Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 32 (9.8.1935)
- Date
- 1935-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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■V. Auflage 4000 Stück eraeiuö cbktt DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGfcMErl N DE- ZU LEIPZIG C a 1* alM I«14. . . . _.l.fl..*LLi>«B /~V . . -1 — . . / ~* Ä W I - I _ - t — AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEIN OEVERWALTüN G ■ Schrlftleltungi Oemeinderibbiner OustavCohn,Leipzig Walter -Blümel-Sir. 10. —. Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestallet Nummer 32 - Jahrgang 11 9. August 1935 Anzelgenannähme: E. Qoldfreund, Leipzig OS, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C I. Zum Schabbat Nachamu. Die Wendung En Iah meiucheni: Zion hat keinrii Tröster. (Klaget. I 2) Rabbi Lewi sagte: Wo immer das Wort en, man hat nicht, steht, da wendet es sieh und es wird. Es heißt (I Af. //, 30): Ssarai war unfruchtbar, sie hatte kein Kind; da ward ihrs (I AI. 21, I): und Gott bedachte Ssarai. So auch Ckanna (I Sani. I, 2): Channa aber hatte keine Kinder da ward ihrs (I Sam. 2, 2): denn Gott bedachte Channa. So auch Zion. Es heißt (Jer. 30, 17) . Zion ists der fragt keiner nach und doch heißt es wieder (Jes. 59, 20) : Aber für Zion kommt er als l.öser. So auch hier. Du denkst: Zion hat in Ewigkeit keinen Tröster doch er kommt, denn so ists verheißen (Jes. 51, 13): Ich selber, ich selber bins der euch tröstet. Aus: Midraschim der Klage und des Zuspruchs (Bücherei des Schockenverlages 36) Franz Rosenzweig In die Trauer des Tischall b'aw wird alles an schmerzlicher Erinnerung hinciugcsammclt, was jüdisches Erleben in vergangenen Tagen /u verzeichnen hatte; die Fülle dessen, was diesen einen Tag als einen ,dies ater', einen schwarzen Tag jüdischer Geschichte empfinden lädt, aber auch, was in anderen Tagen und Wochen früherer Jahre Düsteres in jüdisches Sein eingebrochen ist. Und wenn hier und dort die unübertroffene Verdeutschung der Zionsklage (eli zijon . . .) durch Tran/ Kosenzweig in den Klickkreis gerückt wurde, so verband sich damit für alle, denen das Werk dieses zum geistigen Erwecker unserer Tage berufenen Führers nahegekommen ist, die Wehmut über die frühe Vollendung seines Wirkens. Aber — das ist die ewige Kraft jüdischen Lebens — auf den Tag tiefster Trauer läßt die synagogale Tradition den Tag aufrichtenden Trostes folgen: keiner der biblischen Propheten, der nicht an die Verkündung bitterster Heimsuchung als Strafe Gottes für den Abfall die von der Gewißheit folgender Erlösung knüpfte: keines der Klagelieder, ob sie von Jeremia auf den rauchenden Trümmern Jerusalems oder von Ibn Gabirol, lehuda llalcwi, Me'ir von Kothenburg und all den anderen Dichtern unter dem Eindruck späterer Nöte erklangen, in dem nicht immer, mehr oder weniger laut, der unerschütterliche Glaube an ein befreiendes Ende in Worte gekleidet wurde. Kein Sturz konnte so tief sein, daß nicht noch aus dem Abgrund der Himmel oben gesehen wurde, und das Wort des Propheten in die Seelen schallen ließ (Jesaja 40): Steig auf hohen Berg, du Freudenbotin Zion, Erhebe mit Macht deine Stimme, du Freudenbotin Jerusalem! Stimme an, sei ohne Furcht; Sprich zu Judas Städten: siehe, euer Gott ist da! Auch die Trauer um den Verlust eines Großen wird gemildert, wenn sein Werk nicht für den Tag gewesen ist, wenn wie eine Erlösung aus dem Banne sein Geist immer von neuem Leben weckt. So wirkt die Erinnerung an Franz Rosenzweig gerade in dem Liede, das Hunderte durch ihn verstehen lernten; in ihm ersteht zugleich diese ganze machtvoll wirkende Größe wieder vor uns, die einer Generation den Weg zu altem jüdischen Geistesgut freilegte. Wie er die Klage um Zion in seiner sprachschöpferischen Dichterkraft denen nahezubringen vermochte, denen das hebräische Wort fremd blieb, so lehrte er sie Jehuda Halewi lieben, so erschloß er (gemeinsam mit Martin Buber) Tausenden unsere heiligen Bücher, indem er ihnen in der Verdeutschung eine Ahnung von der ehrfurchtgebiet enden Erhabenheit der Bibel in ihrer Sprache und ihrem Gehalt vermittelte. Das ist der Franz Kosenzweig, der zu weiteren Kreisen über sein irdisches Ende hinaus immer wieder spricht. Wenige sind es, die wissen, daß er den Anstoß zur Schaffung einer „Akademie für die Wissenschaft des Judentums" gab, einer Einrichtung, der wir eine stattliche Reihe bedeutungsvoller wissenschaftlicher Werke verdanken, die zur Erkenntnis von Juden und Judentum in vergangenen und gegenwärtigen Tagen viel beigetragen haben. Und klein ist die Gruppe derer, die in die Tiefen seines Systeinwerkes „Stern der Erlösung" haben eindringen und dafür haben wirken können, daß die darin geborgene Saat zu fruchtbarer Entfaltung gebracht wird. In all dem lebt Frau/. Rosenzweig fort. Heute vielleicht sieht - barer als je nach seinem, Ende l'J'2'J erfolgten Hinscheiden. Damals wußte man, daß ein Mensch von einer bewundernswerten Seelengröße und Willensinacht nach einem mit unvergleichlicher Aus- Herzl-Blalik-Oedächtnisfeier Bei der am Sonntag, dem 11. August, vormittags 11 Uhr in der Ez-Chaim-Synagoge, Otto Schill-Str. stattfindenden Feier hält Herr Oemeinderabbiner Dr. Ephraim Carlebach die Gedenkrede, die von Gesängen des Synagogenchors umrahmt wird. Wir erwarten, daß sich unsere Gemeindemitglieder, insbesondere aber die Jugend, an dieser Feier rege beteiligen. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.