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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-02-12 · 7 (12.2.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
7 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINÜEBLATi DER ISRAELITISCHEN RELlülONSGE.MElNDE ZU LEIPZIG Nummit 9 Jüdische Verbände und Gemeinden Zum :iiijiilirigrii Bestehra dei Keren Kajemeth Lcjisrael. Einem Aul- >aiz von Oberregierungsrat Marcus, Dflaseldorf, entnehmen wir folgende Ausführungen: Religiöse, politische und soziale Prinzipien waren es, die die Schöpfer der modernen Palästina bewegung inspirierten, als sie vur drei Desennien daran gingen, das Instrument der jttdiachen BodenpoliUk in Palästina, den he reu K a j e in e t h Lejjsrael tu schaffen; Die Institution soll ein Volksschatz werden, gesammelt durch stelige Beitrage von arm und reich; der Fonds soll immer in der Verfügungsgewalt des Volkes und seiner Mandatare bleiben; er soll so angewendet werden, daß sein Werk nicht bloß einzelnen, sondern dem Ganzen zugutekommt. Deshalb der Name „National-Fonds", deshalb seine Bestimmung, daß aus seinen Mitteln Kode ii in Gemeineigentum des jüdischen Volkes er wo r be n werden soii. als e wlger. unveräußerlicher besitz. Ks i>t interessant, die verschiedenen Aktionen, die seither teste Einrichtungen geworden sind. Revue passieren zu lassen. Mit primitiven M a r k e n . die für die kleinste Münze eines jeden Landes abgegeben wurden, ling der Fonds der Pfennige vor .10 Jahren an. Die Pinnnzidee war, jede» Jahr so viele Pfennige zusnmmenzubckoiiimeu, als Briefe von Juden geschrieben werden. Eiu Goldeues Buch — eine Chronik aller, die bei der „Erlösung des Bodens" mitwirken, die eine besondere Ehrung verdienen, deren Gedächtnis aufbewahrt werden -oll — wurde bald eingeführt. Die Baumapende mit einem festen Beitrag zur Anpflanzung von Bäumen wurde angegliedert. Am imposantesten alier ist wohl der Aufbau jener Organisation, die heute den größten Kreis der Palastina-Freunde darstellt: Die bluuweiUe Sammelbüchse wurde in last Ö00000 jüdischen Häusern aller Linder plaziert, die volkstümliche Parole „."> Pfennig täglich" ausgegeben und so eine Einnahmequelle geschaffen, rührend zugleich und groliartig in ihrem System, die gewaltige Summen nach Palästina bringt. »lehr al.- JOilUOO Dunain Boden besitzt der KKL. gegenwärtig; rund 00 jüdische Dörfer mit 7-JUO Siedlern arbeiten auf dein Boden des Keren Kajemeth. lu den Kleinbauersiedlungen (Moschwe Owdim) und den Gemeiiischaftssiedlungen (Kwuzoth), vor denen auch der Andersdenkende mit Achtung und Bewunderung steht, sind neue Formen menschlichen Zusammenlebens entstanden. Das ehemals ganz kahle Land beginnnt sich mit Bäumen und Wäldern zu bedecken, über I i Millionen Bäume hat der Keren Kajemeth bisher gepllanzt. Weite Strecken des Landes, die Sumpf und Karst waren, sind durch ein moderne- und großzügiges System der Drainage und Bewässerung nicht nur saniert, sondern für eine mitunter ganz intensive Besiedlung erschlossen worden. Städtische und vorstädtische Siedlungsviertel in Jerusalem, Tel Awiw, Ilaifa und Tiberiaa stehen auf dein Boden des KKL., der damit gesunde und billige, jeder Bodenspekulation ent- /' "i ne Wohnsttttcn i'ül die Unbemittelten geschaffen hat. All dakonnte in einem knappen Jahrzehnt geschaffen werden. Die wachsenden Erfolge in Palästina sind nicht ohne Rückwirkung auf die Oebefreudigkeit geblieben. Aus den etwa •> Millionen Mark, die ■ Ii i KKL. Iii- /um Jahre 1920 gesammelt hatte, sind inzwischen fast 00 M i I I ii n e ii geworden, und mehr als Kl Millionen davon sind heute iii Palästina in Grund und Boden angelegt. Ende 1931 rundete sich da- Jahrzehnt, seitdem Theodor Her/1 den Keren Kajemeth geschaffen hat. Dreißig Jahre Arbeit nach dem Grundsatz: ..All.-, durch das Volk, alles für das Volk." Von der Kahliini-rlH-n Lehranstalt ..Je-rhiwa" zu Fnmklurt a. M. Das Sominersemcster an der unter Leitung des Herrn (iemeinderabhiner Dr. Jakob Holtmann stehenden Rabbiniaehen Lehranstalt „.leschiwa" beginnt am 1. .Ijar. Sonntag, den H.Mai 1962. Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasee, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Der Unterricht erstreckt sich auf: Bibel mit Kommentaren und Schulchan Arueh, Gelegenheit geboten, sich in profanen Leitung fortzubilden. l iir den Lehruang in der Vorhereitungsklusse und der Unterstufe werden schulentlassene Knaben und Jünglinge aufgenommen, die schon einige Kenntnisse in Mischmi und Talmud besitzen. — Anmeldungen sind zu richten an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt ...leschiwa". Frankfurt a.M.. Tbeobaldstraße <>. welches zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Unsere Gemeinde TesehuwakiAdgebaag. Die gesetzest reuen Rabbinerverbande Deubd lands haben angesichts der steigenden w irtschafllichen Not und i. sich täglich mehr ausbreitenden Judenhasses den Beschluß gel': i. alle jüdischen Brüder und Schwestern, die sich noch mit der Trndil o verbunden fühlen und die Wahrheit des Satzes anerkennen: man yn ntt pvaya np-ni n^oni naicm daß Selbstbesinnung, Gebet und Zodnko die besten AbwehrmiM. drohender Gefahren sind, für Sonntag, den 7. Adar — 14. Febri ,i 1982 - zu einem Faststage aufzurufen, bei dem das Leid der '/ in einer T e s c h u w a k u n d g e b u n g zum Ausdruck kommen soll. In Ausführung dieses Beschlusses geben die Unterzeichneten als .! rabbinlwhen Vertreter des gesetzestreuen Judentums unserer St; i bekannt, daß der 7. Adar als Gemeindefasttag, Taanis Zibbur, zu In trachten ist, an dem alle erwachsenen und nicht durch Schwad behinderten Gesinnungsgenossen beiderlei Geschlechts fasten solle (Wer gesundheitlich nicht in der Lage ist, daran teilzunehmen, möf sich durch Zedoko ablösen.) Beim Minchagottesdienst in der El-Chaim-Synagoge, Ott Schill-Straße, 1(5,H0 Uhr, wird Wajeehal gelalnl und eine Teschuv anspräche gehalten werden. Rabbiner Dr. Carlebach Rabbiner Rogosnitzkl Rabbiner Feldman N. st sc M C S( Fi E hi di ai D Ii n e d k M J s I Hebr. Grammatik, Talmud — Den Schülern ist eventl. Fächern unter fachgemäßer Dr. Bruno W eil in Leipzig. Nach dem 11 ehergange des früheren den' sehen Elsaß-Lothringen an Frankreich auf Grund des Versailler V« Irages wurde dem in Straßburg tätigen Rechtsanwalt Dr. B r u i Weil ein hohes französisches Amt angeboten, wenn er sich eii schließen wollte, in Straßburg zu verbleiben und die f rnnzüsisi Ii Staatsangehörigkeit zu erwerben. Das Anerbieten wurde von dein i deutscher Kultur völlig verwurzelten Anwalt ausgeschlagen: er sied« II nach Berlin über und widmet" sich neben seiner beruflichen Talmi jüdischen Angelegenheiten, insbesondere stellte er sich mit sein* ganzen Kraft in den Kampf für die Gleichberechtigung der .lud Bruno Weil ist eine ungewöhnlich starke Persönlichkeit, der es lang, in wenigen Jahren ein«- führende Stellung im deutschen .lud tum zu erlangen. Auch durch Schriften, die ur. .eineine Verbreiti i gefunden haben, ist sein Name besonders bekannt geworden BilM der Bücher, die in den letzten Monaten die Aufmerksamkeit weitest Kreise auf sich gezogen haben, ist sein Werk über „Glück und El< i des General Boulanger". Mit der französischen Geschichte der neues Zeit besonders vertraut, behandelt Weil darin die eine der '.\ Etnpi der nationalistisch-antisemitischen Welle Frankreichs, deren leti dann die Dreyfus Affäie ist. Der auch als glänzender Hedner schätzte Verfasser weiß, ohne daß er dabei die Parallelen auszufüh braucht. Uebereinslimmungeii zwischen der damaligen franzosisci und der gegenwärtigen deutschen nationalverbrämten Bewegung I Antisemitismus deutlich zu machen. — Wie an linderer Stelle unst p Blattes mitgeteilt ist, wird Bruno Weil am Dienstag dieser Wo Ii über die im Zusammenhange damit stehenden Fragen in einer öffi n liehen Gemeindeversammlung der C.-V.-Ortsgruppe sprechen. Di« Vortrag darf auf lebhaftestes Interesse unserer GeiiM'indoinitglie I r< ebnen, da er Gelegenheit »eben wird, aus dem Munde dieses M deutenden Führers, der, wie wenig andere, mit den uns boschlfthj den Fragen vertraut ist, eine lebendige Darstellung der gegenwärti Verhältnisse zu gewinnen. Wir begrüßen Dr. Bruno Weil aufs Ii liebste und sind überzeugt, daß ihm in Leipzig ein herzlicher ■ warmer Kmpfaiiü bereitet werden wird. Der Israelilisrhe Kindergarten tritt zum zweiten Male mit einer kü l leri «clien und gesellschaftlichen Veranstaltung au die Oeffentlirhl Nachdem ein ähnlicher Abend im vergangenen Jahre in jeder Iii sieht guten Erfolg hatte, wird am 28. Februar abends in den Räui if des Botel Astoria ein Konzert mit erstklassigen künstlerischen I bietungen stattfinden. Frau Fanny Cleve von der hiesigen (| hat dankenswerterweise ihre Mitwirkung in den Dienst unserer gut Sache gestellt, Frau Tanja Ury-Z unser wird die Güte hui»' sie zu begleiten. Khenso werden die Damen Klla Chamizer. durr ihre auserlesene Kezitatiouskunst. und Helen Ii e p n e r, die zu u i rer F'reude den Vortrag eines schönen Kaminerinusikwerkes gemti sinn mit Herrn Konzertmeister Fritz Ii e i n i g übernommen Ii« allen Anwesenden einen großen Genuß zu Meten.

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