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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-01-01 · 1 (1.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Bescheide über die Veranlagung und endgültige Abrechnung werden den Steuerf Pflichtigen zugestellt. Leipzig, den 28. Dezember 1931. jyer Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. iblN veh f\S. Die Juden in Deutschland und in Polen in früheren Jahrhunderten In der „Zeitschritt für Demographie und Statistik der Juden" (SchriftleMung: Dr. Jacob Segall und I. Koralnik) veröffentlicht der bekannte Schriftsteller, Arzt und Statistiker Dr. Felix A. Theilhaber eine eingehende Studie „Die Juden in Deutschland und in Polen in früheren Jahrhunderten", in der er u.a. ausführt: Die Statistik, insbesondere die Bevölkerungsstatistik der Juden läßt uns die Verhältnisse der letzten hundert Jahre Überblicken. Alle Versuche, die frühere Volkszahl in früheren Jahrhunderten zu rekonstruieren, leiden an der Unzulänglichkeit des Materials. Die Frage nach der Anzahl der deutschen Juden im Mittelalter ist von Bedeutung. Erfahrungsgemäß stammen von ihnen die Ostjuden ab. Die Behauptung, daß nennenswerte Teile von Juden im Osten Nachkommen von vom Schwarzen Meer her nach Südrußland eingewanderten Juden waren und sich später mit den Flüchtlingen aus Deutschland vermischten, erscheint unwahrscheinlich. Bekanntlich sprachen die Ostjuden um das Jahr 1800 insgesamt Jiddisch. Es ist undenkbar, daß größere Teile von Juden, die eine andere Sprache beherrschten, sich in Polen, also in einer slawischen Qegend, die fremdartige Mundart des jiddischen angeeignet hätten. Von den 16 Millionen heute lebender Juden stammen 13 Millionen von den ums Jahr 1800 jiddisch-deutsch redenden Juden ab. Eine Million sind Nachkommen der spanischen Juden und eine Million entfallen auf Splitter, die sich in einzelnen Ländern, vor allem der arabischen Zone (Nordafrika, Vorderasien) erhalten haben, wozu noch Partikel von südfranzösischen, italienischen Juden kommen, die aber auch stark mit Spaniolen und deutschen Juden vermischt sind. Ueber die Juden in Deutschland bis zum Jahre 1000 sind wir schlecht unterrichtet. Ihre Zahl scheint ziemlich gering gewesen zu sein. Köln, Trier, Aachen waren ganz kleine Orte. Die Anwesenheit von Juden in Deutschland bis ungefähr ins 10. Jahrhundert ist sichergestellt. Nach dem Jahre 1000 häufen sich die Angaben über das Vorkommen von Juden in den rheinischen Orten. Um das Jahr 1000 war die französische Judenheit in jeder Beziehung den deutschen Juden überlegen. Sie war reicher und zahlreicher. Trotzdem kamen in dem ganzen Jahrhundert vor dem ersten Kreuzzug Talmudschüler aus Lothringen nach Mainz, vielleicht weil hier mehr Freiheit als in Frankreich herrschte. Gerschon ben Jehuda, das geistige Haupt der mitteleuropäischen Juden um die Wende des 1. Jahrtausends, stammte aus Französisch-Lothringen und lehrte in dem rheinischen Lehrhaus, das Rabbi Kalonymos aus Lucca begründet hatte. Raschi kam aus der Champagne nach Worms und Mainz, wo schon vor ihm eine stattliche Zahl berühmter lothringischer Qelehrter das Talmudstudium aufgerichtet hatte. Der Druck, der schon damals au! den französischen Juden lastete, verführte sie zur Abwanderung in Gegenden, die noch wirtschaftlich unerschlossen waren. Der Aufschwung der rheinischen Judengemeinden hängt mit der Einwanderung der wirtschaftlich erfahrenen Juden zusammen, die in den Zentren der französischen Industrie gelebt und den Geldhandel bereits mit ausgebaut hatten. Bis zum Jahre 1096 ist die überwiegende jüdische Bevölkerung Deutschlands also in deu wenigen rheinischen Städten konzentriert. Alles spricht dafür, dafi die Juden in diesen Städten nicht sehr zahlreich waren, daß die allergrößten Gemeinden höchstens 500 bis 1000 Juden zählten. Die Historiker sprechen gelegentlich von großen Ziffern der Pogrome des Jahres 1096. Dem widerspricht die Ueberprüfung der Memorbücher. Die Namen der Getöteten sind gut gesammelt. Unter den uns vorliegenden Angaben müssen wir in Mainz mit 550, Worms 450, Köln 175 Toten rechnen. Die übrigen Todesfälle sind nur wenige. Damit erhalten wir Verluste anläßlich des ersten Kreuzzuges auf deutschem Boden von etwa 1250 Seelen. Es gab zu jener Zeit nur ganz wenige jüdische Sied- 4\\

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