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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-06-14 · 24 (14.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
24 (14.6.1935)
Date
1935-06-14
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 14. Juni 193i Stefan Zweig, Maria Stuart. Herbert Reichner Verlag, Leipzig C1, iM3ä. Preis 7.3i► UM. tragisches Schicksal eines Menschen auf weithin sichtbarem Platz regt immer wieder die Dichter zu künstlerischem Schaffen an. Dir unglücklichen Schottenkönigin Maria Stuart schweres Qeschick ist rti ihren Lebzeiten und nach ihrem rode immer wieder von Dichtern neu gestaltet worden. Gedichte, Dramen, Legenden in seltener Zahl ranken sieh um ihr Leben und Wirken. In der knappen Spanne ihres Lebensglücks, ihrer Königinnenzeit in Frankreich war sie Scnützerin und 1 örderin aller schönen Künste. Als sie I rankreich verläßt, mit allem Pomp, der einei Königin gebührt, handeln die Höflinge, die ihr das Geleit gehen, nach ihrer konventionellen Pflicht. Iraner und Wehmut aber empfinden die Dichter Frankreichs, die ihr Leben und Scheiden noch besingen, nachdem alle andern sie vergessen haben. In den Jahren ihres harten Selbstbehauptungskampfes in Schottland, den Jahrzehnten ihrer Gefangenschaft in England, sind es immer wieder die musischen Naturen, welche die Iragik ihre- Lebenanzieht. Unruhevolles Schicksal ließ sie Zeit ihres Lebens im Streit der Meinungen stellen. Viele Menschen haben ihr Leben für sie hingegeben, viele andere haben sie mit allen .Wittein vernichten wollen .So i-t ihretwegen viel Blut geflossen. Nach ihrem I oile setzte ein literarischer Kampf für und wider Maria Stuart ein, der bis heutigen l ägenicht aufgehört hat. Haid wird sie als Märtyrerin, bald als ränkesüchtige, hemmungslose Intrigantin geschildert Ihr verworrenes Schicksal lockt naturgemäß auch den I orschertricb des Wissenschaftlers. So häuft sieh Literatur auf Literatur. Stefan Zweig ist in seinem neuen, dickbändigen Buch „Maria Stuart" aus gründlicher Kenntnis dieser Literaturfülle zu einem leidenschaftlichen Verteidiger der schönen Schottenkönigin geworden. Seine meisterhafte Sielenanalyse lallt Verständnis für Maria Stuart empfinden, selbst in den verhängnisvollsten Stunden ihres Daseins. Er beschönigt nichts, er bestreitet nicht ihre Mitschuld an dem Mord ihres /weiten datteii Darnlev, er glaubt sogar, im Gegensatz zu manchem l orscher, an die selbstverräterisehen Kassettenbriefe. Und trotz dieser Zugeständnisse ist sein Buch eine flammende Verteidigungsschrift für die unglückliche, durch Schicksal in Leidenschaft und Verbrechen hineingezogene Königin. Unheimlich liegt über diesem Buch die Macht höherer Fügung, die den Charakter des Menschen formt, die ihn selbst blind, dem aullenstehenden Beobachter aber so klar ersichtlich, in sein Verhängnis unweigerlich hineintaumeln läßt Das Schicksal Maria Stuarts ist bekannt, durch seine Tragik schon in nüchternster Erzählung voller Spannung, durch Stefan Zweigs meisterhafte Gestaltungskraft, die vor allein alle seelischen Vorgänge so stark miterleben lälit, mitreißend. Maria Stuart ist ein Beispiel für viele; er schildert die Schwere eines I ürstenschicksals. Sie darf niemals Mensch mit menschlichen Empfindungen sein. Als Kind wird sie verheiratet, Objekt der politischen Interessen ihres Landes. Immer, wenn sie sie selbst sein will, wenn sie sich ihres Lebens erfreuen, ihre Schönheit und Jugend genießen will, entgleitet ihr ein Stück ihres Lebensglücks. Triumphierend bleibt ihre kalt abwägende Oegen- Spielerin Elisabeth, aber doch nur zu Lebzeiten, denn da- Urteil der Geschichte, vor dem Elisabeth immer so gebangt hat, ist anders. I - sieht -ie, wie sie w ar, und verherrlicht und verklärt ihre Gegnerin. Was zieht uns als jüdische Menschen an diesem Buche so stark an? Nicht nur die Lrzählcrkun-t des Autors, nicht nur die Spannungsreiche Handlung, sondern der unserem jüdischen Empfinden so nahe, leidenschaftliche Gerechtigkeitsdrang, da- Mitleid mit einem in -ein Schicksal verstrickten Menschen. Stefan Zweig hat schon einmal, in den „Augen des blinden Bruders",ein hohe- Lied der Gerechtigkeit geschrieben. Seine Rechtfertigung für die umstrittene Schottenkönigin ist augleichem Geist. EL C. Frieda WciUmann: Schahhos. 2. Auflage. Frankfurt a. M. 1935 (J.Kauffmann Verlag). Kart. HM. I.D. Die Tatsache, daß dieses Büchlein eine 2. Auflage erleben darf, i-t Beweis genug für den grollen Lrfolg. den es gefunden hat. Bei 4% Sommerpreise nur no* im iuni *% Ä P. PORGES A IKaiser-Wilhelm-Straße 43 — — Telefon 31063 I Stadtlager Moltkestraße 24 Ecke Kaiser Wilhelmstraße Koks - Briketts - Anthrazit Brennholz I Konzertv., herrsdi. Haus, zwei schöne Wohnungen, sofort oder später: Hauptmannstr. 10,1. 6 Zimmer, 2 große Wohnver., Zubehör, 16U RM. monatl., evtl. m. Nachl.; Helfferichstr. 11,111,1. 5'/2 Zimmer, Zubeh., 130 RM. monatl., evtl. m. Nachlaß. Besichtig, durch Hausm. Münch. Näh. dch Bes. Telefon 23317. 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Neue Veröffentlichungen der Jüdischen Buchvereinigung. Die Jüdische Bucliveieinigiuig teilt mit: Die nächste Veröffentlichung der Jüdischen Buchvereinigung, der /weite Band des Romanvon Jakob Wassermann „Josef Kerkhovens dritte Existenz", wird den Mitgliedern Mitte Juni zugehen. Da eine grolle Anzahl der Mitglieder den ersten Band dieses Werkes nicht erhalten haben, er aber auch nicht nachgeliefert werden kann, bieten wir ihnen die Selbstbiographie des bekannten /ionisteiifuhrers Schmarja I evin Denkt an die jüd. Handwerker! Der Verein seimtflnd. IM» HondwerKer bittet bei Vergebung von Aufträgen seine nachfolgenden Mitglieder zu berücksichtigen Geschäftsstelle: Max Singer, Uhrmacher, Plauensche Str.2 Tel.27327 Modistinnen Tat. 241 25 Hilda Oriin-Hcrzhcrg. Promenadt-iistr. 9 Klara Korn, No!dslralk- 41 Möbelladtlerer Cli. Vngelhut, Nordslr. 2?, Tel. 21835 Neon-Leuchtreklame Alfred Mntcattblatt, Ranttldtcr Stcimveg 12 Tel. Buchbinder J. 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