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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-05-24 · 21 (24.5.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
21 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 24. Mai 1935 teten Sammlungen der Synodalbestimmungen bemühen sich, eine mittlere Linie einzuhalten und alle Gehässigkeit zu unterdrücken. Ein wirtschaftlicher Qegensatz ist nicht vorhanden; es entwickelt sich eine gewisse Interessengemeinschaft /wischen jüdischen und christlichen Einwohnern." Die italienisch-jüdische Familie Kalonymos wünscht, sich in Main/ niederlassen /u dürfen, der Bischof Huozman von Speyer glaubt das Ansehen dieser Stadt durch Zuziehung von Juden „tausendfach" zu erhöhen. In Main/ lehrt R. Qerschom b. Jehuda; aus der Schule der Stadt Worms, deren Synagoge 1034 erbaut ist, geht R. Salomo b. l/.chak, unser Raschi hervor. (Schluß folgt.) Jüdische Zeitschau 15 Jahre Verband bayrischer israelitischer Gemeinden. Der Verband bayrischer israelitischer Gemeinden besteht am 20. April fünfzehn Jahre. Aus diesem Anlaß veröffentlicht sein Vorsitzender, Oberlandesgerichtsrat a. I). Dr. Alfred Neumeyer, in der „Bayerischen israelitischen Qemelndezeitung", dem Organ des Verbandes, einen Aufsatz, in dem er Werden und Arbeit des Verbandes schildert. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit SteuergewaH umfaßt ihr Verband die Gemeinden des rechtsrheinischen Häverns und du- Pfalz mit rund 10000 Seelen. (1920 waren es 50000.) Der Verband sieht einen großen Teil seiner Aulgaben darin, die Landgemeinden mit kleiner Seelenzahl zu erhalten, lir hat den Rabbinern und Lehrern und ihren Angehörigen auskömmliche Gehälter, Ruhegehalts- und Hinterbliebenenbezüge geschaffen. Die Ausgaben für Wohlfahrtspflege und aiulere kulturelle I eistimgen betrugen i. J. 1934 05 Ol Hl R.W. W eiter hat der Verband ein I aiulessiechcnhcim in Würzburg errichtet; der Bestand der dortigen Lehrerbildungsanstalt beruht im wesentlichen auf seinen Zuwendungen. Der Verband ha! die Oeschichte des Landes in ihren Beziehungen zu den jüdischen Niederassungen erforscht und die Zeitschrift für die Geschichte der Juden .1 Deutschland mit inleben gerufen. Er hat Gotteshäuser und andere Kulturdenkmäler erhalten und wiederhergestellt. Oberlandesgerichtsrai Dr. Neumeyer hebl in seinem Aufsatz weiter hervor, wie sehr der Verband und die unter seiner Führung Stehenden süddeutschen Verbände eine feste Stutze der Reichsvertretung der deut- SChen Juden bilden. Immer sei auch innerhalb des Verbandes das Trennende zurückgestellt und das Gemeinsame betont worden. Heute ergehe an uns, so fahrt Dr. Nciuncyer fort, die I rage des Propheten: „wird Dein Herz festbleiben und Deine Hand stark in den lagen, die ich Dir schicke?" Ehrfürchtig meinen wir, daß wir in diesem Sinne gearbeitet haben. W ir haben den Gemeinschaftsgedanken gepflegt. In seiner Auswirkung wollen wir jetzt die Gemeinden in Besonderem Maße durch Rai und Tat und seelisch stützen. Wir wollen mit unserem ganzen Denken und Fühlen uns mit den aufbauenden Kräften verbinden. Wir wollen die jüdischen Schulen fördern und in öffentlicher I ürsorge für die Zukunft unserer Kinder alletun, was nur in unseren Kräften steht. Wir wollen in gleicher Weise sorgen für die, welche eine neue Heimat auf dem Hoden der V in linden und die, welche der alten Scholle im deutschen Vaterlande anhängen. Wir wollen uns vor Augen halten, daß das Judentum zu seinem bescheidenen Teil dazu berufen ist, die Oberzeugung von der geistigen Welt in den neuen Morgen hinüberzutragen und hier die höchste sittliche und religiöse Kraft zu entfalte... . Wir wollen das Bekenntnis erneuern, aas wir vor fünfzehr Jahren in Nürnberg abgelegt haben: Wir wollen uns vereinigen, dem Ganzen zu dienen mit aller Kraft, wir wollen unsere Ligenart pflegen und zu unserem Teile damit beitragen zur allgemeinen Bildung. Gesittung und Religiosität, wir wollen helfen in aller Not, wir wollen standhalten im Geschehen der Zeit." Aus sächsischen Gemeinden. Die Bevölkerungsbewegung unter den Juden Dresdens im Jahre 1934. Von der Israelitischen Religionsgemeinde in Dresden werden Zahlen bekanntgegeben, die ein ergänzendes Bild über die bisher veröffentlichten Ziffern ihr jüdischen Bevölkerungsbewegung i. J. 1934 geben. Die Gemeinde Dresden zahlte als Bezirksgemeindc i.J. 1933 4675 jüdische Seelen. Die Zahl der Geburten für das Jahr 1934 betrug 19, genau wie im Jahre 1933. Gibt diese geringe Zahl der Geburten bei einer nach lausenden zahlenden judischen Bevölkerung i inen Begriff von der Bevölkerungssituation der Juden besonders in den größeren Gemeinden, so wird diese Lage noch deutlicher, wenn man dei Anzahl der Geburten die Sterbefälle gegenüberstellt. Im Jahre l'ül starben in Dresden <>l Juden (1933: 66). Im Jahre 1944 wurden 12 ITauungen vorgenommen (1933: 10). Auffällig ist die hohe Zahl der Austritte, die i J. 194 i 22. betrug (1933: 51). Nach dem Verwaltungsberichl der Gemeinde handelt es sich hierbei fast ausschließlich um Menschen, die bisher um ihre formelle Zugehörigkeit zum Judentum, z. IS. bei Abstammung aus Mi-i liehen, gelbst nicht gewußt hatten, und durch die I rklarimg ihres Austritts nur eine Formalität nachholen; weiterhin fallen darunter früher zum Judentum ubergetretene Witwen judischer Ehemänner, die nunmehr zu ihrem alten Glauben zurückgekehrt sind. Austrittställe der früher üblichen Art sind in den Jahren 1933 und lüil so gut wie ganz verschwunden. Die Zahl der Wiedereintritte in das Judentum betrug 13 (1933: 1). Zum Judentum übergetreten sind i. J. 1941 7 Personen (1941: 8). Unsere Gemeinde. Palästina-Film: „Land der Verheißung". Der erste Original- Tonfilm „Land tl e t Verheißung", der aus Palästina /u uns kommt und in Leipzig am Sonntag, den 2. J u n i, aufgeführt wird, ist für die jüdische Öffentlichkeit ein Ereignis von ganz besonderer Bedeutung. Zum ersten Male werden wir einen Film vor uns haben, der in jeder Hinsicht den Ansprüchen genügt, die man an grolle Kulturfilme zu stellen gewohnt ist. Im Auftrage des Keren Rajessod wurde der Film von Mai bis Juni 1941 von der Fox- Movietone New York in Palästina aufgenommen. Während der gesamten Aufnahmezeit und Bearbeitung des Films hat der Keren Haiessoil die Herstellung überwacht und geleitet. Die hervorragende technische Arbeit der amerikanischen Gesellschaft hat sich so in ausgezeichneter Weise mit der Sachkenntnis des jüdischen Menschen verbunden. Unterstützt wird die Gesamt Wirkung von einer jüdischen Musik, die eigens für den Film komponiert wurde. Hier wird also der Tonfilm gezeigt, der in kimstierischer Form eine wirkliche Kenntnis von dem Aufbauwerk des werdenden Lrez Israel vermittelt. Einführung zum Kammermusikabend des Kulturbundes. Das Mendelssohn-Trio spielt drei verschiedene Kaminerniiisikwei ke. Zwischen den beiden ernsten romantischen Werken in Moll-T mart von Mendelssohn und Tschaikowsky, steht der Klassiker Mozart mit dem sonnigen G-dur-Trio. Im C-moll-Klaviertrio op. 66 von Felix Mendelssohn-Bartholdy baut sich der erste Satz „AllegTO energico" auf zwei Mollttiemen, die in ihrer Gestaltung und Durcharbeitung zu starken Höhepunkten fühlen. Der „Andantc"-Satz besitzt reizvolle Stimmungsbilder, die mit den Liedern ohne Worte verglichen werden können. Das „Scherzo" ist trotz der Molltonart entzückend pikant und sprühend gehalten. Der letzte Satz „AllegTO appassionato" ist groll und breit angelegt, fuhrt aber von schwermutigen Themen zu einem freudigen Ausklang. Das Q-dur-Klaviertrio (Kochel 564) von W.A.Mozart ist leicht beschwingt und von losem Formenaufbau. Die fließenden Themen des Allegro-Satzes wie auch Thema und Variationen im Andante- Satz sind im volkstümlichen Gesangton durchgeführt. Ein fröhliches, im Tanzcharakter gehaltenes AUegretto beschließt das I rin. Peter I. Tschaikowsky gehört zu den gefeiertsten Komponisten Rußlands. Lr komponierte in allen Gebieten der Musik, Opern, Sinfonien, Kammermusik- und Chorwerke, Lieder und Werke für einzelne Instrumente. Im A-moll-1 rio op. 5(1 spricht wie in allen seinen Werken, der echte Vollblutmusiker zu uns. Lr schildert die Leiden, Schmerzen und Entsagungen, aber auch die übersprudelnde, sorglose Fröhlichkeit des russischen Volkes.. Die traurigen slawischen Themen und wiederum die leidenschaftlichen Durchführungen des ersten Satzes zeigen uns das am deutlichsten. Im zweiten und dritten Satz führt er Variationen durch, die voller Melancholie und glühender Leidenschaft sind. Immer wieder tritt das wehmütige traurige Motiv des ersten Satzes auf und lälit darin das Werk BUSklingen. tt. Mitteilungen des C.-V.-Syndikats. Staatsexamen für M e - dizinstudterende. Aul wiederholte Rücksprachen des C.-V.- Syndikus im Sachsischen Volksbildungsministerium wegen der Ausnahmezultssung bei den jüdischen Studierenden der Medizin und Zahnmedizin entschied nach Vorstellungen des Volksbildungsministcriums der Herr Reichsminister des Innern, daß diejenigen Studenten und Studentinnen, die bereits im Jahre 1942 immatrikuliert waren, zum Staatsexamen zuzulassen sind. Pilsudski-Gedenkfeier. Am Sonnabend, den 18. Mai, dem Tage der Beisetzung Pilsudfkis, fand in der uberfüllten Ex-Chaim-SynagOgC im Beisein des polnischen Konsuls und des gesainten Personals seines Konsulates eine Gedenkfeier statt. Sie wurde umrahmt von Gesängen des Chores und des Herrn Oberkantors Wilkomirski, der das El Mole Rachamim ergreifend zu Gehör brachte. Im Mittelpunkte standen zwei Ansprachen. Zunächst würdigte Herr Ader in polnischer Sprache die Verdienste des Marschalls um den Wiederaufbau Polens. Er schilderte ihn als den Verfechter einer politisch moralischen Idee, dem auch die jüdische Bevölkerung Polens in Treue thre sein Andenken, werde Mitglied. Felix - <;oliimanii - GedachtniMbund Ruf 1*4430 l.vipxig Fuckliofatr. 7

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