Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 3 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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">. Januar 1DH2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 8 Vortragsgemeinschaft der Leipziger jüdischen Frauenbünde Dienstag, den 19. Januar, nachm. 4,30 Uhr im Hotel Hauffe Referat: Fräulein Dr. Anneliese Landau-Berlin Fanny Mendelssohn als Komponistin (ein Vortrag mit musikalischen Beispielen) Gesang: Frau Rosa Siegel. Klavier: Miriam Dormann (Schülerin des Klavier-Pädagogen S. Weinberger) Schwesternbund der Leipzig-Loge Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig — Verband jüdischer Frauen für Palästinaarbeit — Frauengruppe des Centraivereins deutscher Staatsbürger |üd. Glaubens Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß am Sonntag, den 24. Januar, vormittags pünktlich 11 Uhr im Hotel Hauffe unter Leitung von Frau Dr. Benedek die Diskussion über ihr Referat „Eignung zur Ehe" fortgesetzt wird. Ein kurzes, zusammenfassendes Referat geht voran. Um pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten, jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Leipiig Seelen von dieser Religion wie alle anderen Einwohner und Christen zu benutzen, für sie aber das größte Glück ist, mittels Erhaltung Ihrer vollkommenen Religionsfreiheit aller anderen Bürgern ihres Staates in allen Rechten gleichgehalten zu werden, wodurch also aller Zwang und alle Verachtung auf einmal aufhörten, Vorrechte, so sie nirgends genießen." Lichtblicke in einer Zeit wüstester Judenhetzen Die Königin von Holland verschiebt ihre Rundlunkansprache mit Rücksicht aul den Sabbath. Königin Wilhelmine von Holland hatte aus Anlaß des Weihnachtsfestes eine Ansprache an das holländische Volk durch den Rundfunk für Freitag abend angesagt. Als sie aber darauf aufmerksam gemacht wurde, daß zu dieser Stunde der jüdische Sabhüth-Gottesdienst stattfinde und zahlreiche Juden nicht mehr Gelegenheit haben würden, sie zu hören, verschob sie ihre Ansprache auf 10 Uhr abends, damit auch die jüdischen Bürger sie hören können. Ein Brief des Quäker-Vereins für die JUdisrhe Gemeinde. Die Berliner Gruppe der Freunde (Quäker) hat an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Berlin nachstehendes Schreiben gerichtet: „Liebe Brüder und Schwesternl Mit Schmerz und Scham denken wir an das Leid, das die würdelosen Vorgänge am Kurfürstendamm über Euch gebracht haben. Wir fühlen uns mitverantwortlich und mitschuldig, weil wir nicht genug getan haben, um die haßerfüllte Atmosphäre zu entgiften. Deshalb bitten wir Euch um Verzeihung für das, was Euch angetan wurde. Wir danken Euch, wenn Ihr nicht Haß mit Haß vergeltet. Wir haben Eurer in unserer heutigen Andacht gedacht: Euer Leid ist unser Leid. Wir bitten Euch, in uns Eure Freunde zu sehen." | Spanien und die Sympathien der sephardischen Juden. Der Kultusminister der spanischen Republik, Don Fernando de los Rios, der in iliesen Tagen in Spanisch-Marokko geweilt hat, lud die Führer der Jüdischen Gemeinde zu Tetuan zu sich ein und hielt an sie in Gegenwart des spanischen Generalkommissars für Marokko, des Großwesirs und des Militärkommandanten Cabanellas eine Ansprache, in der er O.a. ausführte: Wenn ich unter euch spaniolischen Juden weile, fühle ich mich in der Heimat. Viele Länder habe ich bereist, überall habe ich meine jüdischen Freunde. In Deutschland war ich glücklich, von den dort lebenden Juden mit allen Zeichen der Sympathie empfangen zu werden. In New York wie in Paris stand ich in engem Kontakt mit den sephardischen Juden. Und immer, wenn ich unter Juden w'eilte, machte mich der Gedanke traurig, daß Spanien einst seinen luden große Unbill zugefügt hat. Spanien, meine geliebte Heimat, hat sich des Vorteils begeben, die Wiege einer wundervollen jüdischen Kultur zu sein; dies hätte es vor allen anderen Ländern ausgezeichnet. Die Erinnerung an die Austreibung der Juden aus Spanien bohrte sich wie ein Dorn in mein Fleisch. Immer liegte ich die Hoffnung, daß Spanien, einmal eine Republik geworden, das im Jahre 1182 an den Juden begangene Unrecht wiedergutmachen und den Begriff spanisches Judentum zu einer Realität machen werde. Als ich noch Ju8tizminister war, fiel mir im Cortes die Aufgabe zu, offiziell mitzuteilen, daß die Regierung das Judenaustreibungsedikt vom Jahre 1492 für ungültig erklärt hat und den spanischen Juden ihre Bruderhand reicht. In diesem Augenblick, da mir der Enthusiasmus der Deputierten und des Volkes entgegenströmte, fühlte ich. daß Spaniens Schmach beendet sei. Nicht jene Nationen sind groll, die alle Elemente anderer Art ausschließen, »andern jene Nationen sind grofl. die fiihig sind, andere Elemente in sich aufzunehmen und mit ihnen eine Einheit zu bilden. Diejenige Kultur ist die gröple. die Jähig ist, verschiedenartige nationale Elemente zu einer Einheit zusammenzuschließen. Juden von Tetuan, schloß der Minister, vergeßt die Vergangenheit! Denkt an die Zukunft! Hoff» auf das liberale Spanien der Zukunft, in dem arabische, jüdische und spanische Kultur zu einer Einheit .zusammenschmelzen werden! Eine Kultur wird es geben, unter deren Oberfläche aber werden verschiedenartige Ströme fließen, jeder wird seine Eigenart bewahren: diese Kultur wird charakterisiert sein durch die tiefe Liebe zum Wissen, die euch Juden von je eigen ist. Vergeßt nicht. Juden von Tetuan. daß ich zu euch nicht in privater Eigenschaft, als eine Einzelperson, spreche, sondern daß ich hier offiziell, im Namen der Regierung der spanischen Republik, im Namen ganz Spaniens das Wort ergreife. Kaum vermag ich meine Freude zu schildern, unter euch Juden und Arabern zu weilen und von euch den Lohn zu empfangen für die glühenden Kämpfe und Leiden, unter denen ich und meine Freunde die spanische Republik ins Leben gerufen haben: eine Staatsgemeinschaff, in der es zwischen den religiösen Gemeinschaften keine Differenzen geben darf, in der wir alle für das gleiche Ideal einer freien und aufgeklärten Menschheit wirken. Don Fernando de los Rios besuchte in Xauen die spanisch-jüdische und die spanisch-arabische Schule. In seiner in der spanisch-arabischen Schule gehaltenen Ansprache drückte er die Hoffnung aus, daß Araber, Juden und Spanier, wie einst im 13. Jahrhundert in Toledo, sich zu einer Kultur von hoher Blüte vereinigen werden. Die in Barcelona erscheinende große Zeitung „La Noticias'* bespricht im Leitartikel die Marokko-Reise des Ministers de los Rios und erklärt, die Regierung Spaniens müsse dafür sorgen, daß die hei Juden und Arabern in Marokko neu erwachten Hoffnungen nicht enttäuscht werden; wir müssen ihnen durch Taten beweisen, daß wir das. was wir sagen, auch meineu. Das Fürsorgeamt der israelitischen Keligionsgemeinde benötigt für Schutzbefohlene folgende Gegenstände: 1 Tisch. 1 Kleiderschrank und Stühle. Auf Mitteilung (Fernsprecher Nr. 213 82) werden die Gegenstände abgeholt.