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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-01-22 · 4 (22.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
4 (22.1.1932)
Date
1932-01-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■ - -Vi. Poslauflage dieser Nummer: 4310 Stück. C emeiuö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Da» Gemeindeblatt crsdielnt |edrn Freitag und wird den Mitgliedern der Rellglonuemelnde unentgeltlich durch die Font zugestellt - Schrlftleltung: GemeJnderabblner GuBtav Cohn, Leipzig, Löhntrafie 10 NUMMER 4 / JAHRtfAN« 8 FREITAC 22» JANUAR 10*2 Anzeigen Verwaltung und Druck: Burhdrurkrrel August Pries. Leipzig, Brudrrttr. 59 - l'ernruf 70008 - Poat- Mhcrk Leipzig 53980 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung dei Verlasser« gestattet xrfBL. (VMVEKS \ L I Ps Ephraim und die „Ephraimiten" / h Von Dr. M a x Hol in ■ n n. I er l'lan des Berliner Oberbürgermeisters Dr. Sahm. das Kphraimschc Haus zu Berlin als Museum einturichten, erneuert nach llngerer l'ausc die Erinnerung an einen vielgenannten jüdischen Heller Friedrichs des GroBen. Wenn auch Mit- und (schwell in seiner Verurteilung übereinstimmen, so dürfte es doch (wertvoll sein, die Berichte über ihn noch einmal zu prüfen, zumal wir liti der Inflationszeit /ustände erleid haben, die vielfach nn die dn- ■maligcn erinnern. Audi hat Freiherr von Schrölter in seinem im ■Kähmen der Acta Bnrussiea erschienenen „preußischen Münzwesen im Iis. Jahrhundert" Ephraims Wirken genau behandelt. Im folgenden soll versucht werden, aus den dort angeführten Tatsachen und dem son- ■sligen weitverstreuten Material ein (iesamthild zu gewinnen. Dies »liirlle gerade auch hier interessieren, da das Unternehmen, durch das |K|>innim bekannt geworden ist. in tler ehemaligen Münze auf der ^I.•• iI»zitlt-r Pleittenburg begann. («Nathan) Veitel Kphraim war der drille Sohn des Hofjuwclicrs ' liajjim oder Deine Kphraim. der unter Friedrich Wilhelm I. au- Utona nach Berlin 'eingewandert war und dort aufier dem Juweleneschiifl einen Handel mit Kdelmetallen trieb. Dieser brachte ihn in Verbindung mit der Münze, die damals ihr Material im freien Handel Kaufte. Man strebte in diesen Jahren nach einem hohen Münzgewinu. len mau aber ohne Verschlechterung des Oeldes nur bei grollen Massen erzielen konnte. Dadurch kam man fast stets zu üherinäUigcn Vusprigungen, die den Preis des Edelmetalls dauernd in die Höhe trieben. Dein suchte man durch Kinkauf bei Juden cntgcgeiizuarheileii, die fast stets imstande waren, trotz steigender Preise billiger kii liefern als alle andern. Ii' Ueberlegenheil im Mctallhandcl entsprang aus mehreren Ursachen. Neben ihrer geschäftlichen Begabung besaiten die Juden durch Ihre verwandtschaftlichen und geschäftlichen Besiehungen sonst unahnte Möglichkeiten, das Kdelnietall auch aus den letzten Schlupfwinkeln hervorzulocken. Vor allem aber hatten nur sie die nötige Erfahrung, Qeduld und (ieschieklichkeit, um die ihnen in verschielenster Form und Reinheit angebotene Ware richtig zu laxieren, sie 'on ungebSrigen Bestsndteilen zu trennen und sie in Harren von lekhmlBigem Umfang und Wert um zu schmelzen. Schlifttlirli mochte len jüdischen Händlern der Umstand. da Ii von ihnen als Fremden (eine Kenntnis der Landesgesetze erwartet zu werden brauchte, die leswingung von Hemmungen erleichtert, über die andere Kaufleute ich! hinwegkamen. 'ie Fähigkeit zu schwierigen (ieschäften machte die Juden den Fürten unentbehrlich. Es war die Zeit des uns neuerdings durch Linn Sucht wangers Roman nahegebrachten .lud Süll, mit dem Ephraim der zeitgenössischen Polemik auch verglichen wurde. Der jähe Iturz des Finanzgewaltigen gehört mit zu diesem Milde. Darin lag lämlich das Itisiko auch der MünzjudeiK sie waren keinen Augenblick |or dem (ialgeu sicher. Selbst hei ihren Glaubensgenossen waren sie •enig beliebt, denn wenn man von vereinzelten Ausnahmen absieht. waren sie die ersten bewußten Assimilanten. Ihr Geschäft brachte sie dauernd in Itcrührung mit vornehmen Christen und nötigte sie zu grüttercr oder geringerer Anpassung an die neue Umgebung. Wegen dieser wurden die Münzjnden fast als Abtrünnige betrachtet. Auch im Lehen Veitel Kphraims spielt dieser Umstand eine Rolle. Kein Jude brauchte sich daher durch die Vorwürfe gegen iliese auch dem eigenen Volk verhallten skrupellosen (iescliäftemaeher berührt zu fühlen. Doch dies tritlt den Kern tles Problems nicht ganz. Diese im Grunde ungebildeten Menschen hatten als Ausgleich für die Verachtung, die sie überall zu spüren bekamen, nichts weiter als das Geld und die GenOsse, die sie sich dafür kaufen konnten. Andere Charaktere wären für die Geschäfte, die ihnen aufgetragen wurden, untauglich gewesen. Dadurch bekommen die Fürsten einen grollen Anteil an ihrer Schuld: denn die Dienstwilligkeil der Helfer nimmt diesen nicht die Verantwortung für ihre Befehle. Dadurch erhält das Bild der Hof- und Münzjnden sympathischere Züge. Auch Veitel Kphraiin gewinnt bei genauerer Untersuchung. Seine Jugend enthält nichts Bemerkenswertes. Nach Besuch der jüdischen Schule vom .">. bis zum 1">. Lebensjahr dürfte er während der kaufmännischen Lehre Unterricht im Deutschen genommen haben. das er und seine Geschwister in ihren Eingaben völlig beherrschen. 1726—82 bekleidete Chajjim Ephraim als Gemeindeältester und Ndrsteher der Bestattungsgesellschaft hohe Ehrenämter seiner Glaubensgenossen und vermied wohl in diesen Jahren Handlungen, die die Frommen nicht gern sahen. So wird der deutsche Unterricht seiner Familie in etwas spätere /.eil fallen. Vielleicht ist er auf den Bin* Hütt des als Lehrer Mendelssohns bekannten nachmaligen Obcrlandesrabbiners David Pränckel zurückzuführen, der damals der Familie Kphraim nabelnd. Nathan Veitel muU nämlich in der ersten Hälfte der dreittiger Jahre geheiratet haben, da er 1755 schon einen erwachsenen Sohn besatt. Seine (iatlin war David Fränckels Schwester Klka. Aus der Zeit dieses Ereignisses darf mau wohl folgern, datt seine Geburt nicht später erfolgt sein kann als 171'). Von Kinllutt auf die Verbindung werden wohl auch folgende Erwägungen gewesen sein: die beiden Familien Standen sich schon seit längerer Zeil durch Verschwägerung nahe Der Vater der Geschwister Fränckcl war der Vetter von Nathan Veiteis Mutter. Autterdem hatten zwei Brüder Falkas die Königsberger Münze gepachtet, und ein Schwager. Moses (iumperts. stand in engster Verbindung mit der zu Cleve. So konnten durch die F^he auch die geschäftlichen Beziehungen bereichert werden. In der jüdischen Gemeinde stand der Kränekcl-Flphraimsche Kreis, vermutlich wegen seines Freisinns, im Gegensatz zur Mehrheit. Als 174H David Fränckel zum Rabbiner gewählt werden sollte, muttten sich erst die Ephraims zu einer jährlichen Zahlung von 180 Talern verpflichten, mit deren Hilfe ein Substitut angestellt werden sollte, der den Rabbiner in den Fällen zu vertreten hatte, in denen die Familie beteiligt war. Auch die Wahl Nathan Veite] Kphraims zu einem der beiden lebenslänglichen Oberältesten der Gemeinde ging

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