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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-07-05 · 27 (5.7.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
27 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 GEMEIN DEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG 5. Juli 1935 dem Reichtum des deutschen Volksliederschatzes. Dieses Liederbuch, das vorwiegend volkstümlich zusammengestellt ist, enthalt als Anhang einen knr/en muslkerläuteroden überblick; es ist ein Werk, dem man weiteste Verbreitung wünschen kann. tt. Abraham Heschel: „Maimonides", eine Biographie. (300 Seiten, kart. 380 RM., Leinen 4,80 RM.) [Judentum in Geschichte und Gegenwart Eine Schriftenreihe. I. Band.) Berlin [1935] (Erich Reiss Verlag). Das Maimonides-Jubiläum hat das Interesse weiterer Kreise für diesen wichtigsten und einzigartigen jüdischen Philosophen geweckt. Ein wesentlicher Beitrag für den Zugang zur geistigen Persönlichkeit Maimonides' ist diese erste und einzige, dem heutigen Stande der Forschung entsprechende Biographie des Maimonides. Die Darstellung ist klar, schlicht, plastisch, so dall nun Maimonides jedem Gebildeten und Verständniswilligen zugänglich wird; sie geht aber auch wissenschaftlich über das bisher Erreichte weit hinaus, und eben mit Hilfe der Forschung entsteht /um ersten Male das zum Greifen nahe, /um Ergreifen menschliche Bild: der jugendliche Maimonides tritt auf, es wird gezeigt, wie er leidet und kämpft, mit dem W iderstand wachst und am Schaffen reift, wie das Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder nach dessen unseligem Tode die weltanschauliche Krisis mit heraufbeschwört, es wird überhaupt das Werk aus dem Leben entwickelt, und am Ende steht der entsagende, nicht mehr schreibende, nur noch helfende, heilende Mann. Das ist die Apotheose eines grollen, kämpferischen Lebens: Der Kodifikator des jüdischen Gesetzes, der Ordner und Deuter des jüdischen Geistes ist zuletzt nichts als Mensch, Ar/t, Helfer der Menschen. Mit diesem Buch ist das im vorigen Jahrhundert aufgenommene Bild von Maimonides als einem trockenen, rationalistischen, mittelalterlichen Scholastiker ein für alle Mal zerstört, und an die Stelle des sophistischen Gelehrten tritt ein Mann, ein Genie. Erst die neue und ungewöhnliche Art der Darstellung, wie sie Abraham Heschel hier zum Beispiel bei der entscheidenden Rolle der Prophetie im Leben u n d Werk des Maimonides einführt, kann auch den ungeheueren Einflull glaubhaft machen, den der jüdische Denker auf die gesamte europäische und arabische Philosophie bis Spinoza und Leibolz, aber auch auf die grollten abendländischen Mystiker, wie auf Meister Eckart gehabt hat. Diese Maimonides-Biographie hat gefehlt und ist fortan unentbehrlich. Luigi Pirandello: Man weiß nicht wie. Drei Akte. (Deutsche Übertragung von Stefan Zweig.) Leipzig C 1 1935 (Herbert Reichner Verlag). Innere Verwandtschaft in der Art des Dichtens verbindet Stefan Zweig mit dem früh vollendeten Nobelpreisträger Pirandello: Scclcn- VOrginge /ergliedernd wollen sie in die im Äußeren oft unerklärlichen Erlebnisse des Menschen hineinleuchten und sie dem Verstehen nahebringen. Für jedermann sichtbar ist das, was Pirandello in diesen Akten sich ahrollen lallt, nichts als eines von Tausenden Eifersuchtsdramen. Der Marineoffizier, nach monatelanger Dienstreise auf einige Tage heimgekehrt, erschießt seinen Freund, als er erfährt, dall seine Frau sich diesem seinem Jugendgefährten hingegeben hat. Wieder und wieder erlebter Vorgang. Und hat doch seine Besonderheit wie jedes Einzelerleben. Den Treuebrecher quitt -ein Qewissen. Er zermartert sich in dem inneren Widerstreit: wie es geschehen konnte, wie er schuldig wurde, wie er in das Lehen des anderen einbrechen konnte, ist ihm unbegreiflich; denn es geschah in einer Benommenheit der Sinne, wie .Menschen so oft schuldig weiden: man weil! nicht wie. Um dieses Problem ringt er: hört eine Schuld auf, Schuld zu sein, wenn man nicht erklären kann, wie mc über den Menschen gekommen ist. Nicht ich allein, auch sie, die ihn anklagen könnten, tragen solche Schuld, zu der sie kamen, man weiß nicht wie. Ihm ist es unerträglicher (iedanke, dall er wegen dieses Unerklärbaren straflos bleiben dürfe. So enthüllt er, unmittelbar, bevor der Seemann wieder davon/ieht, die Tat und ruft dadurch selbst die Strafe hervor, die er als notwendig empfindet. — Wie Pirandello die Verworrenheit der Gedanken im Dialog sich spiegeln läßt, um sie erst allmählich ZU entwirren und Traumhaftes und Wirkliches als Traum und als W irklichkeit auseinander/ustellen, das ist eine künstlerische Form von großem Reiz: sie schafft eine Spannung, die der Entwicklung der inneren Vorgänge in gleicher teilnähme wie äußerem Ablauf von Lebensvorgängen folgt. Zweigs Übertragung, im I inverständnis mit dein Dichter aus dem italienischen Original-Manuskript noch vor dessen Veröffentlichung besorgt, zeigt die starke Einfühlung in die italienische Dichtung. c. „Aliiah". Informationen für Palästina-Auswanderer. Die 7. Auflage der Broschüre, die Mitte April in einer Auflagenhöhe von 5000 Stück erschien, ist in sechs Wochen restlos ausverkauft worden. Diese Tatsache zeugt stärker als tUes andere von dem wachsenden Interesse weitester Schichten der Juden in Deutschland für die Tatsachen und Probleme Palästinas. Die „Alijah" ist durch die Zuverlässigkeit und Genauigkeit ihrer Angaben, die nicht nur über Fragen der Auswanderung, sondern auch über alle Gebiete des palästinensischen I ebens unterrichten, für Palästina-Wanderer und Touristen und darüber hinaus für alle diejenigen, die sich über Palästina sachlich informieren wollen, eine unentbehrliche Hilfe geworden. Die überraschend starke Nachfrage hat das Palästina-Amt veranlaßt, die 7. Auflage in einem Neudruck erscheinen H lassen, der in ein/einen Punkten ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht worden ist. Jüdischer Sport. (Von unserem ständigen Berichterstatter D e k a.) Nun stehen wir auch in Leipzig schon mitten in der Leichtathletik-Saison. Am Sonntag kamen auf dem „Bar Kochba" Platze die Bezirksmeisterschaften zur Durchführung, Sportler der Makkabi- Vereine Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau, Halle, Gera und Weißenfcls rangen um Sieg und Ehre. Man merkte bei der ganzen Durchführung, daß alte Routiniers des hiesigen „Bar Kochba" hier am Werkewaren, denn die Organisation klappte vorzüglich, so daß die einzelnen Kämpfe fast auf die Minute pünktlich abgewickelt werden konnten, und das will bei der Vielseitigkeit der Sportarten und der großen Zahl der einzelnen Jahrcsklassen sehr viel heißen. Es ist natürlich schwer und unmöglich, hier nun alle Ergebnisse einzeln aufzuführen, es seien darum nur die wichtigsten Resultate angegeben. (Die vollständige Aufstellung folgt am Schluß dieses Berichtes.) Die große Entdeckung war sicher die kleine Hallenserin Simon, ein Mädel von kaum 14 Jahren, das 1,45 m weit sprang und 1U0 m in 14,5 Sek. lief. Ebenso überragend war der 800 m-Lauf des jugendlichen Silbennann-Dresden in 2,15,2 Sek., und der 38,50 m-Speerwurf des Leipziger Czopeck. Alle Hochachtung vor dein einheimischen „alten Herren" Hoffmann, der für die 100 in nur 12,7 Sek. benötigte, für die jüngere Generation holte sich Mansfeld-Chemnit/ diese Strecke in 11,4 Sek. Daß Frl. Fried-Leipzig ihren Hochsprung sicher nach Hause brachte, wundert weiter nicht, denn wer 2. „Makkahiah"- Siegerin werden konnte, muß schon etwas können. Begeisternd waren weiterhin die beiden 4x100 m-Staffeln der männlichen Jugend, die sich die Leipziger sicher holten, dank der vorzüglichen Leistung von Kattner und Holzer, wobei der letztere vor allem einen fabelhaften Lauf in der Kurve zeigte. Auch die weibliche Jugend „Bar Kochbas" war sich ihrer Verantwortung bewußt, indem auch sie ihre Konkurrenz aus dem Felde schlug. Wenn man von einer Gesamtwertung sprechen darf, so hat der hiesige „Bar Kochba" den Sieg davongetragen, denn von 40 durchgeführten Wettkämpfen konnte er 23 mal als 1. Sieger davonziehen und 21 mal den 2. Platz belegen. Den Abschluß des Tages bildete ein Hand- und Fußball-Spiel einer sächsischen gegen eine schlesische Mannschaft, wobei die Auswärtigen beide Male den Kürzeren zogen. Die Handballer gewannen 6:3 und die Fußballer noch glatter mit 4:0. Das Bemerkenswerteste dieser Treffen war die größere Härte des Gegners, spielerisch jedoch konnte er an die Leistung des Siegers nicht heranreichen. Das Resultat des Fullballkampfes hätte noch höher ausfallen können, wenn der Dresdner Mittelstürmer nicht zu sehr unter Lampenfieber gelitten hätte. Beim Handballspiel kann man immer wieder die Beobachtung machen, daß das Spiel allzusehr auf „Rolle" zugeschnitten ist, so daß er sich dadurch über Mangel an „liebevoller" Bewachung nicht beklagen kann. Das Ganze war ein herrlicher Tag mit viel Sonne und viel Freude über unsere Jugend, aber warum sind es immer nur so wenige, die sich am Spiel und Treiben der Jugend erfreuen und begeistern?! — Auch beim „Schild" war gestern allerhand Betrieb, angefangen bei den „Alten Herren", die gegen eine Firmenmannschaft gewohnheitsmäßig 1:4 unterlagen, gegen diesen Gegner aber immerhin ein recht günstiges Resultat. Die II. Fußballer holten gegen die I.Mannschaft des R.J.I.-Dresden ein beachtenswertes 3:1 heraus, die Elf hat sich in den letzten Spielen wirklich gebessert, nur fehlt dem Sturm noch etwas mehr Schwung. Die beiden Handbaümannschaften zeigten einige fremde Gesichter, mehreren Fußballern gab man Gelegenheit, auf diese Art und Weise einmal tüchtig Lauftraining zu betreiben. Die zweite „Garnitur" mußte trotz dieser Verstärkung eine knappe Niederlage von 4:5 hinnehmen, da zwei ihrer Spieler nach einiger Zeit hinter die Außenlinic geschickt wurden. Die erste Elf dagegen siegte erwartungsgemäß hoch mit 14:1, was wäre aus ihrem Gegner, der ersten Mannschaft der R.J.F.-Sportgruppe-Magdeburg, geworden, hätte sie komplett im Felde gestanden. Die I. Fußballmannschaft pausierte, denn das größte Spiel steht ihr bevor, das Endspiel um die Rcichsmcistcrschaft, das bestimmt in Leipzig zur Durchführung kommt! Ergebnisse der Mitteldeutschen leichtathletischen Bezirksmeisterschaften : Weitsprung: Knaben 23 und später: 1. Kalter, Leipzig, 3,98 m; 2. Kolin, Halle, 3,80 m; 3. Grcnit/cr, l.eip/ig, 3,70 m. — Knaben'21 22: 1. Braun, l eip/ig, 5,08 in; 2. Weinbein, Dresden, 4,51 in; 3. Lipper, Halle, 4,37 m. Mädchen 21,22: 1. Simon, Halle, 4,45 m; 2. Rosenthal, l.eip/ig, 1,22 in; 3. Wydra, Leipzig, 4,09m. — Jugend 17 18: 1. Czopek. Leipzig, 5,02 m; 2. Weinbein, Dresden, 5,59 in; 3. Katzprowski, Dresden. 5,23 m. — Männer: 1. Hirschberger, Dresden, 5,82 in; 2. Wasserlauf, Leipzig, 5,70 in: 3. Mansfeld, (Chemnitz, 5,75 m. Kugelstoßen: Jugend 17 18: 1. Czopek, Leipzig, 11,13 m; 2. A. Heim, Leipzig, 10,57 m; 3. Erlbaum, Leipzig, 10,37 m. — Jugend 19 20: 1. Unger, Leipzig, 10,32 in; 2. Fürstenfeld, Dresden, «,55 m; 3. Holzer, Leipzig, 8,10 m. Speerwerfen: Männer: I. Jacobson, Chemnitz, 39,30 in; 2. Neben/ahl, Leipzig, 38,50 m; 3. Weincr, Dresden, 37,70 m. - Frauen: 1. Jaffc, Leipzig, 22,85 m; 2. Friedländer, Halle, 19,90 m; 3. Wagner, Leipzig, 18 m. —■ Jugend 17 18: 1. Czopeck, Leipzig 38,50 m; 2. Erlbaum, Leipzig, 37,20 m; 3. Heim, Leipzig, 29 m. Hochsprung: Männer: 1. Ooldenberg, Dresden, 1,53 m; 2. Nebenzahl, Leipzig, 1,48 in; 3. Weiner, Dresden, 1,48 m. — Frauen: 1. Fried, Leipzig, 1,33 m; 2. Siclmann, Chemnitz, 1,13 m; 3. Kretzig, Leipzig, 1,13 m. Jugend 17/18: 1. Czopek, Leipzig, 1,48 m; 2. Stisson,

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