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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-09-06 · 36 (6.9.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
36 (6.9.1935)
Date
1935-09-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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11. Jahrgang - Nr. 36 Auflage 3000 Stack 6. September 1935 (Semeuiö cblattr DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMErlN DE ZU I {II \)7\Clm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT lab I TMm I \& DER GEMEINDEVERWALTUNG^ Wie stelle ich mir Palästina vor? In Nr. 34 (23. August) veröffentlichten wir eine Betrachtung des Herrn Dr. Josef Bure zu dem Aufsatz-Wettbewerb über das vorstehende Thema. Durch die Freundlichkeit der Direktion der Jüdischen Schulen sind wir in der angenehmen Lage, die drei preisgekrönten Arbeiten zur Veröffentlichung zu bringen. Die Schriftleitung. „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen" war der Ausspruch Hcrzls in seinem „Judenstaat". — Und siehe! Iis ist Wirklichkeit geworden. Daß heute in Palästina über 'Jt)U(KK) Juden in Ruhe und Sicherheit leben, ist eine Tatsache, die selbst der grollte (iegner des Zionismus anerkennen muH. Ich glaube, daß dies die größte historische Umwälzung seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist, die je ein Volk durchgemacht hat. Denn man kann Regierungen wechseln, Siege erkämpfen, aber daß ein Volk, nach 2000jahriger Verbannung wieder tu eigenem Boden und EU eigener Scholle zurückkehrt, ist etwas so Gewaltiges, daß mau, wenn man wirklich tief darüber nachdenkt, es gar nicht genug würdigen kann. Menschen, die Verfolgungen aller Art entflohen, bildeten den Grundstock für das Land, das einst uns gehörte, um das wir immer flehten und das wir uns wieder erschließen wollen, (ierade die jetzige Generation steht mitten in diesen Begebenheiten und uns liegt' es ob, die Zukunft Palästinas zu gestalten. Die Einwanderung geschieht stets in Wellen. So l'J'J'J. |;s wird wohl keinen Zionisten gehen, den diese Tatsache der Masseneinwanderung stören würde, denn jeder kennt wohl den Arbeitsmangel zur Erntezeit in Palästina, und doch wird jeder für die Zukunft besorgte ernste Zionist gerade diese Massencinwanderungen, seien sie aus Deutsehland oder Kußland, auf das schärfste kritisieren. Denn diese Massen wirken nicht immer produktiv am Aufhau, und für ein Land, wie Palästina, das daran geht, sich eine eigne Kultur zu schaffen, ist die Masseneinwanderung geradezu schädlich. Nicht nur: daß viele das Iwrith, das Grundbedingung für die Kultur sein soll, nicht gut oder überhaupt nicht beherrschen, sondern daß manche durch die üble Gesinnung, die man in der Ausbeutung ausdrückt, und in dem Ziel, möglichst viel Geld zu erraffen, auch in Palästina daran gehen, den Gelderwerb Ober alles zu stellen, und sich nicht scheuen, Bodenspekulation zu treiben, und arabische Arbeiter ihrer Billigkeit halber den jüdischen Arbeitern vorzuziehen. Dies alles ist doch Verrat am jüdischen Volke, denn das ganze jüdische Volk in der Welt ist doch heute an Palästina interessiert. Nein! So soll und so wird mit G.ttes Hilfe Palästina nicht aussehen. Wir wollen ein Land mit gesunder sozialer Lage und starker G.tteserkenntnis haben, wo Geld nicht das Höchste ist. Auch wollen wir nicht das Zusammenballen von Menscheninasseu in Großstädten, denn der Laiuhuaun ist der Garant des Volkes und später des Staates, und keineswegs darf die Stadtflucht der Welt auf Palästina übergehen. Auch die Thora muß das maßgebende Buch der Juden sein. Wir brauchen kein europäisches Gesetzbuch, denn die Thora ist unser Gesetz, aus dem wir über alles, auch über die kleinste Lehensfrage schöpfen können. Auch der Sozialismus in Palästina soll kein Abglanz des in der Welt herrschenden sein. Unser Sozialismus soll in Palästina ein geregeltes l eben bringen z. B. zwischen Arbeitgeber und -nehmer, wir wollen aber keinen Klassenkampf und dergleichen radikale Mittel, wie wir sie in der Welt sehen; denn nirgends haben sie gute Folgen gehabt. Eine Forderung jedoch stellen die Zionisten, weil sie glauben, als erwachendes Volk nicht jene ungesunde Einteilung der Schichten, wie sie in den Großstädten der Welt leben, in Palästina aufkommen zu lassen. Wir wissen, daß nie ein ganzes Volk auf dem Land leben kann, und wir wissen ebenfalls, daß Großstädte da sein müssen, I. für die Industrie, 2. für die Hochschulen, geistige Arbeiten usw., i. für die Abnahme landwirtschaftlicher Produkte, aber das wissen wir auch bestimmt, daß niemals der Bauer dem Städter gegenüber verdummen wird. Im Gegenteil, wir hoffen und glauben fest, daß gerade der Landmann Ausgabe der Eintrittskarten zum Zweiggottesdienst In der Turnhalle des Schulgebäudes Gustav-Adolf-Straße 7 Die Vermietung der Plätze zum Zweiggottesdienst für Neujahr und Versöhnungstag in der Turnhalle des Schulgebäudes Gustav-Adolf-Str. 7 erfolgt werktäglich von 9 bis 1 Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straße 10,1. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. gebildet sein wird, und der Träger der Kultur wird nicht allein der Städter sein. Es muß, — da wir auch an Krisen und Rückschläge denken müssen —, zu einer wahren Volksgemeinschaft der Tat kommen. Erst dann wird England und die übrige Welt erkennen, daß wir ein Volk sind, wie alle anderen Völker auch, und daß wir ein Recht haben, unter uns, in unserem Land und nach unserem Gesetz /u leben. Und die Juden, die aus verschiedenen Gründen in Europa werden bleiben müssen, werden stolz und ungehindert als bewußte luden leben, weil sie wissen werden, daß ihr Volk lebt und strebt, ein Volk zu sein, wie alle anderen Völker auch. - Und das ist der Grund unseres Wollens, weil wir wissen, daß wir das Recht haben zu leben. — Heini Weiser, Klasse la. Palästina! Heiße Sehnsucht durchströmt mich bei diesem Wort. Ein Heimweh ist es nach einem Land, das nicht meine Heimat ist. Mein Auge sieht in weiter l erne eine blühende und fruchtbare Landschaft. Fruchtbar gemacht durch Chaluzim, Pioniere. Diese jungen Menschen, die für mich verkörperte Idealgestalten sind, schaffen uns Galuth-Volk eine Heimat. Eine Heimat, sonnig und schön, die doch ihre dunkelen Schattenseiten hat. Das Land ist teuer für uns. hat es doch Tausende von jungen Menschenleben als Opfer gefordert. Mein leuchtender Blick schaut die Kwuzoth und Kibbuzim, wo meine, nein, unsere Chawcrim arbeiten, für mich und das ganze kommende Geschlecht. — Ich sehe das Emek-Tal schön und lull vor mir liegen, umgeben von Hergen und durchkreuzt von dem Emck. Weiter schweift mein Auge, ich sehe die Kwuzah meiner Sehnsucht, Giwath Brenner. Ich weiß, dal! es nicht die schönste Kwuzah ist, und doch sieht sie mich seltsam an. Im Geist stelle ich mir die Wiesen, Wälder und Felder vor, wo die Chaluzim wirken und schaffen.— Doch nun kommt das wrniger Schöne, die Ilule-Ebcnc. Dunkel stelle ich mir die Gegend vor. — Aber sie wird hell werden durch Jüdische Schulen. Das Schulgeld für den Monat September und die sonstigen Schulgeld-Rückstände sind bis zum 10. September 1935 zu entrichten. Diejenigen Kinder, für die das Schulgeld nicht pünktlich bezahlt wird, werden nicht mehr zum Unterricht zugelassen. Leipzig, den 22. August 1935. Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig e. V.

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