Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 25 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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"6.3a Auflage 4100 Stück t DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEM&INDE ZU .«pzig AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« Schrlftleltung i Oemeinderabbiner Gustav Cohn Leipzig Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung de» Verlassera gestattet Nummer 25 - Jahrgang 11 21. Juni 1935 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipzig 0 5, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der WerkgemeinschaFt, Leipzig C I. Reichsvertretung der deutschen Juden und ihre Arbeit. Gelegentlich der AnnchuBtitzung des Sächsischen Israelitischen Oemeindcverbands, über die wir in unserer Ausgabe vom 31. Mai berichtet haben, machte als Vertreter der Reichsvertretung der deutschen Juden, Herr Dr. Lilicnthal, sehr interessante Ausführungen über die wichtigsten Probleme und Aufgaben, an denen die Reichsvertretung Z.ZI arbeitet. Er führte etwa folgendes aus: Die Reichsvertretung der deutschen Juden geht in ihrer Arbeit von dem Orundsatz aus, aus sorgfältiger Erkenntnis der Oegenwarts- Situation diejenigen praktischen Aufgaben in Angriff ZU nehmen, die der Existenzerhaltung des deutschen Judentums und der Schaffung von Lebensmöglichkeiten für die heranwachsende (icneration dienen. Das Obermali von Arbeit, das die Gegenwart bietet, lällt keine Zeit und Kräfte frei für unfruchtbare Zukunftsprophczciungcn. Die Faktoren, von denen die Gestaltung der Zukunft des deutschen Judentums abhängen, sind tu vielgestaltig und in ihren Wirkungen EU schwer bestimmbar, als dal! man es wagen könnte, genaue Voraussagen zukünftiger Entwicklung an geben. Den Tatsachen natürlich, die sind, muH die Arbeit des deutschen Judentums Rechnung tragen. Fruchtbare Arbeit kann nur auf dem Hoden der gegebenen und klar überblickbaren Tatsachen geleistet werden. Von entscheidender Bedeutung ist die Haltung des deutschen Judentums selbst. Das Qebot der Würde und die Rücksicht auf eine schwierige Situation sollte den Ein/einen unter uns, aber auch alle Stellen des (icmcinschaftslcbcns, Ol höchster Zurückhaltung im öffentlichen Auftreten veranlassen, wie sie von der Reichsvertretung immer wieder gefordert worden ist. Daneben ist Einigkeit das Gebot der Stunde. Die Arbeit der Reichs Vertretung verwirklicht den Oedanken der einigen Geschlossenheit des deutschen Judentums. In einer Stunde der Not ist keine Zeit für innerjüdische Auseinandersetzungen. Wir wissen, dalt in jeder Gemeinschaft /u Recht ein Ringen um die Führung bestellt, aber wir bedauern es, wenn solche Auseinandersetzungen vor gröBter Öffentlichkeit stattfinden. Ein gedeihliches Zusammenwirken aller (iruppen des deutschen Judentums wird allerdings am leichtesten dann erreicht werden können, wenn nach dem Vorbild der Rekhsvertretung in allen stellen jüdischen Gemeinschaftslebens eine wirkliche Zusammenarbeit aller erreicht wird, die jedem, der dem Judentum ZU dienen bereit ist, volle Schaffensmöglichkeit sichert. Die wichtigste Aufgabe, die uns gestellt ist, ist die Fürsorge für die heranwachsende (icneration. Unser jüdisches Schulwerk hat Tausenden jüdischer Kinder eine Erziehung im jüdischen (leiste gesichert. Die jüdische Schulbildung muH in stärkster Weise die (iegebenheUen einer gewandelten l.ebenssituation berücksichtigen, d. Ii.: sie muH Menschen erziehen, die dem völlig veränderten Lebensweg, den die jüdische Jugend von heute gehen muH, gewachsen sind. Das jüdische Schulwerk wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung ge- Jüdische Schulen Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß das Schulgeld jeweils bis zum 5. eines Monats an die Schulkasse gezahlt werden muß. Dies gilt auch für die Ferien. Das Schulgeld für den Monat Juli ist also bis zum 5. Juli 1935, das Schulgeld für den Monat August bis zum 5. August 1935 pünktlich zu zahlen. Im eigenen Interesse der Eltern unserer Schülerschaft erfolgt dieser Hinweis, da die Kinder, für welche das Schulgeld nicht pünktlich bezahlt ist, nach den Ferien nicht zum Unterricht zugelassen werden. Außerdem werden Rückstände zwangsweise beigetrieben. Leipzig, den 18. Juni 1935 Der Vorstand des israelitischen Schulvereins Leipzig e. V. "—^^^^—^^—^—mm^^^^^m^^^m^^^^^^^^^^^^^^^^^^^—^^^^^^*^^^^*^^^^^^^^^^ Winnen. Noch lälit sich nicht überblicken, wie die Lastenverteilung des zukünftigen Schulwerks in seinen Beziehungen EU staatlicher Aufsichtsinstanz und den jüdischen Zentralstellen und Gemeinden sich gestalten wird. Heute kann nur so viel gesagt werden, dal! unsere jüdischen Gemeinden die Förderung des jüdischen Schuhwerks als eine ihrer wesentlichsten Aufgaben betrachten müssen. Das Bekenntnis /um Gedanken der jüdischen Schule ist langst eine Forderung des gesamten deutschen Judentums ohne Rücksicht der Richtung geworden. Neben der Schule haben die Jugendbünde eine ständig steigende Bedeutung für die heranwachsende Generation bekommen. Ihre I örderung durch alle jüdischen Stellen ist eine Notwendigkeit W enn Wünsche nach Stärkerei Intensivierung religiösen Lebens der Bunde laut geworden sind, so muH Klarheit darüber herrschen, dal! eine Beeinflussung der Bünde nur mit verständnisvollstem Eingehen, nicht durch Zwang von auBcn, erlolgen kann. Die Hinwendung unserer Jugend EU handarbeitenden Berufen ist unbedingt EU bejahen. Jede Ausbildung aber ist unter dem Gesichtspunkte zu prüfen, dal! sie den Menschen, der durch sie erzogen wird, in die Lage versetzt, hier, aber auch überall in der Welt, seinen Beruf mit Sachkenntnis und Aussicht auf Erfolg auszuüben. In der Ausbildung für jeden Beruf ist die beste Schulung gerade noch gut genug. Leitwort aller gemeinsamen Arbeit muH heute das Bekenntnis zu gemeinsamem Schicksal und gemeinsamer Zukunftswille sein. Alle Unterschiede der Richtung, so wesentlich sie sonst sein mögen, verlieren gegenüber dieser zentralen Forderung an Bedeutung. Die geschlossene Einheit des deutschen Judentums für eine tatkräftige Bewältigung von Oegenwarts- und Zukunftsaufgaben einzusetzen, ist die vornehmste Aufgabe der Reichsvertretung der deutschen Juden, die sie nur lösen kann, wenn alle Kreise und Schichten, alle Organisa-