Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 8 (19.2.1932)
- Date
- 1932-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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2.?>Z Poslauflage dieser Nummer: 4500 Stück. ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEIN DE- ZU EIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! 3 im (iemrlndrblatt endielnt leden Freitag und wird den Mitgliedern der Kellglonsgemelnde unentgeltlich durdi die Pmt sugeatellt - Schrlftleltung: ..•mi-lndrruhblner Gustav Cohn, Leipzig, Lohrttraße 10 NUMMER 8 / JÄHRGANG 8 FREITAG lO. FEBRUAR 10i2 Anzclgenverwaltung und Drude: Buchdruckerel August Pries. Leipzig, BrOderatr. 59 - Fernruf 70006 - Poatschcik Leipzig SSO SO - Nachdruck nur mit Quellenr angäbe und mit Genehmigung de« Verlassera gestattet [ }er Rödelheimer Siddur. Zum hundertsten Todestag von Wolf \ Icidenhcim VLfi nler den »ahlreichen Gedenktagen an traurige und freudige Freignisse. «Iiiim Jahn' UKW liurcli einen historischen Rückblick /.u feiern sind, steht mit an erster Stelle für den Juden, Widers den deutschen •luden, der Todestag von Wolf Heidenheini ■:t. Februar. rhältnisntlfiig wenig ist von der Wirksamkeit Heidenheims weitci Kreisen bekannt geworden, wenn auch der Name lleideiiheim ll vielen Juden seil der frühsten Jugend geläufig ist. seitdem das lühte Interesse des mit dem Qebetbuch tätlich vertrauter werden- Kindes seine Aufmerksamkeit oft auch auf den eigenartigen ipel und die faksimilierte Unterschrift auf dem Titelblatt eines delheimer Gebetbuches lenkte. Der Stempel ist ein in lateinischer ivachrifl geschriebenes WH in ovaler Umrahmung, die in lischer Kursivschrift die Unterschrift Wolf brn horair (Sohn des ■ii) SchimKclitm (daneben die zu Khren eines Toten übliche Ii {tische Abkürzung) iiek Heidenktim (des Heidenheimer Mannes) It. Der gleiehe hebräische Namenszug ist auch quer über die geschrieben. Wieviel Leid und Kränkung hat die Veranlassung den beiden eben näher beschriebenen Kennzeichen der in Hödeli gedruckten Heidenheimer Gebetbücher gegeben, aber Leid und ikung, die eben durch die Wirksamkeit von lleideiiheim veranworden waren. Denn wäre sein Werk nicht in der damaligen um 1H00. etwas besonders Auffälliges gewesen, dann wären auch t die Neider aufgestanden, die. wie z. IL Anton Schmidt in Wien. . dieses Werk streitig machen wollten, indem sie es einfach ohne Illing seines Namens vervielfältigten und auch vor dem über den druck ausgesprochenen Hann der Hanauer und Frankfurter l.ab- ' nicht zurückschreckten, welches war das grofie Verdienst dieses Mannes? Schon früh inte er, nachdem er aus seiner Heimat in Heidenheiin nach Ii gezogen war. um sich dem Studium des Jüdischen in erhöhtem - widmen zu können, da 1.1 es als dringende Aufgabe zugunsten elien einsetzenden Kmanzipationshestrehungen anzusehen war. im Laufe der Zeit eingerissenen Verwahrlosung sowohl in der sehen als auch der hebräischen Sprache Hinhält zu gebieten, ar die Zeit, da auch Mendelssohn sich für eine erhöhte Bildung er Glaubensgenossen einsetzte, oft dafür angefeindet, oft aber h, indem er dadurch neue Freunde für sich gewann. Zu diesen Eulgem gehörte auch Heidenheim so sehr, daü er sich darüber seinem Lehrer Steinhardt in Fürth entzweite und sich dadurch nlalJt sah, nach Frankfurt überzusiedeln, wo er sich voll und zugunsten einer Reinigung der hebräischen und deutschen sehe im Kreise seiner Glaubensgenossen einsetzte. Durch Verleb mit den älteren Ausgaben der Gebetbücher versuchte er in ii in seiner Druckerei in Rödelheim herausgegebenen Büchern den •^1 wieder sinngeniäLS und grammatikalisch richtig zu gestalten. leico aller verbesserte er auch die vorliegenden verunstalteten Versetzungen. Im Vorwort des im Jahre 1800 bei Heidenheiin und 'schwitz gedruckten I'essarhmachsors heiUt es „es wurde zu allen iten oft und auf mancherlei Art neu aufgelegt, aber eben dies 's, was es so sehr verunstaltet hat: alle Fehler der ersten Edition sind in der nachfolgenden mitaufgenommen und noch mit eint r Menge neuer angehäuft worden, so dal.l man mit Hecht behaupten kann. dal.l in den jetzt vorhandenen Machsorim selten eine einzige fehlerfreie Reihe anzutreffen sei". Und weiter unten heil.it es dann: ..Was aber unsere Machsorim bisher am meisten verunstaltet hat. war die alte deutsche Uebersetzung. diese hat das Machsor seines Glanzes und seiner Würde vollends beraubt: sie ist nicht nur alldeutsch, verworren und unverständlich, sondern auch sehr oft widersinnig und nicht selten sagt sie gerade das Kntgegengesetzte von wollte oder sollte." Der letzte Absatz „hei dieser Herausgabe hat man sich Fehler mit aller verfügbaren Kraft zu dem, was sie eigentlich sagen des Vorwortes betont dann: beeifert, alle oben erwähnten verbessern." Heidenheiin wurde in seiner ausdehnenden Freundeskreise arbelter, der ihm sowohl zuteil werden lief), war Arbeit von einem sich immer mehr unterstützt. Einer seiner regsten Mitmaterielle als auch wissenschaftliche Hilfe Wolf Breidenbach. Von ihm hat er die notwendige finanzielle Unterstützung erhalten, um mit Baruch Haschwitz eine Druckerei eröffnen zu können. Zugleich aber lieferte Breidenbach zu einzelnen Abschnitten im Machsor manche von ihm gefertigte Uebersetzung, bei deren Abdruck er allerdings wegen seiner Bescheidenheit jeweils auf Wunsch ungenannt bleibt und daher nur als der verehrungswürdige Freund bezeichnet wird. Auch eine Reihe von Erkllrungen zu schwierigen Stellen erhielt Heidenheiin aus seinem Freundeskreis, der sich in Frankfurt rasch um den sehr beliebten Mann gebildet hatte. Die RMelheimer Gebetbücher haben den Namen dieses jetzt zu Frankfurt eingemeindeten Vorortes weit in die Welt hinausgetragen. Außerhalb Rödelheims, wo einst die von Heidenheiin gegründete Druckerei stand, abseits von der nach Eschborn führenden Landstrafte, liegt der Friedhof, auf dem die Gebeine des Mannes ruhen, der als T.'ijähriger 1KW verschieden ist. Noch zu seinen Lebzeiten hatte lleideiiheim den nachmaligen alleinigen Inhaber Israel Lehrberger in seine Finna aufgenommen. Auch Lehrberger ruht drauben auf dein abseits gelegenen Hödelheimer Friedhof, der nur wenigen bekannt ist. der aber trotz seines geringen Umfanges manchen bekannten Namen birgt. Der Friedhof umfallt noch nicht einmal hundert Grabsteine, alle von größter Einfachheit aus rotem Sandstein mit Ausnahme des ISiW erneuerten in Syenit ausgeführten Steines zum Andenken an Heidenheiin. Die sichtbaren Steine, die allerdings zum Teil auch von Gestrüpp überwuchert sind, stammen alle aus dem vorigen Jahrhundert, die ältesten aus dem ersten Jahrzehnt des 10. Jahrhunderts. Nach Hartinann. dem guten Kenner von Rödelheim und seiner Geschichte sollen bereits im 18. Jahrhundert hier Bestattungen vorgenommen worden sein. Die ältesten sichtbaren Steine Regen am oberen Hand des Friedhofes, der hier au ein Feld grenzt. Die meisten Bestattungen haben jedoch in der in der Tiefe gelegenen Mulde stattgefunden, in der auch neben den bereits erwähnten bekannten Frankfurter Familiennamen der Name Heideuhelms und seiner Gattin zu finden sind. Ida Pos e n, Frankfurt a. M.