <•; t. B. sind die .luden am Texiiihandel mit 00—70°'o beteiligt. Kerufsstruktur schafft eben das zusätzliche jüdische Leid. Iieginnt die Aufgabe der Jüdischen Gemeinde und der Organi- ' inen. Das Judentum ist keine Religion der Lebensferne, es ist Heilder Ceist. Die jüdische R e 1 i g i o n s g e m e i n d e in d a s s o z i a 1 e Leben ihrer Mitglieder eingrei- ■ Die Gemeinde kann aber nur ergänzende Fürsorge lein. Die Altersschichtung der Bevölkerung ist bei den Juden ungüna!s in anderen Gemeinschaften gestaltet, so dafi die Gemeinde lieser Seite stark belastet wird. Die Jüdische Gemeinde in Berlin : I ihre vorbildliche religiös-soziale Tradition fort und I nebt sogar in dieser schweren Zeit, ihr Wohlfahrtswerk noch auslief!. Sie hat es für ihre Ehrenpflicht gehalten, ungeachtet der listigen radikalen Budgetkürzungen das Wohlfahrtshudget in Höhe I Millionen Maik unverändert zu lassen. Der Redner schilderte ' allgemeine Fürsorge und die Jugendfürsorge der Gemeinde, die rbeit in den Bezirken usw. und wies auf die Notwendigkeit eines '••iininenschlusses aller jüdischen Fürsorgeorganisationen unter dem Otektorat der Gemeinde hin, damit kein Nebeneinander, sondern ein einander besteht. Soziale Arbeit ist Aufgabe am Men- II e n. i Rannten eines Vortrages machte der Redner Mitteilung von einer genwflrtig im Entstehen begriffenen Arbeitsgemeinschaft >r führenden jüdiscnen Organisationen in Deutschid, deren Ziel es sein soll, die deutschen Juden bei ihrem Ringen um eine wirtschaftliche Existenz durch praktische Maßnahmen, wie Arbeitsbeschaffung und Berufsberatung, Krediterleichterung usw. zu unterstützen und dem Wirtschaftsboykott entgegenzuwirken. Dieser Zusammenschluß der führenden jüdischen Organisationen Deutschlands ist inzwischen Tatsache geworden. Auf Einladung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden traten unter dem Vorsitz von Dipl.-Ing. Bruno Woyda Vertreter der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise, des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der Großloge für Deutschland U.O.B.lt. und ihres Schwesternverbandes, der „ORT"-Gesellschaft, des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände und des Jüdischen Frauenbundes zusammen, um die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftsfragen der Juden in Deutschland vorzunehmen. Damit ist die berufene Stelle geschaffen worden, die unter Ueberbrückung aller innerjUdischen Gegensitze und Vermeidung eines unproduktiven Nebeneinanderwirkens der verschiedenen Organisationen die vorhandenen Kräfte zusammenfaßt, um die Wirtschaftsnot unter den deutschen Juden durch sofortige praktische Maßnahmen und planvolle Gestaltung der künftigen Berufsschichtung der Juden zu lindern. Der Arbeitsgemeinschaft gehören als fachmännische Berater Staatssekretär Prof. Dr. Hirsch, Dr. Alfred Marcus, Dr. Kurl Zielenziger. Dr. Jakob Segall, Fritz Naphtali, Lestschinsky und Adler-Rudel au. Für die beteiligten Organisationen waren erschienen: Dr. Kreuzberger, Syndikus Dr. Berlak, Dr. Siegfried Moses. Dir. Gerson Bach. Dr. Frieda Sichel-Gotthelft, Prof. Frankfurt, Wilhelm Graetz. Max Silberberg, Dr. Ludwig Tielz. Prof. Frieda Wunderlich. Angesichts der kritischen wirtschaftlichen und politischen Situation, die schnellstes Handeln notwendig macht, wurde sofort in die Beratung des vorliegenden Arbeitsprogramms eingetreten. Als erste Aufgabe soll eine ständige Fühlungnahme mit geeigneten jüdischen Vertretern der verschiedenen Wirtschaftszweige (Großhandel. Einzelhandel, Industrie, Bankwesen, Handwerk usw.) hergestellt werden, um die besonderen Berufsaussichten für Juden in den einzelnen Brau chen genau verfolgen zu können. Hierbei sollen nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Arbeitnehmer herangezogen werden. Prof. Hirsch. Dr. Marcus und Dr. Zielenziger übernehmen es, innerhalb von 14 Tagen einen genauen Plan sowohl für die Auswahl der Wirtschaflsvertreter als auch für die ihnen vorzulegenden Fragen auszuarbeiten, der dann unverzüglich durchgeführt werden soii. Als zweiter Punkt gelangt die Frage des Ausbaues des jüdischen Arbeitsnachweiswesens durch Erfassung aller irgend in Betracht kommenden Orte zur Beratung. Es wird die Notwendigkeit planmäßige:' Arbeitsbeschaffung neben der reinen Stellenvermittlung betont und die Nutzbarmachung der vorhandenen Ortsgruppen zentraler jüdischer Organisationen hierfür angeregt. Auch für diese Aufgabe soll schnellstem ein genauer Aktionsplan vorgelegt werden, dessen Ausarbeitung einer Kommission unter Leitung von Dr. Kreuzberger und Dr. Segall

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