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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-07-19 · 29 (19.7.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
29 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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2 0.7.3S Auflage 4000 Stück taeüio cbktt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I •t|D7irL AMTLICHES NACHRICHTENBLATT LL llX«l\7 DER GEMEINDEVERWALTUNG* Schrittleitung i Oemeinderabbiner OustavCohn Leipzig Walter Blilmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Oenebmigung des Verfassers gestattet Nummer 29 - Jahrgang 11 19. Juli 1935 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipaig 0 5, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C I. Die Jugendbünde Von Dr. Rudolf Neumann. Den Kern aller sorgenden Betrachtungen, das Orundthema aller sich vom Alltag abhebenden Diskussionen bildet die Frage, wie das Band der jüdischen Qenerationen vor dem Zerreißen geschützt werden kann. So Uann es nicht wundernehmen, wenn im Vordergründe der Innerjüdischen geistigen Planungsarbeit der letzten Zeit gerade die Prüfung aller mit dem Nachwuchs zusammenhängenden Erscheinungen steht. Nachwuchsfragen konnten in früheren Zeiten ohne ständige und unmittelbare Berührung mit den davon betroffenen Menschen einer leidlich tauglichen Regelung zugeführt werden. In unserer Zeit jedoch, wo die von dieser Regelung betroffenen jüdischen Jugendlichen gelernt haben, sieh als besondere soziale Qruppe ZU empfinden und zusammenzuschließen, wäre jede Beurteilung und Entscheidung von Maus aus zur Unfruchtbarkeit verurteilt, wenn sie die lebendige Fühlungnahme mit dieser neuen Sozialgruppe jüdischer Menschen, wie sie sich im Jugendbund verkörpert, vermissen Helle. Dennoch bleibt offen, in welcher Weise die äuliere Grenzziehung stattzufinden hat, die darüber Bestimmung trifft, was zum Ligenbereich jugendlicher Menschen und was zum Entscheidungsgebiet der Welt der Erwachsenen gehört. Schon ein flüchtiger Blick lehrt, daß der Lebenskreis der Jugend in Erziehung, Wirtschaft, Freizettgestaltung und vielem anderen nicht eine völlig isolierte Lxistcnz gegenüber dem Lcbensraume der Erwachsenen besitzt, daß vielmehr die junge jüdische (icneration unauflöslich mit der Umwelt, ihren Erschütterungen und Wertungen verknüpft ist. Um so auffallender ist nun die gelegentlich hervortretende Forderung, den Hunden neben einer ihnen gröllere Beweglichkeit ermöglichenden Unabhängigkeit (Autonomie) auch ein Recht auf die totale Erfassung der ihnen angeschlossenen Menschen zu gewähren. Lin solcher Totalitätsanspruch ist, soweit es den jüdischen Lebenskreis betrifft, etwas völlig Neuartiges. Niemand wird erwarten dürfen, daii eine derartige Forderung ungeprüft hingenommen wird. Ehe man jedoch die Beantwortung dieser Frage in dem einen oder anderen Sinne nahelegen darf, muh man sich mit dem vertraut machen, was den wahren Kern der sozialen Tatsache „Bund" bildet. Der heutigen (icneration ist es nicht mehr so recht gegenwärtig, welchen tiefgreifenden Einschnitt vor einigen Jahrzehnten das Aufkommen der sogenannten Jugendbewegung bedeutete. Der letzte Grund für jenen spontanen Ausbruch jugendlichen Lebenswillens war der Wunsch, zum Ausgleich für den überstarken Drill, der damals mit der Lernschule verbunden war, auf Wanderungen wieder ein lebendiges Gefühl für die Naturverbundenheit des Menschen zu gewinnen. Lin (ieist der Kameradschaft entwickelte sich, ein Eigenleben in selbstgewähltcr Verantwortung und unter selhstgewähltcn Führern vermittelte über das Lernwissen der Schule hinaus wertvollste erzieherische Impulse. Es war eine durchaus gesunde Reaktion auf die früher herrschende Monotonie. Im Laufe der Zeit aber änderte sich das Bild, das die Schulen in ihrem inneren Betrieb boten, denn in der Pädagogik setzte sich eine fortschrittlichere Auffassung durch. Die meisten Forderungen der jungen Menschen wurden als berechtigt anerkannt und im neuzeitlich ausgestalteten Unterricht in großen Zügen erfüllt. Was blieb, war die Sehnsucht der Jugend nach Schaffung eines geistigen Bereichs, in dem sie nach eigenen Gedanken ihrem jugendlichen Betätigungsdrange zur Erfüllung verhelfen konnte. Diese, des anfänglichen Radikalismus entkleidete Bewegung hat in ihren Ausläufern die jüdischen Bunde der (legenwart beeinflußt Der Umbruch der letzten Jahre hat ihre Bedeutung ins vorher Ungeahnte steigen lassen, denn sie sind nunmehr neben Schule und Elternhaus zu einem von allen jüdischen Instanzen als sinnvoll und wertvoll anerkannten Bildungsfaktor geworden. I )ies führt aber auch dazu, dali die für das jüdische Leben verantwortlich wirkenden Instanzen mit ständigem Interesse alles verfolgen, was in diesem Bereich des jüdischen organisatorischen Lebens Aufmerksamkeit verdient. Das Wort von der Autonomie eines Jugendbundes darf also nicht zum bequemen Schlagwort werden. Dieses Wort bedeutet iti W ahrheit nichts anderes als einen Appell an die in den Bünden maßgebend wirkenden Menschen zur Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung ihrer der jüdischen Gesamtheit gegenüber bestehenden Pflichten. Es bedeutet keineswegs einen für alle Zeit ausgestellten Freibrief, in selbstgewählter Isolierung nach eigenem (tut dünken allen jugend- Es erscheint uns geboten, unsere Gemeindemitglieder zur Zurückhaltung in der Öffentlichkeit zu ermahnen. Der Vorstand der isr. Religionsgemeinde zu Leipzig. liehen Wünschen zur Erfüllung zu verhelfen. Diese Bemerkung könnte Überflüssig erscheinen, weil ja sämtliche verantwortlichen Menschen der Bünde in der jüdischen Presse ständig l.ovalitätscrkläi tingcn abgeben. f:s kann aber nichts schaden, wenn hin und wieder auf die eigentliche Begrenzimg der Arbeit im Bund hingewiesen wird, damit nicht der Irrtum entsteht und welcher Jugendliche fällt nicht gelegentlichem Irrtum anheim über das ihm Zukommende oder von ihm zu Erwartende , als ob die Bünde oder ein bestimmter Bund schon durch die Tatsache seiner Existenz und seines äußeren Funktionierens das ihrige getan hätten. Jede Betrachtung unseres Gegenstandes wäre jedoch unvollständig, wenn sie es unterließe, uns die Grundhaltung der Eltern in den hier interessierenden tragen zu verdeutlichen. Eltern sehen in ihren Kindern die Garanten ihrer Zukunftshoffnungen, und alles, was ihnen am Leben wertvoll erscheint, suchen

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