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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-06-21 · 25 (21.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
25 (21.6.1935)
Date
1935-06-21
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 21. Juni 1935 tionen und alle Gemeinden des deutschen Judentums zu tätiger Einigkeit hinter ihr stellen. Aus sächsischen Gemeinden Der KulturaUSSChuB der Israelitischen Religionsgemeinde Zwickau i. Sa. veranstaltete am 12. ds. einen Vortragsabend. Herr Dr .Rahinowitz. Leipzig, gab in seinen „1000 Worte Jiddisch" eine wissenschaftlich fundierte und dabei alliierst amüsante Einführung in die Sprache und zeigte an Hand vieler Heispiele ihre Prägnanz, Innigkeit und Schönheit. Er erreichte durch den verbindenden, niemals trockenwerdenden Vortrag, dali die jiddischen Anekdoten und Geschichten, die er frei und ausgezeichnet erzählte, ohne weiteres auch von jedem der Sprache Unkundigen verstanden wurden. Jüdische Zeitschau Die Legende von der Rabbinerversammlung auf dem Prager Judenfriedhof. Die im Schundroman „Biarritz" des Antisemiten □oedsche beschriebene mitternächtliche Versammlung auf dem alten Prager Judenfriedhof ist bekanntlich ein Bestandteil der gerichtlich als Fälschung gekennzeichneten „Protokolle der Weisen von Zion'' geworden. Der von dem Antisemiten Leonhard redigierte „Volksbund-' in Basel hat Goedsches Schauermär vor einigen Monaten aufgegriffen. Es war dort zu lesen von der Rede eines Rabbiners Reichnorn am Grabe des Grolirabbiners Simeon ben Jehuda aus dem Jahre 1869. Auf eine Anfrage der jüdischen Gemeinde in Vevey- Montreux hat nun die Jüdische Gemeinde in Prag folgendes Schreiben gesandt: „P. T. Abraham Lekus, Ministre officiant de la Cominunautc Israelite de Vevey-Montreux, La Tour-de-Peilz. In Beantwortung Ihrer Zuschrift vom 2S. November 1934 teilen wir höflich folgendes mit: Die im Archiv unserer Gemeinde und die bei der jüdischen Beerdigungsbrüderschaft in Prag eingeleiteten Nachforschungen haben ergeben, dali im Jahre 1860 kein Rabbiner Simeon ben Jehuda in Prag gestorben oder beigesetzt wurde, so daß auch keine Grabrede auf dem jüdischen Friedhofe gehalten werden konnte. Weiter wurde festgestellt, daß weder im Jahre 1860, noch überhaupt im ganzen neunzehnten Jahrhundert ein Rabbiner namens Reichhorn in Prag gewirkt hat, und nicht einmal dem Namen nach in Prag bekannt ist. Ebenso wurde festgestellt, daß weder in dem Archiv, noch in der Bibliothek der jüdischen Gemeinde eine Grabrede eines Rabbiners Reichhorn oder eines Rabbiners Simeon ben Jehuda enthalten ist und daß über eine solche Grabrede absolut nichts bekannt ist. Infolgedessen halten wir uns für berechtigt, zu erklären, daß Mitteilungen über eine solche Grabrede und ihren vermeintlichen Inhalt betreffend, erfunden sind. Jüdische Kultusgemcinde-Repräsentanz Prag: Der Präsident gez. Reiner." (JTA.) Pilsudski-Gedächtnisstiftung des polnischen Judentums. Im Großen Saal des Warschauer Jüdischen Gemeindehauses wurde eine Konferenz der Vertreter von 600 jüdischen Gemeinden Polens eröffnet, die zu dem Zwecke einberufen worden war, eine Einrichtung zum dauernden Andenken an Marschall Josef Pilsudskis ins Leben zu rufen. Die Konferenz wurde mit einem Gedächtnisgottesdienst eröffnet, bei dem das Li mole rachamiisi rezitiert und Ansprachen von dem Vorsitzenden der Warschauer jüdischen Gemeinde, Elia Mazur, von dem Abgeordneten Rabbiner Lewin, Professor Mayer Balaban und dem Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Journalisten Dr. Gottlieb gehalten wurden. An den Präsidenten der Republik, Professor Moscicki, urdc eine telegraplüsche Trauerkundgebung gesandt Nach lebhafter Aussprache wurde die Konferenz mit der Wahl eines aus HO Mitgliedern bestehenden Zentralkomitees geschlossen, dal seinerseits eine Exekutive zur Durchführung der Gedächtnisaktion einsetzen soll. Eine stundenlange heftige Debatte wurde um die Eingliederung der von den polnischen Zionisten eingeleiteten Aktion zur Pflanzung eines Pilsudski-Waldes in Palästina in die Qesamtaktiou des polnischen Judentums geführt. Die Vertreter der Aguda nahmen hierbei entschieden gegen den Keren Kajemeth Stellung. Es wurde beschlossen, zwei Gedächtnisstiftungen, eine in Polen und eine in Palästina, zu errichten. Dem Komitee gehören die Vertreter der (iroßgemeinilen, der Aguda und der Kriegsteilnehmer an. Die Vertreter des Zionistischen Zentralkomitees für Polen erklarten, dem < iedächtnUkoinitee solange nicht beitreten zu wollen, als eine Verständigung über die Verwendung der für Palästina bestimmten Hälfte des Stiftungsfonds für den Pilsudski-Wald des Jüdischen Nationalfonds nicht erzielt sein würde. Dagegen haben andere zionistische Gruppen, die glauben, daß es in dieser Frage /u einer Einigung kommen wird, dal Komitee beschickt. (JTA.) Zehn Jahre Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. I nde Juni feiert der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden sein lOjihriges Bestellen. Der Landesverband ist bereits im Jahre 1922 gegründet worden, jedoch traten seine verfassungsmäßigen Organe erst im Jahre 1925 in Wirksamkeit. Seit dieser Zeit amtieren ununterbrochen als Präsident des Landesverbandes, KammergerichtBrat i. R. Leo Wolff, und als Vizepräsident Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee. Durch seine umfassende Fürsorge für die kleinen Synagogengemeinden in der Provinz hat der Preußische Landesverband hervorragenden Anteil an dem Fortbestehen und der Fortentwicklung jüdischen Gemeindelebens. Auf seinen Haupttitigkeftsgebieten: Einrichtung von Bezirksrabbinaten, Unterhaltung von Lehrern und Institutionen für den Religionsunterricht, Zuschüsse für die Unterhaltung der kulturellen Einrichtungen kleiner Gemeinden sowie seine Kulturfahrten hat er gerade in den letzten Jahren große Erfolge aufzuweisen. In den letzten Monaten haben sich ihm verschiedene außerpreußische Gemeindeverbände angeschlossen. (JTA.) Zahl der jüdischen Schüler. Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung veröffentlicht unter dem 5. April 1935 (RMüiAmtsbl. S. 118) eine Statistik über die höheren Lehranstalten in Preußen nach dem Stand vom 1. Mai 1931. Die (ie samt zahl der Schüler an den öffentlich e n höheren Schulen in Preußen betrug danach 355302 Schüler, davon 240492 Knaben und 114S70 Mädchen; auf den privaten höheren Lehranstalten wurden 5037 Knaben und 35781 Mädchen, zusammen 40821 Schüler gezählt. Auf den privaten und öffentlichen höheren Schulen insgesamt wurden 245529 Knaben und 1501)54 Mädchen, zusammen 39b 183 Schüler gezählt. In der Statistik befinden sich auch eingehende Angaben über das Religionsbekenntnis und die Rastezugehörigkeit der Schüler. Unter den reichsdeutscheu Schülern waren auf den öffentlichen und privaten höhereu Schulen in Preußen insgesamt 382145 Arier, davon 237997 Knaben und 144148 Mädchen. Die Nichtarier wurden entsprechend den Bestimmungen des Schulgesetzes vom 25. April 1933 (RGBl. I, S. 225 — s. a. Inf Hl. 1933 Nr. 2 S. 5) aufgeteilt in Nichtarier mit arischem Einschlag (Halbarier), Kinder von Frontkämpfern und „sonstige". Nichtarier mit arischem Einschlag waren auf den öffentlichen höheren Schulen in Preußen 1359 Knaben und 1073 Mädchen, zusammen 2432 Schüler,?.u( den privaten Lehranstalten 14 Knaben und 208 Mädchen, zusammen 222 Schüler auf den öffentlichen und privaten Lehranstalten in Preußen insgesamt 1373 Knaben und 1281 Mädchen, zusammen 2()54 Schüler. Nichtarier als Kinder von Frontkämpfern wurden auf den öffentlichen höheren Lehranstalten 2487 Knaben und 2009 Mädchen, zusammen 4490 Schüler, auf den privaten höheren Lehranstalten 145 Knaben und 446 Mädchen, zusammen 591 Schüler, in Preußen insgesamt 2032 Knaben und 2455 Mädchen, zusammen 5087 Schüler, gezählt. „Sonstige Nichtarier" waren auf den öffentlichen höheren Lehranstalten 1563 Knaben und 1125 Mädchen, zusammen 2088 Schüler, auf den privaten höhereu Lehranstalten 132 Knaben und 1409 Mädchen, zusammen 3104 Schüler. Den 382145 reichsdeutschen arischen Knaben und Mädchen auf den höhereu Schulen stehen also 10845 nicht arische Schüler aus den drei genannten Gruppen gegenüber. Dazu kommen noch 3193 Ausländer, bei denen eine Feststellung der Rassezugehörigkeit nicht stattgefunden hat. Das Hauptkontingcnt au Nichtariern stellt Berlin; hier wurden gegenüber 65505 arischen Knaben und Mädchen, die die höheren Lehranstalten besuchen, 641 Knaben und 580 Mädchen als Nichtarier mit arischem Einschlag, 839 Knaben und 783 Mädchen als nichtarische Kinder von Frontkämpfern, 040 Knaben und 509 Mädchen als „sonstige Nichtarier" gezählt; insgesamt besuchten danach 4004 Nichtarier in Berlin die höheren Schulen. Die zweitgrößte Beteiligung von Nichtariern auf den höheren Schulen weist Hessen-Nassau mit 1805 nichtarischeu Schülern auf, sodann folgt die Rheinprovinz mit 1014 Nichtariern. Dem Religionsbekenntnis nach waren auf den öffentlichen höheren Schulen in Preußen jüdisch 4355 Knaben und 3421 Mädchen, zusammen 7770 Schüler, auf den privaten höheren Schulen 477 Knaben und 808 Mädchen, zusammen 1345 Schüler; insgesamt wurden also auf den öffentlichen und privaten höheren Schulen Preußens 4832 Knaben und 4289 Mädchen, zusammen 9121 jfidische Schüler gezählt, die sich auf die einzelnen Provinzen wie folgt verteilen: Berlin 3294, Hessen-Nassau 1693, Rheinprovinz 1433i Niederschlesien 745. Westfalen 443, Hannover 351. Oberschlesien 284, Ostpreußen 264, S'achsen 211, Brandenburg 169, Pommern 167, Schleswig-Holstein 44, Grenzmark 23. Betr. Einsendung der Manuskripte! Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Manuskripte, die zur Veröffentlichung im Gemeindeblatt bestimmt sind, bis auf weiteres an: Israelitische Rcligionsgemeinde, Walter-BIUmel-Str. 10, mit dem Vermerk „Gemeindeblatt" zu richten sind. Amtliche Bekanntmachungen. An die Besucher der Gemeindesynagoge. Allgemein bekannt ist, daß die für den Gottesdienst in unserer Gemeindesynagoge eingeführten, von Goldschmidt und von Joel bearbeiteten Gebetbücher im Buchhandel vergriffen sind. Viele Gemeindemitglieder werden sicherlich noch im Besitz von mehreren nicht benötigten Stücken dieser Gebetbücher sein. Es würde vielen Synagogenbesuchern, die nicht im Besitz eines Gebetbuches sind, ein großer Dienst erwiesen werden, wenn ihnen solche überzähligen Stücke zur Verfügung gestellt würden. Es wird daher gebeten, diese Bücher zur Weitergabe im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straße 101, abzuliefern. Auf Wunsch werden die Bücher auch nach vorherigem telefonischen Anruf unter Nr. 23602 abgeholt. Leipzig, den 28. Mai 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Erlöschen einer Aufsicht. Die rituelle Aufsicht unseres Gcmcindcrabhinats über den Mittagstiscb von T. Hochmann, Katharincnstraße 181, ist erloschen. Leipzig, den 18. Juni 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.

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